Gym/Real- oder GS mit Rechtschreibschwäche?

Hallo zusammen,

mein Sohn hat im Sommer die 3. Klasse mit 1ern und 2er abgeschlossen. Trotz allem waren seine Texte rechtschreibmässig eine Katastrophe. Das erste Diktat in Klasse 4, dann eine 3-4...und die Lehrerin stempelte mich wahrscheinlich als Helikopter-Mutter ab, als ich die auf eine Rechtschreibschwäche ansprach. „Das glaube ich nicht- aber wenn sie möchten dann kommt eine Beratungslehrerin und testet ihn“ sagte Sie dann zu mir- Ende vom Lied: Keine LRS als Kombi sondern ausschließlich eine Rechtschreibschwäche wurde jetzt festgestellt.

In Ba-Wü. ist die Empfehlung nicht bindend. Ich weiß nicht wie seine ausfällt...trotz allem wollte ich mal hören auf welche Schule eure Kids mit Rechtschreibschwäche gehen? Wie geht es mit den Fremdsprachen? Wiegst das mit dem Nachteilsausgleich? Auf was soll ich bei der Wahl der Schule achten?Gibt es sonst etwas was ihr mir auf den Weg geben könnt.

Mein Sohn selber möchte unbedingt zu seinem großen Bruder aufs Gym. Aber er kann das ja nicht einschätzen und auch nicht entscheiden. Ich finde dass sehr schwierig, vorallem wenn sich das Kind knapp in dem geforderten Schnitt bewegt.

Danke euch Güte eure Hilfe

Gruß
Lana

1

Hallo,

meine Tochter geht trotz Rechtschreibschwäche aufs Gymnasium. Bisher zählt die Rechtschreibung nur im Diktat welches sie mit den anderen Noten gut ausgleichen kann.
Sie lernt extrem schnell und gut auswendig. Deshalb und, weil sie die Grammatik stets beherrscht, sind auch die Fremdsprachen gut.
Sorge machen mit eher die höheren Klassen da ab Klasse 8 zwar kein Diktat mehr geschrieben wird, dafür in allen Fächern bis zu einer Note aufgrund der Restschreibung abgezogen werden darf.

Nachteilsausgleich geht bei uns (Baden-Württemberg) nur bis zur 7. Klasse. Deshalb haben wir ihn nicht beantragt. Sie geht jedoch einmal in der Woche zur Lerntherapie.

Etwas zu raten ist schwierig.
Meine Tochter kommt gut zu recht. Durch die Rechtschreibschwäche ist jedoch alles oft anstrengender für sie und sie muss schauen, dass sie z.B. in Grammatik besonders gut ist um die Rechtschreibung auszugleichen.

Grüße
Jojo

2

Hallo,
Bei meiner Tochter wurde Anfang der 3ten Klasse auf meinem Wunsch hin ein LRS Test gemacht und der war negativ. Im zweiten Halbjahr kam ein Diktat und sie hatte eine Note 6. Das 4te Jahr hat sie in Deutsch gekämpft. Die Rechtschreibung war Katastrophe aber im Übertrittszeugnis hatte sie dann auch in Deutsch ihren 2er.
Sie wollte aufs Gym (hier Bayern). Ich war eigentlich dagegen aber da hier wieder G9 ist wollte ich ihr die Chance geben. Zumal sie auf eine Mädchenschule geht die Gym und Realschule in einem Haus hat. Somit fällt der Wechsel, falls nötig, nicht so gravierend aus.
Sie kam im September diesen Jahres in die 5te und dort wurde nochmals ein LRS Test gemacht und diesmal positiv. Sie hat auch diese Kombi und IQ durchschnittlich. Sie hat aktuell Notenschutz und Nachteil ausgleich um ca 20%.
Sie ist sehr fleißig, lernt ihre Vokabeln in Englisch, doch sobald sie Fehler macht und die macht sie leider oft, hat sie Pech. Statt brother hat meine Tochter zb broser geschrieben und wurde nicht als Punkt gewährte. In Englisch hat sie es nicht einfach. Es war von 2-5 schon alles dabei obwohl sie echt nicht schlecht in Englisch ist.
Im Vokabeltest weiß sie immer von 20 Vokabeln ca 18, doch bei ihr werden aber meist nur 12 bis 14 als richtig angesehen. Meine Tochter kämpft aber und das letzte mal hat sie dann auch endlich mal ihren 2er gehabt. Sie entwickelt auch langsam Ehrgeiz, das kenne ich von ihr noch garnicht. Bis jetzt bin ich zufrieden. Mal sehen was noch kommt. Zumal es mit der zweiten Fremdsprache ja nicht einfacher wird.
Davor habe ich schon ein bisschen Angst.

