Mit dem Latein am Ende ....

Guten Morgen,

ich bin mit meinem Latein mittlerweile am Ende. Ich bin seit April letzten Jahres zum zweiten Mal verheiratet, mit meinem neuen Mann bin ich seit April 2018 zusammen. Er war von Anfang an kein einfacher Mensch, was daran liegt, dass er als Kind traumatisiert wurde (Schläge von Vater und Mutter, Trennung der Eltern als er 8 Jahre alt war, anschließend viel allein gelassen worden von der Mutter und viel zu früh Verantwortung übernehmen müssen für seine kleine Schwester). Er war vor unserer Beziehung zwei Jahrzehnte alleine, hat keine Kinder und war damals sehr depressiv.
Es hat sich zwar in den vergangenen Jahren manches verändert, so ist er offener geworden, etwas selbstbewusster und läuft nicht mehr bei jedem Streit davon. Grundlegende Dinge sind jedoch gleich geblieben.
Er scheint fast eifersüchtig, wenn ich mich zuviel um meine Kinder kümmere, macht nur wenig im Haushalt, obwohl er seit zwei Jahren nicht mehr arbeitet, zieht sich komplett in sich zurück und nimmt überhaupt nicht mehr am Familienleben teil, wenn es ihm mal nicht gutgeht, ohne Rücksicht auf den Rest. Ich habe das lange entschuldigt, da ich seine Vergangenheit kenne, dann habe ich ihn mehr konfrontiert und auch gefordert, er bleibt aber in seiner Opferrolle und scheut nach wie vor die Übernahme von Verantwortung.
Als Partnerin bekomme ich kaum Aufmerksamkeit, lediglich in Sachen kuscheln ohne Sex. Zum Geburtstag schenkt er mir nichts mit der Begründung, er findet das gezielte Schenken zum Geburtstag nicht. Aber auch außerhalb des Geburtstages macht er das nicht.
So langsam frage ich mich wirklich, wie es weitergehen soll. Ich liebe ihn, aber seine Störung wird mit mehr und mehr zuviel. Vor allem bin ich nicht daran interessiert, meine Kinder ihm zugunsten zu vernachlässigen bzw. ein viertes Kind im Haus zu haben.
Rational gesehen würde ich jedem in meinem Fall raten, sich baldmöglichst zu trennen. Emotional fällt es mir unheimlich schwer, vor allem da ich weiß, was von der Biografie her zu seinem Verhalten geführt hat.
Wart ihr mal in einer ähnlichen Situation ? Hat sich noch etwas geändert ? Seit Februar macht er auch eine Psychotherapie, aber ich habe das Gefühl, dort dreht er auch alles anders hin, als es tatsächlich ist ...

Liebe Grüße,

Katrin, die ihre Energie eigentlich für ihre drei Kinder braucht (Tochter 16, Sohn fast 15, Sohn 10 Jahre alt)

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Naja, war denn "in guten wie in schlechten Zeiten" für dich nur ein lustiger Werbespruch? Du schreibst, dein Mann hatte schon immer Probleme, du hast ihn ja trotzdem geheiratet. Und jetzt, nach 2 Jahren hast du keinen Bock mehr? Er macht ja schon eine Therapie, er hat sich also offensichtlich Hilfe geholt. Wie kommst du darauf, dass er dort alles verdreht?

Rede mit ihm, sag ihm, wie es dir geht und dass es dich die Situation auch langsam fertig macht und zuviel wird. Sucht nach einer gemeinsamen Lösung. Frage ihn vielleicht mal, ob du mit zur Therapie kannst. Sowas habe ich auch schon erlebt, dass die nahen Personen im Umfeld ebenfalls zum betreffenden Psychologen eingeladen und in die Therapie mit eingebunden wurden.

Ich finde es reichlich unfair jetzt, wo deine Kinder vermutlich anstrengende Teenies werden, den kranken Mann auf einmal satt zu haben und fallen zu lassen.

