Tics? Hilfe ich fühl mich so allein

Hallo ,
Mein Sohn 6 hat vor 4 Wochen ein Tic entwickelt der erst mit einem durchgehenden Husten verbunden war, jetzt ist der Husten weg , aber er wirft den Kopf zur Seite Und zieht die Schultern hoch .
Mir als Mutter geht es so schlecht er merkt es kaum. Das Husten hatte ihn gebalgt.
Es tritt meistens nur beim Essen auf oder beim ruhigen Spielen wie UNO.
Ich habe so Angst, dass es nicht mehr verschwindet und ich ihn nicht vor gemeinen Kindern beschützen kann.
Mein Herz bricht bei dem Gedanken.
Termin habe ich für mich mit Video beim Kinderneurologen gemacht ohne ihn damit zu belasten und dann gehe ich mit ihm zum Kinderpychiater.
Bitte sagt mir dass es vergeht :(

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Hallo,

bei mir hatten 2 von 3 Kindern diese Tics extrem ausgeprägt. Angefangen hat es bei beiden auch mit ca. 6 Jahren. Ich hatte diese Tics und meine Nichte hatte sie auch.
Diese Tics sind ganz einfach erklärt. Das Gehirn deines Kindes entwickelt sich schubweise. Genauso, wie du Schübe beim Baby kennst, entwickelt sich das Gehirn deines Kindes bis zum Abschluss der Pubertät schubweise. Das ist für das Gehirn Schwerstarbeit und eine Überflutung von Reizen. Diese Reizüberflutung kompensiert es mit Tics. Teenager z.B. werden extrem faul um ihrem Gehirn Erholung zu verschaffen. Sie sind bei solchen Schüben zerstreut und vergesslich. Jüngere Kinder kompensieren es mit Tics. Und das machen extrem viele. Mein Mittlerer hatte diese Tics bis er ca. 12 Jahre alt war. Bei der Kleinen sind sie mit fast 10 Jahren verschwunden. Meine Nichte und ich hatten es auch bis ca. Pubertätsbeginn. Der Neurologe wird dir ebenfalls erzählen, dass es völlig normal ist. Behandeln kann man so etwas allerdings nicht. Zum Psychiater brauchst du damit eigentlich nicht zu gehen, der wird dich zum Neurologen schicken.
Die Tics treten ebenfalls in Schüben auf. Mal sind sie stärker ausgeprägt und es können mehrere Tics auf einmal sein, mal sind sie nur ganz schwach und man merkt gar nichts. Meine Kinder hatten diese Tics nur Zuhause, wenn sie zur Ruhe kamen. Je stressiger der Tag war um so schlimmer waren die Tics.
Das Kind kann das nicht beeinflussen und wenn du ihn darauf hinweist, wird es ihm bewusst und es wird noch schlimmer.

LG
Lotta

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"Teenager z.B. werden extrem faul um ihrem Gehirn Erholung zu verschaffen. Sie sind bei solchen Schüben zerstreut und vergesslich. "

Daaaaaaaaanke :-)

Ich bin zwar nicht die TE
und wusste schon vorher, dass Teenager "ruhiger" werden, mehr Schlaf brauchen/später schlafen und dass aus den meisten fitte, aktive gesunde Erwachsene wurden :-)

Das Phänomen kenne ich durchaus aus meiner Zeit.
Es aktuell bei meinem Kind/Teenager, bei ihren Freunden und dieses mal von außen als Massenphänomen in der Altersgruppe zu erleben, ist noch mal anders. (Die jüngeren Geschwister erleben Corona auch und sind so fit wie sonst auch ;-) )

Diesen Satz von dir zu lesen, entspannt mich gerade total. Auch wenn ich das Wissen so schon hatte. Es zu lesen, geht gerade voll ins Gefühl und in jeden Muskel bei mir über.
Das wiederum wird sich nachher auf meinen Teenager auswirken, wenn ich cooler darauf reagieren kann ;-)

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Freut mich, wenn ich dich beruhigen konnte 😉.

