1. Klasse - Kind findet keinen Anschluss

Hallo,
ich hoffe hier auf viele Anregungen, wie ich meinem Sohn helfen kann.
Zur Situation: Sohnemann, bald 7 Jahre alt, ist seit Mitte August in der 1. Klasse. Generell ist er eher introvertiert, geht körperlichen Auseinandersetzungen aus dem Weg. War sehr beliebt im Kindergarten, hatte viele Freunde, er war dort nie der „Rudelführer“, aber sein Wort hatte Gewicht, kann vieles erklären, die Kinder haben zu ihm teilweise aufgesehen. Wenn er sich in einer Gruppe wohlfühlt, geht er richtig auf, macht (gute) Witze, lacht. Er hat wirklich viele Interessen, und kann bei „seinen“ Themen die Kinder „mitnehmen“, hat aber Hemmungen, sich bestehenden Gruppen anzuschließen. Er ist in eine Klasse gekommen, in der er vorher keinen kannte. Andere Kinder kamen aus 2-3 Kindergärten und kennen sich schon ewig. Und hier liegt das Problem: er fühlt sich total alleine, v.a. in der Pause wird er regelrecht links liegen gelassen. Das hat er schon paar Mal so durchklingen lassen, ich dachte, das wird sich mit der Zeit schon noch geben, er ist ein tolles, zugängliches, emphatisches Kind. Aber gestern Abend weinte er zum ersten Mal, dass es unfair sei, weil die anderen ihn nie mitspielen ließen. Er geht wohl hin, fragt vorsichtig nach, wird aber entweder ignoriert, oder direkt weggeschickt. Dann geht er hinter die Schule und bastelt dort Papierflieger. Sein Ranzen ist täglich voll von den Dingern!!! Zu Beginn des Schuljahres hatte er sich mit einem Mädchen angefreundet, aber die Jungs fingen an „XY ist verliebt“ zu rufen, so hat er sich wieder von ihr distanziert. Das war so schlimm gestern ihm zuzuhören… Am Wochenende oder nachmittags trifft er sich noch mit seinen früheren Kindergartenfreunden (sind auf anderen Schulen), da ist alles wunderbar. Aber in der Schule leidet er richtig unter dieser nicht-Beachtung (oder ist das schon Ablehnung?).
Ich habe noch gestern Abend die Klassenlehrerin angeschrieben, und sie um ein Gespräch gebeten. Sie ist eine erfahrene Pädagogin, ich will hören, wie sie die Sache sieht, was sie beobachtet hat. Ich möchte auch gerne, dass sie etwas unternimmt, hoffe da einfach auf ihre Erfahrung. Was können wir an der Situation ändern? Sohnemann hat bald Geburtstag, wir werden mehrere Kinder aus der Klasse einladen. Auch so möchte ich jetzt Playdates forcieren – aber bringt das was? Habt Ihr noch weitere Tipps? Irgendwie an seinem Selbstwertgefühl arbeiten?
Es ist eine richtig gute Grundschule, alle Familien sind völlig normal und eigentlich nett, keinerlei „Brennpunkt“-Geschichten. Sohn ist im kognitiven Bereich eher weiter als der Klassendurchschnitt – fällt ihm das jetzt vielleicht auf die Füße?
Vielen Dank für Eure Rückmeldungen! Ich weiß nicht, ob ich direkt antworten kann, aber spätestens heute Abend werde ich mich auf jeden Fall melden.

LG,
A.

Mein Sohn ähnelt charakterlich deinem, denke ich, und er wäre extrem aufgeschmissen gewesen, wäre er nicht mit alten Kindergartenfreunden eingeschult worden.

Bei eher körperlichen Jungs (die typischen Fußspallspieler, Raufern) eckt er eher an, da er auch gerne mal schlaumeiert und Fußball leidenschaftlich hasst und lieber liest als über den Schulhof zu toben.

Wie gesagt: Er hat überlebt, weil er seine treuen Kindergarten-Bro´s an der Seite hat.
Nach nunmehr über einem Jahr fängt er jetzt auch an weitere Freundschaften zu knüpfen, mit einem Mädel und mit anderen, eher ruhigen Jungs. Meine These ist ja, dass sich die stilleren Kinder später finden, weil sie zunächst abseits des Geschehens sind und dann erst langsam zueinander finden, er hat einen seiner neuen Kumpels z.B. in der Schulbibliothek kennen gelernt, wo sie beide leidenschaftlich gerne Was ist Was-Bücher besprechen. Im ersten Schuljahr war der Sohn noch nicht oft in der Bibliothek, weil er eben noch nicht so gut lesen konnte.

Ich habe im ersten Schuljahr übrigens trotz des Beistands seiner Kindergarten-Freunde Playdates forciert, gerne auch mit den forscheren Jungs, weil es dem Sohn deutlich leichter viel, sich in einer Zweier-Situation positiv zu zeigen als im Rudel, wo er halt untergeht. Das hat in einem Fall richtig gut geklappt, einer der Oberhaudegen hat den Sohn dann unter seine Fittiche genommen und mittlerweile habe ich das Gefühl, dass er gut integriert ist, auch wenn er vermutlich immer eher der Nerd als der Leader sein wird.

