Was bedeuten diese Formulierungen im Zeugniss?

Hallo,
bei uns gabs heute Zeugnisse (Bayern).
Das 1.Klass-Zeugnis liest sich insgesamt recht gut, aber bei der Formulierung in Mathe bin ich mir unsicher :
...Zahlenraum gut erfasst.....sichere Zahvorstellung.....
Sie löste auch schwierigere Aufgaben in einem angemessenem Arbeitstempo weitgehend richtig. Sachaufgaben durchschaute sie im Allgemeinen gut und fand meist den richtigen Lösungsweg.....
Soviele Adjektive: angemessen, weitgehend, im Allgemeinen, meist....
Was heißt denn das nun?
Vielen Dank schon mal
Kila





1

Aus dem Arbeitsrecht sind viele solcher zweideutigen Floskeln bekannt geworden. Ich könnte bei einigen folgendes vermuten:

" Sie löste auch schwierigere Aufgaben in einem angemessenem Arbeitstempo weitgehend richtig."

Sie macht die Aufgaben hin und wieder mal richtig, und ist auch nicht die schnellste.

"Sachaufgaben durchschaute sie im Allgemeinen gut und fand meist den richtigen Lösungsweg..... "

Ähnlich wie bei der vorherigen Mitteilung: Sie versteht hin und wieder die Aufgaben, die ihr gestellt werden, und kann sie ab und an richtig lösen, schafft das aber nicht oft.

Ich glaube, daß man bei einem Schulzeugnis genaus wie bei einem Arbeitszeugnis zwischen den Zeilen lesen muß. Was man als Lob auffassen könnte, ist meistens nicht als solches gemeint. Man will schließlich niemanden verärgern.

Das beste ist, Du gehst zu den Lehrern und bittest um eine "Übersetzung" für diese Passagen.

Sowas klingt meistens besser als wenn sie schreiben würden:

"Wenn man ihr eine leichte Aufgabe stellt dauert das meist eine Ewigkeit."

"Die Aufgaben werden von ihr selten richtig gelöst."

usw...

Das ganze ist etwas überspitzt formuliert, aber solche Phrasen sind leider häufig zweideutig gemeint.

Wenn ein Lehrer schreibt: "Der aufgeweckte Schüler" meint er meistens: "Der tobt dauernd rum und stört den Unterricht"

Am besten bekommt man von den Lehrern direkt Auskunft, wenn man sie direkt darauf anspricht!

2

Hi

ich studiere Pädagogik, habe also nicht die Erfahrung einer Lehrperson, aber ein mitlerweile gutes Grundwissen.

Das Zeugnis ist eine Information für die Eltern in dem steht, ob und in wie weit die Bildungsstandards vom Kind gekonnt (nicht wie früher gewusst) werden.

In der 1. Klasse ist das im Matheunterricht z.B. dass das Kind im Zahlenraum von 1 bis 10 rechnen soll. Wenn das Kind also "angemessen" damit umgehen kann, hat es den Bildungsstandard erfüllt, sprich das Kind kann im Zahlenraum 1 bis 10 rechnen.

Wenn da steht, dass das Kind weitgehend etwas kann, dann schafft das Kind meisten die Aufgaben zu lösen.


Im allgemeinen ist zu sagen, dass das Wissen bzw das Können des Kindes am Bildungsstandart gemessen wird und dementsprechend beurteilt wird.

Was das Bildungsstandart im entsprechenden Bundesland ist, lässt sich liecht im Netz finden (google machts möglich).


Diese vielen "seltsamen" Adjektive müssen die Lehrkräfte auch benutzen, denn welche Eltern hören schon gerne, dass das eigene Kind den anderen hinterher hinkt und nicht viel auf die Reihe bekommt. Ein solches Zeugnis ist immer eine Gradwanderung für die Lehrperson.

Aber so wie es sich anhört, ist Dein Kind recht gut in der Schule, schafft fast immer die gestellten Aufgaben zu lösen (mal braucht es etwas länger, mal kürzer) und kommt ansonsten im Unterricht gut mit..... unterm Strich ein gutes Zeugnis.

ich hoffe, ich hab Dir etwas helfen können....


lg Hinna

3

Hallo,

da hab ich mal ne Frage:

Unsere haben schon im ersten Halbjahr angefangen bis zwanzig zu rechnen. Bis zehn kann meiner schon ganz gut - danach wirds schwieriger.

