Behindertes Kind?

´Wir möchten vielleicht ein 2. Kind - jedoch würde ich aufgrund des Alters (bald 40) eine Fruchtwasseruntersuchung machen, denn wir möchten kein behindertes Kind. Sorry wenn das hier schon ein Thema war - aber man könnte ja ein nicht gesundes Kind abtreiben - aber wie? ist das nicht furchtbar? Der Gedanke macht mir so Angst, dass ich den Kinderwunsch mir überlege - aber ein behindertes Kind ist auch unmöglich für unsere Beziehung. Hat jemand abgetrieben und ist darüber hinweg? man kann sich ja gar nicht freuen vor der 16 .Woche! ich kenne (gott sei dank) nur Freundinnen wo der Test gut augegangen ist und sie nun gesunde Kinder haben!
Claudi

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Hmmm... Krass gesagt: Dann lasst das besser mit dem Kinderkriegen, wenn eure Beziehung ein Kind mit Behinderung nicht verkraften würde und seit dankbar für ein Regelkind. Denn es ist nunmal so: Rund 95 von 100 Behinderungen mit einem Behinderungsgrad von über 50% (= Schwestbehinderung) entstehen während oder nach der Geburt. Und dann kann man das Kind in einem ethisch korrekten Krankkenhaus bislang nicht mehr wegmachen lassen. Man kann es höchtens abgeben, aber man hat es dann schon anders gesehen als durch Ultraschall. Das macht es meistens schwerer, aber prinzipiell nicht unmöglich.

Ansonsten gibt es eine Menge Frauen, die über einen Abbruch aus medizinischer Indikation hinweg weg sind, viele, die meinen, drüber weg zu sein und viele, die lebenslang zweifeln und trauern. Und es gibt die Verstecken, die sich heimlich wünschen, nicht so pauschal gedacht zu haben bei ihrer Entscheidung. Keiner kann wissen, zu welcher Gruppe er gehört, bis er es selbst spürt.

Das "Wie" beim Abbruch kommt z.B. auf die Schwangerschaftswoche an. Es kann in früheren Stadien noch durch Zerteilung und Absaugung passieren, später werden dann künstlich Wehen eingeleitet, unter denen das Kind früher oder später stirbt. Wenn es die Geburt eventuell oder auch sicher überleben würde, bekommt es vorher eine Injektion ins Herz, die eine Herzstillstand auslöst und eine Lebengeburt verhindert. Letzteres ist wohl für das Kind die schnellste Art zu sterben, für die Mutter aber oft ein schlimmster Akt , weil sie natürlich mitbekommt, dass ihr Kind auf ihren Wunsch hin aktiv getötet wird und nicht "einfach so" stirbt.

Zum Mehrlesen: http://www.regenbogenzeiten.de/abbruch.html

Erfahrungsbericht in Buchform:
http://www.amazon.de/Lysander-Grenzerfahrung-einer-Mutter-Marianne/dp/3833452307

Liebe Grüße und alles Gute,
Sabine

2

hi, also erstmal, gibt es ganz viele vorsorge untersuchungen in denen man bestimmte behinderungen feststellen kann und es gibt was die abtreibung angeht in solchen fällen auch immer sondereglungen, also ich würd mich von deinem fa beraten lassen wie hoch die gefahr bei dir ist, denn es gibt auch behinderungen mit denen man leben kann, und kein kind ist davor geschützt... aber wieso hast du denn angst, nur aufgrund des alters oder gibt es da auch eine vorgeschichte die dies begründet? wenn es nur um das alter geht, bracuhst du dir keine gedanken machen, wichtig ist nur das du bestimmte risikofaktoren versuchst zu vermeiden und dann sollte da eigentlich nichts gegen sprechen ein gesundes kind zu bekommen... und glaub mir, selbst wenn du ein behindertes kind bekommst, wenn es da ist, liebst du es genauso wie dein anderes... aber mach dir nicht so viele sorgen... es gibt wirklich schon viele früherkennungsuntersuchungen die man machen kann, diese übernimmt zwar die kasse nicht aber da ahst du selbst auch sicherheit...

sprich mit deiner ärztin und du wirst sehen das deine ängste unbegründet sind, denn wieviel bekommen denn mit 40 ihr erstes kind und die sind auch alle gesund...

lg

3

Hallo Claudi,

ich weiß nicht was Du hier erwartest, denn mein erster Gedanke war , lass es lieber sein, auch ein behindertes UNgeborenes leidet sehr bei einer Abtreibung...ich glaube die FW-Untersuchung wird erst später gemacht, wo alles schon angelegt ist beim Baby, oder?

