Meine kleine Geburt in der 10. SSW (mit Bild)

Thumbnail Zoom

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich mir die Zeit nehmen euch die Geschichte meiner kleinen Geburt am Ende der 10. Schwangerschaftswoche zu erzählen.

An einem Dienstag im Januar diesen Jahres sollte die erste große Ultraschall Untersuchung bei meiner Gynäkologin stattfinden. Ich war an dem Tag 9+2. Auch heute noch unerklärlich für mich, scheine ich geahnt zu haben, dass etwas nicht in Ordnung ist. Ganz untypisch für mich, kreisten meine Gedanken bereits die Tage vor dem Termin um das Szenario, das mit diesem Baby etwas nicht in Ordnung sein würde und ich versuche mich seelisch vorzubereiten. Am Ende sagte ich jedoch trotzdem immer „du spinnst, alles wird gut sein und es ist sicher nur dieses mal dein Alter, welches dich etwas ängstlicher sein lässt“. (Ich werde im Sommer 38 und habe 3 gesunde Kinder). Letztlich freute ich mich auf den Termin.

Beim Ultraschall merkte ich schnell, dass tatsächlich etwas nicht zu stimmen schien, denn die Miene meiner Ärztin wurde immer konzentrierter, auch ich suchte indes schon vergebens nach dem schlagenden Herzchen, aber nichts... dann kam er, der niederschnetternde Satz. Alles Begann mit „hier sehe ich ganz deutlich ihr Baby, aber eine Sache, die sehe ich leider nicht“... (Stille, weitere Suche)...“und es kann sein, dass ich Ihnen jetzt gleich eine Mitteilung machen muss, die ich gar nicht gern mache. Es ist leider kein Herzschlag mehr zu sehen“ (weitere Suche, auch farblich mit Blutfluss und mit Geräuschen)... „ja so ist es leider, nichts zu finden. Das tut mir sehr leid“.

Ich dachte ich sterbe in diesen Momenten. Bekam Schweißausbrüche. Dachte ich Träume. Zog mich wie in Trance an und kam dann zum Gespräch. Die ersten Tränen ließen sich nicht mehr aufhalten. Ich entschuldigte mich dafür, aber meine Ärztin war sehr empathisch und sagte, da gäbe es nichts, was zu entschuldigen sei. Sie sagte dass man warten könne oder, wie üblich eine Auschabung machen. Ich müsste mich auch nicht schnell entscheiden. Es gäbe auch noch die Option einer medikamentösen Einleitung, die aber eigentlich nur bis zum Ende der 9. Woche bei Abtreibungen angewandt würde. Ich bekam meine Überweisung, eine Liste mit operativ tätigen Gynäkologen, eine Krankmeldung für vorerst 14 Tage und ein paar liebe Worte.

Ich bin raus aus der Praxis. Vollkommene Leere in mir. Herzrasen. Weinen. Tränen kullerten bis auf den Boden. Eine Nachricht an meinen Schatz. Dann in Trance nach Hause gefahren und aufs Sofa gefallen.

Dann erstmal funktioniert. Meine Tochter (10 Jahre) kam von der Schule, weiß von nichts. Absurderweise zu ihrem ersehnten Mc Donalds Besuch mit ihr gefahren und eingekauft. Mit den Gedanken aber wo anders. Tränen immer wieder verkniffen.

Später einen Termin in einer der Praxen gemacht für den kommenden Tag. Für mich beschlossen, dass ich gern die medikamentose Variante hätte. Wochenlanges Warten konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen (später dann schon) gepaart mit dem unbändigen Wunsch, am liebsten sofort wieder schwanger zu werden. Eine OP ging total gegen meine Überzeugung und meinen Wunsch, dieses kleine Leben gebären zu können.

Die kommenden Tage waren dann sehr aufwühlend und anstrengend, da ich für die Durchsetzung meiner Wünsche sehr stark eintreten musste. Zu stark. Keine Zeit zu trauern. In der gyn. Praxis bei der fremden Ärztin Diskussionen warum ich das so möchte. Und es ginge nicht... und warum ich mir das antue.... bla bla bla. Am Ende aber die erforderliche Tablette gehen Zahlung von 89€. Eine Abtreibungspille. Mifegyne, die den Körper die Schwangerschaft abstoßen lässt. In zwei Tagen sollte ich wieder kommen und mir Cytotec abholen um Kontraktionen auszulösen. So dachte ich...

