Null Bock auf Schule, fehlende Motivation

Hallo,

ich wende mich mal wieder ziemlich verzweifelt an Euch. Unser großer Sohn ist 13 und besucht aktuell die 7. Klasse am Gymnasium. In der Grunschule fiel ihm der Stoff noch zu, so dass er aufs Gymnasium wechselte - es war sein Wille und der Lehrer hegte keine Zweifel. Wir sahen das damals bereits kritisch, da er von der ersten Klasse enorme Probleme hatte, selbstständig die Hausaufgaben anzufertigen. Ich rede allerdings nicht von einem einfachen "keine Lust haben."Jede Woche gab es Tränen, wenn er sein Hausaufgabenheft vortragen sollte, teilweise hat er auf Aufforderung, die Hausaufgaben anzufangen geheult und getobt. Richtig extrem.

Die Unlust ist geblieben, die Noten wurden sukkzesive schlechter. Trotzdem haben wir den Rat Außenstehender befolgt, ihn selbst mehr in die Verantwortung zu nehmen. Erwartungsgemäß klappt das gar nicht. Bei den Lernentwickungsgesprächen wurde immer gesagt, er müsse selbst mehr tun. Angehalten hat das meist einen Tag, manchmal war es schon direkt nach dem Gespräch, als hätte es nie stattgefunden.

Wir haben gehofft, durch gemeinsames Lernen mit positiver Rückmeldung durch eine gute Note wird er motivierter. Leider war das nicht so.

Nachdem auf dem Halbjahreszeugnis neben zweien und dreien auch zwei Vieren (Geographie und Biologie) und eine fünf in Russisch steht, gab es ein Elterngespräch mit der Russischlehrerin. Sie ist für einen Wechsel an die Realschule. Ein Gespräch mit der Klassenlehrerin steht nach wie vor noch aus.

Wir haben erneut mit unserem Sohn gesprochen und ihm einfach nochmal erklärt, dass wir wollen, dass er seinen Weg geht, ihn immer unterstützen, er aber selbst verantwortlich ist. Vielleicht fällt ihm auf der Realschule das Lernen leichter und er hat eher Erfolgserlebnisse, so ein Wechsel kann auch eine Chance sein. Wenn er das packt, kann er auch gern auf dem Gymnasium bleiben, aber die fünf und die beiden vieren müssen vom Zeugnis.

Letztlich fühlt er sich dadurch stark unter Druck gesetzt (er kennt aber die Alternative - da man in Klasse 7 hier nicht sitzen bleiben kann, würde er bis Ende 8. Klasse durchgeschleift und dann mit vermutlich komplett schlechten Noten auf der Realschule die 8. wiederholen) und macht nach wie vor gar nichts für die Schule. Er begündet das ddamit, dass Auswenidglernen nichts für ihn ist und er versteht nicht, was er machen soll. Uns fragen möchte er aber auch nicht. Für Mathe haben wir einen Nachhilfelehrer, das klappt sehr gut (Note 2) aber geht natürlich nicht für alle Fächer.

Durch dieses "sich selbst bemitleiden" haben wir als Eltern ziemlich Angst, dass er depressiv wird. Wenn so etwas ist, steckt er immer den Kopf in den Sand und kommt gar nicht auf die Idee, mal die Schultern zu straffen und ranzuklotzen. Stattdessen lernt er das Verlieren.

Was können wir denn nur noch tun? Wir sind mit ihm im Gespräch und wenn es nicht um Schule geht, gibt es wenig Probleme.

Dieses "sich nirgendwo richtig Mühe geben" ist übrigens auch bei den Hobbys so - sei es sein Insturment oder Sport, er macht das halbherzig seit Jahren, hat natürlich auch Sachen ausprobieren dürfen und muss nicht irgendetwas bestimmtes machen.

