Wie haben wir es nur damals geschafft erwachsen zu werden?

Hallo,
habe letztens wieder mal mit meiner Oma und meiner Mutter eine Kaffetrinken- Gespräch gehabt. Sie erzählten von "Früher" als ich noch klein war. Es gab keine Tragetücher in denen man den ganzen Tag rum getragen wurde, es gab keine 100 verschiedenen Sorten Baby- Nahrung, es gab keine komplizierte Umstellung auf Beikost, es wurde einfach irgendwann Brei gefüttert, wenn man sitzen konnte, man wurde nach der Mahlzeit kurz getragen (zum Bäuerchen machen) und danach wieder ins Bettchen gelegt, wir mussten auch mal heulen ohne dass gleich jemand angerannt kam. Und trotzdem gab es weniger Allergie-kranke Kinder, weniger ADS, keiner ging zum Osteopathen oder zu irgendwelchen anderen ausgefallenen Ärzte usw.

Und trotzdem wurden wir groß (und soweit ich das für mich beurteilen kann auch ohne bleibende Schäden)

Natürlich macht man sich dann so seine Gedanken darüber...


War diese Zeit besser oder schlechter für die Kinder als heute? Mich würden eure Meinungen hierzu interessieren.

Gruß Claudia (mit Alina und Lorena 4,5 Monate alt, die gerade von mir gefüttert wurden und dann nach kurzem Beschäftigen in den Laufstall zum entspannen/spielen/schlafen gelegt wurden)

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Früher war nicht alles schlecht.

Einige Spätfolgen kann man aber durchaus darauf zurückführen wie wir aufgewachsen sind...so wär es nicht.

Was Allergien und Co angeht...da geb ich dir recht, aber das liegt meist auch daran das Kinder nicht so steriel gehalten (sorry...doof ausgedrückt) wurden wie heut oft.
Kinder haben dreck gefressen, haben mit Tieren gespielt,...sind einfach mit den ganzen Stoffen in Berührung gekommen.

Man muss aussieben...nicht alles von damals ist schlecht, aber auch lange nicht alles gut.

lg Steffi * Kilian

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ich denke einiges war besser...ich muss dazu sagen das man gerade mit zwillingen auch die sachen anders macht als mit einem kind!rumtragen geht da kaum...und schreien müssen sie auch mehr...also als ich gerade in paar wochen war haben meine eltern mich nachts in die küche geschoben,denn dort konnte ich weinen und keinen hats gestört..nach 3 tage hab ich durch geschlafen,...das ist schon krass..Ob ich was von abbekommen habe weiß ich nicht..aber das würde ich nie machen mit mein kleinen..aber ich lass sie auch mal ne weile brüllen,bevor ich gleich hingehe...auch mit dem essen hab ich 6 monate gewartet...ich selbst habe mi 4 monaten brei bekommen...und auf gluten wurde nicht geachtet...naja ich habe eine glutenunverträglichkeit...

aber ich denke einiges war auch gut....

lg yvonne

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wegen der tragetücher, kinderwagen gibt es erst seit etwa 150jahren, vorher waren tragetücher ein ganz normales transportmittel für kinder. also es gab früher sehr wohl tragetücher, bis sie halt vom kinderwagen verdrängt wurden und jetzt in den letzten 20 bis 30jahren langsam wieder auf den markt zurück kommen.

und ich denke, es gibt soo viele menschen, die phsychische probleme haben, gerade in unserer generation und in der unserer eltern, das muss ja irgendwo herkommen und ich würde ganz stark dazu tendieren, das es eben von der behandlung als baby/kleinkind/kind kommt. und es gab auch genug kinder die das z.b. nicht überlebt haben, die bleibende schäden haben durch z.b. falsche ernährung im babyalter.

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Das glaubst du jetzt nicht wirklich oder?
Kann es vielleicht auch sein, dass manche die Wendezeit nicht verkraftet haben weil sie evtl. ihren Job verloren haben? Oder ist das auch auf Mangelernährung zurück zu führen. (Sorry, dass musste jetzt sein)
Jetzt im Ernst, es gibt heute soviele Kinder, die ADHS oder ähnliches haben. Auch von Neurodermitis lese ich hier ganz oft. Was ist denn hierfür die Ursache.