3

Bei meinem Sohn wurde die Rechtschreibschwäche erst in der 5.Klasse Gymnasium festgestellt. In der Grundschule waren seine Rechtschreibleistungen durchaus ok - da gab es kaum ungeübte Wörter aber jede Menge Zeit um jedes Wort mit den gängigen Rechtschreibregeln 'abzuklopfen'.
Auf dem Gymnasium war das ganz anders und Söhnchen fiel in ein tiefes Loch. Zum Glück hatte er eine sehr weise Deutschlehrerin, die Ende der 5.Klasse feststellte 'Mit dem Kind stimmt was nicht' und uns zur Lerntherapeutin schickte. Das Ganze 'zuhause feste üben' machte nämlich alles noch schlimmer statt besser.
Und weil die Schule wusste, daß Kind in Therapie ist, war es auch gar kein Problem vorübergehend Nachteilsausgleich und Notenschutz zu bekommen.

Ohne Nachweis der Therapie wäre das deutlich schwieriger geworden (insbesondere der Notenschutz). Denn der LRS-Erlass unseres Bundesland ist mehr als schwammig und geht von LRS aus, was von einer isolierten Rechtschreibschwäche doch ein ganzes Stück entfernt ist. Und LRS hatte Söhnchen laut Testung nicht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Das Gymnasium war schon die richtige Entscheidung. Ohne Lerntherapie wäre Söhnchen da aber sowas von untergegangen. Denn korrekte Rechtschreibung wird in jedem Fach vorausgesetzt (spätestens ab Klasse 7). Und wenn ein Kind auch in der Physikarbeit einen beachtlichen Teil des Gehirnschmalzes auf die korrekte Schreibweise von 'Elektrizität' verwenden muss, fehlt der dann natürlich bei den inhaltlichen Teilen.

Deshalb mein Rat: Nehmt diese Rechtschreibschwäche nicht als einfach so gegeben hin, sondern sucht nach Leuten, die in der Lage sind, mit Eurem Sohn andere Zugänge zur korrekten Rechtschreibung zu trainieren. Dann kann das durchaus auch mit dem Gymnasium klappen.

Grüsse
BiDi

4

Ich kannte 2 Mädels, die eine mit Rechtschreibschwäche, die andere mit LRS, die trotzdem aufs Gym gingen und Abitur gemacht haben. Natürlich sollte man nicht gerade Deutsch als LK nehmen und unnötig zu erwähnen, dass es einem hier und da den Schnitt vermiesen kann und es nicht für alles und jedes einen Nachtteilsausgleich gibt. Gut wäre dann auch eine mathematisch-naturwissenschaftliche Begabung oder Schulausrichtung. Trotzdem kommen halt noch mehr Fremdsprachen hinzu, wo sich das Problem ja wiederholt - also eine Beeinträchtigung hat man auf alle Fälle - aber .....wenn er wirklich sonst gut drauf ist und sonst lernt klar zu kommen, dann muss ihn das allein nicht aufhalten. Ich kann über beide sagen, dass sie im Laufe der Zeit doch einige Strategien entwickelt haben um zurecht zu kommen. In sofern....darf er sich nur nicht aufgeben in dem Punkt.

5

Mein Sohn kam mit einer isolierten Rechtschreibschwäche (festgestellt im 4. Schuljahr) aufs Gymnasium. Wir hätten fürs Gym erneut eine Prüfung veranlassen müssen, dann hätte er weiterhin Notenschutz erhalten. Dies haben wir aber versäumt, bzw. zu spät begonnen (dauert ja immer mit den Terminen alles in allem). Aber es war nicht mehr nötig. Im Diktat schrieb er eine 2- und auch sonst klappt es gut. Das war vorher nicht denkbar. Aber das ist nur nebenbei. In der Schule sind mehr Kinder, die bis zur Oberstufe einen Notenschutz haben.
Eine Rechtschreibstörung ist kein Hinderungsgrund für das Gymnasium.

6

Zwei Dinge:

1. Rechtschreibung spielt auf dem Gym oder der RS eine eher untergeordnete Rolle. Niemand schafft das Gym nicht, nur weil er Probleme mit der Rechtschreibung hat.

2. Rechtschreibung kann man üben.


3-4 im Diktat ist ja nun nicht so schlecht. Das hört sich jetzt nicht nach einer wirklich katastrophalen Rechtschreibung an. Mit etwas Übung und Geduld bekommt ihr das bestimmt in den Griff.
Ob ihr so überhaupt einen Nachteilsausgleich bekommt weiß ich nicht. Das ist überall ein bisschen anders geregelt. Die Zeiten, wo dann wirklich kein Rechtschreibfehler zählt, sind bei uns ohnehin vorbei.