Danke schonmal, Gruß murmel2006

Das kenne ich von mir. Ich war damals genauso. Ich habe trotzdem studiert. Meine „Erlösung“ war irgendwann einfach, dass ich mir Dinge selbst logisch hergeleitet und so verstanden habe. So hat das plötzlich „Sinn gemacht“. Dummes und sinnloses Auswendiglernen war nix für mich. Da musste schon ein Sinn dahinterstehen. Und die Sprüche von Erwachsenen, dass man für sich selbst lernt, waren genauso sinnlos.

Ich würde versuchen das Ganze anders anzugehen. Versucht es ihm anders beizubringen. Meine Jungs sind jetzt zwar erst 5. und 6. Klasse, aber hier erreiche ich ganz viel mit Experimenten zu Hause. Russisch...puh, hat er das selbst gewählt? Wo liegen da die Probleme? Kann er denn Kyrillisch problemlos lesen?

Danke erstmal, aber er kann kyrillisch lesen, klar. Die Grammatik bereitet ihm Probleme - lt. Lehrerin genügt es eben nicht, Vokabeln auswendig zu lernen, sondern die Fälle dazu und daraus resultierend die Endungen (ich habe keine Ahnung davon, war der erste Jahrgang nach der Wende, wo es Russisch nicht mehr als Pflichtfach gab). Mit Fleiß würde er das hinkriegen - Anfang des Schuljahres hatte er auf einen Dialog z.B. noch eine 1, auf den nächsten dann eine 3 und den dritten konnte er ein paarmal gar nicht und hat irgendwann zur Lehrerin gesagt, sie solle ihm doch einfach die 6 eintragen weil er es nicht kann (bedeutet: sich nicht vorbereitet hat, das Niveau ist nicht plötzlich ins Unermessliche gewachsen).

Ich habe mich 7 Jahre durch die russische Grammatik gequält - die ersten 4 Fälle waren ja noch einigermaßen verständlich, aber der 5. und 6. ... ich habe es nie verstanden. Aber trotzdem hatte ich in Russisch immer mindestens eine drei.
Nur bei ihm liegt es ja nicht an „nicht-können“, sondern an schlichter Leistungsverweigerung. Da würde ich mir schon etwas als Konsequenz einfallen lassen zu Hause. Wieso nimmst du an, dass das in der Realschule besser wird?

Hat dein Sohn das Lernen gelernt? Du schreibst in der Grundschule ist er durchgekommen ohne Probleme. Dort lernt man aber das Lernen. Wenn er dort nie lernen musste, fehlen ihm vielleicht Lernstrategien und er weiß nicht, wie er das macht und sitzt ewig für minimalen Erfolg. Vielleicht lässt ihn das auch aufgeben.

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Ich finde Eure Noten gar nicht so schlimm, mein Sohn springt auch immer nur so hoch wie er muss und schafft seine Versetzung seit Ende sieben immer haarscharf. Er lernt nicht und ist auch nicht bereit sich helfen zu lassen. Ändern würde sich die Einstellung aber auch nicht durch einen Schulwechsel, inzwischen ist er in der 9 und jetzt im zweitem Halbjahr scheint er etwas mehr Ehrgeiz zu entwickeln...aber genau weiß ich das noch nicht. Mal sehen, ob es dieses Jahr wieder blaue Briefe gibt, letztes Jahr waren es fünf.
Ich habe ihm die Verantwortung komplett übertragen und ärgere mich nicht mehr...er sagt er will Abi machen also soll er sich kümmern. Wenn er fragt bekommt er selbstverständlich jede Unterstützung aber zwingen kann ich ihn nicht und mein Familienfrieden war mir wichtiger. Bei seinen Hobbys ist er allerdings engagierter...macht Jungschar, ist Juniortrainer einer Handballmannschaft, trainiert selber zweimal die Woche Handball und liebt es zu Wakeboarden und dort in den Verein einzubringen.