DAnn mein zweiter Gedanke, was machst du wenn Dein Kind gesund ist, bei der Geburt oder durch irgendwine Infektion o.ä. behimdert wird?

Leider müßen wir alle damit rechnen das unseren Kindern mal was passiert und es dann behindert ist, meine SChwester hatte Geburtsprobleme, ihr erster Sohn erlitt Sauerstoffmangel und war ab dem Moment geistig behindert.....

Was dann?

Geh einfach nicht vom schlimmstn aus...ich würde das Risiko zum Beispiel nicht eingehen, also ein FU machen zu lassen, denn es ist dabei möglich das ein gesundes Baby das ergebnis ist, aber während der Untersuchung abgeht, was dann?

Ich wünsche EUch alles Gute....

Mona

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Hallo,

bei meinem ersten Kind habe ich eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen - und mir war vorher absolut klar, dass, wenn ein genetischer Defekt nachgewiesen wird, ich dieses Kind nicht bekommen werde! Wichtig für mich war, dass ich mich genau erkundigt habe und wußte, was auf mich zukommen würde im Falle des Falles. Und für meinen Teil muß ich sagen: alles besser als den Rest des Lebens ein behindertes Kind zu haben! Auch wenn es - in meinen Augen - schöngeredet wird, für mich wäre es keine Option gewesen.

Jetzt bin ich wieder schwanger und der Termin für die Fruchtwasseruntersuchung steht an. Ich habe erst gedacht, dass ich das, nachdem ich ein Kind habe, evtl. mit anderen Gefühlen angehen werde. Aber nein: es steht für mich (und für meinen Mann) wieder fest, dass wir die FWU machen lassen, mit allen Konsequenzen. Wie ich mich danach fühlen werde, wenn die Geburt eingeleitet wurde usw. kann ich natürlich nicht sagen, aber ich denke auf jeden Fall nicht so schlecht, als wenn ich ein behindertes Kind austragen müßte. Von der Belastung für das Geschwisterchen und die Familie ganz abgesehen.

Es ist mir ziemlich egal, was andere über meine Einstellung denken. Denn ich bin nicht die anderen! Wenn eine Frau sich bewußt für ihr behindertes Kind entscheidet finde ich das sehr mutig und stark und vollkommen in Ordnung. Jedoch habe ICH eine andere Einstellung dazu, von der ich hoffe, dass sie genauso toleriert wird.

Und ja, du hast recht, bis zur 16., 17. Woche kann man sich nicht freuen, wenn man Angst hat, dass das Kind eine schlimme Behinderung hat. Mir gings beim ersten Kind so und beim zweiten jetzt auch.

Wenn du dir nicht sicher bist - bzw. du bist dir ja im Prinzip im Klaren, kein behindertes Kind zu wollen, hast jedoch Angst vor den Konsequenzen - dann würde ich besser kein Kind bekommen. Eine Garantie, dass man ein gesundes Kind zur Welt bringt hat man nicht! Sprich Sauerstoffmangel bei der Geburt usw. usf. Das ist für mich persönlich (PERSÖNLICHE MEINUNG!) jedoch ein Unterschied - bei der FWU weiß ich es, bei der Geburt weiß ich es nicht, dann würde ich es akzeptieren (müssen).

An deiner Stelle würde ich mich beraten lassen, mir einschlägige Literatur besorgen und nocheinmal ganz genau in mich hineinhören, was größer ist: der Kinderwunsch oder die Angst vor einem behinderten Kind.

Ich wünsche dir viel Kraft und du wirst sicher die für dich richtige Entscheidung treffen! Und lasse dich von niemandem beeinflussen, DU mußt damit leben, Du ganz alleine! Keiner wird dir die Sorgen, die Arbeit, den Streß, deine seelischen Nöte usw. mit einem behinderten Kind abnehmen! Niemand! Schon gar nicht die, die vorher sagen: ist nicht so schlimm usw. Denn ob etwas als schlimm oder nicht empfunden wird, ist ganz individuell. Daher nocheinmal: nur Du kannst die für dich akzeptable Entscheidung treffen!

