Hat euch der Kinderwunsch auch so verändert???

Hallo ihr Lieben! Hat euch der Kinderwunsch auch so sehr verändert? Ich merke gerade, dass ich mich immer mehr zurückziehe, am liebsten nur noch die Zeit mit meinem Partner verbringe, höchstens noch mit meinen Geschwistern und ihren Kids.
Alles andere ist mir irgendwie zu anstrengend geworden (kurz zu meiner Vorgeschichte: Fehlgeburt 08/19 in der 11. Woche, Weg in die Kiwu Praxis 01/20, negative IUI 04/20, Nullpunktion Icsi 05/20).
Ich habe einen großen Freundeskreis, bin eigentlich super gern unter Leuten und sehr gesellig, aber zur Zeit ist mir das alles viel zu viel. Wir hatten jetzt 4 Wochen Pause (ohne jegliche Medikamente, ohne Ovu Tests, ohne alles), ein Urlaub , der sehr gut getan hat ...
Trotzdem bin ich am liebsten in meinen eigenen vier Wänden und zuhause...
Geht es euch ähnlich? Habe Angst, mich komplett zu verändern durch diese ganze Anspannung...

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Der kinderwunsch hat mit definitiv verändert. Ich habe mich sehr mit dem Körper, seiner Physiologie, dem Zyklus, etc. Beschäftigt. Würde sehr feinfühlig was den Eisprung und Co angeht. Und irgendwann wurde es mein Fokus. Dann nurnoch sex nach Plan. 4 Wochen nix, 3 tage nur sex, und wieder nix. Zwischendurch mal die periode... Manchmal hab ich kich dann betrunken... Manchmal mich nur gehasst... Alle anderen würden schwanger und ich verbittert. Habe mich auch zuruck gezogen. Das war auch okay denke ich. Aber auch da würde ich irgendwann verbittert. Was garnicht gut ist... Wurde regelrecht sauer wenn andere einfach so schwanger wurden... Konnte die Kinder teilweise garnicht leiden... Und als ich das merkte konnte ich kich garnicht leiden 🤪 also musste ich was ändern und habe den kinderwunsch mal auf stelle 2 und 3 gesetzt... Natürlich war er trotzdem präsent aber nicht mehr so krankhaft... Sport, Familie und Freunde kamen an 1. Und 2. Stelle... Und ich wollte wirklich alle kleinen neuen weltbewohner begrüßen und auf diese Welt willkommen heißen. Gegönnt und geliebt. Denn so hätte ich es mir für meine Kinder auch gewünscht (es waren wirklich viele Leute in meinem Umfeld schwanger 🙈). Und ich hab die kleinen Racker auch eigentlich lieb. Für mich und meinen Mann kamen dann Plan B fürs Leben sehr ins Spiel und wir haben ein alternatives Leben zu dem mit Kindern geschustert...
Lange Rede kurzer Sinn: der überfüllte kinderwunsch machte mich erst traurig, wütend und frustriert. Dann sauer, böse und giftig. Dann einsichtig, empathisch und verständnisvoller.
Ich hatte genug Zeit an meinen Freunden zu lernen, wie ich es machen würde. Was ich anders machen würde. Wie sehr ich mich auf unausgeschlafene Tage und weinende Babys gefreut hätte.

Wir haben unser Baby bekommen. Ich hatte eine unwahrscheinlich schöne Schwangerschaft. Meine Tochter hat mehr Tanten denn je, denn jede meiner Freundinnen hat unsere Tochter so herzlich willkommen geheißen, dass sie nicht mehr nur als Freundin zu uns stehen. Sie sind Familie geworden. Und ich hab die Kraft und Ausdauer meine Tochter so zu begleiten und zu erziehen, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Wir sind durch den kinderwunsch vieles gewesen und geworden. Aber vorallem dadurch die besten Eltern für unsere Tochter ❤️

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Hallo Chrisel,

ja mir geht's ähnlich. Ich habe fast 4 Jahre Kinderwunsch hinter mir. Davon 3 Jahre in der KiWu-Klinik. Unzälige ÜZ, Ovu-Tests, Clomifenzyklen, IUI, 3 ICSIs und 3 Kryos ohne eine einzige Einnistung. Ich habe jedes mal tagelang geheult wenn ich meine Tage bekommen habe. Ich habe im vergangenen Jahr einen derartigen Zusammenbruch gehabt, dass mein Mann ernsthaft Angst hatte ich tu mir was an.

