Trauma?

Hallo!
Im August musste mein Sohn (8j), wegen starker Nachblutung nach einer Tonsilloektomie, vom Rettungshubschrauber in Krankenhaus gebracht werden. Er wurde dort direkt vom Landeplatz in den OP gebracht u notoperiert. Die Rettungskette hat super funktioniert und alles ist gut gegangen. Während der Akutsituation war ich ruhig und geordnet, konnte die Flugärztin beim Venenzugang legen unterstützen und durfte mit dem Hubschrauber mitfliegen. Die große Fassungslosigkeit kam dann erst, als er im OP war u ich alleine draußen warten musste. Als nach 2-3 Wochen danach die neuerliche Nachblutungsgefahr vorbei war, dachte ich, dass auch meine Psyche sich wieder beruhigt hätte.
Aber jetzt saß ich im Garten u der selbe Hubschrauber flog 2x auf der Suche nach einem Landeplatz direkt über unser Haus. Er landete wohl wieder im selben Feld wie damals bei uns.
Völlig unkontrollierbar bin ich in Tränen ausgebrochen und konnte gar nicht aufhören zu weinen. Hab am ganzen Körper gezittert - sah die Situation von damals wieder vor mir, war wieder mitten drin. Meine Hände zittern jetzt beim Schreiben immer noch...
Ich dachte, ich hätte alles recht gut verarbeitet - scheint wohl eher nur verdrängt.
War von euch schon mal jmd in einer Situationen, wo ihr extreme Ängste um das Leben eures Kindes austehen musstet? Wie habt ihr es verarbeitet, habt ihr euch Hilfe geholt, hat die Zeit "geheilt"?
Unser Sohn hat die ganze Aktion anscheinend sehr gut weggesteckt. Er war der große Held in der Schule, da in unsrem kleinem Dorf alle Bescheid wussten, und hat die Bewunderung sogar ein bissl genossen.
Wir haben mit ihm drüber gesprochen, wenn er davon angefangen hat. Jetzt kam aber lange schon nichts mehr.
Bin durch meine krasse eigene Reaktion nun verunsichert - bräuchte er vllt doch mehr Unterstützung, vllt sogar von außen? ...
Danke für eure Antworten und lg minitouch

Mir geht es nach ca. 8 Jahren immer noch so ähnlich, wie du es hier beschrieben hast.

Als mein Kind noch klein war, musste er innerhalb ein paar Monaten 4x operiert werden. Das alles passierte bei uns auch recht schnell, von der ersten Diagnose bis zur ersten OP sind keine 2 Wochen vergangen. Danach folgten weitere OP's, teilweise geplant, teilweise Notoperationen. Während dieser ganzen Zeit habe ich auch zu 110% funktioniert, war sehr ruhig, ich habe den Überblick behalten. Mein Mann war da schon viel "emotionaler", ihn musst ich während dieser Zeit auch immer wieder beruhigen und mut machen. Teilweise war ich selbst über mich überrascht wie gefasst ich war.

Ich habe erst 2 Jahre später gemerkt, dass diese Zeit nicht an mir spurlos vorbei gegangen ist, als ich das erste Mal mit einer Familie darüber gesprochen habe. Wir hatten sie im Urlaub kennengelernt und sie hatten mit uns über die OP ihres Kindes gesprochen und wie fertig und hilflos sie sich während dieser Zeit gefühlt haben. Dann fing ich an über meinen Sohn zu erzählen und was in dieser Zeit bei uns los war und habe gemerkt, dass ich das gar nicht kann. Mir kamen die Trähnen, ich konnte kaum einen Satz sprechen, es schien als käme plötzlich alles hoch. Ich konnte es garnicht fassen, weil ich bis dahin nicht einmal so reagiert habe.
Gut, wir mussten nach dieser Odysee nicht darüber sprechen, weil natürlich alle im Bekannten- und Verwandenkreis bescheid wussten. Und wenn darüber gesprochen wurde, ging es eher nur um die Genesung meines Sohnes und nicht um das was während den ganzen OP's gefühlsmäßig bei uns los war.
Mir geht es jetzt nach fast 8 Jahren immer noch so. Wenn ich an diese Zeit denke, kommen mir immernoch die Tränen und ich kann kaum darüber reden. Es fällt mir wirklich sehr schwer. Auch jetzt wo ich dir das schreibe, geht es mir ähnlich!
Mein Mann hat es besser verarbeitet als ich. Er war zwar während dieser Zeit fix und fertig und war wahrscheinlich sehr froh darüber, dass ich damals alles übernommen hatte, die Suche nach geeigneten Ärtzten, die meisten Gespräche mit den Ärtzten usw., aber dafür war für ihn alles wieder okay, als es unserem Sohn wieder gut ging.
Ich dagegen hatte zwar in dieser Zeit alles unter Kontrolle, dafür sitzt diese Zeit immernoch sehr tief in mir drin und wenn ich darüber rede, was sehr selten vorkommt, geht es mir unglaublich schlecht und ich spüre diese Angst und Ohnmacht, die ich damals scheinbar komplett beiseite gelegt hatte.