LG, Katrin (die in der DDR aufgewachsen ist und hofft, keinen Schaden genommen zu haben)

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die wende ist ja nun noch nicht solange her.

und mangelernährung hat ja nicht zwangsläufig was mit psychischen problemen zu tun.

adhs gab es früher auch schon, aber der begriff dafür ist glaub ich neu.

und doch das ist tatsächlich so, das die generationen die so aufgewachsenen sind, probleme damit haben. vielleicht nicht jeder einzelne, oder vielleicht ist es auch einigen nicht bewußt. aber so im großen und ganzen gibt es schon viele probleme.

das kinder so abweisend behandelt wurden (alá baby in die küche stellen, alle türen zu, dann stört keinen das schreien) war ja nicht immer so üblich. gerade im zweiten weltkrieg wurde sowas ja sehr publik gemacht. die kinder sollten ja keine so enge bindung zu ihren eltern haben, damit sie empfänglicher für die nazi-propaganda waren.

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Hallo,

woher weisst du denn, ob es weniger Allergiekranke Kinder, weniger ADS (Konzentrationsschwaeche? Was hat das damit zu tun?) oder sonstige Erkrankungen gab?
Was ist denn mit den ganzen Leuten in "unserem" Alter, die unter Allergien, Neurodermitis, Nahrungsmittelunvertraeglichkeiten usw. leiden. Das ist doch genau die Generation die damals - zwar nach bestem Gewissen - aber falsch ernaehrt wurde.

Die Angewohnheit, die Kinder nach dem Fuettern ins Bett zu legen kommt aus der Zeit, als Muetter wirklich viel arbeiten mussten, und einfach keine Zeit hatten, ihr Kind den ganzen Tag mitzuschleppen.
Heutzutage ist es ja eine "erzieherische Massnahme", das Kind ans Alleinsein zu gewoehnen. Alleine schlafen, alleine im Bett, alleine spielen.... sollen sie sich auch noch alleine wickeln oder sich selber nen Glaeschen warm machen? Oft sind Muetter einfach nur zu faul um sich laenger mit ihrem Kind zu beschaeftigen.

Klar wurden wir gross. Aber geht es nur um dieses mehr als bescheidene Ziel - GROSS zu werden? Ich weiss nicht, wie du das siehst, aber ich erwarte von mir mehr, als mein Kind nur gross zu bekommen. Es soll bestmoeglich gross werden. Gesund, gluecklich und zufrieden.

Ich finde, dass die Zeit damals fuer Kinder definitiv eine schlechtere war. Das Kind hatte sich dem Tagesablauf von Erwachsenen anzupassen; Kinder hatten zu "folgen", zu "gehorchen"... sowas wie Empathie in Bezug auf das Kind war ein Zeichen von Schwaeche.

Gruss
Murmel

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Bist du denn nicht bestmöglich groß geworden? Bist du krank und unglücklich?
Jede Zeit hat Vor- und Nachteile, aber so wie du es schreibst gab es scheinbar nur Nachteile bzw. haben die Mütter Sachen gemacht, weil sie zu faul waren.
Vielleicht haben manche auch ihre Kinder nach dem Essen ins Bett gelegt, weil sie dachten, super, mein Kind schläft gleich- dann kann ich mal die "vollgesch..." Windeln waschen.
Oder ich koch dem Kind mal sein Mittag oder ich strick ihm mal ein Mützchen (solche Sachen waren nämlich nicht selbstverständlich.) und, und und

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Ungluecklich bin ich nicht. Nicht jedes Fehlverhalten von damals erzeugt automatisch Psychopathen und Massenmoerder.

Ja, ich habe ein, zwei Krankheiten, die von falscher Ernaehrung kommen koennen.
Mein Freund und dessen Geschwister haben ALLE Nahrungsmittelunvertraeglichkeiten. Mein Freund vertraegt keine Milch (komisch, die Mutter hat ihm mit 3 Monaten Kuhmilch gegeben - NATUERLICH nur in bester Absicht), sein Bruder hat X Allergien, seine Schwester schwere Hautprobleme.