Ich kann keine Schwangeren oder Menschen mit kleinen Kindern um mich herum ertragen. Wenn ich von einer Schwangerschaft im Familien oder Freundeskreis erfahre, empfinde ich nur noch Schmerz und Neid. Ich würde es vielleicht als verbittert bezeichnen. Ich sehe Freunde und Familie eigentlich kaum noch,
weil ich einfach keinen Bock drauf habe. Ich glaube aber dass das vielleicht auch mal ok ist. Mein Mann war mir dabei immer eine große Stütze.

Nach dem Tief im letzten Jahr habe ich allerdings beschlossen, dass die 4. ICSI im Herbst unsere letzte sein wird. Ich fange vorsichtig an, mit meinem Mann über Adoption zu sprechen und versuche langsam ein Leben ohne Kinder in Erwägung zu ziehen. Seitdem geht es mir etwas besser. Weil ein Ende in Sicht ist. Hört sich vielleicht doof an, aber ich fühle mich seitdem irgendwie erleichtert. Muss nicht bei jedem so sein. Ich wünsche dir auf alle Fälle dass du schnell wieder aus deinem Tief raus kommst. Alles Gute für euch!

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Hallo liebe Chrisel, mir geht es ähnlich!! Schon seit über einem Jahr bin ich viel zu selten in meiner Heimat, bei meinen Freunden, Familie etc. Ich habe nur 2h Autofahrt und ich liebe meine Mädels, die Gespräche, einfach ALLES!

Aber wir wollen unser Leid aktuell nicht jeden erzählen und so habe ich mich nur zwei engen Freundinnen anvertraut und meiner Familie. Ich will mich meinen anderen Mädels nicht treffen, ich will nicht lügen warum wir nicht übernacht bleiben und auch nicht lügen wie es mir geht...

Es ist ätzend, von unserer 2. ICSI habe ich jetzt auch nichts meinen Eltern erzählt, ich will sie nicht schon wieder enttäuschen 😔

Ich weiß nicht, ob wir nicht bald den Schritt gehen es allen ehrlich zu erzählen, ich fühle mich dadurch so eingeengt und eingeschränkt und vorallem MÜDE!

Eine meiner engsten Freundinnen hat 6 Jahre versucht ein Baby zu bekommen, die kleine ist nun fast ein Jahr. Sie hat sich auch über mehrere Jahre total distanziert, mit der Schwangerschaft und Geburt war sie wie ausgewechselt.

Ich will es auch - so sehr 😊

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Ich denke Offenheit kann gut tun, wenn man klare Ansagen macht. Ich finde das Interesse teilweise belastend, da ich aber nicht wusste, dass mein Weg zum Kind schwierig wird, waren wir schon relativ offen. Jetzt muß man halt mit Nachfragen rechnen. Mir tut gut, wenn Menschen es realistisch und feministisch sehen und nicht im Mutterthema aufgehen. Also klar ist es traurig für mich, aber ich bin auch ohne Kind eine Frau mit Mutteranteil;-). Mitgefühl statt Mitleid und sowas kann man einfordern. Ich habe da schon klare Ansagen gemacht. Wenn man todkrank ist, hilft es auch nicht, wenn man heute um sich herum scharrt, die den Tod ausblenden und ihn kaum aushalten.

