entspannt oder lasch.. kind / schule und erziehung

hallo zusammen,

ich habe folgende frage.
mein sohn ist 12 und besucht die 7. klasse gymnasium. er hat meist um 13.30 Uhr Schulschluss, einmal bis halb 4 und einmal Förderunterricht bis halb 3. Er geht zum Tischtennis und spielte bis vor kurzem Schlagzeug, er wollte dann ein neues Instrument lernen und tut dies nun auch seit einem halben Jahr. Schlagzeug hat er 7 Jahre gespielt. Er war nie besonders fleißig und sein früherer Lehrer meinte einfach, er sollte mehr üben, dann wären sie schneller weiter. Ich sah den Schulwechsel kommen und haben dann z.b. für ein Jahr den unterricht auf alle 2 Wochen reduziert. Dann wieder jede Woche. Für mich war es okay, dass er nicht so schnell voran kam und ich kann es als Nicht-Musikerin auch gar nicht beurteilen, aber er hat sehr gut gespielt, wenn er wollte.

Nun zum neuen Instrument. Er war sehr motiviert am Anfang (ist ja normal) und natürlich ging es los, dass man auch öfter dran erinnern musste. Sein Lehrer ist laut ihm recht ungeduldig und schnell genervt wenn er nicht genug geübt hat. Er möchte weiterhin das Instrument spielen aber ich fürchte er verliert langsam die Lust. Auffällig ist auch, dass ihm immer zum Saxophonunterricht schwindlig wird und er neulich schon sagte, das wäre zu viel. Also habe ich ihn heute hingebracht und mit dem Lehrer geredet. Was soll ich sagen, er war mir sehr unsympathisch, meinte er hätte kein Konzept aber er würde ihm Aufgaben geben und er würde sie eben nicht gut genug auswendig können. 6 Monate spielt er inzwischen und ich finde es gar nicht so schlecht was ich höre. Ich persönlich finde auch nicht, dass ein Kind das Musikunterricht nimmt jeden Tag 30 Minuten üben muss. Lieber freiwillig und eben nur jeden 2. Tag 10-15 Minuten.. natürlich wird dann kein Virtuose aus ihm aber er nimmt doch trotzdem viel mit.

Ich denke über einen Wechsel nach, er tut mir jetzt schon leid, dass er mindestens noch 5 Monate hin.
Was mich insbesondere störte war seine Haltung zu G8, sein extrem ungepflegtes Äußeres und eben seine Art über meinen Sohn zu reden. Er würde so viel fehlen, ja er hat in dem halben Jahr 6 x gefehlt also einmal im Monat.. aber der Lehrer hat auch 3 x gefehlt... Ich denke das passt einfach nicht und meinem Sohn habe ich gesagt, er muss mehr üben wenn er Unterricht will aber dieses Gespräch war wirklich so ungut, dass ich ein richtig schlechtes Gewissen habe ob er das nun ausbaden muss und sei es durch seine Musiklehrerin, die die Frau des Instrumentenlehrers ist..

Ach, bin ich zu läppsch was die Erziehung angeht oder ist mein Bauchgefühl okay wenn es mir sagt, lieber nochmal wechseln.. denn bisher lief es immer ganz gut mit den Lehrern..

Lg

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Frag doch deinen Sohn, wie er seinen Lehrer findet und ob er evtl. wechseln möchte. Ich lasse den Unterricht des Kindes nicht unnötig ausfallen, eigentlich nur bei Krankheit. Ich weiß ja nicht, warum dein Sohn gefehlt hat.
In der Theorie sollte man regemäßig üben, aber ich habe auch eher wenig geübt und bin vorangekommen. Manche sind halt fleißiger und ehrgeiziger als andere. Für den Hausgebrauch hat es gereicht.

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ach jetzt fällt es mir auch ein, wie ich die Frage kurz un knapp hätte formulieren können.

was versteht man unter "gesundem Leistungsdruck" und was macht man wenn dieser nicht erfüllt wird, das Kind aber doch Interesse an Musik hat?!

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Hallo

Gesunder Leistungsdruck ist nicht verkehrt, in Maßen.
Mein Sohn spielt zwar kein Instrument, hat aber ein Hobby, das ein gewisses Maß an *Druck* erfordert, um bei Meisterschaften einen guten Platz zu ergattern.
Das heißt aber nicht, das ich ihn zwinge, oder er täglich Training hat. Für mich ist wichtig, das er Spaß daran hat. Mit Druck erreicht man nie wirklich was gutes.
Etwas anders sehen das die Eltern der Partnerin meines Sohnes. Diese verstehen nicht, das ein Hobby ein Hobby, und kein Hochleistungssport ist. Wir geraten da häufig aneinander.
Mein Sohn ist sehr ehrgeizig und will das auch, aber eben auch nur bis zu einem bestimmten Maß.
Ich finde Eltern, die ihre Kinder drangsalieren, unmöglich. Am besten noch jeden Tag ein anderes Hobby, eine AG, ein Verein.
Ein Hobby soll Spaß machen. Sonst verlieren sie schnell die Lust daran.

