Ist mein jugendliches Kind autistisch und wird das wieder besser?

Hallo! Mich beschäftigt seit neuestem das Thema Autismus. Noch nie jedoch wurde ich von jmd. (Kinderarzt, KiGa, Lehrer) darauf angesprochen, aber mit dem 14.Geburtstag hat sich meine Tochter sehr verändert. Sie war immer ruhig, schüchtern, hatte ein paar Konzentrationsprobleme, war aber dennoch ein fröhliches Kind und immer viel Kontakt. Zum Kindergeburtstag wurden mindestens 10 Kinder eingeladen und das jahrelang. Ab der weiterführenden Schule hielten Kontakte nicht mehr lang. Während alle sich in kecke Teenies verwandelten, blieb meine Tochter irgendwie Kind. Demnächst wird sie 15, hat kaum noch Kontakt zu irgendwem (nur übers Handy ein paar) ist fast immer daheim (geht aber noch zu ihren Hobbies), beteiligt sich irgendwie nicht am Teenager-Dasein. Sie scheint nicht depressiv oder sonderlich traurig, hat aber viele Ängste, es wird ihr sehr leicht übel, etc. Ich habe alles vom Kinderarzt abchecken lassen, aber im Zuge von Corona wurde das als Auswirkung der Pandemie, dem vielen Homeschooling, etc. zugeschrieben. Die therapeutischen Stellen sind alle überlaufen, so dass wir mit unseren eher geringeren "Problemchen" da nicht unterkommen. Mich beschäftigt aber eine andere Frage: Wie wichtig wäre eine Diagnose? Ich bin da eher skeptisch, da ich mich viel mit Autismus beschäftigt habe und nicht weiß, ob wir da irgendwas Neues erfahren oder ob das alles eher eine sehr stressige Situation für meine Tochter bedeuten würde. Zum anderen ist mit völlig klar, dass es, wenn es sich um Autismus handelt, dieser nicht verschwindet, dennoch war sie ja früher nicht auffällig. Könnte das alles jetzt durch die Pubertät so verstärkt in Erscheinung treten und sich im Laufe der Zeit wieder ein wenig legen?
Fühle mich ein wenig aufgeschmissen und weiß nicht so recht, an wen ich mich wenden soll, da ich doch das Gefühl habe, dass sich nicht sehr viele Leute mit dem Thema Autismus gut auskennen. Erfahrungsberichte von anderen wären toll. Danke!!!

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Nach Autismus klingt das nicht. Eher soziale Ängste.

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Ich kenn mich nicht gut mit Autismus aus, habe nur von Berufs wegen gelegentlich mit Aspergern zu tun.
Ich finde es aber nicht besonders naheliegend, bei deiner Tochter an Autismus zu denken, weil soziale Isolation in einer Gruppe Gleichaltriger sicherlich nicht allein als Diagnosemerkmal reicht. Außerdem wird man nicht plötzlich über Nacht autistisch und war vorher jahrelang neurotypisch unterwegs...

Was hat sie denn für Ängste?
Hatte sie früher "beste" FreundInnen und was ist aus denen geworden?
Wie ist sie denn zuhause in die Familie integriert? Hat jemand einen Zugang zu ihr, heißt spricht sie mit jemanden über ihre Ängste etc.?

Pubertät plus Corona ist bestimmt ne super miese Zeit. Ich sehe viele psychische Probleme in der Schule bei den Heranwachsenden. Une Spätzünder in Sachen Pubertät haben es immer schwer, wenn die anderen plötzlich hormonell durchdrehen und andere Gesprächsthemen/Interessen entwickeln.

Ich verstehe total, dass du dir Sorgen machst, aber so aus der Außenperspektive würde ich den Ball erst Mal noch flach halten und versuchen, den Zugang zu ihr zu behalten/herzustellen. Sie geht zur Schule/sie hat Hobbies/sie wirkt nicht unglücklich. Klingt doch erst Mal gut.

Hast du mal mit ihrer Klassenleitung gesprochen, wie sie in der Klasse integriert ist?
Gibt es niedrigschwellige Angebote an der Schule? (Schulpsychologe, Schulsozialarbeiter)?
Ist vielleicht ein neues Hobby eine Idee? Vielleicht was mit Tieren (reiten, im Tierheim helfen) oder etwas, wo Jugendliche sich gemeinsam engagieren für einen sozialen Zweck? (Gemeindearbeit, Umweltgruppen etc.).

Meiner persönlichen Erfahrung findet man bei solchen Hobbies "nette, empathische Jugendliche"...Vielleicht braucht sie eine neue Peergroup?

Das sind nur so meine Gedanken zum Thema.

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Vielleicht kann ich dich etwas beruhigen, ich bin autist, und für mich klingt nichts davon nach autismus.

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ich glaube, du hast da die falschen Schlagwörter im Kopf. Autismus hat man von Geburt an - selbst Asperger zeigt sich schon von Kind an und äussert sich auch anders.

Auch wenn du meinst, ihr würdet mit der Coronazeit als Ursache abserviert, ist vielleicht halt doch was dran. Und zwar in einer dummen Kombination mit Teenie werden und Hormonumstellung. Anschluss verlieren durch mangelnde echte Sozialkontakte 1,5 Jahre lang.

Grundsätzlich stellt sich immer die Frage: ist sie glücklich?
Manche Menschen sind eben ruhig, schüchtern oder sind auch gerne alleine. -- Nicht jeder braucht tausend Freunde und jeden Tag Verabredungen.

Da es von einem Jahr auf das andere kam ist das einfach "Entwicklung" ... und wird sich vielleicht im kommenden Jahr auch weiter entwickeln.
schlimm krankhaft hört sich das nicht an. Menschen verändern sich und Eltern kommen auch oft nicht so mit der Veränderung klar (oder wenn ein Kind eben hinterherhinkt und noch eher Kind ist als Teenie, wie Du auch schreibst).

