Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll... brauche neutrale Meinungen

Hallo!
Ich weiß im Moment einfach nicht weiter. Zu unserer Vorgeschichte:
Wir (ich 37, er 41) stecken seit fast 7 Jahren im Kinderwunsch. Nachdem wir festgestellt haben, dass es auf natürlichem Weg nicht klappt, haben wir nach der ersten (!) ICSI 2016 unsere wundervolle Tochter bekommen. Sie ist ein Sonnenschein. Als sie etwa 18 Monate alt war, wünschten wir uns ein Geschwisterchen. 5 ICSIs später stehen wir hier. Die ersten vier ICSIs waren negativ, dann trat völlig überraschend eine natürliche Schwangerschaft ein. Unser kleiner Sohn verstarb aber in der 13 SSW, wahrscheinlich an einem Herzfehler. Einen Versuch wollten wir noch wagen, und auch da stellte sich eine Schwangerschaft ein. Allerdings endete diese auch in der 8 SSW, wahrscheinlich durch ein Hämatom, das sich zwischen die Gebärmutterwand und den Embryo gesetzt hat.

Ich stehe momentan an einem Scheidepunkt. Eigentlich war ich mir nach der zweiten Fehlgeburt sicher, dass ich keinen Versuch mehr machen möchte. Aber momentan schleicht sich doch der Kinderwunsch wieder vermehrt ein. Es gibt nur so viele Hindernisse in meinem Kopf.

- Was ist, wenn eine erneute Schwangerschaft wieder schief geht? Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.

- Unsere Tochter ist momentan sehr anstrengend, sie ist 3 und mitten in der Trotzphase. Ich erwische mich häufig dabei, wie ich mir einfach mehr Ruhe und mehr Zeit für mich wünsche - das passt doch nicht zum erneuten Kinderwunsch?

- Unsere Familie ist sehr schön, so wie sie ist. Ein weiteres Kind kann das Glück noch vollkommener machen, kann aber auch alles über den Haufen werfen. Der Abstand zwischen den beiden wäre jetzt schon vier Jahre und wird immer mehr. Können wir so unterschiedliche Bedürfnisse unter einen Hut bringen?

- Was ist, wenn das Kind krank wird? Unsere Tochter kam mit einer Nierenfehlbildung zur Welt, das erste Lebensjahr war schwer, es stand mehr als einmal auf Messers Schneide. Unser Sohn hatte wohl einen Herzfehler. Beim dritten Kind wissen wir natürlich nicht, ob es gesund gewesen wäre. Aber das ist mir etwas zu viel "Zufall". Wir beide wurden bereits genetisch untersucht, es gibt bei beiden keine Auffälligkeiten (außer bei mir fehlende KIR-Rezeptoren, das hat aber nichts mit organischen Fehlbildungen bei meinen Kindern zu tun)

- Wir sind beide zwar nicht uralt, aber auch nicht mehr taufrisch. Wir sollten uns bald entscheiden.

- Die Behandlungen haben mir ziemlich zugesetzt. Es war schmerzhaft und steinig, besonders mit kleinem Kind. Es ist zwar nebensächlich, aber ich habe während dieser ganzen Behandlungen 10 Kilo zugenommen, die ich auch nicht mehr los werde. Auch das nagt an mir.

Ich hatte mich eigentlich schon gut mit einem Leben zu dritt arrangiert. Aber jetzt kommt dieser völlig irrationale Wunsch! Mein Mann ist voll dabei. Er hat sehr unter den Fehlgeburten gelitten, kann bis heute nicht an das Sternengrab gehen. Er würde lieber gestern als heute einen neuen Termin in der KiWu machen, spricht mich immer mal wieder darauf an. Er spürt, dass ich es mir ja auch wünsche und zählt mir alle Vorteile auf. Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll und verzweifel so langsam, weil ich mir selbst eine Entscheidung herbeisehne. Dieser Zustand des "vielleicht irgendwann nochmal" zefrisst mich. Ich möchte endlich mit dem Kinderwusch/Familienplanung abschließen - also erneuter Versuch oder Spirale. Aber was soll ich nur tun?
Mir ist klar, dass mir das niemand so einfach beantworten kann, keiner kann mir die Entscheidung abnehmen. Aber vielleicht habt ihr Denkanstöße in die eine oder andere Richtung? Was würdet ihr an meiner Stelle tun?
Danke an alle!

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Hallo Apfelkuchen,
das ist wirklich keine einfache Entscheidung und es gibt keine richtige oder falsche. Ich finde es bei solchen Dingen wichtig den Kopf auszuschalten und zu schauen was dein Herz und dein Bauch wollen. Wenn da der Wunsch vorhanden ist, dann wirst du damit nicht rational abschließen können, solange noch Hoffnung besteht. Wenn du aber gefühlsmäßig abschließen kannst, weil es sich richtig anfühlt, dann ist es für dich vielleicht auch richtig. Die Frage ist natürlich ob ihr bereit seit damit abzuschließen oder es irgendwann bereuen würdet. Das blöde ist ja einfach, dass wir als Frauen auch so unter zeitlichem Druck stehen und uns nicht mal einfach eine große Pause gönnen können ohne das gleich die Zeituhr tickt.