Liegt das evtl. daran, dass er sich den Zahlenraum bis zwanzig noch nicht richtig vorstellen kann?

Lieben Gruß Marion

4

Hi

was ich weiss, ist dass manche Kinder große Probleme haben sich überhaupt sowas abstraktes wie Zahlen vorzustellen. Um die Rechnung aber dennoch hinzubekommen benutzen sie die Finger beim zählen.

Nach 10 wirds halt schwierig, da hören die Fnger auf. Es gibt auch ein paar gewitzte Kinder die benutzen dann ihre Zehen und dann kommen wieder die Finger dran. Diese Methode ist aber sehr schlecht.

Um sagen zu können woran es liegt, dass Dein Kind Probleme hat bis 20 zu rechnen kann viele Gründe haben. Wenn sich das Kind den Zahlenraum bis 10 vorstellen kann, dann muss ihm gezeigt werden, dass es sichvon 10 bis 20 ähnlich verhällt wie zwischen 1 und 10. Je besser das Vorstellugsvermögen des Kindes ist, desto leichter fällt es ihm. Aber die Lehrperson muss es entsprechend erklären können.

Was ich erfahren habe, ist dass die meisten Kinder etwas gut verstehen, wenn ein Gleichaltriger ihnen was erklärt. Die Kinder haben eine eigene Sprache und manche kommen auf geniale Ideen. Aus dem Grund ist es manchmal sehr hilfreich, wenn eine Lehrperson einen guten Schüler bittet einem schlechtem zu helfen. Vielleicht würde das Deinem Kind helfen.

Ansonsten heißt es abwarten, es gibt Kinder die brauchen mehr Zeit um etwas zu verstehen, was nicht heißt, dass sie doof oder langsam sind. Sie brauchen halt etwas bis ihnen ein Licht auf geht. Ich hab ja auch manchmal ne laaaaaaaange Leitung ;-)


lg Hinna

weiteren Kommentar laden
5

Hallo Kila, lass dich bitte nicht verrückt machen, das Zeugnis hört sich gut an. Ein wenig muss man zwischen den Zeilen lesen, aber nicht so sehr wie bei Arbeitszeugnissen!!!
Zahlenraum gut erfasst: sie kann Zahlen vergleichen, ordnen, muss nicht von 1 an durchzählen, um zu einer Zahl zu gelangen
sichere Zahlvorstellung: sie weiß, wie viel 14 sind, sie weiß, wenn sie eine Plättchenmenge von 16 sieht, dass esnicht 6 oder 8 oder 10 Plättchen sein können, sondern mehr sein müssen
schwierigere Aufg. i. angem. Arbeitstempo weitgehend richtig: schwierigere Aufg. sind im 1. Schj. Aufgaben mit Zehnerüberschreitung, plus und vor allem minus, Ergänzungsaufgaben. Deine Tochter kommt mit der Zeit, die die Lehrerin für diese Aufgaben eingeplant hat, aus. (Hat nicht unbedingt Zeit für Zusatzaufgaben, muss aber auch nicht länger arbeiten, um fertig zu werden). Meistens hat sie diese Aufgaben richtig, d.h. manchmal macht sie bei den schwierigen Aufgaben einen Fehler.
Mit Sachaufgaben fängt man erst relativ zum Schluss an (zumindest bei uns in NRW, in Bayern ja vielleicht eher). Diese Aufgaben sind für die meisten Kinder am schwersten. Toll, dass sie diese Aufgaben meistens durchschaut und sogar weiß, wie sie sie lösen kann.
Ich kenne jetzt die Klasse natürlich nicht. Im Vergleich zu meiner Klasse (kommen jetzt auch ins 2.) wäre deine Tochter in Mathe (nur aufgrund der schr. Beurteilung) irgendwo im oberen Drittel auf jeden Fall. Es gäbe bei mir ein paar, die auf jeden Fall besser wären, aber deutlich mehr, die schlechter wären als sie.
Freu dich über das schöne Zeugnis!
Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiter helfen,
LG, Steffi

