Wo sind eure Grenzen?

Ich hoffe, hier verirren sich die Trolle nicht auch noch her ­čÖä und wir Betroffenen bleiben unter uns...

Aber diese Frage hat mich schon besch├Ąftigt.

Ich musste in den letzten Jahren feststellen, dass sich meine eigenen Grenzen durch das Betroffensein und durch (gezwungenerma├čen) angeeignetes Wissen deutlich verschoben haben.

Vor drei Jahren h├Ątte ich noch gesagt, die Natur wird das schon regeln, im schlimmsten Fall wird mit ein bisschen Hormonen nachgeholfen (die sind mit Pille und Co schlie├člich schon immer Teil meines Alltags - nahm die Pille ab 11).

Dann verschob sich die Grenze so nach und nach auf "ein kleines Anschubsen", sprich IUI. Mit dem Gedanken, das ist ja nicht wirklich k├╝nstliche Befruchtung - mit der ich mich nie richtig anfreunden konnte, auch wegen der wenigen mir bekannten Geschichten, die durchweg in gescheiterten Existenzen resultierten... Ich sch├Ąme mich daf├╝r schon fast, wie negativ ich das immer gesehen hatte ­čśĽ denn je mehr ich mich schlau gemacht hab, desto mehr empfand ich IUI als eben genau das: ein kleiner Schubs.

Dann kam jedoch recht schnell die Mitteilung vom Arzt, dass das mit dem Spermiogramm aussichtslos ist. Dass es auf "Reagenzglas" hinauslaufen wird (wie IVF/ICSI bei mir im Kopf noch immer hei├čt) Das war f├╝r mich ein Tritt in die Magengrube. Ich bin erst mal in ein verdammt tiefes Loch gefallen... Denn diesmal hat sich meine Grenze nicht ├╝ber viele viele Monate langsam verschoben, sondern wenige Wochen, nachdem ich mich gerade erst mit der IUI abgefunden hatte...

Ja aber je mehr ich mich dar├╝ber informiere, desto mehr kann ich mich auch mit diesem Verfahren anfreunden. Ja, ich nehme s├Ąmtliche Nebenwirkungen aus der Packungsbeilage mit... Das tue ich aber bei dem kleinen Anschubsen genauso wie beim "Reagenzglas". Und zack, hat sich meine Grenze wieder verschoben...

Aktuell ist jedenfalls meine Grenze, dass es genetisch unser eigenes Kind sein muss, das hei├čt, keine Spenden von au├čen. Ich hoffe, dass diese Grenze bestehen bleiben darf - verstehe aber mittlerweile jeden, der dar├╝ber hinausgeht. Ich selbst w├Ąre auch bereit, sollte je mal was ├╝brig bleiben, das zu spenden... Mein Mann w├Ąre da aber vermutlich dagegen, und auch das w├Ąre f├╝r mich ok.

Auch Leihmutterschaft w├Ąre f├╝r mich vor zwei, drei Jahren noch ein Tabuthema f├╝r viel zu reiche Verr├╝ckte gewesen. Von dem hohen Ross hat mich eine (erstaunlich neutrale) Doku runtergeholt, in der eine stolze indische Leihmama gezeigt wurde... Ich pers├Ânlich k├Ânnte das (noch?) nicht, mein Kknd von jemand anderem austragen zu lassen, aber ich habe Respekt vor Menschen, deren Grenzen dar├╝ber hinaus gehen.

Wie seht ihr das? Wo sind eure Grenzen? Haben die sich auch mit dem Betroffensein/mit dem Wissen dar├╝ber immer weiter verschoben? Oder wart ihr schon immer sehr offen, weil letztlich jeder selbst wissen muss, wie weit er gehen mag?

Und bitte keine sinn- und hirnlosen Angriffe aufeinander ­čÖä Deutschland hat sehr strenge Gesetze, was (ungeborenes) Leben anbelangt, deutlich strenger als viele (ebenfalls durchaus zivilisierte) Nachbarstaaten und innerhalb dieser gesetzlichen Grenzen sind Meinungen (meiner Meinung nach) zu akzeptieren...

