Natürlicher Abgang oder Ausschabung?

Für alle, die sich diese Frage auch immer wieder stellen, egal, ob sie zurückblickend zweifeln, oder ob sie es noch vor sich haben, verfasse ich diesen Beitrag. Es handelt sich dabei natürlich um einen Einzelfall und meine ganz persönliche Erfahrung, aber sie mag Euch vielleicht einige Zweifel nehmen.

Eigentlich sollte die Überschrift: 'Ein Plädoyer für den natürlichen Weg' lauten, denn nach 4 Ausschabungen hatte ich mir fest vorgenommen, einen anderen Weg zu gehen und damit nicht nur den Abschied on diesem Kind, sondern von unserem Wunsch nach einem zweiten Kind an sich ohne OP und Hektik zu bewältigen. Ich wußte bereits seit zwei Wochen, dass auch dieses Kind es leider nicht geschafft hatte, und bereitete mich dementsprechend vor: Eine Packung Paracetamol, riesige Binden und eine Menge gute Gründe, jederzeit schnell nach Hause zu müssen und zwei Tage auszufallen. (Ich hoffe, ihr könnt meinen sachlichen Umgang mit dem Thema vertragen, aber nach 6 Fehlgeburten hielt sich die Vorfreude in Grenzen.)

Als es Samstag Mittag losging, war ich erleichtert, denn irgendwie war es doch blöde nicht genau zu wissen, wo man gerade ist. Und zur Beruhigung für alle, die auch nicht zur Ausschabung wollen, es fing mit einer Schmierblutung seit Freitag an, also genug Zeit, sich vorzubereiten und heil nach Hause zu kommen. Ich hatte auch so gut wie keine Schmerzen. Ich hätte es problemlos durchstehen können, wenn nicht die Hitze, mein niedriger Blutdruck und der enorme Blutverlust mir nach einigen Stunden einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten. Das letzte, was ich vor meinem Kreislaufkoller zum GöGa gesagt habe, war: Ruf bitte den Notarzt. Als ich wieder wach wurde, fuhr der schon vor. Dann ging es ganz schnell - ab ins Krankenhaus, nach kurzer Untersuchung: Ausschabung. Und das war dann auch wirklich OK. Immerhin weiss ich jetzt, dass die 4 Ausschabungen davor die richtige Entscheidung (für mich) waren. Einen natürlichen Abgang in der 6., 7. Woche durchzustehen, wenn die Blutung sofort einsetzt, ist eine Sache. Ich mußte danach auch nicht ausschaben lassen. Aber nach einem Missed Abort in der 8., 9. Woche noch abzuwarten, kann ich nach dieser Erfahrung nicht wirklich empfehlen. Zumindest sollte Frau jederzeit schnell ins Krankenhaus können.

Ich wäre Euch dankbar, wenn ihr mir Kerzchen erspart, ein solidarisches 'Ach Du Sch****' liegt mir eher. Danke.

Lotte,
die ihr Glück, einen gesunden TAFKAK zu haben, mal wieder kaum fassen kann

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Ach Du Scheisse.... ich habs auf natürlichem Weg erlebt und erlitten und bin froh drum... war gut für mich! Hoffe ganz fest, dass ich es nicht noch einmal erleben muss!

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Kann ich gut verstehen, aber ein Spaziergang war das ja bei Dir auch nicht gerade ...

LG

Lotte

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Hi Du - nein, ein Spaziergang ist es wohl nie.... ich akzeptiers, es hat nicht sollen sein und irgendeinen Grund wird es auch haben. Ich bleibe positiv und hoffe, dass es bald wieder klappt. es einmal zu erleben ist hart, les ich Deinen Bericht relativiert sich manches... ich mag Deine Art mit allem umzugehen und Du hast bei Gott viel erlebt und erlitten... dafür braucht es ganz besondere Menschen - Du musst einer davon sein!

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Hallo. Na, dann mal ein kräftiges SCHEISSE für dich.
Ich bin auch grad an dem Punkt, wo ich auf einen Abgang warte, allerdings war ich erst 5te oder 6te Woche.
Nun hast du mich aber doch ein wenig verunsichert, ob ich wirklich warten soll. Ich hab seit 3 tagen mehr oder weniger sb und warte schon fast sehnsüchtig drauf, dass es endlich richtig losgeht.
Und was ist ein TAFKAK, bitte?

Alles Liebe thyme

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Hi Du - Ihr kleiner TAFKAK ist ihr kleiner Sohn! Was Deine Situation angeht, möcht ich Dir gerne sagen, wies mir ergangen ist - ich war in der 10. Woche, als ich leichte SB bekam. Bin tags darauf zum FA, da hatte ich dann schon stärkere Blutungen und wusste, es wir nicht gut. Er hat es dann bestätigt und mir die Wahl gelassen, ob ich gleich ins KH möchte oder ob ich meinem Körper noch ein paar Tage Zeit geben möchte. Ich hab mich für den natürlichen Weg entschieden - am Tag 3 fingen dann auch ganz starke Blutungen an und ich hatte starke Schmerzen, die FG kam dann auch später an diesem Tag. ICh bin sehr, sehr froh, dass ich es so erlebt habe, keine AS brauchte (die halt doch ein Eingriff ist und oft nötig!)... mein FA hat mich gut informiert und begleitet und ich bin sehr froh drum, das hat mir sehr geholfen, mit dem Erlebten umzugehen!
Wünsch Dir alles gute !!!
TEssa

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Ich würde es trotzdem vermutlich wieder probieren und bin froh, es zumindest probiert zu haben. Frage Dich vorsichtshalber: Hast Du Kreislaufprobleme? Einen niedrigen Blutdruck? Trinke vorsichthalber viel. Ich habe zwei Mal auch einen spontanen Abort in der 5. / 6. Woche gehabt und problemlos überstanden. Und wenn Du schon Schnmierblutungen hast, dann wird es nicht mehr lange dauern. Du solltest nur nicht gerade irgendwo hinfahren, wo Du schlecht wegkommst (wir hatten z.B. eigentlich ein Wellnessweekend auf einer Nordseeinsel geplant, das hab ich vorsichtshalber schon im Vorfeld abgesagt.).

