Spätabort in der 21.Ssw

Hallo zusammen,

Ich möchte sehr gerne meine Geschichte mit euch teilen. Viele Beiträge aus diesem Forum habe ich inzwischen gelesen und konnte mich in so vielen Texten wiederfinden.

Ich muss dazu etwas ausholen, meine Schwangerschaft galt als Risikoschwangerschaft da ich bereits in der letzten Schwangerschaft eine Gebärmutterhalsverkürzung sowie Frühwehen hatte. Angefangen so um die 20 Woche.

Diesmal fing es leider schon früher an, in der 17 Woche, wie auch zuvor bekam ich ein Pessar eingesetzt um den Gebärmutterhals zu stärken und ein vorzeitiges öffnen des Mittermundes zu verhindern.

In der letzten Schwangerschaft hat es super geholfen, ich war dadurch vielleicht auch nicht vorsichtig genug da ich mich sehr auf diesen Ring verlassen habe.

Ich bekam das Pessar dieses mal in der 18 Ssw. eingesetzt, zu diesem Zeitpunkt war mein Gebärmutterhals bei 2,4 und es hatte sich bereits ein kleiner Trichter gebildet. Frühwehen hatte ich auch wieder, nie schmerzhaft, der Bauch wurde halt immer wieder hart. Mein Mann war als meine Haushaltshilfe zu Hause um mich zu unterstützen.

Ich verlor unseren Sohn letzten Samstag, angefangen hatte es Freitags Abend. Mit meiner Tochter bin ich eine kleine Runde mit den Hunden gelaufen, dabei merkte ich das ich starken Ausfluss hatte. Durch das Pessar kann das aber auch passieren. Tatsächlich war es aber Fruchtwasser wie sich später heraus stellte.
Ich hatte mich zum malen an den Tisch gesetzt als ich plötzlich eine Wehe hatte die sich einfach total merkwürdig anfühlte, ich bin regelrecht aufgesprungen weil ich wusste das etwas nicht stimmte. Das Pessar rutscht gerade raus dachte ich. Das habe ich auch zu meinem Mann gesagt, als ich mir dann zwischen die Beine griff hatte ich meine Fruchtblase in der Hand. Meinem Mann sagte ich nur das er sofort einen Krankenwagen rufen soll, währenddessen schob ich die Fruchtblase wieder zurück, so gut es eben ging. Die Hand nahm ich da auch nicht mehr weg, ich hatte solche Angst das sie wieder rauskommt..