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Ach, irgendwie ist doch alles am Ende relativ, oder? Ich werde jetzt nach zwei Icsis eine embryospende "machen". moralisch gibt es f├╝r mich generell bedenken, wenn der Kinderwunsch so intensiv ist. wird "mein" kind gerne leben? findet es einen platz in der Welt? wir alle m├╝ssen damit leben, geboren zu werden, ohne gefragt worden zu sein. das m├╝ssen wir annehmen und etwas annehmen liegt heute gesellschaftlich nicht mehr im Trend. ich nehme ja auch meine Kinderlosigkeit nicht an, sondern probiere weiter.

ich kann nur versuchen, reflektiert und zugeneigt zu lieben und zu begleiten. dann ist sicher egal, wie ein kind gezeugt wurde.

wir sollten Kinder nicht bekommen, um eine leere zu f├╝llen, unser frauen und Mutterbild hinterfragen.

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Hallo Liebes, ich kann deine Worte nur teilen. F├╝r mich kam die IVF recht schnell auf den Tisch, weil klar war das es nicht anders geht. Ich war jedes Anfangs so optimistisch, dass ich erstmal alles andere abgelehnt habe f├╝r mich pers├Ânlich. Ich bin auch sauer geworden, wenn eine Freundin vorschlug, dass ich dich eintach adoptieren sollte. N├Ąchste Woche lassen wir uns dazu beraten. Ich wollte zu Anfang auch ein genetisch eigenes Kind und ich hatte sogar schon Kontakt mit der Ukraine. Ich finde, wenn man so wie wir an diese Grenzerfahrung kommt und irgendwann an den tiefsten Kern zu kommen, weshalb man ├╝berhaupt Kinder m├Âchte. Ich habe mit diesen Gedanken so viel gearbeitet und hatte mehrere Stimmen dazu im Kopf. Ich finde es auch einfach richtig, dass wenn man mehr Wissen und Erfahrung hat, sich tiefgr├╝ndig besch├Ąftigt hat, dass man Meinungen ├Ąndert und Grenzen verschiebt. Das ist letztlich die st├Ąrkste Macht die wir haben, an unseren Gedanken und Werten zu arbeiten. Aus meiner Sicht ist das auch eine wichtige F├Ąhigkeit, um mit der ganzen Sache zurecht zu kommen. Es ist alles ein Prozess.. Selbst irgendwann zu sagen, dass schluss ist. Meiner Meinung nach ist das hoch individuell und auch richtig. ­č弭čŹÇ

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Hi du!
Ich kann dich total verstehen, bei uns war es genauso.
angefangen vor 2 Jahren mit "wir probieren es mal, wird bestimmt klappen, warum auch nicht".
Nach 1 Jahr probieren habe ich dann erst mal bei mir alles checken lassen, habe gedacht, irgendetwas stimmt nicht mit mir, das kann man aber bestimmt irgendwie regeln.
Nach 1 weiteren Jahr mit BS+GS, einstellen mit L-Tyroxin wegen Hashimoto und Hormoncheck hat sich auch mein Freund testen lassen.
Bis dahin haben wir immer gesagt, wir wollen nix k├╝nstliches machen.
irgendwie sind wir dann in die iui gerutscht auf Empfehlung meines frauenarztes. Naja, ist ja nicht "allzu" k├╝nstlich...
Nachdem es beim zweiten mal nicht geklappt hatte, wollte ich gerne das jemand anders nochmal ├╝ber unsere Befunde schaut und wir hatten unseren ersten Termin in der Kiwu.
Das Ende vom Lied war, dass wir icsi Kandidaten sind und es ohne icsi wohl so schnell nicht geklappt h├Ątte.
Wegen einer leichten ├ťberstimulation haben wir alles eingefroren und hoffen auf die kryo im n├Ąchsten Monat.
├╝ber alle weiterf├╝hrenden Themen m├Âchte ich nicht nachdenken, momentan bin ich der Meinung dass es f├╝r mich nicht OK w├Ąre, wenn wir eine EZ Spende oder samenspende br├Ąuchten...
aber wer wei├č... Man sieht ja, wie schnell die Grenzen verschwimmen.
die Hauptsache ist, dass sich die Beteiligten mit den Entscheidungen wohl f├╝hlen. Dann wird es hoffentlich auch bald mit unserem Traum klappen.
Ich dr├╝cke dir die Daumen ­čĹŹ
Sch├Ânen Abend!

