Ungewollte Kinderlosigkeit, Schuldfrage

Hallo,

Ich versuche mich kurz zu fassen. Ich bin 35 Jahre alt, mein Mann ist 33, wir sind seit 5 Jahren verheiratet. Wir führten eine traumhafte Beziehung. Ich liebe ihn über alles und auch er hat mir immer gezeigt, wie wichtig ich ihm bin.

Vor vier Jahren wurde ich schwanger, ungeplant, aber mein Mann freute sich sehr und seine Euphorie steckte mich an. Leider hatte ich einige Wochen später eine Fehlgeburt. Ich wurde einige Monate später wieder schwanger und verlor das Kind kurz vor der Geburt. Das war sehr schlimm für uns, aber wir waren einander eine großartige stütze. Ich wüsste nicht, was ich ohne ihn getan hätte. Leider hatte ich anschließend zwei weitere Fehlgeburten und eine Eileitersfhwangerschaft. Das war eine Belastung für uns, aber er hat mir ganz toll beigestanden. Es folgte die größte Katastrophe unseres Lebens: Ich wurde schwanger und unsere Tochter starb vier Tage nach ihrer Geburt. Das war im Oktober 2014.

Seitdem ist nichts mehr wie es einmal war. Mein Mann will unbedingt Kinder und ich habe mich von ihm überreden lassen, es nochmal zu probieren. Ich war so kaputt von all den Eingriffen und Verlusten. Natürlich ging es wieder schief und ich erlitt eine weitere Fehlgeburt. Trotzdem wollte mein Mann es nochmal versuchen und diesmal war es wieder eine Eileiterschwangerschaft. Die Eileiter mussten entfernt werden und seitdem ist es vorbei mit der Hoffnung auf gemeinsame Kinder.

Ich bin seitdem echt fertig mit den Nerven. Einerseits liebe ich meinen Mann über alles, er ist mein bester Freund und war mir immer eine große Hilfe. Aber ich kann ihm nicht recht verzeihen, dass er ohne Rücksicht auf mein körperliches und seelisches Befinden genommen hat und nur an seine Bedürfnisse dachte. Hinzu kommt, dass ICH Schuld bin an all unseren Verlusten. Ich habe einen Gendefekt, der zum Tod unserer Kinder führte. Ich fühle mich als hätte ich versagt. Und ich kann meinem Mann nicht mehr in die Augen sehen, weil ich weiß, dass ihm ohne mich all dieses Leid nie zugefügt worden wäre. Wie gesagt, ich liebe ihn und will nicht ohne ihn sein. Aber ich will nicht, dass er wegen mir unglücklich wird, weil er mit mir keine Kinder bekommen kann. Vielleicht sollte ich mich besser trennen, damit er diesen Wunsch mit einer anderen Frau verwirklichen kann.

Die Situation ist so verzwickt ... Was würden sie mir raten? Trennen? Eine Paartherapie machen? Ich weiß nicht mehr weiter.

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Hallo,

es ist sehr bestürzend zu lesen, wieviel sie vor allem alleine und auch als Paar bisher in ihrem vergeblichen Kinderwunsch in den zurückliegenden vier Jahren auf sich genommen und ertragen haben. Irritierend ist, wie wenig Rücksicht Sie dabei auf Ihre Bedürfnisse nehmen konnten. Dazu gehört auch, dass Sie sich die Schuld geben, auch wenn so ein Gendefekt nur biologische Ursachen hat. Der Kinderwunsch ist das eine, dem Mann eine gute Frau sein zu wollen, das andere.

Ich bin mir nicht sicher, ob Sie sich beide bisher genug Zeit nehmen konnten, um einmal inne zu halten und Ihre verzweifelte Lage zu erfassen. Es erscheint so, als ob jedes einzelne Unglück der Fehlgeburt und des Todes des Kindes, gleich durch den nächsten Versuch zu Vergessen versucht worden wäre, in der nachvollziehbaren Hoffnung es damit wiedergut werden zu lassen. Die Wunden sind damit nicht verheilt, sondern es sind leider immer wieder Neue hinzugekommen. Die Seele braucht Zeit, um dies zu 'verdauen'.

Sie sollten sich BEIDE unbedingt nun sehr viel Zeit nehmen, den zurückliegenden schmerzlichen Ereignissen nachzuspüren, anstatt gleich wieder etwas zu entscheiden und zu 'machen', wie zum Beispiel auch mit einer möglichen Trennung. Sie sollten sich vielleicht auch beide fragen, unter welchem inneren Druck Sie stehen, dass Sie scheinbar so wenig Rücksicht nehmen dürfen. Auch dabei kann eine Paartherapie helfen, denn es braucht eine sehr behutsame Form, um sich mit dieser für Sie schweren Zeit und den Bedingungen dieses Druckes zu befassen.

viel Grüße, Dr. Axel Thomas

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Das alles klingt sehr viel für eine Beziehung!

Deine Verluste tun mir unendlich leid!

Bist du in psychologischer Behandlung? Ich denke da könntest du einiges aufarbeiten und verarbeiten.

Wenn ihr euch leibt,denke ich nicht das ihr euch trennen solltet. Natürlich verändert solche Erfahrungen eine Beziehung und auch deinen "Groll" kann ich verstehen.

Vllt wäre ja auch ein Pflege-/Adoptivkind was für euch? Die Möglichkeit einem Kind eine Chance zu geben, es mit Liebe und Herzlichkeit aufzunehmen. Der Elternwunsch könnte sich dennoch erfüllen. Ich weiß, auch dieser Prozess ist sehr langwierig und nervenaufreibend, aber das Jugendamt wird euch mit Sicherheit unterstützen.

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Hallo,
Was du durchmachen musstest ist grausam. Ich Finde, du solltest unbedingt erst mal über all die Verluste hinweg kommen. Es tut mir unendlich leid, wenn ich soetwas lese.
Vielleicht ist später eine eizellspende etwas. (In D nicht erlaubt) aber wenn das eine Option für dich wäre, dann hast du auch noch Zeit um erst mal mit all dem klar zu kommen. Du brauchst dringend eine Pause, in der ihr erst einmal nur für euch da seid.
Alles Gute für euch

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