(Der Embyo maß 2cm).

Bei der Verabschiedung am Empfang mit Terminvereinbarung wurde mir eröffnet, dass ich nach der Einnahme der Cytotec in 2 Tagen in der Praxis bleiben soll. Mit etwas zu Lesen, weiten Klamotten und Damenbinden. Mindestens 2 - 3 Stunden. Zu Hause wurde mir bewusst, dass damit die Geburt auch in der Praxis passieren könnte. Im Wartezimmer!!! Auf der Toilette dort?!? No way!!! Ich ging aufgeregt zu dem Termin und sagte der Ärztin dass ich damit nicht einverstanden bin und dass dieses intime Erlebnis mir gehöre in meiner Privatsphäre. Fragte sie, wie sie sich das vorstelle im Wartezimmer. Sie sagte „was ich mir bloß vorstelle, es sei doch nur etwas Gewebe“ und „ ich solle mir um die Stühle keine Sorgen machen, die bekämen sie schon wieder sauber“.

Ich verließ entsetzt die Praxis. Ohne Cytotec. Fest entschlossen auf das kleine Wesen zu warten. Egal wie lange. Indes hatte ich durch dir Mifegyne schon den Schleimpropf verloren und Schmierblutungen. Vielleicht sollte es ja doch schnell gehen. Auch ohne Cytotec. Ich unterstützte mit Tees und Globulis. Hatte ungalublich viel Zeit mit Recherche verbracht und bis Samstag kaum Zeit zu trauern.

Samstag Morgen hatte ich nach dem Aufwachen Kontraktionen. Leichte Wehen. Kreiste immer wieder beim Becken, in dem ein Sturm aufzuziehen schien. Vollkommen unerwartet, beim Vorbereiten des Frühstücke merke ich wie ein Schwall abging. Was auch immer es gewesen war. Ich breitete eine Wickelunterlage im WC aus und zog mich aus. Neben der Plazenta und einem Blutschwall hatte ich auch unser kleines Wesen geboren. Ich barg es auf meine Handfläche und war unglaublich gerührt. Begrüßte es weinend mit den Worten „hallo kleine Maus, da bist du ja“.

Frieden in mir. Wow. Frieden. Euphorie. Trauer. Glück. Und sofort eine Gefühl von nach Vorn schauen können.

Ich legt das Kleine erstmal in eine Schale in den Kühlschrank. Rief meinen Mann an. Er brachte ungefragt nicht nur die Brötchen, sondern auch direkt ein paar schöne Blumen mit. Wir weinten nun endlich in enger Umarmung gemeinsam.

Später habe ich dann alles für die Bestattung in unserem Garten vorbereitet und das kleine in einer Eierschale in ein Körbchen gelegt. (Siehe Fotos). An diesem Tag war ich schon auf eine gewisse Art und Weise glücklich und so voller Frieden. Wir sind abends sogar Essen gegangen.

Die nächsten Tage ging es mir dann wider meiner Erwartungen noch einmal richtig mies seelisch. Da war dann auf einmal so eine leere entstanden. Alles war endgültig vorbei. Ab Dienstag war mein kleiner Sohn (4) dann wieder bei uns zurück und ab da hat das Leben mich doch recht schnell wieder zurückerobert. Ob ich wollte oder nicht. Heute ist die Diagnose 3 Wochen her. Am Sonntag werde ich das erste Mal wieder ins Büro fahren. Und es geht mir mittlerweile wirklich erstaunlich gut.

Am letzten Sonntag hatte ich bereits wieder einen Eisprung. Mein Körper hat es eilig. Wir aber nicht mehr. Verhüten tun wir nicht, aber drauf anlegen tun wir es auch nicht. Ich brauche meine Zeit um mich wieder aufs schwanger sein freuen zu können. Eine bewusste Entscheidung dafür fällt mir noch schwer. Ich möchte deshalb einfach schauen, was sich das Schicksal für uns ausgedacht hat.

