12 jährige, 6. Klasse Gymnasium, Homeschooling vollkommen alleine?

Hallo,
ich hätte gerne mal einen Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern, deren Kinder ähnliches Alter haben wie mein Tochter. Sie ist 12 Jahre alt und geht auf die 6. Klasse Gymnasium. Sie ist stark in Mathe, hat aber erhebliche Schwächen in Fremdsprachen.
Aufgaben von der Schule erhält sie per lernsax.

Ich habe noch einen kleinen Sohn, zur Zeit bin ich oder mein Mann zu Hause. Mein Arbeitgeber will es nun ganz dringend durchdrücken, dass ich meinen Kleinen in die Notbetreuung geben kann, weil er natürlich möchte, dass ich arbeiten komme. Diese Woche ist mein Mann (Stiefpapa meiner Tochter) zu Hause, ab nächste Woche wollte ich zwei Wochen zu Hause bleiben und die Kindkranktage nutzen (wenn es denn mal beschlossen werden sollte.)

Mag ja sein, dass wir das mit der Notbetreuung hinbekommen könnten aber ich habe dann meiner großen Tochter gegenüber ein schlechtes Gewissen, da ich sie dann jeden Tag 9 Stunden alleine lasse, vor allem mit ihrem Homeschoolingaufgaben. Wir haben die letzten Wochen sehr gut zusammen gearbeitet. Ich habe gemerkt wo sie Schwachstellen hat und ihr Hilfestellungen gegeben, auch über eine Lernplattform im Internet. Ich habe selten so viel intensive Zeit mit meinem kleinen Pupertier verbracht und wir haben uns super verstanden. Ich habe gemerkt, dass sie dankbar war, dass ich da war und meinte ich wäre eine gute Lehrerin für sie.

Nun möchte ich gern mal wissen wer seine 6. Klässler komplett alleine zu Hause lässt 9 Stunden und auch das Homeschooling komplett den Kindern allein überlässt. Wie klappt das? Können sich eure Kinder allein motivieren? Kommen sie mit der Technik zurecht (wir haben lernsax, läuft nur so lala). Nicht falsch verstehen, ich lasse meine Tochter schon die Aufgaben alleine bewältigen, aber es kommen halt sehr viele Fragen auf, was ja verständlich ist.

Ich fühle mich von meinem AG unter Druck gesetzt, zwar könnte ich evtl. den Kleinen wieder in die Kita bringen, aber mein 12-jähriges Kind ist eben auch noch ein Kind.

Viele Grüße

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Hallo meine Liebe,

ich denke es kommt darauf an wie zuverlässig deine Tochter ist und wie motiviert. Mein mittlerer Sohn ist auch 12 und wenn er alleine zu Hause wäre, dann würde er wohl nicht so viel machen. Nicht weil er es nicht kann, aber er würde es nach hinten schieben, lieber mit Freunden chatten, videos gucken oder zocken. Ich muss ihn schon immer wieder erinnern, dass Schule ist und keine Ferien. Er könnte aber schon wenn er wollte. Es gibt aber sicherlich auch Kinder in diesem Alter die es alleine hin bekommen.
Liebe Grüße
Juliane

2

Ich habe einen 5 Klässler anzubieten. Gestern fing das Homeschooling über Teams an und er hat eigentlich alles völlig alleine gewuppt, also Wecker gestellt, Kakao getrunken und hat sich dann an sein Laptop gesetzt und von 8-13 Uhr gearbeitet. Heute hat er eine Aufgabe in Englisch nicht verstanden, die gucken wir uns gleich an, aber wenn er das bis zur nächsten Englischstunde geschnallt hat, reicht das ja immer noch.
Sprich--ich bin eigentlich überflüssig, für die anderen beiden (10. und Q2 sowieso)

3

Meine jetzt 13 jährige war im ersten Lockdown 12 und ähnlich lange alleine. Es lief so lala, sie ist erst spät aufgestanden, hat dann zwar ein bisschen gearbeitet, während wir weg waren, aber trotzdem blieb noch einiges liegen... 12 ist echt grenzwertig, um den ganzen Tag allein zu sein.
LG

4

Hallo,

mein Großer ist in der 5. Klasse und ich würde ihn auch nur ungern jeden Tag allein lassen, aber immer Mal einen Tag ist durchaus möglich. Mittlerweile ist er recht fit, was das Abrufen seiner Materialien anbelangt, aber ich muss schon auch drüber gucken. Er ist relativ motiviert, gibt sich größte Mühe seine Aufgaben zu bearbeiten, aber übersieht doch auch Dinge. Ginge der Lockdown noch bis Ostern, bräuchte er nachher wohl kaum noch Hilfe. Es ist eine Frage der Gewohnheit und Routine. Die Umstellung ist einfach sehr groß.