Meine Tipps wären also: Mach den Sohn auf Möglichkeiten wie die Schulbibliothek aufmerksam. Und er soll sich mal umgucken, ob es noch andere Kinder gibt, die etwas am Rande sind und auf die zugehen. Playdates würde ich trotzdem forcieren. Vielleicht kann er auch ein Hobby beginnen, bei dem andere aus der Klasse mitmachen? Mein Sohn war anfangs mit vielen Kindern aus der Klasse in einer Turngruppe. Gibt es AGs an der Schule? Kann er darüber vielleicht Kontakte knüpfen?
Die Klassenlehrerin würde ich auf jeden Fall ansprechen. Bei uns gab es immer wieder im ersten Schuljahr auch "Freunde-Wochen", wo die Kids in willkürlich zusammengesetzten Teams Ralleyes etc. gemacht haben, damit sie sich besser kennen lernen. Gibt es bei euch so etwas?

Hallo,
vielen Dank an alle, die mir geantwortet haben. Ich lese daraus, dass wir es mit etwas Anstrengung schaffen könnten, ihn besser zu integrieren.

Das Gespräch mit der Lehrerin hat in der Zwischenzeit stattgefunden, sie war super schnell mit einem Terminvorschlag, und ich habe sofort zugegriffen :-)
Jetzt stehen wir allerdings vor einem anderen Problem. Sie meint, eine der Möglichkeiten wäre, unseren Sohn in die 2-te Klasse springen zu lassen. Das was ich gestern geschrieben habe mit meiner Einschätzung, dass er weiter als der Klassendurchschnitt ist, ist - wie es aussieht - falsch, er ist deutlich weiter. Wenn andere Kinder in Gruppen arbeiten und passende Bilder zu einem Buchstaben malen, macht er "lies mal" für die 2. Klasse. Und das zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche Bereiche. So baut er auch keine Kontakte im Unterricht auf, bzw. auch der Gesprächsstoff mit anderen Kindern fehlt irgendwie...

Bin etwas vor den Kopf gestoßen, ehrlich gesagt, aber irgendwie finde ich diese Option auch gut. Wir beobachten das Ganze jetzt mal, sie wird sich noch mit anderen Lehrern beraten, und auch Aktionen in der Klasse machen, dass die Kinder mehr miteinander agieren. Und wir sprechen und in paar Wochen. Bin gespannt, wo unsere Reise hingeht.

Ich werde hier bestimmt noch Fragen zum Klassen Überspringen stellen...

LG,
A.

Ich würde mal schauen dass er Kinder einzeln einlädt. Würde zum Geburtstag auch nicht zu viele aus der Klasse einladen so lange du nicht weißt was los ist. Nicht dass die dann eine separate Gruppe bilden und die Party sprengen.
Einschätzung der Klassenlehrerin finde ich gut. Aber auch offen sein für Vorschläge was dein Kind ändern kann.

Hallo,

der Beitrag hätte im letzten Schuljahr von mir sein können. Denn mein Sohn ähnelt sehr der Beschreibung deines Sohnes und auch er kam als einziges Kind von einem anderen Kindergarten, der Rest der Klasse kannte sich schon mehrere Jahre.
Ich dachte trotzdem nicht, dass es für ihn so schwer werden würde denn im Kindergarten hatte er viele Freunde und wir hatten vor Schulbeginn schon versucht über Sport- und Musikverein Kontakt zu zukünftigen Klassenkameraden zu knüpfen.
In der Schule wurde er trotzdem nicht beachtet.
Er durfte nicht mitspielen. Wurde nie eingeladen... etc. und war irgendwann sehr traurig.
So fing ich an über die Eltern Treffen zu organisieren. Immer nur mit einem Kind aus seiner Klasse.
Es dauerte fast das ganze erste Schuljahr aber nun hat er zwei ganz tolle Freunde mit denen er sich auch außerhalb der Schule oft verabredet.
Ich wünsche euch, dass dein Sohn auch bald jemanden findet und er so in der Klasse ankommt.

Grüße
Jojo

große Gruppen sind schwer ...

eventuell mit einem bestimmten oder mehreren Einzeln öfter Spielverabredungen ausmachen? -- über diese klappt es dann auch indirekt in der Gruppe...

Klassenlehrerin in gut , aber vielleicht auch Schulsozialarbeiterin mit ins Boot holen........

Das war bei uns in der 1. Klasse ähnlich.

Da unser Sohn nicht auf unsere örtliche Grundschule ging, sondern auf ein 12km entfernte Grundschule, kannte er auch niemanden in der Klasse.

Nach einem Gespräch mit der Lehrerin haben wir gemeinsam entschieden, dass sie mehr Teamwork im Unterricht fordern wird und zwar max. in 3er Gruppen
Sie hat sich genau angeschaut, welche Kids zu unserem "passen" würden und so wurden sie dann eingeteilt.
Und siehe da, ab diesen Teamwork Stunden war es kein Problem mehr Kontakt zu knüpfen, da es doch sehr viel Selbstvertrauen mitgegeben hat.

Vielleicht wäre das eine Idee für eure Lehrerin.....

Hallo! Wir kennen das auch und unser Kind ist nicht schüchtern und gleich mal überall dabei. Trotzdem hatte sie es sehr schwer.

Bei uns halfen Spieldates und gemeinsame Schulwege. Ich hab sie zu Treffpunkten gefahren.

Aber es macht auch viel der Lehrer. Ein Gespräch ist sicher nicht verkehrt.

Alles Liebe!

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