Hauptschulempfehlung - aber hiesige Hauptschule eher fragwürdig. Was jetzt?

Hallo Zusammen,

unsere Tochter (11) besucht derzeit die 4. Klasse und der Übertritt zur weiterführenden Schule steht an. Seit dem Wegfall der Schullaufbahnempfehlung (Niedersachsen) gilt allein der Elternwunsch und damit sind wir auch schon bei meinem Gedankenkarussel. In Gesprächen mit der Klassenlehrerin und der Betrachtung der Schulnoten sowie des Arbeitsverhaltens meiner Tochter kommt eigentlich nur die Hauptschule in Frage. Zugegeben, es war nicht ganz einfach für mich zu akzeptieren, dass unsere Große (momentan) eben (noch) keine Überfliegerin und fleißige Ordnungsbiene ist, aber ich baue darauf, dass sich ihr Ehrgeiz noch entwickeln kann und wird. Nicht alle Kinder sind eben in der Grundschule TOP-Schüler ...

Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, wenn wir sie auf einer Hauptschule anmelden, denn dies MUSS ja keine Sackgasse bedeuten. Auch hier können viele Wege weiter führen. So haben wir den „Tag der offenen Tür“ an unserer hiesigen Hauptschule genutzt, um uns zu informieren. Und ehrlich gesagt, haben mich diese Eindrücke nachhaltig ernüchtert. Rund 80% der Schülerinnen und Schüler haben einen Migrationshintergrund und sprechen kaum Deutsch. Der Unterricht gestaltet sich daher nach Aussage der Lehrer ganz pragmatisch an dem, was als Basis vorhanden ist und von dort würde Schritt für Schritt aufgebaut. Guter Ansatz, aber mir stellte sich da die Frage, wie dann mit Schülern umgegangen wird, die diese Aufbauarbeit nicht nötig haben. Wie sieht da das Lern- und Bildungsniveau für diese Schüler aus? Erhalten auch diese Schüler die Chance, zu wachsen und wird ihr Potenzial für einen möglichen Übertritt zur Realschule erkannt und gefördert? Hierauf erhielt ich keine konkreten Antworten - die anwesenden Lehrkräfte schwärmten nur so von dem lebendigen Multikulti und wie sehr die Schüler voneinander profitieren würden. Zudem erschreckte es mich, dass für insg. 20 Klassen nur 16 Klassenräume zur Verfügung standen und frisch eingeschulte und teilweise sicher auch traumatisierte Kinder aus Flüchtlingsfamilien provisorisch in Lehrerzimmern und der Aula unterrichtet wurden. Dies sei angeblich nur für den Übergang. Der Besuch hinterließ bei mir einen ziemlich schalen Nachgeschmack …

Welche Alternativen stehen uns offen? In Frage käme nur noch unsere wirklich gute Gesamtschule. Doch hier stehen – wie wahrscheinlich überall – wesentlich mehr Anmeldungen an als Schulplätze, weswegen jedes Jahr ausgelost wird. Wir werden natürlich unser Glück versuchen, aber wenn wir keinen Platz bekommen, was dann? Unsere Realschule ist ziemlich anspruchsvoll und legt die Latte für die Schüler ohne Realschulempfehlung, auch wenn sie faktisch nicht vorhanden ist, recht hoch (ich kenne privat eine der Lehrkräfte sehr gut …); da befürchte ich einfach, dass unsere Tochter das nicht packen wird und ein Abschulen möchte ich ihr natürlich ersparen.

Habt ihr einen Rat für mich?
VLG von deichbrise

PS: Und falls es zu Nachfragen kommt: ja, wir haben unsere Tochter immer unterstützt, gefördert und auch auf mögliche Defizite testen lassen - mit dem Ergebnis, dass sie eben ein Mädchen ist, das den Unterricht eben nicht komplett begeistert, keinen großartigen Ordnungshang hat und viel zu gern einfach nur ein Kind ist, bei dem Schule nicht an erster Stelle steht. Was ich auch vollkommen in Ordnung finde ?.

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Hallo.

Na, wie du schon selber schreibst, wird (zumindest momentan) die Realschule für euch wohl keine Alternative sein.