In Klasse 4 war weniger Hilfe nötig. Jetzt gibt es alle Materialien digital, vorher gab es Arbeitsblätter und Arbeitsaufträge in einem Hefter.

In der Grundschule hat die Lehrerin Aufgabenstellungen kurz formuliert und Blätter übersichtlich gestaltet. Jetzt stehen teilweise Erklärungen und Aufgaben wild hintereinander auf einem Blatt. In der Grundschule hat das die Klassenlehrerin koordiniert, jetzt sendet jeder Lehrer selbst die Aufgaben und jeder macht es ein bisschen anders. Mal per E-Mail, mal (ohne Vorankündigung) in der Dateiablage. Mal am Montag, mal am Mittwoch.

ABER: Es ist ein Gymnasium. Neben guten Noten in Klasse 4 gehört eine große Portion Selbstständigkeit und Organisationstalent zu den Voraussetzungen. Neben all der Arbeit, die auch ich damit habe, bin ich doch stolz, dass mein Großer an diesen Aufgaben wächst.

Hier bei uns gibt es übrigens Notbetreuung bis Klasse 6. Ich glaube aber nicht, dass das viele an der Schule meines Großen nutzen.

LG

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Hallo!

Meine Große ist jetzt 11 und auch in der 6. Klasse. Die Kinder sind bei uns im Vorfeld gut auf ein erneutes Homeschooling vorbereitet worden, die Sportstunden, die nicht erteilt werden durfte, wurden genutzt, um die Kinder mit der Plattform (bei uns Moodle und Untis) vertraut zu machen, und auch Aufgaben wurden schon über Moodle gestellt und von den Schülern eingereicht. Somit ist meine Tochter gestern prima alleine klargekommen, selbst die Videokonferenz (die nicht im Vorfeld geübt wurde) hat sie alleine hinbekommen. Meine Tochter ist aber insgesamt eine starke Schülerin, die kaum Probleme hat. Bei ihr sind es eher die Lernfächer (also Geschichte, Erdkunde, Biologie), wo sie schwächer ist, aber da kommt ihr m.E. das Homeschooling sogar zugute - hier ist sie gezwungen zuhause zu lernen.
Allerdings hätten wir die Möglichkeit gehabt, auch die Große (der Kleine geht ohnehin, der packt das noch nicht alleine im Homeschooling) in die Schule zu schicken, in Hessen neben den Grundschülern auch die Kinder der 5. und 6. Klasse in die Schule gehen, wenn es nicht anders geht. Meine Tochter wollte aber nicht, und da sie gut klarkommt, lasse ich sie zuhause.

LG
LG

6

Ich wüsste jetzt auch keinen Rat. Mein Kleiner (10) würde das Homeschooling problemlos schaffen, läuft super, aber 9 Stunden ohne uns zuhause finde ich schon arg.

In NRW kannst du die Kinder bis einschließlich Klasse 6 in die Notbetreuung der Schule geben, dann wäre sie zumindest nicht über einen solangen Zeitraum allein.

Würdest du ihr das denn zutrauen, ist sie verlässlich genug? Traut sie sich das selbst auch zu, würde sie das denn überhaupt wollen?

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Hallo steinchen25,

mein Sohn ist auch 12 und in der 7. Klasse Gymnasium. Er war im 1. Lockdown , also mit 11 auch alleine daheim. Bin Alleinerziehend und muss in die Arbeit, da Homeoffice nicht geht. Es lief letztes Jahr alles andere als gut. Lehrer verteilten nur Wochenpläne und am Freitag kamen die Lösungen (auch so Sachen wie: Kontrolliert euren selbst geschrieben Aufsatz anhand des beigefügten Musteraufsatzes), Teams war sehr chaotisch. Er war komplett damit überfordert sich alles selbst zu erarbeiten, Umgang mit PC und sich zu strukturieren und die Nachmittage und Abende haben wir mit lernen, erklären und Co. verbracht. Es war mehr wie anstrengend! Sohnemann hat grad in den Sprachen da auch Defizite aufgebaut.

Diesmal funktioniert es besser. Die neuen Lehrer sind motivierter, es gibt viele Videobesprechungen und der Stoff wird erklärt und kommt portioniert gem. Stundenplan.
Ich hab die Erfahrung gemacht, dass vieles von den Lehrern abhängt und die Kinder einfach Zeit brauchen sich an die neuen Methoden zu gewöhnen und auch sicherer im Umgang mit PC und Co werden.
Ich wecke ihn, bevor ich in die Arbeit fahre und dann klingelt nochmal der Wecker wenn er endgültig aufstehen muss. Er frühstückt alleine und macht sich teilweise auch Mittagessen wenn ich meine 2 langen Tage habe(2 Tage bis 4 Uhr und 3 bis 1 Uhr) . Bisher hat er gut mitgearbeitet und alle Aufträge erledigt. Wenn was unklar ist oder er mit dem PC Probleme hat machen wir es zusammen wenn ich daheim bin.
Hoffe es bleibt so, denn wenn es wieder so ein Chaos gibt wie letztes Jahr, dann klappe ich irgendwann zusammen. Denn ich bin kein Lehrer und möchte auch keiner sein.
Notbetreuung gibt es bei uns nur für die Klassen 1-6, somit hab ich mit der 7. Pech.