Im Krankenhaus angekommen wurde ich direkt in den Kreißsaal gebracht. Als die Hebamme zu mir kam brach ich völlig verzweifelt in Tränen aus, ich wusste das wir nichts mehr machen können, gefragt habe ich natürlich trotzdem aber nach der Untersuchung sagte meine Hebamme das alles schon zu weit vorangeschritten war. Unser Sohn sollte also jetzt geboren werden, um zu sterben. Ich hielt diesen Gedanken kaum aus. Beim Sterben zusehen? Das war der schlimmste Gedanke, ich konnte das nicht. Mein Mann wollte unseren Sohn nach der Geburt nehmen und mit ihm diesen Weg gehen. Ich konnte es nicht, habe ich immer wieder gesagt.
Meine Hebamme sagte uns dann das es sein kann das Henri die Geburt nicht überlebt. So furchtbar sich das anhört, ich hoffte darauf. Es wurde ein Ultraschall gemacht, Henri lebte, es ging ihm gut. Und ich sollte ihn jetzt zur Welt bringen, ich war am Ende. Für meinen Mann war es völlig unverständlich das es nichts gab was wir dagegen machen konnten.
Das Pessar musste nun raus, ich hatte Wehen. Die Fruchtblase hatte sich durch das Loch im Pessar gedrückt. Die Hebamme bekam den Ring nicht raus, eine Oberärztin wurde dazugerufen, sie konnte den Ring letztendlich entfernen, das war aber wirklich schmerzhaft.
Die Wehen hörten danach plötzlich wieder auf, ich sollte rum laufen um die Geburt voranzutreiben. Das wollte ich doch aber eigentlich gar nicht. Henri sollte bei mir bleiben, die Fruchtblase platzte allerdings in diesem Moment. Ein weiterer Ultraschall zeigte uns das Henri bereits gegangen war, es war zu anstrengend für ihn. Tatsächlich war ich in dieser einen Sekunde dankbar dafür ehe ich realisierte das mein Kind nun tot sei.
Da er mit den Füßen nach unten lag musste ich nun wieder liegen, Wehen hatte ich immer noch nicht. Ich bekam dann einen Wehentropf, der bewirkte gar nichts, der wurde immer höher gestellt und es tat dich trotzdem nichts. Also versuchte ich so zu pressen, meine Hebamme sagte das ich es ruhig probieren sollte. Nach zwei mal Pressen war sein Körper geboren, sein Kopf steckte aber fest und die Hebamme musste den Muttermund mit ihren Fingern aufhalten. Es war inzwischen Samstag morgen, um 6.50 Uhr wurde Henri geboren. Er war so perfekt, nur leider viel zu klein. Er lag in meinem Arm und wir konnten nur noch weinen. Bei mir sollte anschließend noch eine As gemacht werden. Unter Vollnarkose. Als ich aus dem OP kam war mein Mann mit einer unserer Töchtern da, sie wollte Henri unbedingt sehen, ich hatte erst große Bedenken und habe es dann doch zugelassen. Das war auch absolut die richtige Entscheidung. Das Krankenhauspersonal hatuns unglaublich toll unterstützt, alle waren sehr einfühlsam und empatisch. Das hat uns sehr geholfen.
Ich wollte nur noch nach Hause ,im Kreißsaal neben uns bekam eine Frau gerade ihr Baby, das konnte ich nicht ertragen. Wir verabschiedeten uns von Henri, es war das schlimmste ihn dort zu lassen. Eigentlich hätte ich noch im Krankenhaus bleiben sollen, ich habe allerdings unterschrieben und bin auf eigene Verantwortung gegangen.
Morgen ist das ganze nun eine Woche ,geboren wurde er aber erst Samstag.
Ich bin immer noch am Boden zerstört, ich weine unglaublich viel. Ich bin sauer auf Gott und die Welt, ich weiß teilweise nicht wohin mit meiner Wut. Kennt ihr das auch? Ausserdem möchte ich unbedingt wieder Schwanger sein, was total verrückt ist, es ist nichteinmaleine Woche her und ich habe solche Gedanken. Ich möchte Henri nicht ersetzen, das geht auch gar nicht. Ich habe aber das Gefühl dass ich etwas brauche worauf ich mich freuen kann. Dann ist da aber die Angst, passiert es wieder?

Es ist ziemlich lang geworden, herzlichen Dank wenn jemand alles durchgelesen hat.

LG Ina

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Liebe Ina,

Ich kann nur im Ansatz nachempfinden, wie es dir gehen muss. Ich hatte „nur“ eine MA in der 10. SSW, hatte nie die Gelegenheit, mein Kind zu spüren oder ihm/ihr einen Namen geben zu können. Umso mehr bewundere ich dich, wie du die Geburt gemeistert hast. Ich wünsche dir ganz viel Kraft, um den Verlust eures Sohnes zu verarbeiten und dein/euer Leben weiterzuführen.

Liebe Grüße

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Herzlichen Dank für deine Worte. Dein Verlust tut mir sehr leid. Auf die Woche kommt es ja auch eigentlich nicht an, ich denke jede Fehlgeburt ist Schmerzhaft für uns alle. Dir auch alles Gute.

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Da hast du Recht. Mir hat diese Nachricht den Boden unter den Füßen weggerissen. Meine Tochter sorgt aber dafür, dass ich mich nicht vergrabe bzw. in ein Loch falle, aus dem ich nicht mehr rauskomme.
Dankeschön!

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Hey.

In deinem Text kann ich mich gut wiederfinden. Es tut mir sehr leid das euer Henri so schnell zu euch wollte und es so kam.

Das du wieder schwanger sein willst, ist verständlich - im Kopf ist es noch nicht angekommen.

Mir hat damals eine Therapie sehr geholfen, viel reden und auch weinen/sauer sein/schreien wenn es sein muss. Es befreit auch wenn die Frage nach dem warum nicht beantwortet wird.