Hallo urmel09,

ich möchte die Noten auch nicht als einzig Wichtiges betrachten, aber sie sagen schon ein bisschen was aus. Und von mir aus kann er gern mit durchschnittlichen Noten auf der Realschule zurecht kommen, es geht so insgesamt um die EInstellung "ich kann sowieso nichts, also mache ich auch nichts, ich armer, armer Kerl". Was, wenn er dadurch wirklich depressiv wird? Er ist 13, wir können da doch nicht einfach zugucken?

Gut das Problem hatten wir selten, er findet eine vier vollkommen in Ordnung und eine fünf oder sechs in erster Linie sehr lästig - maulende Eltern, gefährdete Versetzung,...
Über gute Noten freut er sich auch, ist aber nicht willig was dafür zu tun.

Meine Tochter dagegen hat fleißig gelernt und dem Druck des G8 Gymnasiums nicht standgehalten, nach der 6. Klasse haben wir gemeinsam mit ihr die Notbremse gezogen...sie hatte kein Selbstvertrauen mehr und hatte trotz gelernten Stoff nur noch Misserfolge. Jetzt ist sie seit einem halben Jahr auf einer Gesamtschule, Wiederholt die Klasse freiwillig mangels Platz in der 7.Klasse und ist seitdem glücklich und zufrieden und schreibt nur noch Einsen und Zweien.

Ich denke dein Sohn ist alt genug mit zu entscheiden wie es weitergehen soll, besprecht mit ihm alle Alternativen. Meine Tochter war auch erst festgefahren aber nachdem wir mehrfach darüber gesprochen haben, hat sie den Weg selber mit ausgewählt. Wichtig ist das er weiß, dass ihr alle Entscheidungen mit tragt und voll hinter ihm steht. Vielleicht schaut ihr euch die Realschule oder eine andere Alternative einfach mal an, ich denke spätestens dann wird euer Sohn sich aktiv äußern.

Puuh. Für mich klingt das nach "zu spät losgelassen".

Hätte er die Noten für eine gymnasiale Laufbahn geschafft, wenn ihr ihn in Klasse 3 und 4 selbst hättet machen lassen?

Ich würde ihn - weil es leider die letzte recht schmerzfreie Gelegenheit ist - komplett auflaufen lassen...

Lässt ihn machen bis Klasse 8 und lässt ihn dann auf der Realschule wiederholen.

Falls es BEI IHM (!) bis dahin doch noch Klick macht - umso besser...

Ja, das hat er. In der Grundschule bestand die "Hilfe" i.d.R. darin, ihn zum Ranzen packen und Hausaufgaben machen zu bringen, kaum inhaltlich.

Das "lasst ihn machen" ist so schwer, weil ich - wie oben bereits geschrieben - die Befürchtung habe, bei noch mehr Misserfolgen wird er depressiv.

... ach so, und von uns aus musste er nicht aufs Gymnasium, wir hätten ihn eher lieber auf der Realschule gesehen

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Hallo,

vielleicht ist das Problem, dass Ihr als Eltern eben die Eltern seid. Es ist immer etwas anderes, ob man den Kindern als Eltern etwas sagt, oder ob es jemand von außerhalb sagt.

Vielleicht dringt bei diesem Punkt jemand anders besser zu Eurem Sohn durch, Verwandte, Freunde, ein Lehrer, den er besonders mag oder so.
Eigentlich wissen ja schon 13-jährige, dass von nichts nichts kommt.

Wenn Ihr das Gefühl habt, dass er sich in Richtung einer Depression bewegt, wäre ein Psychologe eventuell sinnvoll.

Ich schätze, die Grundlage für dieses Verhalten ist schon viel früher gelegt worden.
Ich kenne das von Kindern, wo die Eltern nie Druck gemacht haben, wenn das Kind etwas nicht wollte oder zu anstrengend fand.
So lernen die Kinder, dass sich alles irgendwie angenehm regelt, ohne dass sie sich anstrengen müssen. Wenn das irgendwann nicht mehr funktioniert, sind sie überfordert.