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Hi,
Ich an deiner Stelle würde nach einem anderen Lehrer suchen. Aber das kommt darauf an, was man will und warum man dem Kind den Unterricht zahlt. Nach dem, was du schreibst, habe ich nicht den Eindruck, dass du ein Wunderkind pushen möchtest oder dass dein Kind Profi wird....

Meine beiden haben Klavierunterricht und ml üben sie mehr und mal weniger. Als wir angefangen haben, hat mir auch eine Kindergartenmutter von 30 Minuten üben pro Tag erzählt und dass sie wieder aufgehört haben, weil die Tochter dann nicht mehr wollte.

Die Klavierlehrerin, die wir jetzt haben, versteht, dass die Kinder Phasen haben, in denen mehr oder eben auch gar nicht geübt wird. Klar ist es für die Lehrer schöner, wenn fleißig geübt wird, und klar hat man sozusagen mehr vom Geld, wenn nicht Dinge im Unterricht geübt werden müssen, die das Kind auch zwischendurch hätte üben können. Unsere Lehrerin war neulich ganz begeistert, nachdem meine Tochter nach ~2 Monaten Trockenphase wieder deutlich geübt hatte. Ist bei meinen Kindern wechselnd, und die Lehrerin geht darauf ein und passt den Unterricht an.
Für mich passt das, ich brauche keine Starpianisten. Was ich mir erhoffe, ist, dass sie etwas für ihr späteres Leben mitnehmen. Z. B., dass sie nach einem Arbeitstag nach Hause kommen und zur Entspannung Klavier spielen.
Viele Grüße

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PS:
Unsere Lehrerin veranstaltet 2x im Jahr ein Konzert- damit die Kinder wissen, warum sie spielen bzw. auf etwas hinarbeiten.

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ich würde den Sohn fragen, ob er wieder dahin möchte. Wenn nicht dann wechseln. Finde daran garnichts "läppisch" . Warum soll man ein Kind zu sowas zwingen.

Ich gehe immer nach meinem Bauchgefühl, damit lag ich bisher immer richtig!

lg

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Hallo,

ein Instrument zu lernen, ist ein Hobby.
Dein Sohn soll ja wohl kein Profi-Musiker werden, oder?

Manche Musiklehrer sind übermäßig ehrgeizig, was ihre Schüler angeht. Die meinen, es fällt auf sie zurück, wenn ein Schüler schlecht spielt.
Das ist einfach die falsche Einstellung. Wenn ich an einer Musikschule arbeite, habe ich mehr oder weniger talentierte und motivierte Schüler. Die motivierten und talentierten kann ich fördern. Die anderen sind eben der nicht so spannende Routine-Teil meines Jobs.
Denen kann man sagen, dass sie besser vorwärts kämen, wenn sie mehr üben würden, aber wenn sie partout nicht wollen oder zeitlich nicht können, muss man das akzeptieren.

Ich finde, wichtig ist, dass die Kinder am Musikunterricht Spaß haben. Bei unseren Kindern, die noch jünger sind, bin ich hinter her, dass sie üben. Aber da reicht mir jedes Stück einmal am Tag, was insgesamt immer ca. 10 bis 15 Minuten dauert. Ob sie mehr machen wollen, ist ihre Sache.

Wenn der Lehrer von Deinem Sohn so blöd ist, verdirbt das Deinem Sohn den Spaß an dem Instrument. Daher würde ich an Eurer Stelle wechseln.
Das hat für mich nichts mit Erziehung zu tun.

LG

Heike

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Ehrlich gesagt, hat Musik für mich etwas mit Spaß zu tun und wenn es dann noch in der Freizeit erfolgt.....ich würde mich doch nicht noch in der Freizeit ärgern lassen wollen - weder als Mutter (Zahlende) noch als Schüler....

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Ein Hobby sollte Spaß machen. Dein Sohn sollte entscheiden, ob er bei dem Lehrer und Instrument bleiben möchte oder ob es ihm unangenehm ist. Mindestens alle 2 Tage üben bei einem Musikinstrument ist sinnvoll, mehr ist sogar besser.

Beim Saxophon ist das regelmäßige Üben alle 1-2 Tage extrem wichtig. Ich habe jahrelang als Jugendliche gespielt, davor auch andere Instrumente. Wenn die richtige Technik durch Üben nicht angeeignet wird, schafft man das Spielen körperlich einfach nicht, einem wird schwindlig, schlimmstenfalls Muskelkater im Bauch und Lungenschmerzen. Das meint der Musiklehrer wahrscheinlich. Lunge, Bauchmuskeln, Zunge und Lippen müssen wirklich trainiert werden und v.a. spezielle Bauchmuskeln aufgebaut werden. Sogar das Atmen während des Spielens muss gelernt werden, damit man nicht umkippt. Das korrekte auspressen der Luft ist beim Spielen wichtig. Also üben üben üben leider. Vielleicht ist ein einfacheres Instrument etwas für ihn, wenn er nicht so viel üben möchte. Saxophon ist leider sehr körperlich anstrengend, v.a. für Kinder und Jugendliche.

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Hallo, das ist eine sehr hilfreiche Antwort. So hat mir das noch niemand erklärt.

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