Mache mir oder ihm da aber keinen Stress mehr, zur Not wiederholt er das Jahr, auch kein Weltuntergang.

Wenn du dich aber nicht wohl fühlst bei dem Gedanken dein Kind alleine zu lassen, dann lass dich nicht unter Druck setzen. Vielleicht kannst ja mit deinem AG reden, dass du wegen Betreuung nur jeden 2. Tag kommst?

Alles Liebe

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Es kommt auf das Homeschooling an. Wenn es die Sorte ist, ich habe Live-Unterricht via Übertragung, kann Fragen stellen und bekomme zeitnah antworten und habe einen Austausch, okay. Ansonsten finde ich, dass es nicht allein was mit Reife oder Zuverlässigkeit oder sonstwas zu tun hat, es ist einfach ein riesiger Qualitätsunterschied in der Lehre, ob ich einem Kind nur nen Zettel mit Aufgaben gebe, hier das Internet anschalte und sage lös die bis Deadline x oder richtig Unterricht und Gespräche habe. In den starken Fächern wird sie es sicher gut machen, weil sie da eben gut ist, aber wer gibt ihr Input, korrigiert oder übt, die Dinge, die für sie schwer sind, die sie einfach nicht von alleine durch sich selbst versteht?

Diese Art Homeschooling funktioniert in meinen Augen für manche nie ohne Begleitung für andere in den höheren Jahren. Es liegt nicht jedem alles Wissen aus sich selbst zu generieren. Selber Quellenstudium zu betreiben, selber um die Ecke zu denken, selber komplexe Sachverhalte in der Tiefe ohne diskutierenden Gegenpart zu erschließen. Das ist einfach sehr monoton und je nach Lerntyp eben vielleicht genauso die Art Unterricht von der nur wenig hängen bleibt. Ich merke, erst durch unsere Gespräche, durch das aufzeigen, wo sie noch Mal näher drüber nachdenken müssen, in der Familie wird der Stoff für unsere (12/13 Jahre Gym) lebendig, bleibt mehr hängen als nur Bullemieaufgaben lösen bis Deadline x ohne Mehrgewinn.
Wir hatten die Tage Themen wie Energieumwandlung in der Physik, Platon, Sophokles, antiker griechischer Stoff in der Kunst, Renaissance, Humanismus, adverbiale Bestimmungen, Wortarten, Bildungsideale im Mittelalter, Reformation, Weltreligionen....

So und nun, welche normalen 12/13 Jährigen beschäftigen sich damit alleine so umfassend und haben da so einen Zugang zu, dass sie da nicht erstmal lauter Fragezeichen im Gesicht haben. Natürlich benutzen auch unsere das Internet, YouTube, Bücher, Wikipedia etc. aber um ein Thema wirklich zu verstehen, braucht es manchmal einfach einen Lehrer, der etwas erklärt, eine Brücke baut. Das fehlt. Das Ersetzen derzeit wir. Das ist auch für uns ziemlich fordernd.

Wir gehen beide ein paar Tage die Woche arbeiten, versuchen aber dass nach Möglichkeit jemand jeden Tag da ist und teilen uns auf. Mal 1-2 Tage alleine, ging, aber war nicht genauso fruchtbar und effektiv, auch wenn die Kinder vernünftig aufstanden und gearbeitet haben, haben sie es eben nicht immer tief genug oder zusammenhängend oder richtig erfasst. Also ja, ich denke, zumindest jeden zweiten Tag sollte sie irgendwie einen Ansprechpartner haben. Sie ist immer noch ziemlich jung und die Kompetenzen, die von ihr dann erwartet werden sind ähnlich die eines Studiums. Es ist ganz normal wenn sie die Schuhe noch nicht ausfüllt.

Ich würde jedenfalls, wenn ich irgendeinen anderen Weg sehe, sie nicht komplett damit alleine lassen.

9

Hallo,

meine Kleine ist 12 Jahre und 7. Klasse Gymnasium. Leider ist sie alles andere als strukturiert, sie kann die Aufgaben alleine , braucht aber immer wieder die Ansage, es auch zu machen.
Es gibt Tage, da sind meine Mädchen den ganzen Tag alleine. Sie sind aber auch zu zweit, meine Große ist schon 15Jahre alt.
Meine 12jährige wäre wohl ungern eine ganze Woche über so viele Stunden alleine. Sie würde auch nicht alles in einem angemessen Zeitraum erledigen, so dass sie viel nacharbeiten müsste, sobald ich ein Auge drauf habe.

Viele Grüße

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