LG

Heike

Wir haben ja extra einen Nachhilfelehrer für Mathe, weil es da in Klasse 6 haperte. Jetzt steht er auf zwei. Mathe ist aktuell komplett raus aus dem Familienleben und das ist wirklich sehr angenehm. Wir können doch aber nicht für jedes Fach einen Nachhilfelehrer beauftragen.

Er sagt einfach, er sei nicht dafür gemacht, Dinge auswendig zu lernen.

Ich würde mit dem Sohn besprechen, was er gerne möchte. Er ist alt genug, um zu entscheiden, ob er lieber auf eine leichtere Schule möchte, wo er weniger lernen muss. Er hat anscheinend noch nicht die Einsicht, dass er etwas tun muss. Ihr fangt schon an, ihn mit Städtereisen ködern zu wollen und befürchtet, dass er depressiv wird. Das wäre es mir nicht wert.
Andererseits weiß ich nicht, welche Ansprüche Ihr an eurem Sohn habt. Warum müssen die 4en weg? Wenn er sich in Russisch verbessert, würde das nicht reichen? Faulheit und schlechte Noten in Maßen finde ich ja nicht schlimm, aber es hört sich ja nach Leistungsverweigerung an. Er hat bereits Nachhilfe in einem Hauptfach und steht im anderen Hauptfach auf eine 5.
Ich würde ihm die Chance geben, sich auf einen anderen Schulform zu verbessern, wo es weniger aufwändig für ihn wäre. Allerdings würde ich auch unmissverständlich zum Ausdruck bringen, dass ich dort keine totale Faulheit akzeptiere, sonst würde ich befürchten, dass er auch dort absackt.
Vielleicht macht es auf dem Gymnasium noch Klick, wer weiß. Ewig würde ich nicht die Entscheidung hinauszögern, einfach um den Druck rauszunehmen.

Danke für Deine Antwort, vermutlich habt ihr Recht und wir sollten die Bedingung, die noten unbedingt zu verbessern, zurücknehmen. Aber wenn wir über Lernen sprechen, nickt er, dreht sich um und macht etwas Anderes. Ich möchte auch nicht auf Russisch herumreiten, es gibt doch in viel mehr Fächern Probleme.

Die Städtereise sollte nicht zum Ködern sein, sondern tatsächlich "nur" als Ansporn. Als Familie gibt es aktuell keine Flugreise für uns und sicher auch deshalb fand er das so toll, dass er sich wieder etwas Ähnliches wünscht. Da haben wir ihm einfach gesagt, nur wenn es schulisch läuft.

Wir würden eine nSchulwechsel befürworten, er fürchtet diesen aber (ich verstehe das).

"Es gibt doch in viel mehr Fächern Probleme."
Welche denn? Von den Noten her ist es doch in Ordnung außer Russisch. Hat er Russisch seit diesem Jahr?

"Die Städtereise sollte nicht zum Ködern sein, sondern tatsächlich "nur" als Ansporn."
Habe ich schon richtig verstanden, aber Du siehst ja, dass sowas nichts nutzt. Der Ansporn sollte sein, dass er zufrieden mit seiner Note ist und er auf der Schule bleiben kann.

"Wir würden einen Schulwechsel befürworten, er fürchtet diesen aber (ich verstehe das). "
Verstehe ich auch und finde auch nicht, dass er unbedingt wechseln müsste. Die Verantwortung für diese Entscheidung würde ich ihm übertragen. Er soll mit Russischlehrerin sprechen und fragen, wie er noch auf eine 4 kommt. Dann würde ich ihn auch nicht runternehmen, da er etwas gemacht und sich verbessert hat. Dafür meckert ihr nicht und lasst ihn in Ruhe. Er kennt also die Bedingungen und weiß, was er tun muss. Macht er nichts, muss er halt die Konsequenzen tragen. Ich würde einen "Vertrag" aufsetzen und ihn das unterschreiben lassen. Ihr natürlich auch. ;-)

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