Ich denke, dass solche Erfahrungen einen nie wirklich los lassen, es sind so extreme Erlebnisse die man nicht einfach so vergessen kann. Die Kids stecken sowas viel schneller weg, gerade wenn die Eltern sich nichts anmerken lassen. Ich glaube wirklich, dass mein Sohn deswegen keine Ängste entwickelt hat. Ich war immer sehr besonnen, habe mir nichts anmerken lassen, mein Sohn konnte bei mir keine Angst und keine Sorgen sehen und so hatte er auch keine Angst oder das Gefühl, es würde gerade was ganz schlimmes mit ihm passieren.

Ich drücke dir die Daumen, dass du das Erlebte verarbeiten kannst, ich weiß dass das nicht sehr leicht ist! Für dein Kind, weiterhin alles Gute!

#winke

Jetzt habe ich gar nicht richtig deine Frage beantwortet, du wolltest wissen ob dein Kind das wirklich verarbeitet hat.

Ich denke Kinder zeigen es sehr schnell wenn sie etwas beschäftigt, womit sie nicht zurecht kommen. Wenn du bei deinem Sohn keine Veränderungen siehst, würde ich mir keine großen Gedanken machen, erstrecht nicht wenn es so lange zurückliegt! Kinder gehen da sehr viel offener damit um und wenn bei ihnen was im Argen liegt, können sie es auf Dauer nicht verbergern, sie werden unruhig, können nicht gut schlafen, entwickeln plötzlich Ängste, haben Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen. Ich vermute du hättest es schon längst gemerkt, wenn dein Sohn diese Zeit nicht verarbeitet hat!

#winke

Huhu,

ich schließe mich an, bei mir ist es ähnlich. Unser Sohn hat ein Fiebersyndrom, das lange nicht erkannt wurde. Also wurde immer wieder nach Tumoren gesucht, es wurden Lumbalpunktionen vorgenommen, um eine Leukämie auszuschließen und das alle drei Wochen immer wieder über einen Zeitraum von insgesamt 4 Jahren. Und immer ist es dann doch gut ausgegangen, auch wenn die Ärzte immer wieder Bedenken geäußert haben, ob der kleine Körper es schafft. Wir haben gefühlt die ersten vier Jahre mehr im Krankenhaus als zu Hause verbracht. Er lag regelmäßig im Krankenhaus am Tropf und hat Infusionen mit extrem hohen Dosen Antibiotika bekommen, die nicht geholfen haben.

Mit vier hat er dann während eines Schubs zusätzlich starke Schwellungen an den Füßen gezeigt und hatte eine Vaskulitis an den Beinen. Wir wurden mit dem Krankenwagen direkt vom Kinderarzt aus in die Charite gebracht und ich habe die ganze Fahrt über nur gedacht: Jetzt ist es soweit! Diesmal geht es NICHT gut! Diesmal finden sie was und wir verlieren ihn!

Im Endeffekt war es "nur" Purpura Schönlein Henoch und in Kombination mit PFAPA so wahrscheinlich wie zwei 6er im Lotto. Danach haben die Schübe schlagartig aufgehört und er hat gesundheitlich nur noch minimale Baustellen mit Immunreaktionen.

