ADHS bei Mächen ( Jungs) im Schulaltag. Bitte Erfahrungen und Tips

Hallo ihr Lieben

Ich bin mal auf euren Erfahrungsschatz angewiesen. Natürlich auch von Mami mit Jungs.
Bei meiner Tochter nun in der zweiten Klasse beginnt es langsam zu eskalieren. Sie hat für mich einige typischen Merkmale für Mädchen bei ADHS. Die sind ja etwas anders als bei den Jungs.

Bei Mädchen mit einer ADHS äußert sich die Störung weniger durch Hyperaktivität und Aggressionen, sondern mehr durch innere Unruhe, andauerndes Reden und durch starke emotionale Schwankungen. Vergesslichkeit, mangelnde Selbstorganisation, Tagträumerei, langsames Arbeitstempo, niedriges Selbstbewusstsein, Ängstlichkeit und Mutlosigkeit fallen weniger ins Auge als die typischen Verhaltensstörungen bei Jungen mit einer ADHS“, erklärt Dr. Klaus Skrodzki, Vorstandsmitglied der AG ADHS.

Bis anhin konnte sie sich ganz gut mit ihrer fröhlichen, umgänglichen, sozialen Art behaupten. Nun mit dem Aufgabendruck und den höheren Anforderungen in Mathe und Deutsch stösst sie immer mehr an ihre Grenzen. Mit ihrer noch oft kindlichen Art mit aber auf den anderen Seiten sehr wachem eher altklugen Intellekt wird es auch mit ihren gleichaltrigen Freundinnen schwieriger.
Gestern ist die Situation so eskaliert, dass sie scheinbar zwei Mal einen Schreianfall hatte und die Arbeiten in der Klasse total verweigerte. Auch die Aufgaben wollte sie nicht Heim nehmen.
Wegen ihrer Probleme beim Lesen, Rechnen und sich zu Konzentrieren darf sie jetzt in die Psychomotorik.
Wie und was macht ihr? Wie arbeitet ihr mit der Lehrperson zusammen, lasst ihr genau abklären...?
Heute habe ich einen Termin beim Kinderarzt wegen Vitaminspiegel und Schilddrüse.
Ich sehe das meine Tochter in der Schule immer mehr leidet und ihre Nachmittage nur noch von Hausaufgaben überschattet sind.

Also erzählt von euch und eurem Weg, Tips, Erfahrungen.

Herzlichen Dank

1

Hast Du eine fundierte Diagnose oder mutmaßt Du aufgrund von Internet-Recherche?

Grüsse
BiDi

2

Hallo,

Träumer-ADSler gibt es auch bei den Jungs. Wir haben nämlich einen damit. ;-)
Bei den Mädchen tritt die Variante mit Hyperaktivität lediglich seltener auf. Aber es gibt auch hyperaktive Mädchen.

Ihr habt ja offenbar bisher keine Diagnose. Das wäre bei mir jetzt Plan Nr. 1.
Ich stimme Dir zu, dass bei Deiner Tochter viel dafür spricht, nur macht es trotzdem Sinn, die Sache richtig abchecken zu lassen.
Da wird auch ein Intelligenztest gemacht, und den kann man dann Lehrern unter die Nase halten, die meinen, das Kind wäre nur zu dumm, zu langsam und zu schlecht erzogen.
Leider kennen sich viele Lehrer nämlich überhaupt nicht mit AD(H)S aus, obwohl das alles andere als selten ist.

Außerdem haben einige ADSler Legasthenie. Das würde da ebenfalls auffallen. Bei den Kindern kommt man mit normalen Methoden nämlich gar nicht weiter.

Wenn Ihr privat zahlt, bekommt Ihr wesentlich schneller einen Termin. Am besten lasst Ihr Euch einen Kinderpsychiater empfehlen.

Was Freunde angeht, haben wir auch beobachtet, dass das mit zunehmendem Alter der Kinder schwieriger wird.
Früher hatte unser Sohn auch einen Haufen Freunde, aber in der Grundschulzeit wurde das immer weniger, aus den Gründen, die Du nennst.
Er hat seiner jetzigen Klasse kaum Anschluss und einige ärgern ihn sogar. Zum Glück hat er außerhalb der Schule zwei sehr gute Freunde und noch zwei Jungs, mit denen er ab und zu etwas unternimmt. Die sind alle ein bisschen speziell. ;-)
Aber das ist ein schwieriges Thema. Da muss man leider Glück haben.

ADS-Kinder können sich übrigens super konzentrieren, wenn sie motiviert genug sind. Das ist nur leider häufig das Problem bei Fächern, wie Mathe, Deutsch und Englisch.