Wir haben unseren Sohn in der 18. Ssw verloren nach langer Diagnostik. Ich hab versucht alles klein zu reden, die Medizin gibt so viel her...nur Wunder kann sie nicht immer leisten.

Pass auf dich und deine Familie auf, haltet zusammen.
Fühl dich fest gedrückt,

dein mitfühlendes Eulenkind mit 2 Erdenkindern und 2 Sternenkindern

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Vielen Dank für deine Nachricht, ich wünsche dir und deiner Familie alles erdenklich Gute. An eine Therapie habe ich tatsächlich auch schon gedacht , ich könnte mir durchaus vorstellen dass mir Gespräche helfen.

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Liebe Ina,
mein herzliches Beileid zu Eurem Verlust, fühl Dich unbekannter Weise fest gedrückt.

Ich kann mich leider gut in dich hineinversetzen, da wir unseren Sohn im November 2018 in der 20. SSW aufgrund eines vorzeitigen Blasensprungs verloren haben. Auch mir ging es so, dass ich sehr froh war, dass er unter der Geburt verstorben ist. Es hatte sich die Plazenta gelöst. Und ebenfalls wie Du wollte ich sofort wieder schwanger werden. Ich durfte dann 6 Monate nach unserem Verlust postitiv testen und unser Regenbogen-Mädchen ist mittlerweile 1,5 Jahre alt.
Mir wurde in der Folgeschwangerschaft eine Cerclage + ein früher totaler Muttermundverschluss (FTMV) verpasst. Das war für meinen Kopf unglaublich wichtig, denn die Angst, dass das wieder passiert war fast nicht auszuhalten.
Wenn Du Dich weiter austauschen magst, kannst Du mir jederzeit gerne schreiben.

Alles erdenklich Gute für Dich!

Liebe Grüße, Nadine

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Liebe Nadine,

auch euer Verlust tut mir unendlich leid, ich freue mich aber von Herzen das ihr ein Kind nach dieser Erfahrung im Arm halten dürft. Es gibt einfach nichts schöneres als sein Kind in den Arm zu nehmen. #herzlich
Ich war direkt am Montag bei meiner Frauenärztin, ich wollte wissen ob ich noch Optionen habe, eine Cerclage hatte sie für mich nicht in Betracht gezogen da mein Muttermund völlig schmerzfrei auf gegangen ist. Ihre Sorge ist dass mein Muttermund aufreißt. Was heißt denn Cerclage + totaler Verschluss? Es ist also nicht das selbe?

Alles Liebe für dich und deine Familie.

LG Ina

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Oh lala807 ich fühle so mit dir!!
Wir haben unseren gesunden Sohn in der 19. ssw zur Welt bringen müssen, auf Grund von vorzeitigen Wegen oder eine gmhs…da hat man nicht wirklich rausgefunden, er war unser beider erstes Kind! Auch er hat noch gelebt nur wussten wir, wenn die fruchtblase platzt wird Karl sterben! So gekämpft hat er und hatte keine Chance! Ich wäre danach am liebsten sofort wieder schwanger gewesen…einfach um die Normalität wiederherzustellen! Das war der traumatischste Tag unseres Lebens! Wir haben nur geweint, bitterlich geweint! Und auch jetzt nach drei Monaten geht es uns besser, aber verstehen werden wir es wohl nie! Ich glaube auch, dass erst ein lebendiges Baby in meinem Arm diesen schmerz verkleinern kann!
Ich hab wahnsinnige Angst wieder positiv zu testen und mich zu fragen wie wird die Schwangerschaft? Ich werde auch einen Ring oder Bändchen gelegt bekommen und hoffe innerlichst dass er Hilft und wir es bis zum Ende schaffen🍀 es tut so unendlich weh ein gewünschtes und gesundes Kind ziehen lassen zu müssen!
Ich drück dich mega mega feste, irgendwann geht es besser! Lass alle deine Gefühle zu, egal ob Wut, Trauer und zur gegeben Zeit Freude!
Dies und der Austausch mit Gleichgesinnten hat mir extrem geholfen! 🕯🕯♥️💙