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Hallo,

danke für deine Antwort. Beim Lesen habe ich gemerkt, dass ich mein Posting nicht ausführlich genug formuliert habe. Meine Kinder sind nicht anstrengend, es läuft alles sehr gut. Wir sind ein gutes Team und sie versuchen auch, ihren Stiefvater voll mit einzubeziehen und mögen ihn sehr. Mein Mann wird nur mehr und mehr zum Kind, wenn nicht gar zum Baby. Ich bin Alleinverdienerin, er sitzt den ganzen Tag zu Hause an seinem Computer und geht seinem Hobby nach (elektronische Musik komponieren), mittags kocht er zwar Essen für die Kinder, danach ist er aber so erschöpft, dass er für nichts anderes mehr einsetzbar ist. Also mache ich nach Arbeit, Einkaufen, Kinder versorgen noch den Haushalt, da sonst alles liegenbleibt.
Zu dem Psychologen ist er nur gegangen, weil ich ihm gesagt habe, dass ich nicht mehr seine Psychologin sein möchte, sondern seine Partnerin. Er entschuldigt alles mit seiner Störung, verändert aber nichts, seit wir zusammen sind.
Ich habe sehr viel Verständnis, da ich selber als Therapeutin arbeite, aber irgendwann sollte man auch die Verantwortung übernehmen und versuchen, andere Strategien anzuwenden als Kopf in den Sand und Rückzug.
Ich verstehe seine Störung, ich weiß, warum er sich so verhält, das ändert aber nichts daran, dass ich auch Partnerin bin.
Er lässt eher mich fallen, wenn man es genau betrachtet.
Zur Therapie möchte er mich nicht mitnehmen, er meinte, er müsse sich erst um seine eigenen Angelegenheiten kümmern, bevor er mich mit einbindet ...
Ich bin einfach völlig erschöpft und fühle mich mehr alleine als jemals vorher.

Liebe Grüße,

Katrin

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er braucht eine Therapie, das kannst du nicht, das ,muss er selbst
wovon lebt er denn, wnn er nicht arbeitet?
das was er erlebt hat, ist seine Entschuldigung für sein Verhalten? Dann wären alle, die heute über 70 sind psychisch krank, da war es üblich geschlagen zu werden und grosse Geschwister haben immer auf die kleinen aufgepasst

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Hallo,

auch dir danke für die Antwort. Er lebt von mir. Ich bin Alleinverdienerin und finanziere komplett alles. Er meint, es überfordere ihn zu sehr, zu arbeiten. Als wir uns kennengelernt haben, hat er aber noch gearbeitet, seit Beginn von Corona und unserer Hochzeit unternimmt er diesbezüglich kaum etwas und hat auch kein Geld mehr verdient.
Wenn ich mal wütend werde, gerät er in Panik und meint, dass ich ihn ja sowieso verlassen werde, weil er so krank ist. Diese reine Opferhaltung bringt mich auf die Palme. Ich komme überhaupt nicht ran, egal ob ich ruhig mit ihm rede, wütend werde oder traurig bin. Er ist das Opfer und kann nichts für sein Verhalten.
Wenn das nur am Anfang gewesen wäre, ok. Aber das über Jahre durchzuziehen geht nicht. Und es geht an meine Substanz, da ich für alles im Alltagsleben zuständig bin, wie vorher als Alleinerziehende. Nur dass ich jetzt noch mehr emotionale Belastung habe als vorher. Wir haben und hatten auch sehr schöne Zeiten, wir ergänzen uns gut, aber dieses gestörte Verhalten macht immer mehr kaputt.

Liebe Grüße,

Katrin

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Hey...
Das hört sich für mich leider so an, als ob er, und dadurch auch du ein sehr schweres Päckchen zu tragen habt.
So wie du das beschreibst, scheint dein Mann sehr schwer psychisch erkrankt zu sein.
Ich bin mir nicht sicher, ob statt der wöchentlichen Therapie nicht sogar eine zeitweilige stationäre Therapie angezeigt wäre.
Dein Mann ist sehr krank. Und so eine schwere Krankheit belastet die gesamte Familie. Ich kann verstehen, dass du auch nicht mehr kannst.
Ich glaube jedoch, dass dein Mann im Moment nicht in der Lage ist, sein Verhalten zu ändern.
Dazu ist er zu krank. Dass er nicht in der Lage ist zu arbeiten und ständig erschöpft ist, ist für mich ein ganz klares Symptom für eine schwerwiegende psychische Störung- ich würde auf Depressionen tippen.
Deswegen glaube ich, dass er den Gang zum Psychater nicht scheuen darf. Und ich würde es ihm raten, eine stationäre Therapie samt Reha zu machen.


