Progenie

Guten Morgen,

meine Tochter (wir im Feb.5) hat eine mandibuläre Prognathie - wobei der Kopfbiss noch möglich ist (wunderlich ist aber, das niemand sonst in der Familie das hat bzw. das hatte - bis zu den Ururgroßeltern zurückfolgbar).
Wir waren schon bei zwei Kieferorthopäden, die aber noch nichts machen wollen. Einer würde erst mit 10 anfangen wollen und der andere, wenn sie die bleibenden Frontzähne hat.
Ist das nicht recht spät? Ich habe gelesen, dass man so früh wie möglich mit der Behandlung anfangen sollte... Sie ist ein hübsches Mädchen und wir wollen nicht, dass sie dadurch entstellt wird.#heul

Was bringt die besten Behandlungserfolge und was ist vielleicht heute überholt? Lässt sich so eine "Habsburger Unterlippe" gänzlich vermeiden? Vielleicht können sie uns auch sagen, mit was für Kosten wir ungefähr bis zum Behandlungsende rechnen sollten.
Es ist irgendwie deprimierend...

Vielen Dank und viele Grüße!

Hallo vermutchan.

Ohne Ihre Tochter zu sehen, ist die Situation schwer zu beurteilen. Eine richtige Progenie gehört zu den Indikationen für eine Frühbehandlung. Bei einem Kopfbiss kann man vielleicht tatsächlich den Durchbruch der bleibenden Schneidezähne abwarten. Vielleicht sollte Ihr Zahnarzt nochmal schauen, ob ein progener Zwangsbiss vorliegt, der durch die Stellung oder zu lange Milcheckzähne verursacht wird. Dann könnte man eventuell vorsichtig einschleifen. Ich würde im engen Kontakt mit einem Kieferorthopäden, der Frühbehandlungen macht, bleiben, um den bestmöglichen Startzeitpunkt für die Behandlung festzulegen.

Viele Grüße
Sabine Bertzbach

Hallo!

In dem Alter ist die einzige Möglichkeit, eine mandibuläre Progenie zu behandeln, eine sogenannte Kopf-Kinn-Kappe. Diese übt Druck auf das Kinn aus und hindert so den Unterkiefer am Wachstum. Die Wirkung dieser Kappen ist aber sehr umstritten, sodass die wenigsten Kieferorthopäden dieses Gerät noch anwenden. Die eine Problematik ist, dass es durch den Druck gegen dass Kinn auch zu einem Druck auf die Kiefergelenke kommt, was zu Beschwerden führen kann. Und dann wirkt diese Kappe auch nur, solange sie regelmäßig getragen wird. Das Risiko, dass der Unterkiefer das Wachstum nach Absetzen der Kopf-Kinn-Kappe nachholt, geht gegen 100%. Und dann kommt noch dazu, dass die wenigsten Kinder bereit sind, eine solche Kappe im ausreichenden Maße zu tragen, was in meinen Augen verständlich ist:
http://www.tigerdental.com/shopneu/images/product_images/info_images/kks-schwarz-rot.jpg

Mein Rat wäre der des zweiten Kieferorthopäden: Abwarten, bis die bleibenden Schneidezähne da sind, wenn die im Kreuzbiss stehen, diesen überstellen (manchmal wachsen die bleibenden Zähne auch in die richtige Position), ein regulärer Schneidezahnüberbiss hemmt das Wachstum des Unterkiefers am wirkungsvollsten. Sollte das aber nicht der Fall sein, musst du damit rechnen, dass deine Tochter bis zum Wachstumsabschluss in kieferorthopädischer Behandlung bleiben muss, da erst dann gewährleistet ist, dass der Unterkiefer den Oberkiefer nicht doch noch wieder überholt.

Liebe Grüße!

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