7

ich würde sagen, es ist ne gute Drei

Bei unserem Erstklässler steht bei Mathe
Den Zahlenraum bis 20 hat ... sicher erarbeitet und rechnet die geforderten Aufgabenstellungen immer zügig und richtig.
Komplexere Rechnungen, wie ( ....) gelingen .... mühelos. Die geometrischen Figuren wandte ... folgerichtig an. Im Sachrechnen erkannte er die geforderte Aufgabe und fand sich auch bei der Uhr und den Uhrzeiten rasch zurecht.
Im Umgang mit dem Material brachte er oft eigene Vorschläge ein.
(wurde ich sagen: Eins minus)


Klaus

8

Solche Zeugnisse sind der Grund, dass ich Noten in Zensuren lieber mag. Sie teilen einem zumindest mit, wie gut oder schelcht das Kind mit dem Stoff zurecht kommt. Man weiss, dass1 und 2 richtig gut sind und das Kind alles prima versteht, was es soll, die 3 sagt, dass es alles pi mal Daumen kann, die 4, dass es gerade noch ausreicht und 5 sagt halt, dass es groessere Probleme gibt.
Du musst erstmal rausfinden, was andere Kinder fuer Zeugniss haben- so bloed wie sich das anhoert.Um ein gefuehl fuer die aussagen zu kriegen, die dahinterstehen.

es kann auch so sein-Angemessenes Arbeitstempo hoert sich nach freundlicher Umschreibung fuer traenentier an, weitgehend richtig ist eben nicht richtig, im allgemeinen durchschauen meint oft danebenliegen und fand den richtigen Loesungsweg bedeutet, dass sie die Aufgabe selber nicht loeste.

Die Lehrer wollen keinen Aerger oder Eltern, die ihnen Vorhaltungen machen und formulieren deshalb alles positiv, wie eben auch in richtigen Arbeitszeugnissen. Von daher muss man aufmerken- ich verstehe das als hoechstens 3, vermutlich vier, eher unwahrscheinlich, dass es fuenf ist.

Aber Du solltest nachfragen- dann weisst Du bescheid.

benedikte#liebdrueck

9

#augen

Genau wie ich es mir gedacht hab - Eltern können mit den Zeugnissen nix anfangen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Aber hauptsache wir müssen diesen Schmarrn jedes halbe Jahr verfassen #augen

12

Du redest vielleicht einen Schmarrn

tippst ne Note, die Dir gefällt ins Zeugnisprogramm ein, und es macht Dir dann ein , zwei oder mehr Formulierungsvorschläge !:-[ , aus denen Du dann per Klicj eines auswählst.

Ganz blöd sind wir Eltern auch nicht.


Klaus

14

Du Schlaumeier schon wieder - war ja klar!

Wenn du so ein tolles Programm hast - kannst mir gerne mal brennen! ICH hab leider keins!
Ich verfasse meine Zeugnisse ehrlich und schülerbezogen. Deshalb sitzt man an so einem Zeugnis schon ein paar Stunden dran!

Aber DU weißt es ja sowieso besser...!




weiteren Kommentar laden
10

Hallo,
ich war auch erst geschockt über "unser" erstes Zeugniss, bis mir eine befreundete Grundschullehrerin sagte. Lies das Zeugniss niemals wie ein Arbeitszeugniss, Das ist total falsch
Wenn hier steht, sie gibt sich mühe, dann gibt sie sich auch mühe...
heisst also: angemessenes Arbeitstempo nicht "überfliegerschnell" aber auch nicht zu langsam, halt angemessen. und manchmal war die Lösung halt falsch, auch kein Drama

Und noch einmal: weitgehend, angemessen, im Allgemeinen und meist heisst wohl auch: weitgehend, angemessen im Allgemeinen und meist.

