Wie geht das mit dem Fingerfood, bzw. Baby-led weaning

Hallo!

Mein Kleiner ist jetzt 5 Monate alt und bekommt gerade seine ersten Zähnchen. Bisher habe ich ab und an mal ein bisschen Kürbisbrei zugefüttert, noch nicht täglich und auch noch nicht als Muss, er verträgt es gut, aber er fängt an zu schreien nach den ersten 5 Löffeln und möchte den Löffel gern selber nehmen.

Nun habe ich so Einiges über o. g. alternative Ernährungskonzepte gelesen. Julius will gerne selber essen und möchte auch alles essbare von meinen Teller klauen und sich in den Mund stecken. Bisher habe ich das verweigert, weil ich denke er ist dafür noch zu jung und verschluckt sich daran.

Gerade das led weaning spricht mich an, weil ich bisher voll stille und somit keine wirkliche Mahlzeit habe, die ich ersetzen kann, so regelmäßig trinkt er nämlich nicht. Ich würde ihn gern mehrmals am Tag, wenn wir als Familie essen etwas anbieten, aber überfordert ihn das? Und was kann man überhaupt anbieten, wenn er selbst essen möchte?

LG Yvonne

Hallo liebe Yvonne, toll das Du Dein Kind stillst! Das angesprochene Schema des Essenlernes ist relativ neu und wird von Kinderärzten bisher noch nicht abschließend bewertet. Aus meiner Sicht ist ein Kompromiss aus den verschiedenen Beikostformen am sinnvollsten und muss die inviduellen Aspekte jedes Kindes und den Familien berücksichtigen. Die Beikost sollte grundsätzlich erst nach der 17. Woche, aber spätestens im 6. Monat eingeführt werden. Früher war man sehr streng und auf viele Lebensmittel sollte im ersten Lebensjahr verzichtet werden, da man glaubte, dass dadurch Allergien vermieden werden können. Dies ist aber nicht so, weshalb man heute in den Empfehlungen viel großzügiger ist und dazu rät, die meisten Lebensmittel schon in kleinen Mengen im ersten Lebensjahr einzuführen. Zum Beispiel raten Kinderärzte zu einer Gluteneinführung zwischen dem 4.-6. Monat in kleinen Mengen, so sollen die Kleinen z.B. an Brotscheiben knabbern. Die beste Allergieprävention ist die Einführung von kleinen Mengen allergener Lebensmittel unter dem Stillen. Diese Tendenz kommt näher an das neue Beikostkonzept dran. Die Mahlzeiten sollten ausgewogen und kindgerecht gestaltet werden. Ein Kind ohne Zähne wird nicht viel normale Lebensmittel zu sich nehmen können, hier sollten doch Breie angeboten werden. Das bedeutet aber nicht, dass Kinder das genussvolle Essen am Familientisch z.B. mit Knabbern an Obst, Gemüse oder Kartoffeln etc. nicht auch haben sollen. Auf stark blähende und stark gewürzte Speisen muss natürlich verzichtet werden. Nicht jedes Essen von Erwachsenen ist für einen Säugling geeignet. Auch ist jedes Kind anders und die Mundmotorik ist nicht immer ausgereift, so dass die Kinder sich leicht verschlucken können . Viele Aspekte müssen bei der Beikosteinführung berücksichtigt werden, hier muss jede Mutter ein bißchen den eigenen Weg finden. Ich denke, Du bist mit dem Brei auf dem richtigen Weg und merkst schnell selber, wann der Kleine überfordert ist und wann er nicht mehr mag. Die meisten Kinder entwickeln eine Neugierde auf das Familienessen und das ist auch richtig so. Es muss halt nur kindgerecht bleiben. Auf jeden Fall sollte es allen Beteiligten Spaß machen. Deine Ursula

Hallo maybelle,
mit Beginn des 5. Lebenmonats kann die Beikost schrittweise eingeführt werden. Entscheidend ist dabei die individuelle Entwicklung des Kindes, d.h. zeigt es schon Interesse am Essen, aber das scheint bei Eurem Baby der Fall zu sein.
Wenn Du mich persönlich fragst, finde ich dieses individuelle Vorgehen sehr schön. Allerdings muss man sich auch darüber im Klaren sein, dass Kinder mit 2-4 Zähnchen im Mund noch nicht richtig kauen können. So ist die Gefahr des Verschluckens gegeben und man muss das Kind dabei sorgfältig im Auge behalten. Auch ist die Verwertung der Nährstoffe in der Phase noch nicht voll gegeben.
Um Erfahrungen zu sammeln, neue Geschmäcker kennenzulernen und die Neugierde zu wecken, ist das bestimmt ganz gut, aber parallel würde ich persönlich die Breimahlzeiten genau so wie es das Forschungsinstitut für Kinderernährung empfiehlt einführen. Alle Informationen hierzu findest Du unter www.fke-do.de. Durch die verschiedenen Breimahlzeiten kommt der Magen-Darm-Trakt schrittweise mit neuen Nährstoffkombinationen und -konsistenzen in Kontakt. Dadurch spielen sich die Verdauungs- und Resorptionsprozesse ganz sanft ein und die Umstellung von flüssiger Kost auf feste Kost erfolgt nach und nach.
Das heißt, ich persönlich finde einen gesunden Mix aus diesen beiden Ernährungsstilen ganz interessant.
Liebe Grüße, Frederike

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