Ich würde jetzt einfach mal abwarten. Selbst wenn das mit dieser Gesamtschule nicht klappt, dann würde ich der Hauptschule mal ne Chance geben.;-) Vielleicht ist doch nicht alles so negativ, wie du es jetzt momentan vielleicht empfindest. Evtl. macht es auch bei deiner Tochter im laufe des nächsten Jahres noch "klick" und sie kann nach der 5. Klasse auf die Realschule wechseln. Kenne durchaus "solche Fälle". :-D

Wie sieht es denn in eurer Gegend mit sog. "Wirtschaftsschulen" (nennt man die überall so? #kratz). Bei uns gibt es zwei solcher Modelle und dort können Hauptschüler ab sämtlichen Klassen hin wechseln und dort die Mittlere Reife erwerben. Wäre doch evtl. auch für euche eine Option?

Alles Gute u. lb. Grüsse #winke

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Danke für deine Antwort.

Prinzipiell wäre auch meine Hoffnung, dass sie nach der 5. Klasse wechseln kann; aber wenn auf dieser Schule das Hauptaugenmerk auf den wirklich schwachen Schülern liegt, habe ich die Befürchtnis, dass die Schüler mit Potenzial nicht genügend gefördert werden. Und da wäre eben mein Vorbehalt - dass ich vermute, dass meine Tochter quasi nur "mitläuft" und schlussendlich nicht mehr wirklich den Schubser bekommt, der nötig wäre, um mehr zu erreichen. Klar, mangels Alternativen müssten wir sie dort anmelden, aber eben nicht wirklich mit positiver Grundeinstimmung.

Wirtschaftsschulen haben wir hier nicht. Wir haben 2 Gymnasien, 1 Gesamtschule, 1 Realschule und 1 Hauptschule. Alles andere ist ziemlich vor Ort ...

VLG von deichbrise #winke

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Nach oben wechseln ist immer schwierig, was meinst du was sie alles verpasst, lieber auf die Real schicken und dann sehen wie es sich entwickelt, runter gehen ist kein Problem.

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Hallo,

eine schwierige Situation. Was sagt denn eure Tochter? Könnte sie sich vorstellen, die Hauptschule zu besuchen? Sie gegen ihren Willen dort einzuschulen, wird auch nicht leicht. Falls es mit der Gesamtschule nicht klappt, gibt evtl. eine etwas weiter entfernte andere Hauptschule? Sollte ihr jedoch die Realschule bei der Besichtigung besser gefallen, würde ich es wahrscheinlich probieren, sie bestärken und weiter fördern.

Euch viel Glück bei der Entscheidung!

Viele Grüße

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Hallo und danke für deine Antwort,

sie nimmt es ziemlich schwer mit der Hauptschule; ihr hat es dort nicht gefallen und sie war auch erschrocken, dass ihre Leistungen eben nur für die Hauptschule sprechen. Die nächste Hauptschule - eigentlich eher Mittelschule, da mit einer Realschule zusammen gelegt - ist eine halbe Stunde Bahnfahrt entfernt. Vielleicht sollten wir uns auch hier noch einmal schlau machen?

Bestärken werden wir sie gern weiterhin; sie will ja eigentlich auch auf die Realschule. Nur möchte ich eben auch nicht, dass sie völlig frustriert wird, wenn es eben nicht ausreicht.

Shit - ich weiß einfach nicht, was jetzt das Beste wäre. Fordern? Oder lieber auf dem Status-Quo wachsen lassen? Wenn ich jetzt nur eine Gebrauchsanweisung hätte ...#herzlich

VLG deichbrise#winke

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Warum sind ihre Leistungen so schlecht? Ist der IQ knapp über der Lernbehinderung. Dann könnt ihr sie nur trösten, daran ist wenig zu ändern. Es wäre allenfalls an eine Förderschule auf Hauptschulniveau zu denken, weil dort die Bedingungen besser sind.

Wenn Kinder unkonzentriert sind oder sich schlecht bis gar nicht organisieren können kann man ihnen manchmal - aber bei weitem nicht immer - helfen. Das kann man auch jetzt noch anfangen. Diese Schwierigkeiten hat mein Fünftklässer auf dem Gymnasium auch. In der GS waren gerade mal 15-16 Kinder in der Klasse, da ging es weitaus besser als jetzt mit 29 Mitschülern. So etwas ist kein Grund einem Kind eine der Begabung angemessene Bildung zu verweigern.

