Neurodermitis, Cortison und Elidel

mit ziemlichen Entsetzen habe ich gesehen, dass es hier Eltern gibt, die Elidel als Hautpflege, teilweise nur bei trockener Haut (noch nicht einmal ND) anwenden.

Ganz deutlich: Elidel ist erst fuer Kinder ueber 2 Jahren zugelassen und auch NUR wenn Cortison nicht hilft (oder bei Stellen im Gesicht wo man Kortison nicht so gerne anwendet). Der Wirkstoff von Elidel ist so stark, dass es zu einer systemischen (den ganzen Koerper betreffenden) Immunsuppression kommen kann. Eine erhoehte Haeufigkeit von Krebs wurde nach lokalem Auftragen von Elidel beobachtet und seit Maerz 2005 traegt Elidel eine Krebswarnung der amerikanischen Zulassungsbehoerde. Elidel ist immer noch ein sehr wirksames Medikament und sinnvoll fuer aeltere Patienten, bei denen ALLES ANDERE versagt hat, aber es ist keinesfalls eine Salbe fuer Babies und fuer leichte Hautgeschichten.

Viele Muetter nehmen Elidel, weil sie von Kortisongabe Angst haben. Ich kopiere deshalb mal einen Text hierher, den eine Freundin von mir (Aerztin/Pharmakologin) zu dem Thema geschrieben hat. Ich hoffe es hilft jemandem. Wenn ja: weitersagen!

O.k. Cortisontherapie für Anfänger und zum Nehmen der völlig irrationalen Cortisonangst.

Man muss ganz streng trennen zwischen systemischer Cortisontherapie (= Einnahme als Tabletten, Gabe von Spritzen) und lokaler Cortisontherapie (= Cremes, Salben; Inhalate, Nasensprays). Das sind ganz verschiedene Paar Schuhe.

Die Cortisonangst, die immer so verbreitet wird, resultiert vorwiegend aus dem, was man von der systemischen Cortisontherapie gehört hat (und was auch da keineswegs immer zutrifft!) und was auch viele Ärzte leider nicht streng genug von der lokalen Cortisontherapie abgrenzen. Ein paar Beispiele:

1. Cortison macht brüchige Knochen.
Ja, wenn man es lange und in hohen Dosierungen einnimmt (Spritze, Tablette). Nein, wenn man mit modernen Corticoiden inhaliert oder sie als "Schmiere" benutzt.

2. Kinder wachsen nicht ordentlich, wenn sie eine Cortisontherapie bekommen.
Ja, bei langzeitiger, hoch dosierter systemischer Therapie stimmt das, bei Inhalation und "Schmiere" stimmt es nicht.

3. Man wird fett, wenn man eine Cortisonbehandlung macht.
Ja, wenn bei systemischer Therapie über längere Zeiträume Dosierungen oberhalb der so genannten Cushing-Schwelle gegeben werden, entwickelt sich eine Stammfettsucht (kurz zusammengefasst: schlanke Arme und Beine, dicker Bauch und Hintern). Bei lokaler Therapie gibt es das nicht.

4. Die Haut wird papierdünn.
Ja, das gibt es, aber vorwiegend bei falscher Anwendung (zu lange, zu viel, zu starkes Corticoid).

5. Die Hauterscheinungen kommen sofort wieder, wenn man mit dem Cortison aufhört.
Ja, das stimmt, aber nur dann, wenn die Therapie abrupt beendet wird, d.h. von der vollen Dosis auf Null von einem Tag auf den nächsten. Wenn die Behandlung "ausgeschlichen" wird, d.h. die Dosis Schritt für Schritt reduziert wird, bis sie bei Null angekommen ist, passiert das eigentlich nie. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Für viele entzündliche Hauterkrankungen ist eine Cortisontherapie die allererste Wahl. Die modernen Corticoide zur Therapie von Hauterkrankungen gibt es in vier Wirkstärken von schwach bis sehr stark. Man sollte immer mit der niedrigsten Stärke beginnen (richtet sich aber nach dem Befund, schwere Hauterscheinungen werden mit dem sanftesten Corticoid nicht besser) und ggf. die Wirkstärke steigern, wenn kein ausreichender Effekt zu erzielen ist. Wenn man vom Arzt keinen "Ausschleichplan" bekommt, sollte man immer danach fragen, man spart sich Ärger.

Also, keine Angst vor einer indizierten Cortisontherapie. Dazu eine gute Basispflege. Damit bringt man die meisten Neurodermitiden gut auf die Reihe.

LG

Catherina

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Das beruhigt mich jetzt.

Meine Tochter hat nämlich eine leichte Cortisoncreme für ihr Gesicht verschrieben bekommen. Sie hat sehr empfindliche Haut und es tritt immer wieder, an der selben Stelle ein Ekzem auf. Wir haben es mit anderen Cremes einfach nicht in den Griff bekommen. Mein KiA sagte mir dazu auch, dass er mir nie etwas verschreiben würde, was er auch nicht seinen Kindern geben würde. Es wird nun besser. Wir haben aber auch schon einmal apruppt aufgehört und es war wieder da. Jetzt weiß ich auch warum. Langsam aufhören.
Danke für Deinen Artikel

LG
Cathrin und Jorina

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