Das ist jetzt fünf Jahre her und ich fange immer noch unkontrolliert an zu zittern wenn ich Blaulicht sehe oder das Martinshorn höre. Im Auto muss ich rechts ran fahren, weil die Tränen laufen, so wie auch jetzt gerade. Ich glaube auch nicht, dass sich das von selbst wieder legt, ist ja schon 5 Jahre her. Mit anderen Menschen darüber reden kann ich nicht, weil ich sonst nur heule - was ich damals in diesen 4 Jahren nur ein einziges Mal getan habe. Ansonsten war ich sehr ruhig und habe die Gespräche mit den Ärzten geführt, die MRTs, Schlaf-EEGs, Blutabnahmen, Lumbalpunktionen, Röntgenuntersuchungen etc. alle begleitet und völlig beherrscht weggesteckt.

Mein Mann beispielsweise ist damals total zusammengebrochen und musste aus dem Zimmer gebracht werden, weil er unseren Sohn damit aufgeregt hat. Dafür hat er heutzutage psychisch keine Probleme damit. Wir hatten die klare Aufteilung ich mit dem Jüngsten im KH, er mit den beiden "Großen" zu Hause.

Unser Sohn hat übrigens auch keine Probleme damit. Er kann sich an nicht allzu viel negatives erinnern, nur an die Schokoriegel zum Frühstück und dass uns immer die lustigen Clowns besucht haben. Letztens meinte er noch ganz neidisch, er wolle auch mal ins Krankenhaus weil A da gewesen sei und alle das ganz spannend fanden #zitter Mir sind komplett die Gesichtszüge entgleist.

Er verbindet damit offenbar weder Angst noch Stress, ich nehme an, weil ich immer so ruhig war und mir nichts habe anmerken lassen. Kinder können die Gefahr in der sie schweben ja gar nicht absehen, also orientieren sie sich an den Personen um sich herum. Die Schwestern und Ärzte sind geschult darin, für eine ruhige Atmosphäre zu sorgen und ich war ebenfalls sehr ruhig. Also war er es auch und fand es einfach toll, immer ans iPad zu dürfen und immer Schokolade zu bekommen, wenn er im KH war. Kinder sind da auch wirklich anpassungsfähig und stecken diese Dinge sehr gut weg.

Ich denke in letzter Zeit doch häufiger darüber nach, mir Hilfe zu holen, weil es mich stört, dass ich da so gar nicht weiterkomme. Sobald ich die Schatten sehe, die das Blaulicht wirft ists vorbei. Dann ist es als würde es gerade jetzt passieren. Und ich sehe wirklich oft Blaulicht in Berlin, es wird aber nicht besser und gibt keinerlei Gewöhnungseffekt.

Ich drücke dir die Daumen, dass du es verarbeitest, würde aber mittelfristig auch empfehlen, dir dabei Hilfe zu suchen. Es ist nicht so, als ob es mich jetzt stark einschränken würde aber es ist auch wirklich nicht schön. Um deinen Sohn würde ich mir keine großen Sorgen machen, er scheint das ebenfalls als gar nicht so negativ aufgenommen zu haben und ja auch nicht häufiger zum Thema zu machen.

Fühl dich gedrückt
Jenx

Hallo,

ich bin als fünfjährige vor ein Auto gelaufen, ich habe die Hand meiner Mutter losgelassen und bin einfach über die Straße gerannt, ich hatte schwere Verletzungen, habe aber alles gut überstanden. Ich hatte nie, zu keinem Zeitpunkt, danach Ängste oder gar ein Trauma.

Meine Mutter hat bis heute, fast 35 Jahre später immer noch Angst an vielbefahrenen Straßen...ich denke einfach, dass du (bzw. meine Mutter) mit der Urangst (meine kind stirbt) konfrontiert wurdest, und das traumatisiert... nicht zwangsläufig, und den einen mehr und den anderen weniger. Völlig normal, und gesund ... solange es nicht dein Leben bestimmt ... und du weitere Ängste entwickelst.