LG
Gael (ich hoffe, niemand nimmt mir meine offenen Worte, die ganz alleine meine Meinung darstellen, übel#schwitz)

PS: In unserer Familie sind alle ausnahmslos meiner Meinung und stehen hinter unserer Entscheidung. Vor allem meine Schwägerin, die im Krankenhaus Down-Syndrom-Kinder betreuen mußte, die an Krebs erkrankt waren (sie erkranken überproportional häufiger z. B. an Blutkrebs) hat vollstes Verständnis. Ebenfalls mein Schwager - wir haben uns jetzt erst am WE über die FWU unterhalten (PS: beide sind Ärzte, er Psychologe).

5

Hallo,
ich kann Dich total gut verstehen. Ich habe bei beiden Schwangerschaften eine FU machen lassen, weil für uns ein behindertes Kind auch nicht in Frage gekommen wäre.
Ich weiß, daß man hier im Forum sehr gerne und oft abgestempelt wird, wenn man sich ausdrücklich dagegen ausspricht. Ich hoffe aber für diejenigen, die das tun auch, daß sie sich -so wie ich, und sicher viele andere- genau mit dem Thema auseinander gesetzt haben.
Es heißt nämlich, sein gesamtes Leben VOLLKOMMEN zu ändern. Und sich selber -es ist nun mal so- auch zum Teil wirklich aufgeben zu müssen. Und wenn man weiß, daß man das nicht kann oder will, heißt das damit noch lange nicht, das man grundätzlich lieber kein Kinder bekommen soll (behaupten dann ja auch manche). #augen
Übrigens finde ich bei einer zweiten Schwangerschaft die FU noch wichtiger. Denn: Man hat bereits eine Verantwortung gegenüber dem ersten Kind. Kann man die wirklich noch voll erfüllen mit einem weiteren behinderten Kind? Die Frage muß man für sich selber auch klären. Ich bin jedanfall der meinung, daß ich meinem gesunden Kind ein großes Stück seiner Kindheit rauben würde.
Es muß eben jeder indivuduell entscheiden. Hut ab, für die, die sich der Verantwortung mit einem behinderten Kind stellen wollen UND können!! Aber genauso Hut ab für die, die sich bewußt dagegen entscheiden und zu ihrer Entscheidung stehen!!
LG
ivana67

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Hallo,
noch was hintendran. ;-)
Oft wird das Argument angeführt, daß das Kind ja auch durch Geburtsfehler oder Unfall behindert sein kann.
Stimmt.
In meinen Augen ist das aber etwas vollkommen anderes. Einmal ist es die bewußte Entscheidung, bei der ich selber etwas in der Hand habe. Das zweite ist etwas, was ich nicht mehr beeinflussen konnte, also höhere Gewalt. Gedanklich für mich ein Riesenunterschied. Und damit auch ein totaler Unterschied bei der Akzeptanz für das eigene Leben.
LG
ivana67

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Ich habe aufgrund eines fiesen Tripel-Testes bei meiner ersten SS eine FWU machen lassen. Mein Mann sagte damals gleich, daß er bei einer Behinderung für einen Abruch der SS wäre. Tja..., glücklicherweise waren die Ergebnisse i.O. Ich war damals in SSw 17 und meine Tochter machte sich bereits per Bewegung bermerkbar. Wahrscheinlich hätte ich die SS abgebrochen, da meine doch sehr pragmatische Umgebung entsprechend auf mich eingewirkt hätte - und ich manchmal sehr beeinflußbar bin. Aber ich hätte es weder ihnen noch mir je verziehen. Bei meiner zweiten SS hatte ich ebenfalls eine FWU. Diesmal allerdings mehr für mich. Im Falle einer Behinderung hätte ich mich gerne etwas darauf vorbereitet. Trotzdem war ich tatsächlich bis zum Ergebnis der FWU (vielleicht auch durch die vorherige FG) nicht wirklich eine irre Glückliche Schwangere, da natürlich die Angst immer mitfuhr. Niemand..., hätte mich zu einer Abtreibung überreden können. Normalerweise gehöre ich auch eher zu den robusten Pragmatikern, doch ich hätte das Kind auch mit Abweichungen von der Norm angenommen. Abgesehen davon, daß Du Dich meiner Meinung nach hier nicht unbedingt im richtigen Forum befindest (frag mich nicht welches das wäre - dies ist es nicht...- dann eher noch Allgemeines oder KiWu), glaube ich, das die Gedanken, die Du Dir jetzt machst, jede von uns unendlich oft gemacht haben. " wir möchten kein behindertes Kind" - wer möchte das schon? Frag mal in "Leben mit Hadicaps", ob sich da jemand nach gedrängelt hat. Entschuldige Claudi - ich finde Dein Posting hier etwas provokativ. Und die Entscheidung und Zweifel und das ganze Gedöns wird Dir nie jemand abnehmen können. Damit ist jede von uns schlussendlich allein.
LG Irmi