Welche Vorteile hat denn deiner Meinung nach die Zeit - sagen wir mal 70er Jahre?
Ich weiss nicht, wie das bei euch war, aber zu der Zeit, als ich klein war, gab es schon Waschmaschinen.
Generell war es sicher so, dass damals noch sehr viel Wert darauf gelegt wurde, dass der Haushalt korrekt gemacht wurde, der Mann abends sein Futter auf dem Tisch stehen hatte und immer ein huebsches Straeusschen Blumen auf dem Tisch stand. Aber das leider auf Kosten der Babys.
Ich glaube, wenn Babys sprechen koennten, wuerden sie uns sehr deutlich mitteilen, wie Sch... egal ihnen ein gestricktes Muetzchen oder oder ne saubere Wohnung sind und waren.
Dem Kind sein Mittag kochen? Wir reden von Babys, oder? Ist ne Sache von 5 Minuten. Also zaehlt die Ausrede auch nicht.
Ich bin nach wie vor davon ueberzeugt, dass es damals einfach ein Muss war, das Kinder zu funktionieren hatten. Egal wie alt.

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Hallo Ihr !

Also ich denke, dass vieles durchaus ok war und heute um vieles ein viel zu großer Aufwand betrieben wird.

Was aber zum Beispiel die Ernährung angeht, da bin ich schon froh über das heutige Wissen. Damals, ich denk jetzt mal an die direkte Nachkriegszeit, war es halt wichtig "gut zu essen". Endlich gab es wieder was und die Kinder sollten es gut haben. Aber leider führte das oft zu dicken Kindern oder Erwachsenen.

Was den ganzen technischen Schnick-Schnack angeht und was Kinder angeblich alles brauchen #augen, da waren die Leute früher, vielleicht unbewußt, besser dran. Heutzutage müssen es zig Spielsachen sein und schon sehr früh Fernseher und Co. !

Allerdings wußte man früher auch noch nicht so viel über Babys. Wenn sie früher schrien war es immer klar: Bauchschmerzen !
Heute weiß man, dass das auch andere Gründe haben kann und ich bin froh, dass wir heute mehr wissen als die Mütter früher.

Ich persönlich finde aber auch, dass es damals teilweise "einfacher" war. Ein Mann konnte seine Familie gut ernähren, es gab ein Auto und ein mal im Jahr einen Urlaub. Heute müssen viele Frauen dazuverdienen anstatt für die Kinder da sein zu können. Das finde ich schade.
Versteht mich nicht falsch, es können auch gerne die Männer zu Hause bleiben oder die Frau halt aus freien Stücken auch arbeiten gehen. Finde es nur schade und traurig, dass viele Frauen sich das nicht aussuchen können. Und DAS denke ich merkt man doch auch. Jugendkriminalität, immer früherer Alk-Konsum, Perspektivlosigkeit...! Das hat doch Ursachen !
Und ich fordere nun echt nicht "Frauen an den Herd" oder sowas. Aber Eltern (beide) sollten mehr Zeit für ihre Kinder haben können - und auch selber eine Perspektive haben können (bei Arbeitslosigkeit etc.)

Hui, ist ein sehr komplexes Thema, aber wollte das mal eben loswerden.

Liebe Grüße
Nina

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hallo,
sehe das genau so wie du!

ich erkläre ganz oft, dass bei dieser vermeintlichen wahlfreuheit der frau 8u.a. duch das neue elterngeld) keine echte wahlfreiheit gewährleistet/geschaffen wurde.

nur die wahl wieder arbeiten zu gehen, nicht aber die wahl zu hause bleiben zu können!
es gibt viele frauen, die das gerne tun würden, können es aber nicht. unter anderem ich. wäre gerne bis zum kita alter zu hause geblieben, aber ohne geld geht nix.

das der staat in der relation gesehen mehr dafür ausgibt krippenplätze zu bezuschussen, als es ihn kosten würde die mutter angemessen dabei zu unterstützen zu hause zu bleiben in dieser zeit, das beachtet fast keiner!
und wer kann bis zum kitaalter wohl besser für ein kleinkind sorgen? eltern oder erzieher?

lg,
adina

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Hallo,

wenn früher alles besser war, dann heißt das, dass morgen definitiv alles schlechter ist als heute. Wir sollten den heutigen Tag genießen, denn besser wirds nimmer ;-).

Mir fällt auf, dass der medizinische Fortschritt in der Debatte "alt gegen neu" häufig vergessen wird: man hat mittlerweile zum Thema Säuglingspflege und Ernährung, ggf. auch Erziehung neue Erkenntnisse gewonnen. Ich persönlich möchte nicht von einem Arzt nach Erkenntnissen von vor 30 Jahren behandelt werden.... ihr vielleicht?