Alles Gute, Lotte

(TAFKAK ist: The Artist Formally Known As Knut, das 8. Weltwunder, das sich zwischen 7 Fehlgeburten geschummelt hat)

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Hi Lotte!

Ein "ach menno" muss erlaubt sein! #schmoll

... think about you,
Curly

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Klar, Hasi, ist das erlaubt. Vor allem, wenn man mich kennt. Schön, dass es Dich noch gibt. Weißt Du noch, wann Biggis großer Tag genau war?

LG

Lotte

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Liebe Lotte,
dass tut mir sehr leid, dass du das schon so oft erleben musstest. Ich bin auch gegen Ausschabungen, obwohl ich noch nie (zum Glück) eine hatte. Ich hatte aber schon zweimal einen natürlichen Abgang, einmal in der 5. SSW und einmal in der 9.SSW. Das zweite Mal hatte ich Angst zu viel Blut zu verlieren. Aber es ging bei mir gut, es war nicht mehr als in der 5.SSW, ich hatte bloß diesmal Krämpfe. Ich war am nächsten Tag bei meiner Ärztin und sie sagte, dass alles raus ist. Ich habe beide Male danach eine reichliche Woche geblutet (mensstark). Ich finde, dass Ärzte viel zu schnell zum Skalpel greifen und nicht dem Körper Zeit lassen, das selber zu regeln. Ich habe schon mal hier gelesen, dass man in der Schweiz nur in Notfällen zur Ausschabung muss.
Andere Sache ist, wie lange man bereit ist, mit einem toten Kind unter dem Herz zu warten. Ich musste mir auch diese Frage stellen, ich habe auch nach dem zweiten MA eine Überweisung ins Krankenhaus bekommen. Aber die sagten mir, dass ich noch 6 Tage warten muss, da sie die OP nur an einem bestimmten Tag durchführen. Nach 3 Tagen hatte ich zu Hause den Abgang. Ich muss aber dazu sagen, dass ich ca. 2 Wochen davor Schmierblututungen hatte.
Da muss jeder für sich entscheiden. Es tut mir leid für uns alle, dass wir überhaupt vor so einer Entscheidung stehen müssen.
Füll dich umarmt,
Gular

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Hallo Lotte,

das Kerzchen und die immer gleichen Worte "tut mir leid, daß du es auch erleben mußtest" liegen mir absolut fern.
So gibts auch von mir ein verhaltenes "ach, du Sch***"

Ich hatte eine MA in der 9. Ssw.
Das ganze Ereignis erstreckte sich über 10 Tage, davon hatte ich etwa 12h richtige Wehen die schmerzhaft waren und verlor viiiel Blut und Gewebe.
Ich spritzte außerdem Heparin wegen einer Gerinnungsstörung.
Immer wieder werde ich mich so entscheiden, aber "ach, du sch***" würde ich bei -Fast Bewußtlosigkeit- ins KH wollen wegen einer kleinen Infusion.

Alles Gute für euch
belala

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Hallo,

entscheiden muss jede selbst , was für sie der bessere Weg ist .

Ich habe 07 beides erlebt und würde mich , sofern es möglich ist , immer wieder für die natürliche FG entscheiden .

Für mich war es der sanftere Weg ohne eine AS und oft ist in den ersten Wochen gar keine notwendig , wird aber trotzdem zu vorschnell angeboten und nicht genügend aufgeklärt .

Deshalb habe ich letzten Sommer die FÄ gewechselt , hätte sonst 2 AS innerhalb weniger Monate gehabt und hatte keine Lust mehr , mich so dazu drängen zu lassen .

Ich fühle nach , spare mir eine Kerze .

Gruß Anja

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Keinesfalls wollte ich hier als große Befürworterin der Ausschabung dastehen. Gerade in den ersten Wochen halte ich das auch nicht wirklich für notwendig - meistens. Besonders schlimm finde ich, dass viele Frauen beinahe überrumpelt werden und noch ehe sie Luft holen und nachdenken können auf dem OP-Tisch landen. Ich habe mir immer einige Tage Zeit genommen, zu enscheiden - und, ehrlich gestanden, wollte ich die Ausschabung in erster Linie, weil ich a) Angst hatte vor dem Unkontrollierten und b) es hinter mir haben wollte.

Worum es mir ging war einerseits auszusagen: Paßt auf Euch auf Mädels - es ist kein Kinderspiel, wenn man so weit ist (12. Woche). Mutet Euch nicht zu viel zu.
Und zweitens, den Frauen, die wie ich immer ein diffus schlechtes Gewissen hatten, weil sie vermeintlich nicht tapfer genug für einen natürlichen Abgang waren (denn dieses Gefühl hatte ich im Nachhinein immer) ein bisschen von diesem Gefühl zu nehmen.

LG

Lotte

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