Bei ADS-Kindern bleibt alles, was sie nicht spannend finden, schlechter hängen.
Das 1x1 muss man z.B. mit normalen Kindern üben, bis es zu den Ohren heraus kommt.
Bei ADS-Kindern muss man dann nochmal von vorne anfangen. Aber irgendwann sitzt es auch bei denen.

Lesen haben wir mit beiden Kindern täglich 5 bis 10 Minuten geübt, bis es lief. Unsere beiden hatten überhaupt keine Lust dazu. Aber was muss, das muss. Da war mir egal, ob sie Rumpelstilzchen gegeben haben. Irgendwann platzt der Knoten und dann läuft es.
Mittlerweile sind beide Leseratten.

Bei Deiner Tochter würde ich mal analysieren, wo sonst in Deutsch und Mathe die Probleme liegen. Versteht sie den Stoff nicht? Macht sie Flüchtigkeitsfehler? Liest sie die Aufgabenstellung nicht richtig? Hat sie ältere Lücken, die sie jetzt behindern? Liegen Ihr vielleicht bestimmte Lehrmethoden nicht?

Unser Sohn kam z.B. mit Lernworten für die Rechtschreibung nicht klar. Die sind immer ganz schnell wieder aus seinem Kopf diffundiert. Seit wir mit ihm zu Hause Rechtschreibregeln geübt haben, läuft es.

Bei der Organisation muss man den Kindern helfen. Da muss man in kleinen Schritten gemeinsam mit dem Kind immer wiederholen, wie man vorgeht, um Ordnung zu halten, und den Überblick über die Hausaufgaben zu behalten.
Unser Sohn hält mittlerweile besser Ordnung in seinem Ranzen als viele Jungs aus seiner Klasse ohne ADS.

Was das Träumen bei den Hausaufgaben angeht, klappt das mittlerweile auch besser.
Früher bin ich alle 10 Minuten bei ihm vorbei gekommen, um mich zu erkundigen, ob er weiter kommt und ob es Fragen gibt.
Daneben zu sitzen, brachte gar nichts. Dann hat er nur versucht, sich von mir alles vorsagen zu lassen.

"Gestern ist die Situation so eskaliert, dass sie scheinbar zwei Mal einen Schreianfall hatte und die Arbeiten in der Klasse total verweigerte. Auch die Aufgaben wollte sie nicht Heim nehmen."

Da sind die Lehrer gefragt. Es gibt Lehrer, die souverän mit so etwas umgehen können, bzw. einer Eskalation vorher schon entgegen wirken.
Bei unserem Sohn läuft es mit Lehrern, die ihm freundlich und glasklar sagen, was sie von ihm erwarten und streng werden, wenn er nicht hört, dabei aber gerecht sind.
Mit irgendwelchen freundlich säuselnden und um den heißen Brei schwafelnden Damen kommt er schlecht klar, aber auch mit Lehrern, die nur streng sind. Erstere nimmt er nicht ernst, mit der zweiten Sorte streitet er sich.
Leider kann man sich die Lehrer nicht aussuchen.

Die zweite Grundschullehrerin unseres Sohnes hat es so gemacht, dass sie ihn speziell angesprochen hat, wenn er geträumt hat und ihn teilweise auch an der Schulter berührt hat, um ihn zu "wecken".
Sie ihm, von der Formulierung her, gar nicht die Chance gelassen, Dinge als "könnte man machen" zu interpretieren, sondern als "das wird jetzt gemacht".
Wenn er anfing, zu bocken, hat sie dem gleich entgegen gewirkt, von wegen dass es so nicht läuft. Sie hat dann gefragt, wo das Problem liegt und ist auch auf ihn eingegangen, wenn er Argumente hatte.

Man muss aber sagen, dass diese Lehrerin schon ausstrahlte, dass das passiert, was sie sagt. Da haben auch die Eltern am Elternabend pariert und keine endlosen Diskussionen angefangen. #rofl
Die Kinder haben sie trotzdem heiß und innig geliebt.

Was man auch machen kann, ist mit der Schule ausmachen, dass das Kind Kopfhörer tragen darf, wenn die Kinder alleine arbeiten sollen, aber zu viel Unruhe herrscht, so dass das KInd sich nicht konzentrieren kann.