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Hallo
Ich muss Ivana zustimmen. Zwar bin ich erst 24 Jahre alt. Habe grad Fehlgeburt (morgen ist AS). Zuvor sagten Ärzte nur, dass es komisch aufgebaut sei und sie nicht wüssten, ob alles ok ist. Zu der Zeit wurde mir bewusst (früher war ich immer dafür, behindertes Kind auszutragen), was wenn ich nun auch schwer behindertes Kind bekommen würde? Ich habe schon einen Sohn und ich möchte nicht, dass er nun auch so mitgezogen wird. Ich habe einiges durchgemacht, meine Schwester erkrankte an Leukämie, da war ich 12. Plötzlich war ich fast wie Luft, ist auch verständlich, wenn man in die Situation meiner Eltern hineinversetzen muss. nein, ich möchte nicht, dass mein Sohn das auch durchmacht. Bei der geburt... da kann es immer passieren, aber während der SS hat man die Möglichkeit selber zu entscheiden. Ich habe kein Problem mit "normal" behindertes Kind, das auch Freude am Leben hat. Ich kenne aber welche, die nur da liegen und nix mehr mitbekommen, oder mein Großcousin ist Epileptiker und hat jeden Tag mehrere Anfälle (das wusste man ja noch nicht, als er ein Baby war). Ich selber würde kein Baby abtreiben, das nicht schwerst behindert ist. Aber schwerst behindert, vermutlich ja.
Ich möchte euch bitten, niemanden zu verurteilen, denn jeder Mensch, wie Ivana schon sagte, ist individuell. Egoistisch fände ich es, wenn der betreffende Person selber weiß, dass sie nicht schaffen würde und trotzdem Baby austragen würde. Wer weiß, was dann mit baby geschieht. Man muss in sich hineinhorchen und selber entscheiden. Viele menschen schimpfen auf einen, ist ja so einfach, sie schimpfen, weil sie es unmöglich finden und nach dem Schimpfen kehren sie in den Alltag wieder, wo alles in Ordnung ist und der betreffende Person hat das aber auf Dauer zu tragen.

Liebe Grüße Julia

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aber ein behindertes Kind ist auch unmöglich für unsere Beziehung.

Sorry das klingt jetzt vielleicht hart, aber dann lass es lieber mit dem zweiten Kind !
Mein Schwager war bis zum 2ten Lebenjahr kerngesund und hatte dann eine Hirnblutung und ist seit dem auf fremde Hilfe angewiesen !

Andersrum meine Schwägerin, der Sohn ist gesund, aber nicht "normal"

Sowas kann einem immer passieren, nicht nur bei der Schwangerschaft und wenn du dann schreibst, es wäre für euch unmöglich, also dann würde ich es an deiner Stelle wirklich sein lassen !

Ist hart ich weiss, aber selbst bei der Geburt kann etwas schief gehen, davor ist man nie geschützt !

Gruß
Michaela

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Hallo,

so wie Du schreibst würde ich es gleich lassen.

Ein behindertes Kind kannst ein Leben lang kriegen. Wenn Sie einen Autounfall oder sowas haben. Gibst Du Dein Kind dann weg weil es Deiner Beziehung schadet?
Und ich weiß wovon ich rede, mein Kind ist auch behindert und meine Nichte schwerstbehindert und unheilbar krank. Diese Kinder haben auch ein Recht auf Leben. Das ist meine Meinung. Ich habe noch 2 Kinder und auch meine Schwester hat noch ein Kind. Wenn man will geht alles. Meine Kinder müssen nicht leiden weil ihr Bruder eine Behinderung hat. Und der Kleine meiner Schwester auch nicht. Auch Kinder lernen damit zu leben und können ganz gut damit umgehen das man sich halt manchmal um das Beh. Kind kümmer muß. Das muß man als Mutter dann halt wieder ausgleichen.

Aber wie gesagt es ist meine Meinung

Alles Gute

Sandra

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