Klassenfahrt - entweder alle oder gar nicht - oder wie?

Hallo!

Wir haben da ein Problem in der Klasse unserer Tochter, wegen dem es beim Elternabend letztens hoch her ging.

Mein Bericht könnte etwas lang werden, das sei vorab schon mal erwähnt....

Also, unsere Tochter ist 10 Jahre alt und geht in die 4. Klasse. Sie ist eine mittelmäßige Schülerin, nur in Mathe klappts gar nicht. Aber das ist eine andere Geschichte...

Nun war vor 14 Tagen der (leider einzige) Elternabend des Schuljahres. Als letzten Punkt kam das Thema "Klassenfahrt" zur Sprache. Ich war etwas überrascht, denn zu meiner Zeit sind wir in der GS nicht weggefahren, sowas gabs erst ab Klasse 5 oder später.
Die Klassenlehrerin meinte ganz klar: "So wie die Klasse jetzt ist, fahre ich nicht mit ihr weg!"
Wir baten sie, das näher zu erläutern. Dabei kam heraus, dass es in der Klasse 5 Schüler gibt, die nach Meinung der Klassenlehrerin "nicht organisiert" seien, z.B. häufig ihre Hausaufgaben vergessen oder nicht in der gewünschten Form anfertigten, öfters Arbeitsmaterial nicht oder nicht vollständig dabei hätten, kein altersgemäßes Sozialverhalten an den Tag legen würden, sich nicht an Absprachen oder Regeln halten würden etc.
Mit diesen Schülern könne sie nicht auf Fahrt gehen, weil sie sich zu 100% auf sie verlassen könne. Sie müsste dann ständig hinter diesen Schülern her sein, damit auch alles klappt und darunter würden die anderen Schüler nur leiden.

Unsere Tochter ist unter diesen 5 "Kandidaten", weil sie öfters Hausaufgaben nicht gemacht hat oder besser gesagt, nicht in der gewünschten Form, und weil sie öfter in Zwistigkeiten unter ihren Mitschülern verwickelt ist, nur weil sie sich zur Wehr setzt.

Aus diesem Grunde sollen nun diese 5 von der Klassenfahrt ausgeschlossen werden. Das geht aber nicht ohne vorherige Klassenkonferenz. Diese soll in kürze stattfinden.
Mit zwei Müttern von diesen 5 Schülern habe ich schon gesprochen, die sind total sauer darüber.
Auf dem Elternabend hieß es noch von einer Mutter, dessen Tochter zu den Strebern der Klasse gehört, dass es den unauffälligen Schülern nicht zuzumuten sei, immer wegen "der Anderen" zurück zu stecken und immer Rücksicht nehmen zu müssen.
Ich bin mit den anderen Müttern aber der Meinung, dass entweder alle oder gar keiner fahren sollte....

Oder wie seht ihr das? Bin auf Meinungen gespannt.

Danke, dass ihr das alles gelesen habt!

Liebe Grüße

jessy

1

Wende Dich an das Schulamt.

Gruß

Manavgat

2

Hallo, dein Thema regt mich übel auf. Wie kann man denn als Lehrerin so handeln? Was haben denn vergessene Arbeitsmaterialien oder Leistungen mit einer Klassenfahrt zu tun? Und auch das angesprochene Sozialverhalten kann ja wohl nicht soooooo schlimm sein, immerhin sind das Kinder. Wenn die Lehrerin mit ihren Schülern nicht klar kommt ist es ja wohl ein Armutszeugnis für sie selbst!

Außerdem ist ja sicher davon auszugehen, dass sie nicht alleine mit den Kindern fährt, sondern sich "Verstärkung" mitnimmt. Wo also ist das Problem? #kratz

Mein Sohn geht jetzt in die 3.Klasse, letztes Jahr waren wir schon zur Klassenfahrt (3 Tage) und dieses Schuljahr geht es auch wieder los (5 Tage) :-)

Ich begleite die Klasse immer und wir haben auch ein paar verhaltensauffällige Kinder dabei, von denen wir im Vorraus dachten "oh mal sehen, was das wird" - aber genau diese Kinder haben sich super benommen!

Wir waren mit 19 Kindern, 1 Lehrerin und 3 Elternteilen unterwegs - soviel Betreuung wäre sicher gar nicht nötig gewesen, aber wir verstehen uns halt gut und deswegen fahren wir immer zu viert.

Ich bin der Meinung ALLE oder KEINER !!!

