Ist das Konzentrationsschwäche? Tochter 7 Jahre, gerne Lehrerinnenmeinung!

Hallo!

Es geht um meine Tochter, sie wird jetzt im Dezember 7 Jahre alt und ist seit Sommer in der Schule. Der Elternsprechtag war gut, die Lehrerin ist zufrieden mit ihr und hatte nichts auszusetzen. Wir unterhielten uns noch ein bisschen und dabei erzählte sie mir, dass sich meine Tochter ab und zu selber Stress macht.

Wenn sie eine neue Aufgabe nicht direkt versteht, dann hat sie Angst, sie könne das nicht schaffen. Das wäre aber gar nicht nötig, denn, wenn die Lehrerin ihr sagt, dass sie das doch schafft, dann klappt es auch. Wir sollten ihr hier zu Hause halt beibringen, dass sie sich an solchen Aufgaben nicht festbeissen soll und zuerst mal alles lösen soll, was sie kann.

Danach kann sie sich den vermeintlich schwierigeren Aufgaben widmen oder auch fragen.
Soweit hat sie das auch verstanden. Beobachtet habe ich das hier zu Hause bei den Hausaufgaben, wenn ich ihr die Zeitvorgabe genannt habe (also insgesamt 30min. für alles, so hat es die Klassenlehrerin im Sommer zu uns gesagt).
Das ging gar nicht, sie hatte dann nur noch den Zeitdruck im Kopf und konzentrierte sich nicht mehr auf die Aufgabe, bekam die Krise, dass sie dann ja nicht fertig wird und keinen Stempel bekommt.
Das hat sich Gott sei Dank auch schon gebessert, seit sie für jede HA eine Zeitvorgabe ins Heft schreiben und trotzdem einen Stempel bekommen, auch wenn es nicht fertig wurde.
So, was ich aber nun öfter feststelle, ist, dass sie bei den Hausaufgaben etwas unkonzentriert ist, d.h. sie liest z.B. eine Aufgabe, sagt das Ergebnis richtig, sortiert dann noch irgendetwas herum, hebt einen heruntergefallenen Gegenstand auf oder lässt sich von ihrem Bruder ablenken, der etwas spielt und schreibt das Ergebnis dann in die falsche Reihe oder schreibt sogar etwas ganz anderes auf.
Sie schaut sich die Aufgaben auch vorher nicht an, z.B. gibt es bei Rechenpäckchen ab und zu Gesetzmässigkeiten, die es vorher zu erkennen gilt. Also z.B. dass die Zahl 5 am Anfang steht und dann jeweils mit weiterlaufenden Zahlen addiert werden soll, also 1,2,3,4,5 usw. oder dass vorne die fortlaufenden Zahlen stehen und dann jeweils mit einer gleichbleibenden Zahl addiert werden soll.
Sie rechnet einfach drauf los und denkt sich dann einfach irgendwelche Zahlen aus, die sie in die leeren Kästchen schreibt.

Sie erzählte mir auch jetzt, dass es einige Kinder gibt, die im Unterricht schnell mit ihren Arbeitsblättern fertig werden und dann in einem speziell dafür angeschafften Heft arbeiten, damit es ihnen nicht langweilig wird. Das Heft haben nun schon einige durch und fangen mit dem nächsten an. Meine Tochter und auch ein paar ihrer Freundinnen haben es erst bis zur S. 10 geschafft.
Ich fragte sie, wie dass denn käme, sie meinte daraufhin, dass sie bei den Arbeitsblättern öfter Fehler macht, die Lehrerin sagt ihr dann, sie solle dass nochmal korrigieren. Nun denke ich, dass es im Unterricht vielleicht dieselbe Unkonzentriertheit sein könnte, wie hier zu Hause.
Sie kommt nämlich auch nach Hause und weiss ihre Hausaufgaben nicht, sie schreibt es zwar alles auf, weiss aber dann nichts damit anzufangen.

