Ich bin einsam

Ich hatte gerade meine 3.Fehlgeburt (Freitag) und verhalte mich aktuell wie ein *rsch gegenüber meinem Mann. Die letzten 3 Wochen waren fürchterlich, zwischen Hoffen und Bangen und all dem, dann kurz vor der Ausschabung die FG zu Hause.
Heute fragte mein Mann mich etwas harmloses und ich bin vollkommen explodiert. Ich hab keine Ahnung was ich aktuell fühle. Nichts was ich fühle, fühlt sich richtig an.
Ich fühle mich einsam, obwohl mein Mann wirklich alles tut. Ich verhalte mich nicht richtig, er trauert ja auch. Aber ich bin so verdammt wütend auf alles.
Mein Umfeld hat mit Unverständnis auf die Trauer reagiert.
- Du hast doch schon Kinder, freu dich doch darüber!
- Zwei Kinder reichen doch sowieso!
- War auch gar nicht der richtige Zeitpunkt.
Und das führt dazu, das ich nicht mehr weinen kann. Weil ich mir das alles irgendwie so zu Herzen nehme. Das wiederum führt zu absoluter Wut, die irgendwie jeder abbekommt, der nichts dafür kann.
Ich weiß nicht, wie ich mich selbst in den Griff bekommen soll. Freundinnen in dem Sinne habe ich gar nicht und zwei von denen sind scheinbar froh (Siehe obere Aussagen!) Eine Familie habe ich nicht und die Familie meines Mannes redet mit meinem Mann über die Fehlgeburten, aber mit mir leider nicht. Vielleicht wollen sie in keine offenen Wunden pieksen. Aber auf jemanden persönlich zugehen, kann ich mir gerade nicht vorstellen. Am liebsten würde ich nur noch im Bett liegen, alles abdunkeln und nie wieder rauskommen.
Morgen gehe ich wieder zur Arbeit (Pflege) und mir graust es schon ein wenig.
Ich hatte gehofft, das es vielleicht auch Frauen gab, die mit Stimmungsschwankungen zu kämpfen hatten und sich vielleicht einsam fühlten...

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Hey! Erst mal natürlich: tut mir leid für deine Fehlgeburten. Wie alt bist du denn wenn ich fragen darf? Gibt es einen Grund dass es jetzt nicht mehr so gut klappt oder ist es einfach ein doofer Zufall?
Dreimal hintereinander ist ja schon fast ungewöhnlich wenn man nicht gut über 40 ist...

Du wirst ein Stück weit immer alleine sein damit. Es war deine Schwangerschaft und niemand kann das wirklich nachfühlen was du empfindest. Das ist einfach so. Niemand steckt da mit drin.
Sei froh dass dein Mann alles für dich tut und dich unterstützt. Es gibt auch Männer die das sehr sachlich sehen.
Du warst schwanger und nun rauschen die Hormone runter- eine depressive Phase ist da nicht ungewöhnlich (kennt man ja auch bei gesunden Geburten) zumal man bei einer FG ja nun auch allein Grund hat traurig zu sein.
Dein Umfeld wird deine eher aggressive Stimmung wie du sie beschreibst auch aufnehmen und vllt auch deshalb nicht auf dich zugehen wollen. Es ist schwierig einfühlsam mit jemanden umzugehen der ablehnend, wütend, übellaunig ist... das darfst du anderen nicht vorwerfen.
Dein Mann hat es nicht einfach. Er weiß wahrscheinlich gar nicht was er tun soll...Versuch einmal seine Geduld zu honorieren indem du ihm einfach sagst dass du sehr froh bist darüber dass er dich unterstützt...

Das andere sagen dass du doch schon zwei Kinder hast....darf man auch nicht vorwerfen. Ich finde ebenso das da auch was dran ist. Ich selbst habe zwei Kinder und vor zwei Wochen eine FG gehabt. Und ja, mich trösten meine zwei Kinder. Und wenn ich sie sehe und mit ihnen spiele denke ich „ja, wenn es bei den zweien bleibt ist mein Leben auch gut, ich habe so viel Glück mit ihnen, man darf nicht immer nur sehen was man NICHT hat“. Das verdirbt einem so viel Schönes. Klar möchte ich Nummer drei. Aber wenn die Natur oder das Schicksal etwas anderes mit mir vorhat wird diese Tatsache nicht langfristig das beschatten was ich wirklich habe.