Wo kommen wir denn da hin, wenn in dem Alter schon so sortiert wird? Und wenn´s NICHT nachteilig für die "unauffälligen" Schüler sein soll - dann gibt´s nur eine Lösung: ALLE FAHREN! ;-)

LG

3

die Lehrerin hat offensichtlich keine Lust auf die Klassenfahrt und sucht einen Sündenbock. Schreib einen Brief an den Schuldirektor, beschwer Dich über diese willkürliche Regelung. Bestehe darauf, dass ALLE Eltern von dem Termin der Klassenkonferenz erfahren und die Chance bekommen, daran teilzunehmen und dass ein schriftliches Protokoll erstellt wird, von dem ihr eine Kopie erhaltet. Behaltet Euch vor, die Sache auch an das Schulamt/den Schulrat weiter zu tragen. Ganz wichtig ist alles zu dokumentieren, schriftlich.

Des weiteren (aber das würde ich noch nirgendwo schreiben oder androhen) ist auch eine Dienstaufsichtsbeschwerde möglich.

Catherina

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Hallo!

Ich schildere dir das mal aus der Sicht einer Lehrerin:

Du bist (hoffentlich mit einer zusätzlichen Begleitperson) alleine verantwortlich für bis zu 30 Schüler. Nicht nur vormittags in einem Gebäude namens Schule, sondern den ganzen Tag lang, auch nachts in diversen Umgebungen.
Du musst alleine darauf achten, dass von diesen vielen Kindern keins verloren geht, sich keins verletzt, keins andere verletzt, keins Dummheiten macht, etc. Und du hast nun einmal nur zwei Augen und zwei Arme.
Das alles ist schon mit "normalen" Kindern schwierig genug, es gibt nicht umsonst den Satz, dass man als Lehrer auf Klassenfahrten mit einem Bein im Gefängnis steht. Wenn dann noch Kinder dabei sind, die sich weder an Regeln, noch an Absprachen halten können, wird das ganze Unterfangen kaum noch durchführbar. Der Punkt mit den Hausaufgaben, etc. spielt hier sicherlich keine Rolle.

Natürlich sehen Eltern ihre Kinder meist anders, können Kritik am eigenen Kind oft nicht akzeptieren.

Ich finde es absolut unsozial zu sagen "Entweder alle, oder keiner!", denn es ist nicht einzusehen, warum der Großteil einer Klasse unter dem Verhalten einzelner zu leiden haben soll.

Und ja, ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn Lehrer einzelne Kinder nicht mitnehmen. Sei sicher, dass da schon einiges vorgefallen sein muss, wegen fehlender HA trifft niemand diese Entscheidung.
Ich selbst habe mich auch einmal geweigert, einen bestimmten Jungen nicht mitzunehmen, da ich diese Verantwortung beim besten Willen nicht tragen konnte. Auch dessen Vater hat das nicht wirklich eingesehen, im Gegensatz zu allen anderen Leuten, die diesen Jungen kannten...

Gruß, Lena

5

Natürlich "...,einen bestimmten Jungen mitzunehmen, .."

7

Das kann ich auch irgendwie verstehen. Aber ich finde es nicht gut, Kinder in diesem Alter schon so zu sortieren.

Man kann doch genügend "Verstärkung" mitnehmen, bei z.B. 30 Eltern werden sich doch sicher einige Eltern bereiterklären mitzufahren.

Warum ist denn z.B. der Vater des Jungen nicht mit auf Klassenfahrt gegangen?

Ich denke wenn Kinder schon im Grundschulalter ausgegrenzt werden, kann das nicht gut sein. Ich glaube nicht, dass deren Verhalten sich dann bessert.

LG

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6

Hallo!

Da kann ich mich Lena nur anschließen! Wieso soll die Mehrheit der Klasse unter dem schlechten Verhalten weniger leiden? Und sicherlich ist mehr vorgefallen, als nur ein paar vergessene Hausaufgaben.

Klar, ich kann Deinen Ärger als betroffene Mutter auch nachvollziehen. Nur leider bist Du in der Schule nicht dabei und weißt nicht, wie die Kinder sich aufführen. Und man kann wirklich nicht die Augen bei allen Kindern gleichzeitig haben.

LG!
Chris

9

Hallo, ich bins nochmal!

Danke für eure zahlreichen Antworten/Meinungen!

Irgendwie bin ich mir schon klar darüber, dass in der Schule Dinge vorgefallen sein müssen, von denen ich weder von meiner Tochter, noch von der Klassenlehrerin mehr erfahren werde... Meine Tochter ist kein Engel und erst recht keine Streberin...