Man merkt ihr auch oft an, dass sie bei Dingen, die man ihr erzählt oder erklärt, nicht wirklich dabei ist. Sie schaut mich dann zwar an, aber man merkt, dass sie etwas anderes denkt.
Was kann man dagegen tun? Ich habe ihr schon gesagt, dass sie sich zuerst auf das Arbeitsblatt konzentrieren kann und wenn dass fertig ist, hat sie ja immer noch Zeit, nach anderen Dingen zu schauen. Aber ob eine 7-jährige dass dann auch in die Tat umsetzen kann?
Ich weiss natürlich nicht, ob dass jetzt tatsächlich in der Schule so abläuft, ich frage mich auch, ob die Lehrerin es mir dann nicht gesagt hätte. Mache mir halt so meine Gedanken, dass ich ihr helfen kann, bevor dass einreisst.
Oder ist dass vielleicht für einen Erstklässer alles normal und man muss einfach nur warten?

Liebe Grüss, Celia.

1

Hallo,

Rechenpäckchen finde ich persönlich total doof.

"Sie rechnet einfach drauf los und denkt sich dann einfach irgendwelche Zahlen aus, die sie in die leeren Kästchen schreibt."
Na, was denn nun? Rechnet sie oder denkt sie sich Zahlen aus?

Grundsätzlich solltest du wirklich abwarten. Nur weil sie zur Schule geht, ist sie noch nicht erwachsen.

Gruß

2

Hallo,

ich finde diese Rechenpäckchen auch nicht prickelnd, weil ich denke, dass sie dafür noch sehr jung sind. Aber dagegen machen kann man ja nichts. So ist es nunmal in dem Rechenbuch vorgegeben und zwar sehr oft. Wir müssen uns also einen Weg suchen, der dadurch führt.
Das mit dem "Drauflosrechnen" ist so, dass sie eben vorher die Regel erkennen sollen. Also vorher das ganze Päckchen anschauen und erst dann rechnen, wenn man weiss, wie es gemacht werden soll.
Da sie aber einfach drauflos rechnet und dann eben irgendwelche Zahlen hinschreibt, ist zwar das Ergebnis im Einzelnen richtig, aber die ganze Aufgabe wird nicht gewertet, weil es eben anders gemacht werden sollte. Sie schreiben nämlich auch schon unangekündigte Tests.

Lg Celia.

5

Hallo,

dann würde ich abwarten bis sich die Rechenpäckchen wieder erledigen, also aus den Mathebüchern verschwinden.

Grundsätzlich sollte es egal sein, WIE das Kind zum RICHTIGEN Ergebnis kommt.

LG Marion

weiteren Kommentar laden
3

Huhu Celia,

Deine Tochter ist in der 1. Klasse. Ich denke, gerade am Anfang haben die Kinder noch ein seeehr unterschiedliches Lerntempo. Was einige schon können, haben andere noch nicht mal ansatzweise verstanden.
Vielleicht ist Deine Tochter noch sehr verspielt oder sie hat sehr viel Phantasie? Fühlt sie sich unter Druck gesetzt, weil einige Kinder die Extraaufgaben schon fertig haben und sie noch ganz am Anfang ist?

Wenn Deine Tochter bei den HAs unkonzentriert ist, hilf ihr: Laß ihr erstmal nach der Schule etwas Zeit. Ich kenne kein Kind, das sofort nach dem Heimkommen alle Aufgaben perfekt und freiwillig erledigt. Dannn biete ihr eine reizarme Umgebung (nackter Tisch) an. Da kann nichts runterfallen, da kommt kein kleiner Bruder rein (der hat bitte Zimmerverbot, während die HAs erledigt werden), da ist nichts zum Sortieren. Sie kann sich also voll und ganz auf die Aufgaben konzentrieren.

Wenn sie Gesetzmäßigkeiten etc. nicht von alleine erkennt, mach sie drauf aufmerksam. Erkläre ihr die ersten paar Male, was an den Aufgaben "besonders" ist, und irgendwann sagst Du nur noch "schau dir mal die ersten 3 Zahlen an" und sie wird wissen, worum es geht.