Ich habe mir immer vorgenommen die Entscheidung wie lange ich kämpfen werde von meinem Bauchgefühl abhängig zu machen und ich glaube es kommt der Punkt an dem man spürt was für einen selbst das Richtige ist.

Hilft vielleicht nicht weiter, aber mich hat es im Leben immer nur weitergebracht auf mein Gefühl zu hören und Vertrauen zu haben, dass dann alles so kommt wie es dir einen sein soll und richtig ist.

Liebe Grüße 🍀
Juli

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Hallo :-)!

Ich bin hier eigentlich falsch, bin immer natürlich schwanger geworden... ich möchte dir trotzdem was schreiben, denn auch ich habe (halt aus anderen Gründen) lange wegen einem 2. Kind überlegt.

Ich habe bewusst einen großen Altersabstand gewählt, denn ich habe keinerlei familiäre Hilfe und mein Mann arbeitet extrem viel. Ich bin also unter der Woche alleine mit den Kindern. 2 Kleinkinder hätte ich nervlich nicht gepackt.
Meine Tochter war also schon 5 1/2, als mein Sohn auf die Welt gekommen ist und ich finde das wunderbar! Die Schwangerschaft war sehr beschwerlich. Ein 2jähriges Kind hat kein Verständnis für ne leidende Mama, eine 5jährige schon! Auch die Betreuung während der Geburt war viel einfacher. Ich habe nachts Wehen bekommen... weiß nicht, ob eine 2jährige es so super gefunden hätte, wenn sie morgens aufwacht, Mama und Papa sind weg und es ist nur die Nachbarin da ;-)... einem älteren Kind kann man das alles im Vorfeld erklären, meine Tochter fand das dann alles sehr spannend :-D.
Weiter geht's beim Wochenbett. Ich hatte eine traumatische Geburt mit Kaiserschnitt, war physisch UND psychisch wochenlang ein Wrack! Alles klein Problem mit der 5jährigen, wie gesagt, sehr verständnisvoll ;-). Und sie liebt ihren Bruder! Entgegen meiner Erwartungen spielt sie ganz viel mit ihm und kuschelt ihn fast zu Tode :-D! Das muss natürlich nicht so sein, aber es muss genauso wenig sein, dass Geschwister mit kleinem Altersabstand gerne zusammen spielen ;-). Wir haben da ein extremes Negativbeispiel im Freundeskreis.

Lange Rede, kurzer Sinn: Mach dir wegen dem Altersabstand schon mal KEINE Gedanken! Es ist viel entspannter, wenn das erste aus dem Gröbsten raus ist. Wenn deine Tochter 4 ist, dann sollten auch die Trotzphasen bald vorüber sein.

Was ich verstehe, ist die Angst vor einem kranken Kind. Mir wäre es auch ein bisschen zu viel Zufall und das einzige, was mich jetzt in deiner Situation evtl. abhalten würde. Das mit dem Gewicht nicht, da würde ich mir denken: Die Restaurierung des Körpers nehme ich dann nach dem 2. und letzten Kind in Angriff. So als "abschließende" Aufgabe ;-).

Alt waren wir übrigens auch beim 2. Kind. In UNSEREN Augen (das ist ja etwas sehr individuelles) grenzwertig alt. Ich war 38, mein Mann 44. Im Januar unter'm Christbaum haben wir beschlossen, es nochmal zu versuchen und uns eine Deadline bis zum nächsten Christbaum gegeben. Danach hätten wir abgeschlossen, mein Mann wäre da sehr strikt gewesen. Einfach auf Grund des Alters. Wir sind einfach keine Menschen, die sich mit Anfach 40 wie Anfang 20 fühlen, wir fühlen uns so alt, wie wir tatsächlich sind. Wir haben unsere Zipperlein und es wäre dann echt gut gewesen. Zumal es auch bei uns so war, wie bei euch: Wir hatten es wunderschön mit unserer Tochter alleine! Unser Leben war perfekt! Ist es jetzt immer noch, anders halt ;-)... Aber wir wären mit einem genauso glücklich gewesen.

Was ich also als Denkanstoß dalassen möchte: Versucht es nochmal und setzt euch eine feste Grenze! Entweder zeitlich, oder mit der Anzahl der Versuche (da kenn ich mich ja nicht aus). Dann habt ihr es im Schlimmsten Fall probiert, aber es sollte eben nicht sein. Und dann kannst du allein aufgrund deines Alters vielleicht gut mit der Sache abschließen (mir wäre es auf jeden Fall so gegangen). Das Leben mit einem Kind hat auch viiiiiiele Vorteile ;-).

Ganz liebe Grüße und alles Gute für euch :-D!