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Hey! F├╝r mich war die Diagnose verklebte Eileiter und das nicht optimale Spermiogramm am Anfang furchtbar, aber ich h├Ątte, auch ohne meiner Diagnose am ehesten die Icsi genommen, weil die Erfolgschancen einfach am h├Âchsten sind. Eventuell w├Ąre eine Eizellenspende in Frage gekommen, eine Leihmutter w├Ąre okay gewesen, aber einer Embryonenspende w├Ąre nicht in Frage gekommen. Ich h├Ątte auch nicht so viele Stimulationen wie andere Frauen geschafft, daf├╝r bin ich nicht stark genug. Ich w├╝nsche euch allen dass es bald klappt. Lg

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Hallo zusammen,

Sch├Ân, dass du dieses Thema aufgemacht hast, habe die gestrige Diskussion leider verpasst.
Mir war schon l├Ąnger klar, das es wohl ohne Hilfe nicht klappen w├╝rde bei uns, aus verschiedenen Gr├╝nden. Es hat einige Zeit gedauert meinen Mann zu ├╝berzeugen, zum Arzt zu gehen. Da war f├╝r ihn schon die 1. Grenze. Als der Arzt gesagt hat unsre Chance auf nat├╝rlichem Weg sei unter 1% mussten wir schon schlucken. Ich hab gehofft mit Insemination w├Ąre was machbar. Aber Arzt sagt ICSI, ok hab ich gesagt, aber nur mit meinem Mann. Ich pers├Ânlich kann mir zum jetzigen Zeitpunkt kein Spendermaterial vorstellen.
Ich bin froh, dass es heutzutage die M├Âglichkeiten gibt, sich behandeln zu lassen. Ungewollte Kinderlosigkeit ist vergleichbar mit dem psychischen Druck einer Krebserkrankung, hab ich mal gelesen. Dieser Wunsch nach einem Kind ist ein elementares Bed├╝rfnis und wenn man eine ├Ąrztliche Behandlung in Anspruch nehmen kann, warum nicht? Ich geh ja wg meinem Asthma auch zum Arzt und nehm meine Medikamente.
Unsere Grenze wird wohl das liebe Geld sein, oder mein 40. Geburtstag. Aber das ist der Stand heute, falls es bis 40 nicht geklappt haben sollte, und wir im Lotto gewinnen sollten, dann werden wir das evtl noch ├╝berdenken ­čśë
Ach so, ich k├Ânnte mir Embryonenspende am ehesten Vorstellen, dann sind wir beide nicht die genetischen Eltern, aber noch hoffe ich, das es mit unseren Genen klappt.

W├╝nsche einen sch├Ânen Abend allen ­čŹÇ­čĄŚ

LG Jodi

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Hi,

uns ging es wie euch...mit jedem Misserfolg und jeder Erkenntnis verschoben sich die Grenzen ein bisschen weiter.

Zun├Ąchst Sex nach Terminplan, dann war IUI geplant... dann war ich pl├Âtzlich zwei Mal spontan schwanger (FG/Elss) Nachdem klar war, ein Eileiter ist der ELSS zum Opfer gefallen, der andere unbrauchbar, ging es weiter zur IVF...aber nur naturelle, wir wollten keine Hormone und keine Kinder auf Eis.

Nach Misserfolg dann doch ICSI naturelle...nach zwei weiteren FG sollten wir es mit Blastos versuchen, um die Entwicklung von Anfang an beobachten zu k├Ânnen... also doch stimulierte ICSI. Nun haben wir, was wir unbedingt wollten - ein wunderbares Kind - , und was wir unbedingt vermeiden wollten - ein Kind auf Eis.

F├╝r das br├Ąuchten wir eigentlich eine Leihmutter, denn es war reines Gl├╝ck, dass die eine Schwangerschaft gut ging, mein K├Ârper ist daf├╝r einfach nicht gemacht. Wir h├Ątten sogar eine, die beste ... meine Schwester (zwei Ein-Schuss-ein-Treffer-Kinder) w├╝rde es tats├Ąchlich machen. Darf sie aber nicht... das h├Ątte ich bei anderer Gesetzeslage noch in Erw├Ągung gezogen, weiter werden wir nicht gehen.