6

Hallo,

vielen Dank für Deine Antwort. Ja, sie hat tatsächlich viel Phantasie und war auch schon immer geräuschempfindlich. Das wurde uns die ersten 2 Jahre im KIGA immer gesagt, dort liess sie sich durch Geräusche oder Berührungen sehr irritieren.

In der Vorschule war das aber ganz verschwunden, dass wurde auch in ihrer Beurteilung geschrieben und auch dass sie sich gut konzentrieren kann.

Vielleicht auch, weil sie mittlerweile Kinder und Geräusche kannte.

Nun in der neuen Umgebung scheint es wieder aufzutauchen, neue Kinder dazu, neue Umgebung.
Wenn sie schon nach 2 oder 3 Stunden Schule aus hat, möchte sie gerne direkt die Aufgaben erledigen. Ich lasse ihr dann dazwischen aber ein bisschen Zeit zum runterfahren. Dann ist auch der kleine Bruder nicht da. Aber 2x die Woche ist erst Mittags Schluss und dann ist die Hausaufgabenzeit nachmittags und mein Sohn ist natürlich auch da.
Das Problem ist, dass meine Tochter auf keinen Fall die Aufgaben in ihrem Zimmer machen möchte, sie möchte, dass ich dabei bin. Wäre auch kein Problem, aber mein Sohn wäre dann in der Zeit ganz alleine. Wir haben es ja schon so gelöst, dass sie im Esszimmer die Aufgaben machen kann, ich dabei bleibe und mein Sohn bekommt etwas zum Basteln etc. Aber schon diese Geräusche (und er ist sehr rücksichtsvoll) bringen sie aus dem Konzept.
Auf den Tisch kommen auch nur die Schulsachen, die sie braucht und trotzdem gibt es ständig etwas, was sie ablenkt und sei es, dass sie auf die Aufgabe schaut und mir plötzlich etwas von Mitschülern erzählt. Ich sage ihr dann, dass dafür nachher noch Zeit ist. Man merkt oft, dass sie zwar anwesend ist, auch auf das Blatt schaut, aber der Kopf denkt etwas anderes.
Ich habe sogar schon überlegt, ob ich mit ihr Autogenes Training machen soll, damit sie lernt, Gedanken, die nichts mit dem Thema zu tun haben, wegzuschieben.

Lieben Dank, Celia.

9

Hi Celia,

Du wirst lachen, ich habe ein 12jähriges Nachhilfekind, dem geht es ganz genauso. Packt seine Sachen aus, ist durchaus motiviert (und kommt auch freiwillig zur Nachhilfe!) und dann... geht alles drunter und drüber. Er fängt eine Aufgabe an, schreibt sie ins Heft, dann plötzlich: "Meine Kunstlehrerin ist so doof. Die hat heute..." Ähm, ja. Ich lasse ihn kurz zuende erzählen. Dann wendet er sich wieder der Aufgabe zu, macht aber entweder alles nochmal, was er schon geschrieben hat - oder er "rechnet" mit irgendeinem beliebigen Ergebnis weiter. Auf Nachfrage, wo er denn jetzt diese Zahl her hat, kommt dann: "Äh, ja, weiß nicht" und dann schreibt er es richtig hin. Um dann wieder irgendwas zu machen - kippeln, rumrutschen oder wieder was erzählen... dazu kommt, daß er in seinen Aufgaben NULL Struktur hatte und zudem eine ganz schöne Sauklaue. Teilweise konnte er selbst nicht mehr entziffern, was er geschrieben hatte.

Im Herausfinden von Regelmäßigkeiten war er auch echt schlecht... z.B. war die Aufgabe "Rechne 10 x 7" und dann "Rechne 10 x 70" und er hat nicht erkannt, wie es funktionieren sollte.

