Nennt man es Schicksal, Bestimmung oder ein trauriges Unglück?

Ich bin neu im Forum und möchte nun auch mal meine Geschichte erzählen. Am 23. 10. 2019, ist unser Sternenflotten Captain Jean Luc zu den Sternen geflogen. Im Sommer hatten wir einen Test gemacht, eigentlich aus Spaß, weil mir schlecht war, denn man hatte uns nach der Geburt meines 5 jährigen Sohnes gesagt, dass ich nicht mehr schwanger werden kann, aufgrund von Clamydien in dieser Schwangerschaft die an meinen Eileitern rumgetachtelt hätten. Die Freude war natürlich riesengroß, denn auch wenn ich schon drei Kinder habe, wollten wir IMMER ein viertes.

Leider war die Schwangerschaft von unangenehmen Gesundheitszuständen überschattet, denn da sie so überraschend kam, hatte ich nicht die Möglichkeit mich vorher um meine Konisation wegen eines bestehenden PAP 4a CIN III Befundes zu kümmern. Des weiteren waren meine Zähne durch einen früheren Unfall extrem geschädigt im September hätte ich daher eigentlich eine Zahnop in Vollnarkose gehabt, die natürlich durch die Schwangerschaft verschoben werden musste. Ich wollte daher in der späteren Schwangerschaft mit einer Behandlung anfangen. Die Schwangerschaft verlief an sich wunderbar, bei allen Terminen war Jean Luc topfit, sogar nach zwei Kolposkopien mit großflächiger Knipsbiopsie.

21.10.2019

Ich habe wahnsinnige Vorfreude. Heute fahre ich zur Pränataldiagnostik in Berlin, wo die selbe nette Ärztin auf mich wartet, die auch schon meinen 5 jährigen kontrolliert hat. Ich bekomme wieder ein wahnsinnig süßes 3D Ultraschallbild. Ich steige aus der Bahn und kann mich aber leider nicht mehr genau entsinnen welche Richtung die Praxis war. Mein Google Wayfinder leitet mich komischerweise (hat er noch nie gemacht) in die falsche Richtung, so dass ich erstmal 5 Minuten zu spät erscheine. Ich habe 30 Minuten Wartezeit und dann bittet mich die Ärztin in den Untersuchungsraum. Sie kann sich noch an mich erinnern, ich lächel und erzähle ihr von meinem 5 jährigen, der sich schon wahnsinnig auf sein Brüderchen freut. 22. Schwangerschaftswoche. 3 gesunde Kinder. Ich freue mich meinen kleinen zappelnden Schatz zu sehen. Vielleicht hat er wieder Schluckauf? Die Ärztin beginnt den Ultraschall. Ich höre 5 Minuten nichts bis sie sagt :,, Wo kommen denn die Schatten her, warum ist alles so grau?" Ich registriere erst überhaupt nicht was sie mir sagen will. 10 Minuten später sagt sie:,, Nein.....nein, nein, nein....Frau Kruber....Das tut mir so unendlich leid und das habe ich hier nicht oft zu später Schwangerschaft....Ich muss Ihnen leider sagen das ihr Baby tot ist..." ,,Was? Nein, das kann doch gar nicht sein, da vorne auf dem riesengroßen Monitor ist er doch?" Sie stellt das CTG an. Rauschen. Nichts als rauschen. Ich fange an zu weinen. Wie erzähle ich es meinem Mann? Wie erzähle ich es meiner Familie? Wir haben extra einen französischen Namen ausgesucht zu ehren meiner Mutter, da mein Mann aber alles nicht mochte, jedoch wahnsinniger Star Trek Fan ist, fiel es mir wie Schuppen von den Augen und er hieß Jean Luc. Nie ist ein Name so geplant gewesen wie seiner! Nie war ein Name so bestimmt gewesen! Wie soll ich das überhaupt irgendwem erklären???? Sie brachte mich in einen Ruheraum. In diesem rief ich meinen Mann und meine Eltern an. Es war furchtbar. Ich habe in meinem Leben 3 Geburten hinter mich gebracht und dachte nicht, dass es in meinem Leben irgendeinen Schmerz gibt den ich nicht ertragen könnte.

Wir sind am gleichen Tag ins Charité in Berlin. Dort habe ich Vorbereitungstabletten bekommen. Diagnose intrauteriner verhaltener Fruchttod. Was für ein ekelhaftes, scheußliches Wort....Wir sprechen hier von meinem kleinen Sohn. MEIN BABY.