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Das sind ein paar kluge Gedanken liebe lilydahl.. Ich teile deine Ansichten, dass man auch ohne ein eigenes Kind geboren zu haben eine vollwertige und auch mütterliche Frau sein kann. So war es aber auch nicht immer. Für mich war es ein Prozess dahin zu kommen und eben auch mein Leben bis jetzt ohne Kinder als erfolgreich und schön zu bewerten. Ich glaube gerade, wenn man es länger versucht, dann durchläuft man sehr viele Phasen. Ich habe mich auch zurück gezogen, weil ich mehr Kraft und Zeit zum nachdenken brauche. Ich war auch recht offen und habe hin und wieder Nachfragen deshalb. Es ist nicht immer leicht meine Bedürfnisse auszubalancieren und Anderen gerecht zu werden. Im Grunde muss ich es auch nicht. Aber ich schätze auch, wie unser Umfeld mitfühlt. Es ist ein Drahtseilakt. Eigentlich möchte ich auch nicht eine der "verzweifelten" Frauen sein, aber ich möchte auch nicht zu früh aufgeben. Ich merke das es mir gut tut, mich anderen Lebensformen zu öffnen, aber eben auch den Kompromiss die Versuche jetzt auszuhalten, solange ich kann.. Am Ende ist es Glück und Natur.. Ich habe mir definitiv versprochen, dass ich egal wie das Leben das ich bekomme, annehme. Aktuell steht man leider etwas im Flur.

Ich drücke allen Frauen hier fest die Daumen! 💚🍀 Manche werden Mamas, manche über Umwege, manche werden keine Mamas.. Aber wir alle sind wertvoll! ❤️

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Auch ich bin seit zwei Jahren im Wartemodus und immer noch ohne Baby. Als ich im November mit der ersten Icsi anfing, dachte ich noch, diesen Sommer wird bestimmt etwas anders sein und ich meinem Wunsch näher. Leider nein. Jetzt habe ich schon vier Transfers hinter mir und bin nicht schwanger. Ich frage mich ernsthaft, ob IVF der richtige Weg ist, nach allem, was ich so lese, eher nein. Nun setze ich mich mit Alternativen auseinander und fühle mich besser. Ich werde mich mit der Embryospende im Ausland vertraut machen und diesen Weg gehen. Es ist ein Versuch. Ich vertraue meinem Körper nicht mehr, auch, weil ich inzwischen 40 bin. Natürlich kann das auch nicht klappen, aber dann habe ich es versucht. Mit 40 kann es halt schon sein, dass die Eizellen nicht mehr alles mitmachen und die Implantation nicht schaffen. Meine Eizellen. Es ist ja sehr individuell. Aber ich bin gesund und es klappt seit zwei Jahren nicht, es ist unwahrscheinlich, dass es an etwas anderem liegt.
Mich erleichtert der Gedanke, dass man nicht den Kinderwunsch-Wahnsinn mitmachen muß. Ich möchte keine verzweifelte Frau sein, die sich in der 7. ICSI wiederfindet . Das möchte ich für mich selber nicht.

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Hallo Chrisel,
Ich befürchte das ist eine ganz normale Reaktion. Du hast in kurzer Zeit viel Enttäuschungen erlebt. 4 Wochen Auszeit sind da echt nur ein Tröpfchen, hoffe aber es hat dir etwas gut getan.
Zu meiner unerfüllten Kinderwunschzeit, konnte ich mich nicht mit anderen freuen wenn sie schwanger wurden, ich war so frustriert und habe das Thema komplett ausgeklammert. Ich habe mich furchtbar gefühlt und mit keinem (außer meinem Partner) darüber gesprochen. Rückblickend würde ich einiges anders machen. Aber wenn man in der Situation steckt bekommt man den Kopf einfach nicht frei.

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Du sprichst mir total aus der Seele. Bei mir ist es auch so. Ich bin eigentlich auch total gesellig und aktiv, die letzten Jahre gingen aber entweder in schuften mit zusätzlichen Jobs für den Kiwu, Ausreden erfinden, warum ich keinen Alkohol trinke, mit Abgeschlagenheit kämpfen wegen den ganzen Medis, Geschlechtsverkehr planen, hoffen, warten, recherchieren, mit meinem Mann unsere Beziehung krisenerprobt zu gestalten und mein Herzchen klar kriegen um meine 7 Sternchen ziehen zu lassen. Ich habe noch 6 Monate bis zur 40. So lange halte ich noch durch und gib alles. Hat sich bis dahin unser Glück nicht erfüllt, atme ich irgendwo auch wieder auf. Aber noch ist es zu früh...
Du bist also nicht alleine ❤️