Alles Gute!

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Hallo,

das habe ich ihm schon geraten, ich arbeite selber in der Psychiatrie und habe mehr und mehr das Ausmaß seiner Probleme erkannt. Er war auch suizidal als wir uns kennengelernt haben und hatte schon einen Plan, sich umzubringen, zumal seine Mutter zu der Zeit auch noch an Lungenkrebs gestorben ist. In der Verliebtsheitsphase war das aber fast komplett weg und ich dachte, er hat genug Schwung bekommen, seine Probleme anzugehen, mit mir im Hintergrund. Er hat sicher eine mindestens mittelgradige Depression und eine posttraumatische Belastungsstörung. Und er hat große Angst, das anzugehen. Nur ohne Auspacken geht es nicht und unsere Beziehung wird früher oder später zerbrechen, denn ich bin aktuell mehr Mutter und Therapeutin als Partnerin, und das nervt sehr und belastet mich. Das sage ich ihm auch, aber dann gerät er in Panik und meint, er schaffe das nicht so schnell. Andererseits unternimmt er auch zu wenig, wahrscheinlich eben aus Angst, dass zuviel Unkontrollierbares an die Oberfläche kommen könnte.
Ich werde nochmal mit ihm sprechen wegen eines stationären Aufenthaltes, denn mir liegt sehr viel an der Beziehung und ich möchte diese ungern aufgeben. Nur so wie bisher geht es nicht weiter, da meine Bedürfnisse als Frau und Partnerin komplett unter den Tisch fallen ...

Liebe Grüße,

Katrin

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Ja, das würde ich an deiner Stelle genauso formulieren. Du hast schließlich auch Bedürfnisse und es ist auf lange Sicht nicht möglich dass du immer die Mutterrolle übernimmst und nicht auf deine eigenen Bedürfnisse achtest, da du sonst irgendwann selbst krank wirst.
Leider wird für ihn kein Weg an einer Behandlung vorbeifahren. Ich hoffe, dass er sehr bald erkennt, dass dies die einzige Chance ist, die er hat, damit er langfristig ein stabiles Leben führen kann.
Es wundert mich nicht, dass seine Symptome sich in der Verliebtheitsphase gebessert haben, da sich dann ja der Hormonhaushalt ändert. Aber das ist eben nicht auf Dauer.
Ich gehe davon aus, dass es ohne stationäre Therapie und Medikamente bei ihm nicht gehen wird.
Vielleicht kannst du ihm ja auch nochmal klar machen, dass du ihn auf diesem Weg hundertprozentig unterstützen wirst.
Und dass er etwas tun muss, weil du es einfach nicht alles auffangen kannst.
Er muss verstehen, dass er sich seinen Problemen stellen muss, auch wenn es schwer ist.

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Hey!

Wenn ich mir die Situation nun anschaue, würde ich sagen, du solltest dich trennen.
Du bist nicht die Caritas, die sich um verlorene Seelen kümmert. Du bist eine Mutter von drei Kindern und dein Mann reagiert auf sie eifersüchtig. Es kann sein, dass seine Störung aus seiner Biographie resultiert- aber er ist nun auch Teil der Biographie deiner Kinder und prägt sie.

Schön, dass er eine Therapie macht- aber es ist eben die Frage, ob die reicht. Nimmt er Medikamente?
Man setzt immer große Hoffnungen in Therapien- aber ich glaube kaum, dass er danach ein umgänglicher Mensch ist. Wenn nun schon Monate vergangen sind und die Beziehung unerträglich- dann würde ich einen Haken dranmachen und ganz schnell das sinkende Schiff verlassen.

Dein Mann hat eine psychiatrische Erkrankung, ist arbeitslos- du wirst für ihn unterhaltspflichtig. Habt ihr Gütertrennung vereinbart?
Ich würde dir raten, dich anwaltliche beraten zu lassen und dann schnell zu handeln.


Liebe Grüße
Schoko

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5 Monate Psychotherapie ist ein Tropfen auf den heissen Stein, besonders in einem Fall wie seinem. Es kann viele Jahre Therapie dauern, bis sich sein Krankheitsbild verbessert. Und Medikamente helfen nicht zwangsläufig; viele Menschen erleben die Nebenwirkungen aber keine gewünschten Effekte.