Hobbies sind wichtig, - dass sie glücklich mit ihrer Woche ist, ist wichtig.

Dass sich im Sozialverhalten durch die Coronazeit bei einigen Kindern einiges verändert hat, ist leider wahr und ich denke, dass du eben nicht damit abgespeist wirst, sondern dass da wirklich was dran ist. Die welt fängt doch jetzt erst so langsam wieder an normaler zu ticken... gib ihr einfach im schulnormalprogramm noch ein paar Monate und kuck, wie es sich weiter entwickelt.

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Wenn sie Autistin ist, hätte sich das schon wesentlich früher gezeigt.
Auf welche Themen sind ihre Ängste bezogen?
Was verstehst du unter Teenager Dasein?

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Hallo!

"Wie wichtig wäre eine Diagnose?"

Gar nicht wichtig. Bisher ist das eher eine Hobbydiagnose von dir, die hier schon widerlegt wurde.

Mein großer Sohn war mutistisch. Es war schon mühsam genug, ihn aufgrund der Diagnose nicht auf sein Schweigen reduzieren zu lassen. Irgendein Therapeut, den wir sehr schätzten, hatte dann die Idee mit dem Autismus und schrieb das auch in irgendeinen Brief. Mein Sohn war niemals autistisch, wäre er es gewesen, dann wäre es so gewesen. Trotzdem haben wir schnell eindringlich darum gebeten, dass diese Diagnose aus den Briefen verschwindet. SOFORT wurde er nämlich in diese Schublade gesteckt und alle meinten, dann wüssten sie ja nun, wie mit dem Kind umgegangen werden müsste. Zum Glück waren alle kooperativ und redebereit, das hätte aber massiv in den Graben gehen können.

Für mich hört sich deine Tochter einfach sehr "pubertös" an. Dazu kommt die Pandemie, Homeschoolung, Einsamkeit. Ich denke, sie ist einfach sehr verunsichert und ängstlich. Klar, kann eine Therapie helfen, aber ich denke, ihr Eltern könnt das auch. Nehmt sie wie sie ist und nehmt sie ernst. Macht Angebote, aber fordert nicht so viel. Nichts persönlich nehmen!

Meine beiden Söhne sind nicht sonderlich gesellig, auch ein bisschen "soziophob", dennoch sind sie weder unglücklich noch unnormal. Sie entsprechen nur nicht dem Bild, dass unsere Gesellschaft von über die Stränge schlagenden Teenies so gern hat.

Als Nachgedanke, der nur am Rande mit dem Thema zu tun hat: Seit Jahren arbeite ich im Palliativbereich. Diagnosen sind da beinahe vollkommen egal. Es geht darum, was ist -also, was an Symptomen gezeigt wird- und damit gehen wir um. Es ist vollkommen egal, welche Grunderkrankung vorhanden ist. Übelkeit ist Übelkeit, Schmerz ist Schmerz, Angst ist Angst.
Ich glaube, das sollte immer im Leben so gelten.

LG

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Sie ist nicht autistisch, wenn hat sie soziale Ängste, aber vielleicht interessiert sie sich auch einfach nicht so sehr für die selben Dinge wie andere in ihrer Klasse. Wenn ich eine Hobbydiagnose aufstellen würde, würde ich eher Isolation/ Mobbing vermuten, dass sie sozial nicht gut Anschluss gefunden hat und daher mehr alleine ist. Das muss nicht immer so laufen, dass irgendwas übles passiert. Dagegen könnte ein Neustart in einer anderen Schule helfen mit einer neuen sozialen Gruppe. Vielleicht gibt's aber auch andere Faktoren die sie unglücklich machen.

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<<<14.Geburtstag hat sich meine Tochter sehr verändert. Sie war immer ruhig, schüchtern, hatte ein paar Konzentrationsprobleme, war aber dennoch ein fröhliches Kind und immer viel Kontakt. Zum Kindergeburtstag wurden mindestens 10 Kinder eingeladen und das jahrelang. Ab der weiterführenden Schule hielten Kontakte nicht mehr lang. Während alle sich in kecke Teenies verwandelten, blieb meine Tochter irgendwie Kind. Demnächst wird sie 15, hat kaum noch Kontakt zu irgendwem (nur übers Handy ein paar) ist fast immer daheim (geht aber noch zu ihren Hobbies), beteiligt sich irgendwie nicht am Teenager-Dasein<<

Liebe TE,

das hört sich nicht nach Autismus an. Autismus entwickelt sich normalerweise im Kindesalter. Ich habe einen frühkindlichen Autisten, der seit dem Kleinkindalter auffiel durch sozialen Rückzug, herausfordernden Verhalten, motorischer Unruhe.

ABER: Bei Mädchen Autismus festzustellen ist nicht so einfach, kuck mal hier rein:
https://www.thieme.de/de/gesundheit/maedchen-frauen-asperger-41651.htm

Vielleicht wirst du fündig.

LG und alles Gute
Hinzwife

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Grundsätzlich fände ich eine entsprechende Diagnose bei Autismus sehr wichtig und hilfreich, weil es für den Betroffenen ein Hilfsmittel darstellt sich selber und die Umwelt besser zu verstehen. Zudem habe ich grössten Respekt vor Komorbiditäten in der Adoleszenz und im erwachsenen Alter bei nicht diagnostizierten Autisten.
ABER: Das was du beschreibst klingt für mich wenn dann nach sozialen Ängsten oder Blockaden, nicht nach Autismus. Hier würde ich eine Abklärung und/oder Therapie nur bei Leidensdruck empfehlen.

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