Alles Gute für euch

Magnumweiss

Du hättest fast dein Kind verloren, da ist es ganz normal das man danach "neben der Spur ist" und das auch nicht mit einem "ist ja nochmal gut gegangen" abhaken kann und es geht weiter wie vorher.
Dir kann auch keiner sagen "warte ab, geht vorbei" oder "hol dir unbedingt hilfe". Kommst du damit klar das es Situationen gibt und weiterhin vermutlich geben wird wo die Bilde und Emotionen hoch kommen? Dann spricht nichts dagegen es so zu akzeptieren wenn du das kannst und willst. Wenn du das aber nicht möchtest schadet es sicher nicht sich Hilfe zu holen. Vielleicht hilft es dir schon mit Freunden, deinem Mann usw drüber zu reden. Und sonst braucht man sich auch nicht zu scheuen mit einem Psychologen zu sprechen.
Bei dir löst dieser Hubschrauber momentan die Erinnerung aus das du dein Kind fast verloren hast. Vielleicht schaffst du es den Hubschrauber positiv zu verknüpfen "der hat mein Kind gerettet"
Da dein Sohn das besser wegsteckt als du ist nicht ungewöhnlich. Er hat vielleicht gar nicht realisiert wie dramatisch die Situation war. Du bist ruhig geblieben, die Ärzte handeln auch besonnen und routiniert, ihm ist vermutlich klar das schnell gehandelt werden musste und das da was nicht war wie es soll. Aber nicht das es lebensbedrohlich und vermutlich verdammt knapp war.

Moin,

unser Lütte ist ein Extremfrühchen, wir wussten auch 2 Wochen lang nicht ob er überlebt und dann als er übern Berg schien hatte er eine schwere Komplikation und starb fast in meinen Armen. Bei mir wars damals genauso, ich war gefasst und hab funktioniert, so gut dass ich schon teilweise dafür als gefühlskalt kritisiert wurde. Man funktioniert als Mutter einfach wenn es sein muss und der Zusammenbruch kommt irgendwann wenn alles wieder gut ist. Bei mir kams am Tag vor seinem ersten Geburtstag erst dazu! Danach wars aber wieder gut. Ich denke ob Du Hilfe brauchst musst Du selber entscheiden, ein bisschen "seltsam" auf gewisse Situationen zu reagieren ist in meinen Augen normal, solang es dich nicht dauerhaft belastet, Einfluss auf Dein Leben hat, ist finde ich alles ok.

Dein Kind hat das anders erlebt, er fands cool, hatte keine Todesangst, ich denke solang er keine Anzeichen macht dass er irgendwie drunter leidet würde ich nix tun. Ich denke im Gegenteil, das könnte ihn vielleicht sogar erst auf die Idee bringen dass da was war was Schlimm war.

alles Gute!

Hallo,

ich kann sehr gut verstehen wie es dir geht auch wenn bei uns die Ursache eine völlig andere ist.

Unsere Mittlere (9 Jahre alt) wurde vor wenigen Monaten auf dem Heimweg von der Schule von einem Mann angesprochen und mit einem Messer bedroht. Nur Dank der Tatsache, dass sie an dem Tag mit dem Fahrrad unterwegs war (normalerweise läuft sie immer) und sie geistesgegenwärtig und vorbildlich reagiert hat ist sie noch unversehrt bei uns. Es ist ihr nichts passiert - zumindest körperlich. Psychisch sah es erst so aus als ob alles ok wäre und sie es gut weggesteckt hätte. Nun kommen jedoch immer mehr Kleinigkeiten ans Tageslicht, so dass wir uns Hilfe holen werden.

Mir selber setzt es unglaublich zu. Erwachsene haben doch ein ganz anderes Hintergrundwissen und entsprechend spielt das Kopfkino seine Filme ab. Seit dem Vorfall bin ich nicht arbeitsfähig, ich vertrage keine Menschenmengen und bin völlig durcheinander, unstrukturiert und nervös. Alles Dinge die ich von mir nicht kenne. Ich kämpfe gerade gegen meine Ängste, gerade die Große (11) ist gerade dabei ihre Freiheiten zu entdecken und das darf ich nicht verhindern oder einschränken. Aber es fällt mir unglaublich schwer. Immer wenn ich denke es ist besser kommt wieder ein Rückschlag. Vor einigen Wochen war unsere Große mit Freunden im Schwimmbad. Ich habe sie ungern gehen lassen aber wie gesagt kann ich sie nicht einsperren. Damit helfe ich niemandem... Jedenfalls fuhr ich später auf dem Weg zum Einkaufen am Schwimmbad vorbei, Polizei, Feuerwehr überall und Menschen die in Scharen aus dem Bad gerannt kamen. In dem Moment bin ich gefühlsmäßig tot umgefallen und die wenigen Momente bis ich sie auf dem Handy erreichen konnte fühlten sich wie Jahre an. Letztendlich war es nichts Dramatisches (Fliegerbombe in der Nähe gefunden) aber diese Situation hat mich noch mehr aus der Bahn geworfen.