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Vielen vielen Dank für Deine lieben Worte!
Das mit der Deadline klingt gut, sowas hatte ich mir auch schonmal überlegt.

Und mir geht's da wie Dir: Ich bin mit mitte/ende 30 nicht mehr wie mit 20. Man merkt, dass das Nervenkostüm dünner wird und es ergibt Sinn, dass die Natur der Fruchtbarkeit bei Frauen eine Grenze setzt. Allein deshalb setzt mich diese Entscheidung unter (zeitlichen) Druck.

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hallo du,

ich bin inzwischen 40 mein partner 47 jahre alt unsere tochter 8 jahre alt.
ich war 35 als wir angefangen haben für das zweite kind loszulegen.
vor meiner tochter hatte ich eine ells. nun folgten 5 frühe abgänge, eine ma 10 ssw und zwei ells die operiert werden mussten.
letztes jahr war ich da wo du jetzt bist.
ich hatte keine lust mehr auf kiwu dramen, darauf angst zu haben schwanger zu sein, angst nicht mehr schwanger zu werden. das ganze thema hatte jeden zauber verloren.
wir bekamen einen schnuckelsüßen hund. mein therapiehund, tröster und freude der familie.
ich habe getrauert, habe abgeschlossen mit der vorstellung noch ein leibliches kind zu bekommen.
nun sind wir dabei pflegeeltern zu werden. der gedanke ist irgendwann ganz von alleine gewachsen und ich dachte wow, warum bin ich da nicht eher drauf gekommen. ich bin heilpädagogin und habe 20 jahre mit kindern gearbeitet und ich mag kinder allgemein sehr.
meine tochter freut sich total und wir sind alle sehr gespannt. ich glücklich nochmal kleine hände in meinen halten zu dürfen, noch einem kind beim wachsen zu schauen zu dürfen.
verhüten kann ich nur mit kondomen, ich konnte keine pille nehmen die mich täglich daran erinnert was ich eigentlich wollte, es tut meiner seele irgendwie gut die eisprünge kommen zu spüren und sie freiwillig gehen zu lassen. mit der zeit wurde das immer leichter.
ich habe beruflich mit trauerprozessen zu tun, es ist in solchen phasen hilfreich diese prozesse zu kennen die man durchläuft und jeder anders. du anders als dein mann. es ist sicher schwer wenn ihr beide ganz andere gedanken habt.
mir hilft es inzwischen, dass ich weiß das ich manche lösungen nicht erzwingen kann, dass ich manche entscheidungen nicht sofort fällen kann und muss.
mir zeit lassen und nehmen, ist glaube ich das was ich an deiner stelle tun würde.
zeit um in mich zu horchen und vorstellungen und lösungen zeit lassen zum wachsen.

ich wünsche dir ganz viel kraft und mut. am ende wird nicht immer alles so wir uns das wünschen, aber ich denke mit freude und liebe werden sich uns immer schöne wege öffnen#herzlich

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Dein Beitrag berührt mich sehr. Ich glaube, Du bist ein ganz toller Mensch. Alles Liebe Eurer Familie.

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Vielen vielen Dank. Du hast genau beschrieben, wie es sich für mich auch anfühlt: Das Thema hat durch die ganzen Dramen seinen Zauber verloren. Aber jetzt, mit etwas Abstand, kehrt er langsam zurück. Wenn ich Schwangere sehe, wenn ich kleine Babies sehe. Im Freundes- und Kollegenkreis ist bei vielen die Familienplanung noch nicht abgeschlossen. Da werden aufgeregt Ultraschallbilder rumgezeigt und Es kommt immer mal wieder eine Nachricht: XY ist geboren, mit Foto. Da tut es mir weh.

Euren Weg, Pflegeeltern zu werden, finde ich sehr mutig! Respekt dafür! Ich würde mir das nicht zutrauen, aber bei Euch klingt es so, als hättest Du den absolut richtigen Weg für Euch gefunden! Ich drücke ganz fest die Daumen, dass bald jemand zu Euch kommt! Menschen wie Euch sollte es öfters geben!

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Ich bin mir sicher, dass es einen idealen Altersabstand nicht gibt, sondern alles Vor- und Nachteile hat. Und dass ihr bestimmt zu dritt glücklich sein könnt, aber auch zu viert. Ich glaube ich würde es nochmal wagen...

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Danke für Eure Antworten und Anregungen. Ich weiß, ich sollte alles etwas mehr aus der Gefühlsebene heraus entscheiden. Aber mir fällt das schwer, ich bin in allem zu verkopft und stehe mir dabei selbst oft im Weg.

Ich bin in meiner Entscheidung noch nicht wirklich weiter, aber es hat sehr geholfen, auch mal die Meinung Außenstehender dazu zu hören. Ich habe mir auch einen Termin bei meiner Gynäkologin geben lassen, um alles noch einmal mit ihr durchzusprechen und ihre (medizinische) Meinung zu hören. Vielen Dank an alle!

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