Ich danke euch fürs Lesen und hänge gleich noch ein Foto raun von „unserer kleinen Erdnuss“.

Julchen ♥️

9

Hey Coonie,

ich habe gestern deinen Beitrag schon gelesen und hadere seitdem, ob ich etwas schreibe (n kann). Ich finde nämlich nicht nur das Bettchen deines Babies wunderschön, nämlich auch dein Baby. :)

LG
Else

11

Ich danke dir ♥️

1

Mein Beileid und viel Kraft dass du das alles irgendwann verarbeiten kannst 💞 ich denke schreiben hilft auch gut es zu verarbeiten, ich finde deinen Bericht bewundernswert!
Du hast deinem Baby ein schönes Bettchen gemacht, wirklich sehr schön. Bei mir war nicht viel zu sehen aber ich werde die Reste auch bestatten, vielleicht im Wald. Im Moment bin ich auch noch ganz durch den Wind.
Alles Liebe für dich 🧡🍀

2

So ein schöner Beitrag, auch wenn dieser sehr traurig ist. Du hast eurem Baby ein sehr schönem sarg gemacht ♥️.
Ich wünsche euch viel Kraft, dass euer gemeinsames Wunder nicht lange auf sich warten lässt.

Lg

3

Liebe Julchen.

zunächst tut es mir sehr leid, dass ihr euer Baby hergeben musstet.
Und gleichzeitig bewunderer ich deine Entschlossenheit auf eine natürliche Geburt zu bestehen.
Ich selbst hatte vor drei Wochen ebenfalls eine natürliche Geburt in der 11.Woche. Mein Baby war 3cm groß und es sah genau so süß und goldig aus, wie euer Himmelswunder.
Leider hatte ich aber anschließend eine Not-AS.

Wie schön, dass dein Körper sich wieder normalisiert hat. Wenn die Zeit kommt, dann wird ein neues Wunder zu euch kommen.

LG

4

Hallo Julchen!

Erst einmal mein Beileid für euren Verlust. Eure kleine Erdnuss hat ein wunderschönes Bettchen von dir bekommen! Ich freue mich sehr für dich, das du deinen Weg gehen konntest auch wenn du dafür so stark eintreten musstest!

Ich habe letztes Jahr auch zwei Sternchen gehen lassen müssen. Das 1. hatte auch einen Herzschlag, leider bei der ersten Untersuchung bereits viel zu langsam und das Ende war absehbar. Beim zweiten war es immer viel zu klein und es war nie ein Herzschlag zu finden. Beide Male habe ich eine Fruchthülle zur Welt gebracht. Das erste Mal mit einem kleinen Mensch darin, ca. 1,5cm groß. Eure kleine Erdnuss erinnert mich daran.... beim zweiten Mal war in der Fruchthülle nicht viel zu erkennen =(

Lasst euch die Zeit dir ihr braucht um das zu verarbeiten! Beim nächsten Mal wird sicherlich alles gut gehen!

LG Anni mit einem Räuberjungen (3) an der Hand, zwei Sternchen im Herz (01/19, 07/19) und Regenbogenbaby im Bauch (13+4)

5

Wow wie bewundernswert. Mein Beileid.
Ich habe gestern erfahren, dass unser 5. Sternchen ziehen lassen muss. Hatze heute Termin zur Ausschabung, wurde aufgrund einer Erkältung abgesagt. Vielleicht soll es so sein. Darf ich fragen, welchen Tee du getrunken hast?
Wünsche dir alles Gute

14

Hallo, leider kommt meine Antwort sehr spät, aber ich bin nicht so oft hier. Ich habe Hirtentäschel getrunken, denke aber, mein Körper hat die Schwangerschaft aufgrund der Mifegyne Tablette so zeitnah beendet und ausgeschieden.

6

Ein schönes Foto, wenn es nicht so traurig wäre. Mein beileid und viel Kraft im es zu verarbeiten.
Liebe Grüße ti mit Mädel an der Hand und Mädel im Herzen, still geboren 17 ssw.

7

Erstmal mein herzliches Beileid und gleichzeitig meinen größten Respekt an dich. Ich bewundere dich für den Entschluss und die Konsequenz, mit der du diesem kleinen, wunderschönen Baby die Möglichkeit gegeben hast, im Kreise der Familie auf die Welt zu kommen und bei euch den letzten Frieden zu finden. Mir fehlen echt die Worte. Fühl dich gedrückt.