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Huhu,

Was heißt verändert, ich bin etwas sensibler und emotionaler geworden. Mein Mann übrigens auch. 😅
Klar, trifft es mich wenn jemand schwanger ist aber ganz ehrlich; wenn ich eins i Leben gelernt habe dann das Neid und Missgunst mich nicht weiterbringen. Dadurch geht es mir kein Stück besser und meiner Psyche hilft das auch nicht. Ich werde dadurch nicht schneller schwanger, sondern setze mich dadurch doch nur mehr unter Druck.
Ich habe zwar noch nicht die Leidensgeschichte wie manch anderer hier im Forum, aber ich habe viel negatives erlebt (z.b. ist meine Mutter Ende 2017 mit 55 urplötzlich gestorben) aber aufgeben und nicht mehr positiv sein, habe ich trotz allem nie getan.
Alles im Leben hat seinen Grund, sag ich immer. Welcher ist nicht immer klar, aber irgendwann schon.
Lasst euch nicht unter kriegen und vernachlässigt nicht eure sozialen Kontakte! Mit verkriechen, gewinnt keiner etwas😊🍀

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Hey! Schon ein bisschen, aber nicht komplett. Habe bis zum Transfer mein "normales" Leben geführt, welches viel Sport, Kaffee und auch Zigaretten beinhaltet hat. Meine Freundinnen treffe ich noch immer wie früher, aber der Großteil hat keine Kinder. Ich glaube dass man, auch in dieser schweren Zeit, an Hobbies etc. festhalten soll. Wenn es geklappt hat, muss man sich sowieso einschränken. Das einzige, was ich wirklich so gut wie möglich meide, ist die Gesellschaft von Schwangeren, aber die gibt es in meinem Bekanntenkreis ohnehin kaum. Mich nervt immer, wenn junge Eltern oder Schwangere dauernd fragen, wann man nicht selbst ein Kind bekommt. Ich finde solche Fragen unsensibel. Aber viele Menschen sind eben sehr einfach gestrickt. 🤷‍♀️Lg

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Hallo,

mir geht es sehr ähnlich, bin auch gerne unter Leuten aber der Kinderwunsch hat mich schon stark verändert.
Fast alle unsere Freunde haben Kinder und ich fühle mich sehr ausgeschlossen weil es fast immer nur um die Kinder geht.

Natürlich liegt es auch an mir weiss aber im Moment auch nicht wie ich es ändern kann.

Meine Schwägerin hat grad frisch ihr zweites Kind bekommen und es ist einfach nur total verkrampft, tut unglaublich weh.

Wir sind sehr offen damit umgegangen und auch auf der Arbeit wissen alle Bescheid. Was mir aber auch schon paar dumme Sprüche eingebracht hat.

"Wer weiss für was es gut war" nach der biochemischen Schwangerschaft.
Ihr kennt die ja auch alle.

Liebe Grüße an dich du bist nicht allein

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Vielen lieben Dank für eure ganzen Nachrichten. Es ist nicht so, dass ich mich zuhause verkrieche und nicht Menschen gehe, aber mir fehlt aktuell die Motivation... ja, vielleicht waren die Enttäuschungen und Hoffnungen der letzten Wochen zu groß. Und ja, ich bin wohl zu naiv an die Sache heran gegangen. Dachte, die Icsi löst all die problem und schwups bin ich schwanger ...
Neidisch bin ich nicht auf schwangere, trotzdem setzt es mir jedes Mal bei jeder neuen Verkündung einen Stich ins Herz ... ein Tränchen verdrücke ich dann doch kurz - aber in meinem stillen Kämmerlein.
Wir sind auch sehr offen mit Freunden und Chefs umgegangen, was mir persönlich viel Druck genommen hat. Und ich weiß auch, dass wir so tolle Freunde haben, die mit uns mitfiebern, uns das beste wünschen und uns auch unsere Auszeiten nicht übel nehmen.
Ich bin letzte Woche 40 geworden (habe bisher noch keine Kinder), wahrscheinlich ist es eher das, was mir so zusetzt...
Wir denken auch über Plan B nach, aber wir kämpfen noch weiter... Aufgeben ist noch keine Option!;-)

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