Liebe Gr├╝├če und alles Gute f├╝r euch alle ­č嬭čŹÇ­čą░
Marie mit Wunderkind an der Hand und ÔşÉÔşÉÔşÉ&­čĺÖÔşÉ

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du hast es sehr treffend beschrieben!
die eigenen grenzen ver├Ąndern sich mit der situation in der man sich befindet...

was einem undenkbar erschien ist mit den erfahrungen die man macht und mit den infos die man sammelt pl├Âtzlich gar nicht mehr so undenkbar...

klar, keiner w├╝nscht sich an seine grenzen oder dar├╝ber hinaus gehen zu m├╝ssen aber leider hat nicht jeder das gl├╝ck in seiner "heilen welt" bleiben zu d├╝rfen...

genau deshalb ist es so sinnlos ├╝ber die entscheidungen von menschen zu urteilen deren weg man nicht gegangen ist...

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Hallo meine Lieben,
ein interessanter Thread, da will ich auch meinen Senf dalassen.
Ja, mit der Betroffenheit verschieben sich die Grenzen wie man es zuvor oft nicht sich h├Ątte vorstellen k├Ânnen. Ich muss sagen, dass ich ethisch eher schmerzbefreit bin, so lange f├╝r das Kind gut gesorgt ist (auch emotional) und die Eltern ehrlich ihm gegen├╝ber sind. Da finde ich es zweitrangig wie es entstanden ist oder wer die genetischen Eltern sind.
Ich finde Kinder in die Welt zu setzen ist immer egoistisch und deshalb sind wir ihnen dann auch ein gutes Leben schuldig.
Meine Grenzen habe ich dort ├╝berschritten wo ich mich und meinen K├Ârper freiwillig diesen Prozeduren unterworfen habe, und mich mit Medikamenten vollstopfe, wo ich sonst 3x ├╝berlege ob ich mir ein Aspirin einwerfe oder nicht.
Die Grenzen meines Partners sind klar: es muss genetisch von ihm sein oder er verzichtet auf Kinder. F├╝r mich k├Ąmen auch eine Eizellen oder Embryonenspende in Frage, wenn das das Problem w├Ąre.
Leihmutterschaft w├Ąre nicht finanzierbar.
Ich k├Ânnte mir auch vorstellen Embryonen zu spenden, frage ich mich jedoch immer wie das w├Ąre, wenn ich ein Kind bekommen w├╝rde und dieses sich dann zuf├Ąllig in ein leibliches Geschwister verlieben w├╝rde..
Ich glaub ich schaue zu viele schlechte Filme ­čśů
Was aber gar nicht geht, ist dass sich jeder und jede erdreistet ├╝ber Betroffene zu urteilen auf der Basis v├Âllig unreflektierter Moralvorstellungen. Sowas macht mich w├╝tend. Diese Dinge geh├Âren in die Hand von Betroffenen und ExpertInnen, klar auch was ethische Fragestellungen angeht, aber nicht in die Zust├Ąndigkeit von irgendwelchen Sofapredigerinnen.
Alles Liebe!

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Bei uns war bereits nach der ersten Diagnostik klar, dass icsi die einzige M├Âglichkeit darstellt. F├╝r uns war das ok, mir pers├Ânlich ist es egal ob das Kind aus der petrischale kommt oder nicht. Auch Eizellen-, Embryonen- oder Samenspende finde ich ok (auch wenn die uns pers├Ânlich nicht weiter hilft). Ja, es ist dann genetisch nicht von uns, aber das w├Ąre es bei einer adoption auch nicht. Nach meinem Verst├Ąndnis entsteht Familie durch das sich darauf einlassen, nicht durch Genetik.
Der Leihmutterschaft stehe ich kritisch gegen├╝ber, da das je nach Land die Ausbeutung einer Notlage der Leihm├╝tter darstellt (gerade in Indien scheint es da eine Menge schwarze Schafe zu geben - da gab es mal einen Zeitungsartikel zu). Solange jedoch Freiwilligkeit und ein Verh├Ąltnis auf Augenh├Âhe gegeben ist, von mir aus auch das (z.b. hat in Griechenland eine Mutter das Kind ihrer Tochter ausgetragen, da die das selber nicht konnte).
Fazit, bei mir gibt es kaum Grenzen, solange es allen Parteien gut damit geht.

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