Gib dir einfach ein paar Wochen. Wie gesagt, dein Körper muss auch erst mal hornontechnisch wieder auf normalzustand kommen.
Erfreue dich an dem was du hast. Und glaube daran dass das Richtige für dich noch passieren wird!

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Hallo, danke für deine Antwort!

Ich wollte das gar nicht so klingen lassen, als würde ich mich nicht über meine zwei Kids freuen.
Aber mein zweites Kind war sehr sehr schwer krank und die Schwangerschaft von sehr viel Leid und Tränen geprägt, dann 10 Wochen zu früh geboren, fast ein Jahr ein Wechsel zwischen zu Hause und künstlichem Koma.. Ich hatte einfach den Wunsch ein allerletztes Mal ein Wunder zu erleben. Meine beiden Kinder sind ein Wunder, aber ich wollte ein letztes Wunder haben. Mit mehr Vertrauen in mein Körper, Vertrauen in das Schicksal, ich wollte einfach alles ein letztes Mal erleben.
Ich bin noch jung(27) ich hab biologisch noch Zeit.
Aber ich hatte 2017 bereits ein In Situ Karzinom im Gebärmutterhals und man hat mir geraten, nicht mehr allzu lange zu warten, falls die Gebärmutter mal raus muss, da meine HPV Abstriche immer mal so mal so sind.
Das ich jetzt dreimal hintereinander die Schwangerschaft verliere, ist für mich ein Rätsel, aber laut den Ärzten werde ich nicht untersucht, da ich ja noch schwanger werden kann. Ich soll es einfach weiter probieren.
Mein Mann und ich haben uns jetzt entschieden, erstmal keinen Kinderwunsch weiter zu verfolgen. Für ihn ist es schwierig, er hat einen fast dringenden Wunsch als ich. Am liebsten würde es dann auch noch ein viertes Kind geben. Aber das würde ich nicht mehr wollen.
Worum es mir eigentlich ging in meinem Post - ich bin mir sehr bewusst gewesen, das ich ungerecht und unfair war. Aber es hat mich wahnsinnig verletzt, das jeder mit meinem Mann spricht, aber mit mir nicht.
Wir haben die Familie länger nicht gesehen, ich kann sie also mit meinem Verhalten nicht abgeschreckt haben. Wen ich definitiv mit meinem Verhalten verletzt habe, war mein Mann. Wir haben uns gegenseitig so hochgeschaukelt. Inzwischen geht es wieder. Das ich wieder normal arbeite seit gestern hilft denke ich.

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erst einmal:fühl dich gedrückt! es tut mir sehr leid, was du durchmachen musst!!!

ich kann es nachvollziehen... hatte eine EilSS, eine FG mit AS und nun einen positiven Test und kurz darauf doch Blutungen...

wäre auch das dritte Kind und ich höre ganz genau das gleiche wie Du 😔 als wenn solche Sprüche helfen würden... naja, mir geht's auf jeden Fall auch so... wäre am liebsten den ganzen Tag allein, würde mich gerne wo verkriechen, mit niemandem reden, usw...

falls Du mal jemanden zum quatschen brauchst, melde Dich... du bist nicht allein mit deinen Stimmungsschwsnkungen😉

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Hey, danke für deine Antwort!

Ja ich erlebe alles gerade ein bisschen, als würde ich mir einen Film anschauen. Als wäre ich gar nicht beteiligt.
Ich bin seit gestern wieder am Arbeiten, weil ich es zu Hause nicht aushalte.
Es ist irgendwie eine Art Schutzmechanismus, weil ich dann zwischen 9-10 Stunden nicht darüber nachdenken muss. Morgen habe ich frei, hab dann noch einen Nachsorge Termin im Krankenhaus. Die waren schon nicht begeistert als sie Freitags die Ausschabung nicht machen brauchten.
Ich hab immer noch Schmerzen.
Nach dem super schlimmen Krach zwischen mir und meinen Mann am Sonntag hat sich die Lage etwas beruhigt..
Du darfst dich auch gerne privat melden bei mir, dann kann man sich austauschen. Frauen verstehen sowas besser als Männer. Dafür können sie nichts.