das hat mich sehr beruhigt

LG Vita

11

Noch einmal (inzwischen der 3.!!!) Beitrag von mir zu diesem Thema:
Ich kann absolut nicht begreifen, wie einige, die auf deine Frage geantwortet haben, sich herausnehmen, das Zeugnis als 3, eventuell 4 zu bezeichnen.
UM GOTTES WILLEN, GLAUB DENEN KEIN WORT UND LASS DICH NICHT VERRÜCKT MACHEN!
Weil mich manche Antworten hier echt ärgern, habe ich eben mal für dich in den Zeugnisformulierungshilfen nachgeschaut, da ist das Ganze nach 5 Notenstufen aufgegliedert, zu jeder Notenstufe gibt es zahlreiche Formulierungen, aus denen man sich dann einige passende heraussuchen kann.
Zahlenraum gut erfasst: Note 2
angemessenes Tempo: Note 2
sichere Zahlvorstellung: Note 2
einfache Sachaufgaben werden meist selbständig bearbeitet: Note 3, bei deiner Tochter steht aber nichts von einfachen Sachaufgaben, sondern allgemein Sachaufgaben, wenn du es vorsichtig betrachtest: Note 2 - 3
Übrigens steht bei deiner Tochter nichts von Anschauungsmaterial, das wäre nämlich Note 3, es steht auch nichts von zusätzlichen Hilfen, Erklärungen : Note 3.
Auch nichts von neuen Aufgabentypen, die deine Tochter verunsichern: Note 4.
Es steht auch nichts davon drin, dass deine Tochter spezielle Aufgaben üben sollte: Note 4.
Usw. usf.
Hoffentlich konnte ich dir helfen.

Ich finde es ganz schön erschreckend, dass man als Lehrerin zu Hause sitzt und nach Formulierungen sucht, die das Kind am besten beschreiben, und dann wird am anderen Ende der Leitung ein ganzer Roman hineinphilosophiert (Damit meine ich jetzt nicht dich, sondern einige Leute, die dir hier geantwortet haben).
Viele Grüße, Steffi

16

aber gilt nicht fuer alle Lehrer.

Meine freundin aus NRW hatte auch in den Worzeugnissen immer solche Floskeln wie " im allgemeinen", "im Regelfall" normalerweise, angemessen ,ueblich, druchschnittlich und so stehen. Miene Freundin wollte keine Zeugnisfetischistin sein, fuer sie hoerte sich das alles ganz ordentlich an- und sie war dann ziemlich entsetzt, als es mit den Noten losging.Die Lehrerein hatte auch nie etwas zu ihr gesagt( klar, wozu Pferde scheu machen) und dann waren die Noten so im (schwachen) Dreierbereich und haetten nicht zur Gymnasialempfehlung gereicht.

Und als meine Freundin sich beschwerte und meinte, die Lehrerin hatte frueher Bescheid sagen muessen, hat diese sich auf die zeugnisse zurueckgezogen und klar gesagt, dass " im allgememeinen" bestenfalls durchschnittlich bedeutet, einem sehr guten Schueler schreibt sie immer oder stets, einem guten fast immer und mit wenigen Ausnahmefaellen, normalerweise oder meistens eben durchsvhnittlich und im allgemeinen bedeutet, dass es durchaus Ausnahmefaelle gibt und eben eher ausreichend ist.

Von daher- die gleichen Floskeln, die Du hier als gute Leistungen interpretiert, sind da ganz klar keine guten Leistungen gewesen.Und man hatte das erfahren koennen, wenn ma sich sofort hinter die Noten geklemmt haette und in erfahrung gebracjht haette , was sie bedueten.

Deine Zeugnisgebung in allen Ehren, ich glaube Dir, dass Du beschreiben kannst, wie es bei Dir ist- aber Du kannst nicht fuer alle Lehrer und deren Notengebung sprechen. und es gibt andere.

Benedikte

13

ich nochmal

anbei einige Formulierungen EINES Zeugnisprogrammes zu


"gut"
er beherrscht ...sicher (beides ist hier wichtig: beherrscht UND sicher)
selbst Aufgabenvariationen bereiten keine Probleme
er bietet oft eigene Lösungswege an
er hat das Klassenziel voll und ganz erfüllt
soziale Konflikte innerhalb der Klasse weiß er zu schlichten



"mittelmäßig"
er beherrscht ... (OHNE "sicher")
er erfasst einfache Sachverhalte schnell
mit kleinen Hilfestellungen löst er ...
er zeigt bei seinen Interessensschwerpunkten
Durchhaltevermögen
seine Umgangsformen sind angemessen



"unzureichend"
er hat noch Schwierigkeiten
er beherrscht ... noch nicht
das Rechnen im Zahlenraum bis .... gelingt mit Hilfsmitteln gut
er bearbeitet seine Aufgaben mit Flüchtigkeitsfehlern
er ist eher ruhig

Quelle: Zeugnismaster XP, Download als Demo für jedermann/frau möglich !

Klaus

Top Diskussionen anzeigen