Bevor er nicht stationäre Therapie und evtl. Reha in einer darauf spezialisierten Einrichtung gemacht hat, sowohl mindestens ein Jahr ambulante Therapie (wonach auch nichts 'geheilt' sein wird, aber es könnte kleine Veränderungen bewirkt haben), würde ich ihn nicht aufgeben.

Dass er übrigens jeden Tag für die Kinder kocht, sehe ich als sehr wertvoll an, und ich würde ihm glauben, wenn er sagt danach total erschöpft zu sein. Dass er Musik komponiert, sehe ich als positiv; sie ist vermutlich sein Zufluchtsort und macht ihm noch etwas Freude.

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Ich habe Deine Beiträge gelesen und die Frage, die sich mir aufdrängte, war: Was hat Dich bewogen, diesen Mann zu heiraten? Er war schon psychisch schwer angeschlagen, mit Selbstmordgedanken usw.
Das soll keine Wertung sein, nein, um Gotteswillen, aber mich interessieren Deine Beweggründe. Du schreibst doch, dass Du selbst als Therapeutin arbeitest und Erfahrung auf dem Gebiet hast.

Ich persönlich sehe diese Sache mit der schweren Kindheit immer sehr zwiegespalten. Meine Mutter, heute 81, hatte auch ne schwere Kindheit …. Krieg, Flucht, Vater tot im Krieg, Stiefvater, der gesoffen und geschlagen hat, Nachkriegszeit, schwere Ehe geführt. Sie hat ihr Leben bis heute immer gemeistert. Auch sie zweifelt an sich, aber sie hat immer durchgehalten.

Es gibt starke Menschen und es gibt schwache Menschen. Irgendwie hat jeder Mensch sein Päckchen zu tragen. Dein Mann scheint zu den schwachen Menschen zu gehören.

Und Du solltest Dir überlegen, was Dein Weg ist. Eigentlich hast Du schon alles gesagt, Dir ist es zuviel,verständlichweise.

Hast Du Angst, dass er sich etwas antut, wenn Du Dich trennst? Das ist dann aber seine Entscheidung.

Ich glaube, wir Menschen neigen dazu, die Schuld auf sich zu nehmen, für etwas, für das wir keine Schuld tragen.

In meinen Augen hast Du alles getan, was Du für ihn tun konntest und kannst. Jetzt ist er am Zug, seine Zähne mal zusammenzubeißen und sich anzustrengen.

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Genau das habe ich mich auch gefragt. TE als Fachfrau hätte es wissen müssen, dass es ziemlich naiv ist zu glauben , einen Menschen mit dieser Symptomatik leicht auf die richtige Spur zu bekommen. Verliebtheit dauert nicht sehr lange an und wenn die Glückshormone verschwunden sind, kommen die alten Probleme wieder zum Vorschein. Mir kommt es so vor als würde ihn das Familienleben überfordern. Er lebte so viele Jahre allein und plötzlich sind 4 Menschen da, die alle irgendwelche Erwartungen an ihn stellen. Anstrengend für alle

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Liebe Kollegin,
Da war die rosarote Brille oder das Helfersyndrom wohl doch etwas stark.
Wenn ich dir von einem Mann erzählen würde, der seit Jahren chronisch depressiv ist und ein Ptbs hat, und dich nach den Chancen auf Besserung fragen würde, was würdest du mir sagen?! Genau, dass er die Erkrankung wahrscheinlich (auch mit Therapie) nie wirklich los wird, berufliche und private Belastbarkeit stark eingeschränkt sein werden und die Erkrankung oft ein auf und ab ist (ein schritt vor, zwei Schritte zurück, dann wieder einer vor, usw.).

Ich denke, du kannst nicht erwarten, dass sich bei deinem Mann schnell was ändert, und wenn irgendwann Besserung kommt, geht das in sehr kleinen Schritten. Dieser Prozess dauert Jahre. Und wenn mal eine Phase von guten Monaten kommt ist der nächste Rückfall nur um die nächste Ecke.
Aber das weißt du alles selber, du bist vom Fach.

Die Frage ist also eher, was willst du tun. Entweder zusammen bleiben und ihn so nehmen wie er jetzt ist (denn die Belastung wird noch sehr lange bleiben wie sie jetzt gerade ist) oder ihr geht getrennte Wege.
Ich wünsche dir alles Gute, so oder so.

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