Heute Abend habe ich dann mal ein zwangloses Gespräch mit meiner Tochter geführt, nur mal so, um zu hören, wie sie überhaupt über das Thema Klassenfahrt denkt....
Sie sagte wortwörtlich: "Mama, mit der Hälfte der Klasse würde ich am liebsten auch nicht fahren...!"

Und genau diese Aussage spiegelt zur Zeit das Bild der Klasse wider, es ist im Laufe der 3 zurück liegenden Schuljahre ein Bruch erkennbar geworden. Auf der einen Seite die Schüler, die kaum Probleme haben, nur Einsen und Zweien schreiben und die Lieblinge der Klassenlehrerin sind. Auf der anderen Seite sind alle die Schüler der Klasse, die nicht gut in ihren Leistungen sind, vielleicht im Verhalten auffällig geworden sind - wie auch immer - und vor allem auch die Schüler, die durch ihre Körperstatur durch das Raster einer sportlich engagierten Klassenlehrerin (die auch Sportlehrerin der Klasse ist) gefallen sind.

Zum Glück ist diese geplante Klassenfahrt erst zum Schuljahresende, also im kommenden Sommer 2007, angesetzt. Bis dahin fliesst noch viel Wasser den Fluß runter...

Und das mit der Teilnahme an der Klassenkonferenz und dem schriftlichen Protokoll, das werde ich mir merken und darauf hin arbeiten...

Liebe Grüße
jessy

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Hallo!
Sorry, aber ich finde es anmaßend von Dir, gute Schüler als Streber abzuwerten, nur weil Deine Tochter anscheinend Schwierigkeiten hat.
Zumal es hier nicht 'nur' um schlechtere Noten geht, sondern auch darum, daß gleichzeitig das Verhalten wohl nicht so ist, wie es ein sollte. Es kann immer angehen, daß ein Schüler keine guten Zensuren hat, aber das heißt noch lange nicht, daß sein Verhalten sich dem anschließen darf! Und genau darum geht es doch.
An Deiner Stelle würde ich versuchen, mich mit der Klassenlehrerin kurzzuschließen. Vereinbare einen Termin, frage nach und erbitte von ihr Vorschläge, was Du in Zusammenarbeit mit der Lehrerin tun kannst, damit sich die Situation bessert.
Viele Grüße
Trollmama

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Hallo!

Die Bezeichnung "Streber" für die guten Schüler der Klasse unserer Tochter kam ursprünglich nicht von mir, sondern von unserer Tochter.

Und das nicht nur, weil sie gute Schüler sind, sondern sich nämlich darauf auch noch was einbilden!

Ich habe mit eigenen Ohren gehört, wie eines dieser Mädchen zu einem anderen sagte: "Na ja, wir sind halt gut in der Schule und wir sind ja auch die Lieblinge von Frau XY (die Klassenlehrerin), die anderen können sich ja mit uns nicht vergleichen!"

So, solche Äußerungen sind - laut Aussage unserer Tochter - wohl schon häufiger vorgekommen.

Und wer die Nase so hoch trägt, das sind für mich Streber!!

jessy

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Im allgemeinen gilt bei uns auch: Entweder alle oder gar keiner.

Wenn ein Kind zu Hause bleiben muss, dann wird schon sehr viel vorgefallen sein. Allerdings wird ein solches Verhaltensproblem dann auch schon eher thematisiert worden sein und nicht erst bei den Planungen auftauchen.

Man sollte nicht vergessen, dass solche Fahrten gerade dem Zusammenhalt unter den Schülern und der Gemeinschaft dienen sollen.

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Nach all Deinen Beiträgen klingt das so, als sei die Lehrerin pädagogisch völlig überfordert. Klar gibt es Kinder, die schwieriger sind als andere. Aber als Klassenlehrerin muß ich mich auch denen gegenüber fair verhalten und wenn ich wirklich Angst habe, mit einzelnen auf Klassenfahrt zu fahren, würde ich die Eltern einzeln ansprechen (sowas diskutiert man nicht offen auf dem Elternabend aus und stellt einzelne Eltern bloß!) und fragen, ob sie nicht freiwillig als Begleitperson auf die Klassenfahrt mitkommen wollen.
Kathy

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Boah, mir schwillt der Hals, #wolke
ich habe alle Beiträge sehr aufmerksam gelesen und bin erschüttert.
Ich verstehe die Seite der Lehrerin, auch die Seite der "Streber" (sorry) und natürlich auch die Seite der Mutter

aber

was ist mit dem Kind???