Weiß sie, dass sie auf diese Hauptschule muss, wenn ihre Leistungen nicht ausreichen. Das Schuljahr ist noch nicht zu Ende, du könntest ihr auch Nachhilfeunterricht anbieten und sie zugleich auf der Realschule anmelden. Da die Hauptschulen jeden Schüler nehmen müssen wäre es kein Problem sie doch noch dorthin zu schicken, wenn das Ergebnis immer noch unzureichend ist.

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Hallo also in deinem Fall würde ich , wie ihr schon vor habt das Kind in der Gesamtschule anmelden und zusätzlich in der Realschule, wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Alles weitere würde ich beobachten, sollte es dann so schwierig werden auf der Real, könnt ihr noch immer runter gehen, aber auf eine Hauptschule unter diesen Umständen würde ich mein Kind keines Falls schicken, dann lieber mit 4 durch die Realschule.

Lg

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Danke dir ... ich tendiere vom Herzen her dazu ... ich habe eben einfach Bedenken aufgrund dieser Umstände. Nur weiß ich auch nicht, wie ein Abschulen auf mein Kind wirken würde, falls es tatsächlich nicht klappen sollte. Sorry, es klingt alles so negativ, was ich schreibe, aber ich bin halt ein Typ, der so tickt, dass es nicht schadet, auf das Beste zu hoffen, solange man auf das Schlimmste vorbereitet ist ;-) ....

Aber vielleicht hast du Recht: Lieber es erstmal mit der Realschule versuchen und meinem Kind klar machen, dass wir es lieber ausprobieren wollen, bevor wir von Beginn an die Flinte ins Korn werfen .... Fühle mich auch ehrlich gesagt bedeutend wohler dabei, sie nicht auf dieser Schule anzumelden ....

VLG und Danke dir!
deichbrise #winke

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Hallo,

das Problem hatte ich auch.

Meine Tochter hatte zwar den Durchschnitt für die Realschule, aber das hätte sie aus vielen Gründen nicht gepackt.

Also Mittelschule (früher Hauptschule in Bayern).

Allerdings sind die Mittelschulen hier eher so zum Grausen.

Ich habe mich dann für eine private Mittelschule entschieden. Und das war gut so.

GLG

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Hallo.

Meldet Eure Tochter auf der Gesamtschule und der Realschule an.
Es besteht ja die Hoffnung, dass sie jetzt endlich aufwacht und ihren schulischen Weg engagierter verfolgt ... Du sagtest ja, dass sie von den Noten/Empfehlung und der Hauptschule an sich geschockt war.

Hauptschule ist ja heutzutage überhaupt keine Option mehr, wenn man möchte, dass sein Kind danach beruflich Fuß fassen kann.

LG

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Hallo und danke auch dir,

ja, du hast absolut Recht - natürlich ist ein Hauptschulabschluss keine erstrebenswerte Option; ich baue nur darauf, dass es ja auch weiter gehen kann.

Allerdings baue ich - wie du mit deinem Rat - darauf, dass sie jetzt aufwacht und mehr Engagement einbringt.

Mehr und mehr tendiere ich dazu, tatsächlich eher die Anmeldung auf Gesamt- und Realschule zu erwägen.

Danke für den objektiven Ratschlag :-) ....

VLG deichbrise

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Ach, herrje ... ich neige wohl zu sprachlichen Dopplungen #schein ... sorry ...meist sieht frau so etwas immer erst hinterher.

LG nochmal von deichbrise

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Lass es sie auf der Realschule versuchen. Kinder entwickeln sich und eine bessere Lerngruppe zieht!

Gruß

Manavgat

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Danke dir! Exakt darauf baue ich - eben dass sie sich in einer Lerngruppe integriert und mitschwimmen bzw. verbessern wird.

Deine/eure Bestärkungen helfen wirklich gut, dass wir etwas Klarheit bekommen :-).

VLG deichbrise

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Hallo,
ich kenne die Schule nicht. Ich kann dir daher zu nichts raten.

