ADS und Pubertät

Hallo liebes Forum,

Bei meiner 12jährigen gab es schon immer Probleme mit der Aufmerksamkeit.
Verdachtsdiagnose ADS besteht,einen Termin zur endgültigen Abklärung beim Spezialisten haben wir jedoch erst im nächsten Monat.

Nun wird es gerade richtig schlimm.
Die Leistungen in der Schule sind extrem heterogen,von 1-5 ist nahezu in jedem Fach immer alles dabei,Selbstorganisation klappt überhaupt nicht mehr!
Sie hat auch bis dato überhaupt keine effektiven Lernstrategien entwickelt.

Das fiel mir nie so auf,weil es bis vor kurzem in der Schule (6.Klasse G8) ganz gut lief.
Nun habe ich das Gefühl,sie verliert sich komplett in ihrem innerlichen Chaos und braucht wieder viel mehr Unterstützung von unserer Seite.
Eigentlich sollte sie ja immer selbstständiger werden #hicks.

Nun zu meinen konkreten Fragen an die von euch,welche Erfahrungen mit ADSlern haben

1. Kommt es öfter vor,daß eine einigermaßen kompensierte Aufmerksamkeitsstörung erst in der Pubertät voll in Erscheinung tritt?
Würde ja aufgrund der pubertären kognitiven ´ Umstrukturierungsprozesse´ naheliegen.

2. Ist vermehrte Unterstützung seitens der Eltern nötig/sinnvoll oder eher kontraproduktiv?

Mein großer Spatz ist zur Zeit mit allem überfordert #schrei!
Als Mutter möchte ich sie natürlich schützen und entlasten,weiß aber gar nicht,ob das überhaupt gut für sie ist.
Oder soll ich auf meinen Instinkt hören,ihr die Hilfe geben,die sie zur Zeit braucht (z.B. mit ihr den Ranzen packen,mit ihr zusammen aufräumen,mit ihr lernen u.a.)und die weitere Diagnostik abwarten?
Sie möchte auf jeden Fall auf dem Gymnasium bleiben,dort wird aber nun nach der 6. massiv ausgesiebt.

Für Antworten wäre ich sehr dankbar :-)
lg berika

1

Hallo!

Mit oder ohne Diagnose: geh Deinem Mutterinstinkt nach und hilf ihr da wo sie es braucht, wenn sie das annehmen will. Was bei einem Kind in punkto Selbständigkeitserziehung schädlich ist, ist beim anderen nützlich.

LG, I.

4

Danke,
das tue ich auch,aber irgendwann muss ich die wohl doch in die Selbstständigkeit schubsen,auch wenn sie sich wehrt!

2

Wenn Deine Tochter Hilfe annimmt, würde ich sie schon geben, allerdings sollte das schon eine Art "Hilfe zur Selbsthilfe" sein, denn letztlich muss sie natürlich selbst Strategien entwickeln, wie sie durchkommt.

Mein Sohn (13) ist seit jeher zwar schlau, aber unordentlich und unstrukturiert, das Durcheinander hat so im letzten Halbjahr deutlich zugenommen - notenmäßig ist zwischen 1 und 4 alles dabei. Er will aber allerdings absolut keine Unterstützung, meint, dass er alles selbst kann - und so lasse ich ihn denn mehr oder weniger wurschteln. Lediglich mit den Lehrern habe ich vereinbart, dass sie etwas mehr Augenmerk darauf haben, dass er nicht ganze Stunden mit Nichtstun verbringt, zu Hause versuche ich aber, mich auf freundliche Angebote und Erinnerungen zu beschränken - tue ich mehr, blockiert er total.

LG

Anja

5

Och meine würde sich am liebsten von mir durch die Schule ziehen lassen,da ist sie leider ziemlich schmerzbefreit .
Haben Chaoskinder es heute noch schwerer,wird fehlende Eigenorganisation noch weniger verziehen?
In meiner Schulzeit gab es viele Chaoten und Träumer,das war normal!
Fast schon erstrebenswert,zu viel Strebsamkeit und Disziplin war suspekt#hicks.
Heute ist alles eher auf effiziente Leistungsoptimierung ausgerichtet,
ich weiß nicht,ob man das alles immer wirklich um jeden Preis so mitmachen muss.

Aber da wir nun einmal Teil einer Gesellschaft sind,in der die dominierenden Kräfte sich für diesen Weg entschieden haben,hat man wohl als verantwortungsbewußte Mutter die Verpflichtung ,sein Kind auch in dieses Leistungskorsett zu quetschen.
Auch wenn es einem zutiefst widerstrebt.
Vielleicht gibt es ADS gar nicht,vielleicht sind das alles nur die Reaktionen einer Generation ,die auf die Unsicherheiten ihrer Zeit antwortet.

Aber egal welche Ursachen dahinterstecken,der Leidensdruck bleibt ja!

7

Zu viel Strebsamkeit und Disziplin sind auch heute suspekt - frag mal einen pubertierenden 13-Jährigen, was er von Leistung hält ...

Ich habe beruflich mit Bildung zu tun und sehe auch bei den Studierenden, dass viel auf Leistungsoptimierung ausgerichtet ist, aber wenig danach, seinen eigenen Weg zu finden, der vielleicht auch mal Haken schlägt, etwas nicht Zielgerichtetes zu tun, weil es einen persönlich weiterbringen könnte ...

Vielleicht hat man früher eher seine "Nische" gefunden und auch eher den Mut gehabt, wirklich etwas nach seinen Interessen zu tun und nicht nur den ökonomischen Nutzen zu sehen, aber irgendwie organisieren musste man sich trotzdem.

Alles muss man sicher nicht mitmachen, aber wenn Dein Kind wirklich Leidensdruck empfindet, kann man sich schon die Frage stellen, ob die Schulform denn die richtige ist - Hilfestellung leisten: ja; den Hintern hinterhertragen: nein!

LG

Anja

3

Und was willst Du machen, wenn sich die Verdachtsdiagnose "bestätigt"? Ihr Pillen geben?

6

Als Teil eines eigentlich pervertierten Systemes muss ich sagen,
wenn es nötig ist,damit sie in diesem System nicht untergeht,
ja!

8

Erstens steht noch nicht fest, ob deine Tochter eine Aufmerksamkeitsstoerung hat, zweitens ist MPH kein Allheilmittel und drittens bekommen Kinder mit ADHS ihre Medikamente nicht um sie chemisch an krank machend Strukturen anzupassen, sondern um eine Störung zu kompensieren.

Bei dem, was ihr schreibt rollen sich mir die Zehennaegel auf.

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