Ich merke, dass auch ich da alleine nicht mehr rauskomme. Die Kur für uns ist beantragt und die Suche nach einem Therapieplatz läuft...

Im Nachhinein betrachtet hätten wir sofort in Behandlung gehen sollen, auch wenn es anfangs so aussah als kämen wir alleine zurecht.

Wenn ihr das Gefühl habt, dass Hilfe von außen nötig sein könnte sucht sie euch.

Alles Gute

Hallo, ihr Lieben!
Vielen Dank für eure persönlichen Antworten und Geschichten.
Bei jeder einzelnen hatte ich Tränen in den Augen und war/bin froh, dass alle gut ausgegangen sind.
Es scheint einem wohl wirklich sehr, sehr lange (wenn nicht für immer) nachzuhängen.
Mir hat gestern schon, allein das drüber schreiben, gutgetan. Hab dann einen wunderschönen Tag mit meinem Sohn gemeinsam verbracht und mich daran gefreut.
Ich bin so unsagbar dankbar, dass ich ihn habe ♥.
Viele liebe Grüße und alles Gute für euch

Ich finde die Reaktion relativ "normal" und schleppe seit einigen Jahren ein ähnliches Thema mit mir rum.
Vor vielleicht 6 Jahren hatte unsere ältere Nachbarin, mit der wir sehr guten und engen Kontakt haben, einen Unfall,. bei dem sie sich die HWS bracht und wir haben sie beim Warten auf den RTW bzw. anschließend Hubschrauber unterstützt sowie mit in den Heli "verladen", der in unserem Ponyauslauf am Haus gelandet ist. Sie hat überlebt, lag aber sehr lange mit extremen Schmerzen in der Klinik und war auch sehr lange stark beeinträchtigt.
In den Jahren seitdem sind noch mehrmals Rettungshubschrauber in unserem "Garten" bzw. ab und an auch in der Nebenstraße gelandet und ich bekomme jedes mal wieder (der letzte Einsatz ist gerade 10 Tage her) Beklemmungen und Herzrasen bzw. schaue rüber, ob bei diesen Nachbarn etwas passiert ist. Du warst ja noch ganz anders betroffen beim eigenen Kind, deshalb kann ich auch die heftigere Reaktion nachvollziehen!

LG

Ich hab auch die ein oder andere Situation erlebt, die sehr schlimm für mich war. Ich hab gemerkt, dass mit den richtigen Leuten darüer reden unheimlich helfen kann darüber weg zu kommen. Man muß das nicht allein durchstehen.
Das muß auch kein Psychologe sein. Einfach ein empathischer Mensch, im besten Fall mit etwas Erfahrung reicht da auch schon aus.

Ich glaube, dass im Moment du mer Unterstützung brauchst, als dein Junge.

Weißt Du wer da unkompliziert der richtige Ansprechpartner sein könnte? In jedem Kreis gibt es Notfallseelsorger und Unfallseelsorger, das sind meist Pastoren, Pfarrer etc die mit den Rettungskräften zusammenarbeiten. Meist reicht bei sowas ein Gespräch mit so jemanden, die sind darauf spezialisiert und das ist so ein Zwischending, gerade für die Fälle so zwischen man kommt irgendwie alleine klar und man braucht professionelle Hilfe.