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Oh du Liebe, fühl dich mal gedrückt. Dein Verlust tut mir unglaublich leid! Ich hatte gerade Tränen in den Augen beim lesen 🥺 kann mich auch gut in dich hineinversetzen. Wir haben unsere Alicia im Februar in der 16. Woche verloren. Sie war leider sehr krank und hätte keine Chance gehabt. Letzte Woche musste ich unser 2. Sternchen in der 9. Woche in den Himmel ziehen lassen und es tut unglaublich weh. Ich wollte nach der stillen Geburt von Alicia auch unbedingt sofort wieder schwanger sein. Die 3 Monate die wir warten sollten waren die Hölle. Dann hatte es gleich im 1. ÜZ wieder geklappt und wir hatten so viel Hoffnung, dass wir bald unser Regenbogenbaby 🌈 in den Armen halten. Leider sollte es nicht sein. Dieses Mal habe ich nicht das Bedürfnis gleich wieder schwanger sein zu wollen. Der Wunsch nach einem Baby ist größer denn je, aber die Angst wieder etwas in der Art durchmachen zu müssen überwiegt im Moment leider. Ich hoffe das legt sich mit der Zeit.

Ich wünsch dir ganz viel Kraft für die nächste Zeit und dass ihr alles gut verarbeiten könnt. 🍀

Liebe Grüße Nina mit 🌟 Alicia & 🌟 Krümelchen

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Wir schrecklich...Mir fehlen die Worte. Es tut mir unfassbar leid....

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Liebe lalal807,
#kerze dieser Schmerz ist so unendlich. Ich hoffe Ihr habt in Ruhe Abschied nehmen können. Unsere Louisa mussten wir im Dezember 2019 in der 18.SSW zu den Sternen ziehen lassen und das größte Wunder war, dass ihr Herz noch 30min geschlagen hat. Wir haben uns noch Hand- und Fußabdrücke machen lassen, ihren Sarg mit allen Familienmitgliedern bemalt, Fotos gemacht und sie segnen lassen. Das hat uns ein wenig Frieden gegeben. Der Kinderwunsch war danach stärker als zuvor und glücklicherweise wurde ich im 3.Zyklus wieder schwanger. Ihr Regenbogenbruder ist jetzt 7 Monate alt und oft fragen wir uns, was sie ihm vielleicht alles mitgegeben hat. Die Schwangerschaft hat mir sehr geholfen, da es ihn sonst nicht gegeben hätte.
Ich kann Dir nur raten, verschließ Dich nicht, rede über Deine Gefühle und laß sie zu. Mir kommen immer noch die Tränen und das wird wohl auch nie aufhören.
Blicke trotzdem nach vorne und versuch Dich über schöne Momente zu freuen. Dein Lachen wird wiederkommen und das ist gut so. Jeder Mensch trauert auf andere Art und Weise. Laß Dir von niemandem reinreden. Du weißt am Besten was das Richtige ist.
Henri gehört zu Eurer Familie! Er ist immer bei Euch.

#liebdrueck Strahleface

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Liebe Ina,

Ich kann es so gut nachvollziehen 😔

Es tut mir unglaublich leid, dass ihr euren Henri verloren habt 🖤

Nehmt euch Zeit um zu trauern.
Lasst ihr euren Henri selbst beerdigen?

So gerne du jetzt wieder schwanger werden willst.....gebt euch und vor allem deinem Körper Zeit.

Heute Abend brennt unsere Kerze auch für euren Henri 🕯️

Liebe Grüße
Regenbogen mit ⭐ 20. Ssw, ⭐ 6. Ssw, ⭐24. Ssw und ⭐ 7. Ssw
(und mit hoffentlich 🌈6+2Ssw im Bauch 🙏)

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Tut mir leid 🕯

Lässt ihr euren Sohn beerdigen? Habt ihr Fotos machen lassen?

Ich weiß es tut so weh. Wir mussten unsere Lilly auch in der 25w zu den Sternen ziehen lassen, sie hatte das Down Syndrom. Ich habe zum Glück eine Spritze bekommen so dass Lilly tot auf Die Welt kommt. Ich könnte es auch nicht wenn ich ihr beim sterben zusehen müsste. Sie wurde bei uns von den Schwestern ganz liebevoll eingepackt und in ein Korb gelegt, wir dürften die kuscheln und Fotos von ihr machen. Ich bin heute so Dankbar dass wir die Fotos haben.

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