Ich habe mit ihm ein Konzept herausgearbeitet, daß er immer alles in Mustern aufschreiben soll. Die Aufgabennummern kommen auf eine gedachte senkrechte Linie, die Unterteilungen (a,b,c...) auch, und genauso werden alle Rechnungen, die zu einem Päckchen gehören, so untereinander geschrieben. Und plötzlich hatte er dann die Erleuchtung, wie viele Nullen wann wo rankommen - ganz von alleine, nur durchs Wahrnehmen der Muster. Außerdem darf er bei mir auch mit Farben arbeiten und sich Zahlen anmalen, einkreisen usw. Seit er so systematisch arbeitet, ist auch seine Handschrift merklich sauberer geworden, und er hat ganz toll gelernt, sich Seiten einzuteilen.

Wenn er zu sehr ins Erzählen kommt, frage ich, wie es denn zwischendurch mit eier Matheaufgabe aussieht;-)

Ich habe es eine Zeitlang so gehandhabt, daß er nach jeder einzelnen Aufgabe etwas erzählen durfte. Er brauchte offensichtlich diese Auszeiten zwischen den Aufgaben. Inzwischen schafft er es auch, mehrere Aufgaben am Stück zu bearbeiten, aber bei umfangreicheren Sachen hängt er doch noch ganz schön durch.

Du siehst, daß das also auch noch bei 12jährigen der Fall sein kann;-)

In vielem erkenne ich Deine Tochter da wieder. Wäre es eine Möglichkeit, diesen Wechsel mit ihr zu praktizieren, also Aufgabe - was erzählen - Aufgabe usw.? Auch wenn es nur Aufgaben im Stil von "1 + 2 = ?" sind. Damit lernt sie, sich auf die kurzen Aufgaben zu konzentrieren - also kurz anspannen, "zusammenreißen", dann wieder entspannen und was erzählen.

Autogenes Trainig ist grundsätzlich nicht schlecht. Wäre vielleicht einen Versuch wert! Vielleicht kann sie dadurch auch lernen, die Umweltgeräusche ein wenig abzuschalten, wenn sie so empfindlich darauf reagiert.

4

Hallo Celia,

mach dir mal nicht zu viele Sorgen - das hört sich alles völlig normal an ;-)

Sie ist gerade mal ein halbes Jahr in der Schule - und dann gleich alles (!) immer (!) voll durchschauen und strukturiert (!!!) durcharbeiten und dabei auch noch einen Zeitplan im Auge behalten??? Öhm - ich kenne genug Erwachsene, die dazu nicht in der Lage sind....

Eine halbe Stunde kann gerade in dem Alter mal rasend schnell vorbei sein (spielen) oder unendlich lang sein (irgendwo warten) - wie soll sie dann einschätzen, ob sie die Hausaufgaben in der Zeit fertig hat???

Hilf ihr, z. B. indem Du die Unterlagen mit ihr durchsiehst - zusammen mit den Notizen fällt ihr dann sicherlich auch wieder ein, was sie auf hat. Unterstütze sie, indem du mit ihr zusammen überlegst, worauf sie achten sollte (was wie aufschreiben, Aufgabenpäckchen im gesamten ansehen, etc.)

Mach ihr keinen Druck, denn genau dieses strukturierte Arbeiten, das du scheinbar schon voraussetzt (wo soll es herkommen???), sollen die Kinder ja gerade in den ersten Schuljahren lernen.

Kat

7

Hallo,

danke Dir für Deine Antwort. Ich bin froh, hier von allen zu hören, dass es normal ist und dass das strukturierte Lernen kommt, wenn man es trainiert.
Ich versuche es ihr auch immer so zu zeigen, wie Du es beschrieben hast. Ich höre halt immer nur von anderen Kindern, dass der Funke mittlerweile übergesprungen ist und es schon immer besser klappt. Bei uns habe ich aber noch keinen Fortschritt bemerkt in der Hinsicht. Darum habe ich mir solche Sorgen gemacht. Vielleicht dauert es bei ihr einfach nur länger, bis sie es verinnerlicht hat. Ich werde geduldig bleiben und es Tag für Tag nach dem gleichen Schema machen.
Denn das Verrückte ist, dass sie die Rechenaufgaben alle kann, dabei hat sie kein Problem. Einfach nur dabei, die Aufgaben kontinuierlich abzuarbeiten und die Gedanken zusammenzuhalten.

Vielen Dank, Celia.