Mir hat das mal ein befreundeter Psychiater erklärt. Er sagt, dass das Gehirn in der Pubertät herausragendes leistet. Auch wenn wir Eltern das nicht merken 😜. Im Oberstübchen unserer Heranwachsenden entstehen neue Verknüpfungen, sie lernen komplexer und Vorausschauender zu denken. Das ist für die Teenies genauso anstrengend, wie für ein Baby, das zum ersten Mal seine Umwelt wahr nimmt. Die Vergesslichkeit und Zerstreutheit liegt nicht am Desinteresse der Jugendlichen. Sie vergessen es wirklich. Das Hauptaufgabe des Gehirns liegt nun auf Entwicklung und sämtliche Nebensächlichkeiten werden nicht verarbeitet oder abgespeichert. Für die Eltern ist das Müll raus tragen oder das Schrank aufräumen keine Nebensächlichkeit, für das Gehirn ist es das aber. Da gibt es wesentlich wichtigere Dinge, die verarbeitet oder gespeichert werden müssen. Ebenso Schulmaterialien, die mitzubringen sind oder irgendwelche Dinge, die man den Jugendlichen nebenbei sagt.
Du hast bestimmt schon mal von Stilldemenz gehört. Diese Vergesslichkeit während der Schwangerschaft und der Stillzeit. Das ist hormongesteuert, genauso wie die Gehirnentwicklung und das Wachstum der Jugendlichen. Das Gehirn benötigt die meiste Energie. Je mehr es arbeiten muss um so mehr Energie braucht es. Um nicht unnötig Energie zu verpulvert, sortiert es nach wichtig und unwichtig. Wichtig sind bei einem Jugendlichen alle Dinge, die das Gehirn in seiner Reife weiter bringen. Dazu gehören nur leider keine Aufforderung der Mutter den Müll raus zu bringen oder die Klamotten weg zu räumen. Sobald Pflichten, wie Schule erfüllt sind, geht der Körper in Energiesparmodus. Er muss mit den Kräften haushalten um sich gut entwickeln zu können. Ein Jugendlicher, der in seiner Freizeit faul in seinem Zimmer rum liegt, macht das nicht, um seine Eltern zu ärgern oder weil es keine Lust am gesellschaftlichen Leben hat. Der braucht einfach Ruhe. Die Reserven werden allenfalls für Treffen mit Freunden genutzt, die für die Entwicklung wichtiger sind als der Kontakt zu den Eltern Thema Abnabelung, Meinungsbildung und Identitätsfindung. Oftmalss verschiebt sich in der Pubertät durch die Hormonumstellung auch der Serotonin- und Melatoninspiegel. Was zur Ursache hat, dass Teenies die Nacht zum Tag machen. Ab 22:00 Uhr werden sie munter, sind bis zum Morgengrauen wach und schlafen bis Mittag. Auch das ist völlig normal und gibt sich wieder. Mein Großer wird demnächst 18 und das Schlimmste ist vorbei. Er hat wieder einen normalen Tag- Nachtrythmus, liegt nicht mehr faul irgendwo rum und vergesslich ist er auch nicht mehr. Mit 16 wurde es besser. Der Mittlere wird 16. Phasenweise ist die Faulheit und Zerstreutheit noch schlimm, aber die lichten Momente im Kopf übernehmen die Überhand 😜.

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Die meisten Tics verschwinden wieder.

Und jeder Erwachsene hat Schmerzgrenzen.
Das heißt: Tics bei meinem Kind, die mich die Wände hochtrieben und unruhig machten, fielen anderen GAR NICHT auf. Nur wenn ich andere Mütter darauf ansprach.

Tics bei Freunden meines Kindes, fielen mir GAR NICHT auf. Erst als deren Mütter gestresst berichtet hatten, wie sehr es sie die Wände hochtreibt.

Jetzt könnte man denken, dass es an der erlebten Häufigkeit lag.
Das mag auch dabei sein.

Es gab auch Tics von Freunden meines Kindes, die anderen nicht aufgefallen sind, mich aber anstrengten
und Tics meines Kindes, die mir nicht aufgefallen sind, einer einzelnen Mutter aber schon.

Oft sind das dann Trigger oder "den Schmerzpunkt" getroffen.

Jeder Erwachsene hat da so seine eigenen Schmerzgrenzen und auch eigene Erfahrungen.

Ich selbst reagiere eher auf bestimmte Geräusche, die mir durch Mark und Bein gehen. Einzelne Sätze und bestimmte Beleidigungen.
Bei Freundinnen/anderen Mütter sind es andere Geräusche, andere Wörter, Augenzwinkern und sonstiges.

Trigger sind Dinge, die Erinnerungen hochholen. Geräusche, Gesten, Wörter, Gerüche usw.
In diesem Zusammenhang sind es Erinnerungen, die
a) Angst machen, dass sich eigene Erfahrungen / Folgen wiederholen.
Selbst hat man unter Tics gelitten
Selbst fand man die Tics nicht schlimm, aber andere haben einen deswegen schlecht behandelt
man hat mit erlebt, wie andere deswegen gehänselt wurden
man hat mit erlebt, wie andere deswegen von den Eltern misshandelt / gedemütigt wurden

b) man sieht sein Kind und sieht das, was man an sich selbst nicht leiden kann
Ich selbst reagiere auf meine "schlechten Eigenschaften" sehr viel ungeduldiger, negativer, wenn ich es bei meinem Kind sehe.

Das Gefühl "du musst es doch mal lernen" kommt dann immer wieder hoch.
Dabei stelle ich fest: ich kann es selbst bis heute noch nicht oder noch zu wenig und werde dann auf mein Kind wütend, die es mir vor Augen führt.
Dabei bin ich wütend auf mich selbst.

Bei Tics ist es ähnlich.


Tics, auf die ich anspringe (egal ob bei meinem Kind oder bei anderen Kindern) zeigen mir sehr viel über mich selbst oder bringen mich emotional in die Vergangenheit (z.B. weil ein Kindergartenkind aus meiner Kindheit einen ähnlichen Tic hatte. Bis zur Einschulung war es weg. Hat nun ein Kind heute einen ähnlichen Tic, dann fühle ich mich wie damals.)


Die allermeisten Tics verschwinden wieder.
Wobei viele Menschen "Tics" haben. Auch viele Erwachsene. Sie fallen oft nur nicht auf, weil sie im Alltag untergehen und unbewusst kaschiert werden.

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Das vergeht. Mein Sohn(7) hat auch hin und wieder Tics, die kommen und gehen.
Räusperte, Nase kratzen, Grimasse ziehen...
Wir waren dann beim Psychiater weil ee plötzlich den Tic hatte alle 10min auf Klo zu rennen und das doch sehr einschränkt.
Naja mit ihm ist alles in Ordnung, er ist sehr intelligent und nachdenklich, die Tics sind ein Ventil für ihn.
Solange es keine störenden sind sollen wir sie einfach ignorieren.
Er hat jetzt aber schon länger nichts

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