Jetzt, an der weiterführenden Schule, haben wir das Problem, dass diese Lehrer natürlich nicht mehr so auf die Kinder eingehen.
In der Klasse unseres Sohnes sind 30 Kinder und da herrscht fast immer jede Menge Unruhe.
Die Lehrer kritisieren im Moment, dass unser Sohn (leise) kaspert und träumt. Wir müssen ihnen jetzt irgendwie klar machen, dass er trotzdem das meiste mitbekommt. Das ist nämlich so. Er ist mündlich auch gar nicht schlecht. Das wäre nicht möglich, wenn er sich total wegbeamen würde.
Kaspern soll er natürlich nicht, auch nicht leise. Das sagen wir ihm selbstverständlich, aber, wie ich ihn kenne, denkt er in der Schule nicht mehr daran.
Dinge rechtzeitig abgeben und Flüchtigkeitsfehler sind nach wie vor ein großes Problem und in Englisch bekommt er auch öfter die Hausaufgaben nicht mit. (Warum nur da, ist mir ein Rätsel.)

Wir haben demnächst wieder ein Gespräch mit den Klassenlehrerinnen.

Eigentlich wäre für ihn eine anspruchsvolle Schule mit kleinen Klassen und persönlicher Ansprache passend. Idealerweise wären da auch noch ein paar mehr Jungs, die offener wären und sich nicht nur für Fußball, Basketball und Zocken interessieren.
Aber so etwas gibt es nun einmal nicht.
Da bleibt nur die Hoffnung, dass es besser wird, wenn unser Sohn älter wird.

LG

Heike

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"Bei den Mädchen tritt die Variante mit Hyperaktivität lediglich seltener auf. Aber es gibt auch hyperaktive Mädchen."

Sie werden seltener diagnostiziert. Sie haben es aber vermutlich genauso häufig wie Jungs. Sie können es besser kompensieren, anders lenken.

Eine Freundin nutzt ihr H zum putzen. Eine andere für ihr Hobby bzw. ihren Beruf.

Mädchen mit H werden eben bezeichnet: sind eben wie Jungs, haben Power wie Jungs.

Ich kenne einige Frauen, die erst bei sich aufmerksam wurden, als ihre Kinder die Diagnose bekamen. Selbst mit H. Nur dass sie es eben kompensiert oder umgeleitet haben.

Ich selbst lebe mein Zappel-H in den Schuhen aus. Zehen rollen, mit den Füßen wippen (nicht mit dem Stuhl!), zeichnen/kritzeln, Daumen aneinander tippen (in der Schule: letzte Reihe einfach, erste Reihe: Lehrer wurden nervös, daher legte ich es um auf die Zehen in den Schuhen).

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Hallo Heike,

du beschreibst grad in großen Teilen meinen Sohn. Wir haben eine diagnostizierte ADS, Test auf LRS negativ (lag aber im unteren Drittel, mit viel üben wird es langsam beser) IQ überdurchschnittlich bei 115. Aktuell machen wir mit unserem Sohn Reflexintegration. Eine Medikation kommt bei uns aus medizinischer Sicht nicht in Frage.

Bald steht bei uns die Wahl zur weiterführenden Schule an und wir tuen uns wirklich schwer.#schwitz War dies bei euch eine einfache Entscheidung? Wie hat sich euer Kind in der weiterführenden Schule eingelebt? Unser Sohn möchte aufs klassische Gymnasium, der Psychologe rät ebenfalls dazu. Ich bin mir unsicher, denke aber die offenere Arbeitsweise der IGS ist auch nicht das richtige. Bis Mitte Mai haben wir zum Glück noch Zeit uns zu entscheiden.

LG kath

3

1. Schritt abklären lassen!

Schilddrüse, Augen, Ohren, Diabetis sollten zwar zur Diagnostik dazu gehören, tun es aber leider nicht immer.

Lasst organisch abchecken
und ADHS Testung auch, wenn es Hinweise darauf gibt.


2. Schritt mit dem behandelnden Arzt die Therapien und Begleittherapien absprechen.

Medikation? Ja, nein, welches Präparat! (es gibt VERSCHIEDENE! )

Elterntraining
ADHS Verhaltenstherapie

Das sollte individuell an eure Situation angepasst werden.


Ein guter Arzt geht auf eure Fragen und Bedenken ein, erklärt, warum er was vorschlägt.

Ich muss nicht alles verstehen, was erklärt wird. Dass er überhaupt erklärt und mich nicht als doof hinstellt, ist für mich ein wichtiges Merkmal.



Das ADHS Medikament nehme ich, weil es mir a) hilft, b) der Arzt super auf meine Fragen eingegangen ist.

Erkältungsmittel / frei verkäufliches nehme ich NICHT, wenn mir ein Arzt es nur vor die Nase knallt, verschreibt ohne dass ich die Symptome dazu habe, KEINErlei Untersuchung im Vorfeld macht, sondern erst mal zum Experimentieren rät und dann irgendwann später Untersuchungen in Erwägung zieht
oder nur sagt, was ich nehmen soll, auf Fragen NICHT eingeht und meint alles bestens und alles problemlos.