Am 22.10.2019 sind wir zur Einleitung wieder hin gefahren. Um 18 Uhr waren wir da. Um 19 Uhr habe ich die Zäpfchen genommen. Schon kurz darauf setzen Wehen ein die gegen 10 Uhr recht stark wurden. Um 2:16 Uhr am 23.10.2019 nach einem leichten Kampf, da Jean Luc so zierlich war, dass nicht genug Druck aufgebaut werden konnte, war er endlich da. Die wunderbare und liebevolle Nachthebamme, nahm ihn vorsichtig aus der Fruchtblase und legte ihn uns in den Arm. 17cm, 120 Gramm. Er war so klein, so leicht und trotzdem so perfekt und wunderschön! Wir haben unendlich viel geweint und uns lange von ihm verabschiedet. Eine Ausschabung blieb mir zum Glück erspart.
Man geht von einem spät auftretenden Gendeffekt aus. Noch haben wir keine Ergebnisse von Genetik und Pathologie. Wir fuhren am gleichen Tag nach der Geburt nach Hause.

Ich hatte wunderbare Fotos von seinem Händchen auf meinem Finger gemacht. Daraus habe ich für mich und meinen Mann Schlüsselanhänger in Herzform gemacht.
Damit wir ihn immer im Herz überall dabei haben.


Wir versuchen geradeaus zu gehen.



27.11

Heute hatte ich meine Zahnop. 15 Zähne sind raus. Meine allererste Vollnarkose. Nie krank gewesen. Nie Op´s. Alles Spontangeburten. Eigentlich bin ich topfit. Nach der Narkose bin ich aufgesprungen. Mir ging es fantastisch. Ich habe wunderschöne weiße Zähne. Ich freue mich. Ich schaue auf mein Handy, schaue mir das Foto von Jean Luc an. Von seiner kleinen zarten Hand. Darf ich das überhaupt? Kurz überkommt mich dieser Gedanke. ICH MUSS. Ich muss geradeaus gehen, denn ich habe dir beim Abschied versprochen, dass nichts umsonst war und das ich Gesund werde. Das ich meine Baustellen regeln werde. So schnell wie möglich. DIR zu Ehren.


Am 4.12. folgt meine Konisation. In Vollnarkose. Ich werde mein Versprechen halten kleiner Stern. Damit du, wo auch immer du jetzt bist, stolz auf mich sein kannst. Ich habe es heute getan und ich werde es auch am 4.12 tun. Ich werde an jedem Tag, an dem ich geradeaus gegangen bin, an dem ich weiter gekommen bin und an dem ich einen Erfolg hatte, in den Sternenhimmel gucken. Denn du hast mir gezeigt das Gesundheit nicht selbstverständlich ist. Auch nicht nach drei gesunden Kindern.


Jean Luc #stern

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Es tut mir wirklich Leid was dir und deiner Familie widerfahren ist! Es ist so furchtbar und traurig... Fühle dich gedrückt! Ich wünsche dir alles Gute!

5

Vielen, vielen Dank, das sind Worte die unbeschreiblich gut tun!

2

Wie Herzergreifend.... 😔
Es tut mir leid das euer kleiner nicht bei euch sein kann aber ich sehe mich in dir wieder in brachte meinen Sohn unser lang erwartetes Wunschkind still zur Welt ich habe noch nie einen größeren Schmerz empfunden...
Aber auch ich habe meinem Sohn ein Versprechen gegeben und schaue immer in den Himmel sobald etwas eingetreten ist was ich ihm versprochen habe 😊und mein Freund und ich tragen seinen Fußabdruck auf einer Kette eingraviert bei uns diese Kette ist mein Wertvollster besitzt 🙏
Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft weiterhin ❤️🌹

Aurie im ❤️ und wunder im Bauch 🙏 💗

4

Hallo lola,

schrecklich das auch du diese Erfahrung machen musstest. Die Idee mit der Kette finde ich wunderschön! Es ist befreiend das man sich hier so austauschen kann und zu sehen das man in dieser Situation nicht hilflos völlig alleine da sitzt. Vielen dank für deine Genesungswünsche und auch dir alles, alles Gute!

3

Meine Tochter war Ende Mai in der 29ssw plötzlich gestorben. Dieses Wort Fruchttod ist einfach nur ekelhaft. Alles Gute für dich ♥️

6

Wie furchtbar....29. ssw....Es tut mir so leid....Ja mit diesem Wort konnte ich mich einfach nicht abfinden. Und durch diese ganzen Krankenhausunterlagen, sieht man es nicht einmal, nein man sieht es 10 mal und fühlt sich als wäre man in einer falschen Welt. Auch wenn es der medizinische Ausdruck ist, für mich war es einfach abartig. Ich wünsche dir auch alles Gute!!!

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