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Hallo Cookiemonster21,

mein Beileid zu deinem Verlust. Fühl dich gedrückt.

Ich kann ahnen wie es dir geht.
Mitte Februar habe ich meine Tochter in der 25 ssw still entbunden. Sie ist ebenfalls unser drittes Kind. Vor ca. 3 Wochen habe ich ebenfalls hier geschrieben weil ich es mir furchtbar ging. Ich habe vor Wut alle von mir gestoßen obwohl sie mir alle helfen wollten. Ich wollte aber nur noch im Bett liegen....weinen und schreien.
Mir hat es geholfen mich mit anderen auszutauschen die das selbe durch gemacht haben.
Den satz: du hast doch 2 gesunde Kinder! Ich fand es in dem Moment so schlimm das ich angefangen habe zu weinen und bin weg. Ich dachte mir nur: „wie kann man sowas nur sagen? Wenn der Vater stirbt sagt man doch auch nicht....na du hast ja noch deine Mutter!”
Ich war so wütend auf den Freund. Und das Recht lang. Bis vor ca 2 Wochen. Den dann passierte es.
Mir ging es wieder schlecht und musste viel weinen. Mein Sohn (7 jahre) hat es mitbekommen, kam zu mir, hat mich umarmt und sagte nur „es ist schon gut Mama du brauchst nicht weinen, du hast uns und wir bleiben immer bei dir”.
Meine Wut auf jeden ist dadurch verflogen, sogar der Spruch von meinem Bekannten. Denn hier muss ich meiner Vorrednerin recht geben. Man sollte glücklich sein über das WAS man bereits hat!!! Ich werde meine Tochter niemals vergessen, bin aber auch gleichzeitig über meine 2 gesunde Kinder überaus dankbar.
Auch wenn es von mir jetzt leicht gesagt ist aber es wird dir wieder besser gehen....gib dir Zeit!!! Geh mit deinen Kindern raus z.B. spazieren, auf den Spielplatz oder geht gemeinsam Fahrrad fahren mit einem kleinen Picknick.
Mir hilft es Sport zu machen vielleicht wäre es auch was für dich.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft 🍀.

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Hallo, danke für deine Antwort.
Es tut mir unfassbar leid, das du diese fürchterliche Erfahrungen machen musstest. Ich für mich empfinde mich grad als extrem weinerlich, wenn ich deine Situation mit meiner Vergleiche, dann wüsste ich nicht, wie ich einen so immensen Verlust hätte überleben können.
Aber ja, ich verstehe den Ansatz, dass die Kinder einem die Kraft geben, die man vielleicht von sich aus nicht findet.
Ich hoffe sehr, das du dein Glück findest und empfinde dich unbekannterweise als sehr sehr stark!

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Ich fühle mit dir!
Versuche, ob du nicht doch noch richtig weinen kannst. Vielleicht tut es dir gut?
Es ist schwierig, mit 2 vorhandenen Kindern um das 3. Kind zu trauern, da die Kinder ihren Alltag haben und brauchen. Aber das ist andererseits vielleicht manchmal auch gut so.

Dass du dich einsam fühlst, kann ich gut verstehen. Und wer nicht selbst in so einer Situation war, sieht oft nicht, wie verletzend die Sprüche "sei froh über deine Kinder " etc sind. Die sind vermutlich nicht böse gemeint, sondern aus Unverständnis.

Vielleicht findest du hier in diesem Forum etwas Trost. Es gibt ja leider so viele Frauen mit ähnlichen Schicksalen.
Ich wünsche dir, dass du in einiger Zeit auch wieder besser mit deinem Mann reden kannst.

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