Sagt mir ein Arzt, warum ich etwas nehmen soll, was er sich davon erwartet: gerne.
So auch beim ADHS Medikament geschehen.


Ich mache den Unterschied nicht beim Medikament, sondern bei dem, was ich habe UND was es bewirken soll!


3. mit der Lehrerin sprechen
Überbrückungszeit bis Untersuchungen laufen, Termine vergeben sind, Therapien wirken

ggf. Nachhilfe, damit sich keine Lücken auftun, um den Anschluss zu erhalten
um den Druck aus der Familie zu nehmen
Auch gesunde Kinder lernen oft mit Familienmitgliedern nicht so gut (emotionale Explosionsgefahr)

4

lass zu erst auch mit die Augen kontrollieren.

Ich habe das jetzt im Umfeld so oft erlebt (meine Tochter plus mehrere entferntere Bekannte), die was weiß ich was für Krankheitsbilder zeigten, sogar LRS bzw. Diskalkulie umfangreich diagnostiziert bekommen haben usw....

und was war? -- man geht später, (hier in der dritten Klasse) zum Augenarzt, weil sich das Kind nicht "augentypisch" vorher verhalten hat und da kommen plötzlich Sehstärken raus, die hinterher jeden kopfschütteln lassen....

nur mal so als ergänzende Anregung.
Meine Tochter hat jetzt ein Jahr lang ihre Brille und in diesem Jahr sind Stück für Stück alle vorher vermeindlichen Verhaltensauffälligkeiten (ähnlich Deiner Aufzählung) verschwunden.

6

Hi,
meine Freundin war in einer Mutter-Kind-Kur zum Thema ADHS mit ihrem Sohn, dort hat sie viel Wissen mitnehmen können, um den Alltag zu gestalten.

Vlg tina

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Ich kann hier auch nur zustimmen, dass du es unbedingt klar abklären lassen sollst. keine scheindiagnosen, keine diagnose nach beschreibung des verhaltens. Lass es abklären. Kinderpsychiater, Kinderpsychologe, oder SPZ.

ob sie mit ihrer Art mit der Schule klar kommt, hängt leider sehr stark von der Schule ab.
Mein großer Sohn hatte eine äußerst unkooperative Grundschule die ihn letzten endes rausgeworfen hat.
Das Gymnasium ist da weit kooperativer und hat sogar von sich aus Integrativunterricht angeboten, obwohl wir den gar nicht beantragt haben. wobei es hier auch einzelne Lehrer gibt, die ADS und ADHS für ein reines Produkt schlechter Erziehung halten.

Die Kombination Leseprobleme und ADHS sind sehr häufig und schwer zu kontrollieren. Hier braucht es Hilfen, die du aber vermutlich nur nach gründlicher ADHS-Diagnostik bekommen kannst.

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!!!!ERST DIAGNOSTIZIEREN LASSEN ERST DANN HANDELN UND TIPPS HOLEN !!!!!!
Adhs ist ein Störungsbild und kann nur von einem Mediziner diagnostiziert ! Das kann weder ein Erzieher noch Eltern noch sonst wer diagnostizieren

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Hallo

also wir hatten die Diagnose über unseren Sohn mit 5,5 Jahren erhalten. Er wurde noch ein Jahr zurückgestellt. Erstes Jahr war sehr holprig und es gab zig Ermahnungen, viele Gespräche in der Schule etc. Dann haben wir uns gegen Ende des 1 Schuljahres nach ganz viel Stress (für ihn und uns) damit auseinandergesetzt doch mal eine Medikation zu versuchen. Er bekommt nun morgens 20 mg Medikinet. Seitdem ist es um welten besser geworden. Sein Charakter ist gleich geblieben :-). Es war ein langer schritt bis dahin aber somit können nun alle besser leben und auch sein Umfeld gibt gute Rückmeldungen . Im Elterngespräch gab es nur 2 Kritikpunkte und sonst war alles top. Daher würde ich erstmal gesundheitliches ausschließen und dann in ein Kinderzentrum gehen damit sie getestet werden kann . Elterntraining wird bestimmt auch in eurer Nähe angeboten. Das werden wir auch im Sommer in Anspruch nehmen damit wir auch so besser damit umgehen können. Vorher waren wir Jahrelang bei unszähligen Therapien (Motopädin, psychiater.....). Ich wünsche euch viel Erfolg.

LG Hexe12-17

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Gibt es eine Diagnose?

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