Mit 10 Jahren derartig Stigmatisiert zu werden ist die Höhe und eine nicht zu vertretende Maßnahme, nicht in der heutigen - ach so sozialen *kotzurbini*- Zeit

(Stigmatisierung
Charakterisierung einer Person durch gesellschaftlich oder gruppenspezifisch negativ bewertete Merkmale. So wird z. B. eine Person stigmatisiert, wenn man sie als Vorbestraften, Sozialhilfeempfänger u. a. etikettiert und ausschließt.)

Eine Klassenfahrt zum Abschluß der 4. Klasse gehört dazu aber wenn es in so einem Klassenverband nicht geht, dann nicht!!!!
Und wisst ihr was ich nicht versteh?? gleich FÜNF???? #schock

In meiner Kindergartengruppe arbeite ich viel an einem sozialem Gruppenprofil. Das ist wichtig - denn - die Auffälligkeiten in der heutigen Zeit nehmen zu, das ist Fakt!
Ergo muss ich dafür sorgen, das Toleranz stattfindet. Und ICH bin da das groooße Vorbild. Ich kann mich nicht hinstellen und die Kinder nach "gut" und "böse" sortieren, je nachdem wie sie sich verhalten. :-[

Ich würde der Lehrerin vorschlagen mal wieder in ein Pädagogikbuch reinzuschauen und zu überlegen was getan werden kann um bis nächstes Jahr alle mitfahren lassen zu können. In Zusammenarbeit mit den Eltern natürlich und zwar allen um Toleranz zu schulen....

Und an nichtgemachten HA wirds nicht gelegen haben, nech?!

lg Tanja


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Hallo!

Ich darf dazu nochmal was anmerken:

Also, die Klassenlehrerin unserer Tochter hat auf dem Elternabend von "einigen Schülern der Klasse" gesprochen.
Natürlich hat sie keine Namen genannt, denn das wäre ja wohl auch nicht ok....

Erst auf Nachfragen bei unserer Tochter einen Tag später erfuhr ich dann, dass es insgesamt um 5 Schüler und Schülerinnen geht und die Namen dazu. Mich erstaunte es im Grunde nicht, ihren Namen auch dabei zu hören, denn die Lehrerin hat ein System "der faulen Eier" eingeführt.

Ein "faules Ei" ist ein Glasstein, der immer dann an die Kinder verteilt wird, wenn keine oder unvollständige Hausaufgaben gemacht worden sind, Arbeitsmaterial nicht oder nicht vollständig vorhanden ist, der Schüler/die Schülerin in irgendeiner Form die Regeln der Klasse mißachtet oder sonstwie negativ aufgefallen ist. Für diese "faulen Eier" gibt es für jeden Schüler/jede Schülerin ein hohes Glas, in dem die Dinger dann aufbewahrt werden.
Hat ein Schüler/eine Schülerin ein gewisses Maß an "faulen Eiern" überschritten, darf das Kind an schönen Aktivitäten der Klasse (z.B. Abenteuerspielplatzbesuch) nicht teilnehmen und wird derweil in der Schule mehr oder weniger sinnvoll beschäftigt.
Im Rahmen der Klassenkasse wird aber eine "Ausflugspauschale" von uns Eltern bezahlt, egal, ob das Kind mitfährt oder nicht! Am Schuljahresende übrig gebliebenes Geld der Klassenkasse wird auch keinesfalls an die Schüler wieder ausgezahlt, nein, dafür geht die Klasse gemeinsam Eis essen. Natürlich ohne die Schüler mit zu vielen "faulen Eiern". Deren Anteil wird "mitverbraten" und das regt mich auf!!

Für mich persönlich und für meine Tochter ist das Thema Klassenfahrt sowieso erledigt.
Unsere Tochter hat zudem ein medizinisches Problem, das eine Teilnahme an einer Klassenfahrt sehr schwierig macht. Und das Finanzielle stellt für uns zur Zeit auch ein Problem dar.

Und was das "soziale Verhalten" unserer Tochter in der Schule anbetrifft, ist es halt so, dass sie ein Mensch ist, der ungern in einer Gruppe arbeitet, sich wenig helfen lassen will von Mitschülern (bei den Lehrern ist das was anderes) und ihr Ding am liebsten alleine macht. Ich kann das verstehen, ich war früher auch so. Nur hat mir keiner daraus einen Strick zu drehen versucht....
Unsere Tochter ist weder frech noch unhöflich oder stört den Unterricht, sie sagt öfter geradeheraus ihre Meinung und eckt damit bei Schülern und Lehrern oft an.

Liebe Grüsse
jessy

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