13

Ich danke dir für deine netten Worte. Genau das war es, was ich erreichen wollte für die kleine Erdnuss. Ihr ein Leben schenken. Sie war nicht einfach nur „etwas Gewebe“, wie diese Ärztin sagte, sondern unser fertiges Baby. LG Julia

8

Ich bin per Zufall auf Deinen Beitrag gestoßen und muss wirklich sagen, dass ich Dich sehr bewundere! (Meide das Frühe Ende Forum eigentlich um keine alten Wunden aufzureißen!) Was Du da geschrieben hast ist auf der einen Seite so tief traurig, aber auch wunderschön zugleich! Du hast den Weg gewählt, den Du für Dich als den einzig Richtigen empfunden hast...wow...meine Hochachtung! Ich wünschte, dass ich diese Stärke im April letzten Jahres auch schon gehabt hätte. Leider hat mich der MA in Woche 10 damals total aus der Bahn geworfen und ich habe davon, es auf dem natürlichen Weg zu versuchen zu können, nichts gewusst bzw. es nichtmal als Option bekommen. (4 Tage nach der Diagnose musste ich zur As und 2 Wochen später sogar nochmal wegen vorhandener Reste!) Im Oktober hat mich das selbe Schicksal leider nochmal in der 8. Woche ereilt und für mich war klar, dass ich dieses Mal abwarten werde. Drei Wochen später war es dann soweit und mir ging es danach deutlich besser als nach der OP! Ich war zwar traurig, aber auch fasziniert und sogar ein wenig stolz auf mich. Klingt absurd, aber ich war völlig damit im Reinen!
Kann Deine Worte somit nur unterschreiben. Ich wünsche Dir alles Glück dieser Welt und wer weiß, vielleicht schickt Dein kleiner Stern Dir schon ganz bald einen Regenbogen! Alles Liebe für Dich und Deine Familie! ❤

12

Ich danke dir, dass du mir von deinen eigenen Erfahrungen geschrieben hast. Ich habe die Tage davor das Internet nach Berichten durchforstet und diese haben mir sehr geholfen. Vor allem die schönen Bilder. Deshalb wollte ich auch gern einen schreiben. Dennoch hätte ich mir gewünscht, ich hätte nicht so viel Zeit vor dem Handy verbringen müssen und meine Frauenärztin hätte mich direkt auf den Weg des Wartens „geschickt“. Dann eine Hebamme dazu, das wäre sicher gut gewesen. LG Julia

15

Da stimme ich Dir voll und ganz zu! Auch ich habe mich beim zweiten Mal hier belesen müssen um die einzig richtige Entscheidung treffen zu können. Meine Ärztin wollte mich direkt wieder zur AS schicken und nur weil ich wenige Tage später auf einen Kontrolltermin bestanden habe, landete ich bei Ihrer Vertretung. Ihr habe ich von meinem Vorhaben berichtet und sie hat es voll und ganz abgenickt. "Sie schaffen das dieses Mal allein!" (Ihre Worte damals!)
Ich muss zugeben, dass sich die Wochen wie eine halbe Ewigkeit angefühlt haben, aber es waren auch Wochen des Realisierens und des Abschied nehmens! Ich glaube bis heute, dass die Fruchthöhle erst abgegangen ist, als ich bereit dazu war. Bei der AS war das völlig anders. Der Eingriff an sich war nicht so schlimm wie erwartet, aber noch bevor ich es Greifen und Begreifen konnte, wurde mein kleines Bärchen einfach entfernt. Alles wie im falschen Film...komplett surreal! Nein, das möchte ich nicht nochmal erleben. Ich finde es schön, dass Du vielen hier mit Deinem Erfahrungsbericht die Angst vor dem natürlichen Weg nimmst und auch eine Option aufzeigst, von der sie vielleicht gar nichts wissen. Du kannst wirklich sehr stolz auf Dich sein und ich hoffe von Herzen, dass das Glück ganz bald wieder einzieht bei Dir! ❤

weitere Kommentare laden
Top Diskussionen anzeigen