Es war defnitiv nicht alle schlecht, aber es war angepaßt an eine andere Zeit. Heute ist heute, damals war damals. Ich weiß nicht, warum manche an "althergebrachten" Weisheiten festhalten. Es MUSS nicht falsch sein, was früher gemacht wurde - aber auch nicht RICHTIG. Vieles gab es damals noch nicht (gute Flaschennahrung bspw.), warum soll ich dann heute auf Vollmilch und Schmelzflocken zurückgreifen, wenn es heute besseres gibt? Nur, weil meine Eltern es so gemacht haben (die ja nichts anderes hatten?)?

Und lustigerweise behauptet unsere Elterngeneration auch häufig, sich konform zu den klassischen Weisheiten ("schreien lassen", "nicht tragen"...) verhalten zu haben - obwohl das teilweise gar nicht stimmt, sondern lediglich einfach etwas vergessen wurde. Beispielsweise haben sich meine Eltern erst jetzt daran erinnert, dass mein Bruder und ich sehr wohl getragen wurden und das man uns nie hat weinen lassen. Und wenn ich mir die "Puderärsche" meines Alters anschaue: sorry, wir sind alle total verwöhnt worden!
Aber selbst unsere Großeltern haben unseren Eltern schon vorgeworfen, sie würden die Kinder (negativ) verwöhnen.... das hört wohl nie auf.

LG Elvi

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Früher galt es auch vielen Leuten als vollkommen normal, in Gegenwart eines Babys und Kleinkindes zu rauchen -> auch bei meinen Eltern, die in sämtlichen Räumen der Wohnung und sogar im Auto geraucht haben! Ich wurde, soweit ich es beurteilen kann, trotzdem gesund groß. Dennoch dulde ich selbst in meiner Wohnung keinerlei Zigarettenrauch und habe mir das Rauchen abgewöhnt bevor ich schwanger wurde.

Früher waren auch die Auto-Kindersitze lange nicht so sicher wie heute, und ich hab's trotzdem überlebt. Dennoch würde ich für meine Kinder keinen Sitz mit dem Standard der 70er Jahre mehr benutzen wollen.

Früher gab es auch keine Ultraschalluntersuchungen. Ich wurde trotzdem gesund geboren. Aber soll ich deshalb auf die Ultraschalluntersuchungen verzichten?

Meine Güte! Wir leben HEUTE. Es macht keinen Sinn sich an den Lebensbedingungen früherer Generationen zu messen.

Meine Oma erzählt mir auch immer, dass sie ihre Kinder durchaus mal schreien lassen hat (was ich bei meinen Kindern zu vermeiden versuche). Und irgendwie kann ich sie auch verstehen. Sie war alleinerziehend mit zwei Kindern, und sie hatte z.B. keine Waschmaschine, d.h. sie musste die gesamte Wäsche mit der Hand waschen. Noch dazu musste sie irgendwie versuchen, für die Familie genug zu Essen zu besorgen, was in den Nachkriegsjahren nicht so einfach war und auch mit Eigenanbau, Einmachen etc. verbunden war. Logisch, dass man bei all diesen Dingen nicht so viel Zeit mit den Kindern verbringen konnte. Aber wieso sollte ich diese völlig andere Situation nun auf mein eigenes Leben übertragen? #kratz Meine Oma hat auf ihre eigene Art ihr Bestes gegeben. Und ich mache es HEUTE auf MEINE Weise, denn ich bin nun einmal eine andere Generation und lebe in einer anderen Wirklichkeit.

LG
lilas

P.S. Früher glaubte man übrigens auch, dass man sehr viele Krankheiten per Aderlass kurieren kann. Du kannst es ja mal ausprobieren! Früher hat es den Leuten ja auch nicht geschadet...die meisten haben es sogar überlebt!

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Ich habe jetzt die anderen Antworten nicht alle gelesen, muss aber dazu sagen, dass "früher" (aus meiner Sicht als Historikerin ein extrem dehnbarer Begriff) mitnichten soviele Menschen erwachsen geworden sind wie heute.

Und wenn man mal noch eine Generation weiter zurückgeht als Deine Oma das tut wurden alle Kinder min. 12 Monate gestillt (da es keine Ersatznahrung gab und irgendwie 98 % der Mütter genug Milch hatten), alle Kinder getragen bis sie sich selber fortbewegen konnten, es haben alle Kinder mit den Eltern gemeinsam geschlafen (weil es keinen extra Raum für Kinder gab) etc.pp.

Evtl. war "früher" ja tatsächlich einiges besser?!

Liebe Grüße
Kyrilla

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