Aber bei uns die Grundschule hat auch weniger Räume als Klassen. Das klingt dramatischer, als es ist. Da wurde eben der Konferenzraum der Lehrer zum Klassenzimmer umfunktioniert - der ist genauso groß wie ein Klassenzimmer. Tische/Stühle für die Kleinen wurden organisiert und statt der "grünen Tafel" gibt es dort ein Whiteboard.
Die Flüchtlingsklasse sitzt bei uns im Esszimmer - ein an der Küche angegliederter kleiner Raum, der nur einmal in der Woche für 2 Schulstunden genutzt wird. In der Zeit hat die Flüchtlingsklasse Sport. Danach hat die Kochgruppe für alle etwas leckeres gekocht und es wird gemeinsam gegessen.
Ich denke, man kann schon davon ausgehen, dass die Schule eine gute Lösung gefunden hat. Multikulti haben wir übrigens auch...knapp 80 Nationen sind in der Schule vertreten ;-).

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Ich stehe vor demselben Problem.
Wir wohnen in Ba-Wü und die Lehrerin meinte gestern zu mir, daß meine Tochter (9 Jahre und 4 Klasse) in die Werkrealschule (ist hier sowas wie die Hauptschule, aber man kann auch den Realschulabschluß machen) sollte. Ich habe sofort nein gesagt, was sie wohl nicht so toll fand, aber was solls. Bei ihr hapert es in dem Fach Deutsch, der Rest ist Okay.
Meine Gründe: Meine älteste Tochter ist auf dieser Werkrealschule in der 10. Klasse. Da sie vorher alles auf Hauptschulniveau gelernt hat, ist es wahnsinnig schwer, alles in einem Jahr nachzuholen, um den Realschulabschluß zu machen.
Mein 2 Grund: Meine zweite Tochter war auch auf dieser Schule. Nach der 6. Klasse wollten wir sie auf eine reine Realschule schicken. Dazu mußte sie einen sehr schweren Test auf 7 Klasseniveau machen, den sie bestanden hat. Aber in der neuen Schule wäre es schwer gewesen, wenn sie in die 7 Klasse gekommen wäre, da ihr halt der Stoff fehlt, den sie in der Werkrealschule nicht gemacht haben. Also hat sie die 6 Klasse nochmal gemacht.
Mein 3 Grund: Diese Werkrealschule stand schon auf der Kippe, daß sie zugemacht wird. Total runtergekommen, zugige Fenster, trostlos, dann noch ein Haufen Stundenausfälle.... Und was noch dazu kommt. Meine Älteste ist die einzige Deutsche in der Klasse. Sie hat davon bestimmt nicht provitiert, so wie es die Lehrer an deiner angeschauten Schule meinten.

Mein Tip an Dich: Melde Deine Tochter in der Realschule an.

Meinem Kind habe ich erzählt, daß sie wegem dem Fach Deutsch lieber auf die Hauptschule soll. Sie hat große Augen bekommen und gleich gesagt, daß sie jetzt viiieeel mehr lernen will, weil sie auf jeden Fall auf die Realschule will.

LG

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Tja - mit dem Problem seid ihr nicht allein. Irgendeine Schule muss die schwächsten Schüler nehmen - und eine Schule mit vielen schwachen Schülern ist für andere Schüler unattraktiv. (Damit hat man hier die Realschulen kaputtgemacht.)

Wenn der IQ so niedrig ist und sie auch kein Interesse am Lernen hat dann ist die Gesamtschule immerhin eine Chance und eine Hauptschule die zweitbeste Lösung.

Was willst du sonst tun? Wenn ihr alle Defizite ausgeschlossen habt und die Leistungen dennoch so grottig sind bleibt doch eigentlich nichts anderes übrig. Wenn sie in die Realschule geht und dort wegen ihrer nicht behebbaren Defizite keine Chance hat landet sie doch auf der gleichen Hauptschule.

Es wäre allenfalls zu überlegen, ob nicht eine Förderschule in Frage käme. Dort ist die Chance etwas zu lernen höher als auf einer Hauptschule, weil mehr Differenzierung nötig ist. Das muss auch keine Schule mit dem Schwerpunkt Lernen sein, abhängig von ihren Defiziten gibt es Alternativen auf Hauptschulniveau.

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