Meine Tochter hat eine isolierte Rechtschreibschwäche, allerdings war das schon in der 2. Klasse auffällig. Wir haben dann wirklich ab der 2. Klasse zusammen Rechtschreiben geübtund dabei viel mit dem Karteikasten gearbeitet. So wie man auf Englisch Vokabeln lernt, haben wir deutsche Wörter geübt.
In der 4. Klasse hatten wir die Rechtschreibung ganz gut im Griff (wobei es zu einer 3-4 im Diktat nie gereicht hat, nichtmal zu einer 4). Die immer noch nicht gute, (aber immerhin nicht mehr grottige) Rechtschreibung musste sie für den Übertritt eben mit anderen Noten aufbessern.
Sie ist dann auf die RS gewechselt. Hier macht die Rechtschreibung keine größeren Probleme. Sicher steht unter jedem Aufsatz "Achte auf die Rechtschreibung!", da sie sonst aber gut genug ist, stört das nicht groß. In den Fremdsprachen hat sie damit keine Probleme, was auch nicht ungewöhnlich ist, gerade bei leichten Defiziten.

Und eine großen Vorteil hat sie. Sie kann lernen und sie weiß, dass ein langer Atem und harte Arbeit zum Ziel führt. Viele ihrer Mitschüler sind es gar nicht gewohnt, mal über längere Zeit wirklich zu arbeiten. Wenn da trotz etwas längeren Lernens mal eine schlechte Note kommt, sind sie völlig verzweifelt, meine Tochter weiß aber, dass sie eben weiter arbeiten muss und dann kommt irgendwann auch der Erfolg.

7

Hallo,

ich habe eine Kollegin mit Rechtschreibschwäche, Abitur und Bachelor, kenne aber auch einen jungen Mann, der wegen LRS das Gymnasium verlassen hat.
Nach seinem Realschulabschluss ist er jetzt wieder auf dem Gymnasium, und offenbar klappt es mittlerweile besser.

Ich denke, ich würde mal mit dem Gymnasium sprechen, wie deren Erfahrungen mit solchen Kindern sind.

"Ich finde dass sehr schwierig, vorallem wenn sich das Kind knapp in dem geforderten Schnitt bewegt."

Wieso ist ein Zeugnis mit 1-2 knapp im Schnitt? #kratz
Ok, wir sind hier in NRW, aber hier bekommen auch Kinder mit fast nur 2en eine Gymnasialempfehlung, wenn die Grundschullehrer meinen, dass es passt (unser Sohn zum Beispiel).
Er ist jetzt in der 5. Klasse und da sagt auch das Gymnasium, dass es passt.

Eine Gymnasialeignung hängt von vielen Faktoren ab.
Du kannst z.B. mal überlegen, ob die Grundschullehrerin Deines Sohnes eher anspruchsvoll ist oder nicht, und ob Dein Sohn sich auf den Hosenboden setzen und lernen kann und will oder eher nicht.
Dann ist es relevant, ob das Kind eher Flüchtigkeitsfehler oder fachliche Fehler macht.
Wenn das Kind selbst auf's Gymnasium will, ist die Motivation größer, etwas dafür zu tun. Das ist auch noch ein Punkt.

LG

Heike

8

Das mit dem Schnitt hat mich auch überrascht.

Hier auch ein vorwiegender 2er Zeugnis (mit ein paar 1er dazu) und eine uneingeschränkte Empfehlung ohne Probleme.

Die 2 erste Runden Klassenarbeiten am Gymnasium waren jetzt alle 2er :-)

VG

9

Hallo,
ja, es ist möglich. Aber das kommt auf dein Kind an. Klar, Sprachen als Leistungskurs fallen damit schon mal weg. Zwangsweise würde ich mich jetzt fragen, wie gut das Kind in Mathe ist. Interessiert es sich für Naturwissenschaften?

Dein Kind sollte eine Lerntherapie besuchen. Das hilft. Mit der Zeit wird es dann besser. Nur das bedeutet eben an einem Nachmittag pro Woche ist Therapie und zusätzliche Hausaufgaben - anfangs teilweise auf dem Level Vorschule und 1. Klasse.
Nachteilsausgleiche gibt es zwar, aber nicht ewig und bei uns sind diese auch an den regelmäßigen Besuch der Lerntherapie gebunden. Das muss in der Schule nachgewiesen werden. Brauchst du die Nachteilsausgleiche aber für den Schulwechsel, ist das schon vorteilhaft. Ich habe das damals auch so gemacht bei meinem Sohn - allerdings hat er eine LRS.

Abitur kann man schaffen, nur das Kind muss eben sehr gut in dem mathematisch/naturwissenschaftlichen Bereich sein. Deutsch und die beiden Fremdsprachen werden nie einfach sein. So ein Kind wird tendenziell immer sehr viel mehr lernen müssen. Aber ein reines Gymnasium wäre mir zu gefährlich. Hier wird gerade in den ersten Jahren zu stark gesiebt. Wir sind den Weg der Gesamtschule (IGS) gegangen. Da kann man in den ersten Jahren sehen, wie gut das Kind in den einzelnen Fächern klarkommt. Bei uns findet der Unterricht zwar in einer Klasse, aber doch differenziert statt. Das Kind wählt (nach Rücksprache mit Lehrer und Eltern) seine eigene Schwierigkeitsstufe in jedem Fach individuell aus. Das geht von Leistungskurs- bis Hauptschullevel.

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