Hallo,

mein Sohn erkrankte nach der Geburt an einer e.coli Sepsis und daraus resultierte eine vereiterte Hirnhautentzündung. Es war einen Tag nach seiner Geburt, als er extrem hohes Fieber hatte, Krampfanfälle bekam und dann in meinen Armen das Bewusstsein verlor und aufhörte zu atmen. Obwohl es über 16 Jahre her ist, sehe ich die Szene noch vor mir, wie der Notarzt mir das Kind aus dem Arm gerissen hat und ich schrie, dass mein Kind stirbt. Schwebt das Kind in Lebensgefahr, durchlebt man als Mutter ebenfalls Todesängste. So etwas kann auch niemand nachvollziehen, der es noch nicht erlebt hat. Ich bin ganz allein darüber hinweg gekommen. Ohne professionelle Hilfe. Es ist ja alles gut gegangen und man kann jeden Tag aufs neue sehen, dass es dem Kind gut geht. Dass bei dir Emotionen hoch kochen wenn du den Hubschrauber siehst oder hörst, ist völlig normal. Du musst das Erlebte erst mal verarbeiten und das dauert auch seine Zeit. Dir wird es noch öfters so gehen, dass dir ein Schauer über den Rücken läuft, aber das wird mit der Zeit weniger. Professionellen Handlungsbedarf würde ich sehen, wenn die Sache nicht gut ausgegangen wäre. Aber so ist das der Schreck und die unsagbare Angst, die du erst mal verarbeiten musst. Mir kamen im Nachhinein auch oft die Tränen. Lass sie zu und rede über deine Gefühle.

Alles Liebe für euch.

LG
Michaela

Guten Abend,

auch ich kann dich vielleicht etwas beruhigen, was deinen Sohn betrifft. 🙂 Ich war selbst mit 8 Jahren in akuter Lebensgefahr, Not-OP, Hubschrauber, Intensivstation... und ich hatte damit psychisch null Probleme. Erst als Erwachsene hab ich wirklich verstanden, was das alles bedeutet. Als 8jähriges Kind geht man mit solchen Dingen irgendwie anders um. Ist ja alles gut gegangen! Keine Probleme im Nachhinein! Klar, ich wäre fast gestorben, aber bin ich ja nicht. Man fühlt sich ein bisschen "besonders" und sieht das ganze nicht negativ. Und ich durfte Hubschrauber fliegen! 😁
So wie du es beschreibst, sieht dein Sohn es ganz ähnlich. Mein größtes Problem war, dass ich selbst keinerlei Erinnerung an das Ganze hatte. Also habe ich viele Fragen gestellt und jeder musste mir genau erzählen, wo er war, wie er davon erfahren hat, was dann passiert ist... Dass manche der Befragten Tränen in den Augen hatten beim Erzählen fand ich immer etwas befremdlich. Aber ich hab auch das positiv gesehen, man hatte mich wohl ziemlich lieb. 😉 Der Unfalltag wurde als mein zweiter Geburtstag bezeichnet und ich fand es immer schön, wenn wir an dem Tag in der Kirche eine Kerze angezündet haben. Vielleicht macht ihr auch etwas Besonderes, wenn der Tag sich jetzt jährt?

Meine Mutter weint heute noch manchmal, wenn wir darüber sprechen. Auch sie hat damals einfach nur funktioniert und alles geregelt. Als Krankenschwester konnte sie alles einschätzen, wusste um die Gefahren und möglichen Komplikationen und hat auch noch als es bergauf ging und alle anderen erleichtert waren viele Ängste ausgestanden. Es gab immer wieder Situationen, in denen sie große Sorgen um mich und meine Brüder hatte. Wenn sie Sirenen gehört hat, bekam sie immer Herzrasen. Ich kann mich auch an eine Situation erinnern, in der sie völlig übertrieben reagiert hat - da kam die damalige Angst hoch. Solche Dinge vergisst man halt nicht. Die Frage ist, wie sehr einen das im Alltag einschränkt. Das kannst nur du selbst beantworten. Meine Eltern haben uns trotz dieser Erfahrung nicht "überbehütet" oder ihre Ängste auf uns übertragen. Einfach war das sicherlich nicht, aber es war richtig so und sehr wichtig für unsere Entwicklung. Wenn du das Gefühl hast, dass du das nicht schaffst, dann such dir professionelle Hilfe. Ansonsten hilft es mit guten Freunden oder Familienangehörigen darüber zu sprechen, die ja wissen, was passiert ist und dich verstehen. Foren im Internet können auch helfen, aber da besteht meiner Meinung nach immer die Gefahr, dass man sich in die Sache reinsteigert und die Ängste größer werden durch die vielen schlimmen Geschichten. Und das bringt keinem was. Um nochmal mein 8jähriges Ich zu zitieren: ist doch alles gut gegangen!!! 😉

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