Clomifen und Zervixschleim wer hat Erfahrung

Hallo,

ich habe Clomifen verschrieben bekommen, weil meine Follikel nicht genug Gelbkörper produzieren.

Ohne Clomi ist mein ES immer an 12./13. ZT, MM ist weich und es geht die Tage vorher immer spinnbarer Schleim ab.

Jetzt ist mein 1. Clomizyklus 13.ZT und mein MM ist zwar hoch aber fest und ich habe keinen spinnb. ZS.
LH test bislang ohne Anzeige.

Bin total verunsichert, wer hat Erfahrung mit Clomi und kann berichten?


Vielen Dank Lea

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Hallo Lea,

Clomifen kann sich negativ auf den ZS auswirken.
Bei mir ist das auch so. Habe nicht so viel, aber vorhanden ist/war er schon, bin jetzt ZT 16.
Vielleicht kommt dein ES einfach ein paar Tage später als sonst und der ZS wird die nächsten Tage erst spinnbar.
Dein LH-Test war ja auch noch negativ.

Was sagt denn dein FA wie deine Follikel wachsen und wann er mit einem ES rechnet? Warst bestimmt schon beim US wenn du schon ZT 13 bist, oder?

LG
Ute

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Hallo Ute,

war gestern Beim US, da war der Follikel bei 18mm.
ES die nächsten Tage wurde mir gesagt, ein bisschen blöde wegen dem langen Wochenende...


Gruß Lea

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Hallo
Habe jetzt auch meinen 1.Clomi Zyklus hinter mir.
Hatte kaum ZS.Ohne Clomi immer viel ZS.


Jetzt habe ich vorgestern im 1.Clomi Zyklus POSITIV getestet.

Dir auch ganz viel Glück


Nadine

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hi lea,
hier meine antwort ich bin gastgeberin im clomihibbelclub...brauche aber kein clomi mehr!!

aber hoffe das hilft dir weiter:
Clomifen


Bei diesem Medikament handelt es sich (ausnahmsweise...) um Tabletten zum Einnehmen, die jeweils 50mg Clomifencitrat enthalten. Clomifen dient dem Auslösen einer Ovulation bei Frauen mit anovulatorischen Zyklen bei aber ansonsten normaler Hormonfunktion, die Gonadotropine und Prolaktin betreffend, und anderen Zyklusstörungen, ebenso bei Gelbkörperschwäche.
Es führt zu einer vermehrten Ausschüttung von Gonadoliberin (Gonadorelin, GnRH) im Hypothalamus und in der Folge auch zu einer erhöhten FSH-und auch LH-Ausschüttung in der Hypophyse.
Normalerweise wird ab dem 5. Zyklustag bei einer normalen oder durch Medikamentenvorbehandlung ausgelösten Blutung zunächst 5 Tage lang je eine Tablette eingenommen. Clomifen wird meist für den Geschlechtsverkehr nach Plan, seltener für Inseminationen, IUI oder gar IVF / ICSI, da aber eher in der doppelten Dosis, eingesetzt. Bei unzureichender Reaktion wird die Dosierung und der Einnahmezeitpunkt beim nächsten Zyklus vom Arzt variiert. Das Maximum sind 3 Tabletten täglich oder 15 Tabletten pro Zyklus. Der Arzt sollte die Wirkung von Clomifen im Ultraschall kontrollieren, da es zur Bildung von mehreren Follikeln und daher auch zu eigentlich nicht angestrebten Mehrlingsschwangerschaften kommen kann (ganz besonders bei PCO zu beachten!). Clomifen lässt sich auch im Bedarfsfall mit den Gonadotropinen kombinieren.



Die Behandlungsdauer soll 6 Zyklen nicht überschreiten. Dies ist zwar kein unumstößliches Gesetz, aber 80% der Schwangerschaften mit Clmifen treten innerhalb der ersten 6 Behandlungszyklen ein und daher ist es nach 6 Zyklen statistisch nicht mehr sinnvoll, mit Clomifen weiter zu machen. Nebenwirkungen sind dadurch nicht zu erwarten, die Chancen sinken also lediglich. Sind 6 Behandlungen erfolglos abgeschlossen, dann sollte man auf Gonadotropine wechseln (Spritzen), welche besser dosierbar sind und physiologischer wirken. Das kann zwar auch der normale Frauenarzt machen, ist diesem jedoch meist zu teuer und daher wird dann oft die Überweisung in ein Kinderwunschzentrum notwendig.



Eine Alternative zum Clomifen sind Aromatasehemmer wie z. B Femara

Nebenwirkungen


Vermehrtes Auftreten von Mehrlingsschwangerschaften, vor allem bei fehlender Ultraschallkontrolle (ärztlicher Kunstfehler?!?).
Clomifen hat einen negativen Effekt auf die Höhe der Gebärmutterschleimhaut und die Beschaffenheit des Zervixschleims (dieses lässt sich durch Gabe von Östrogenen ausgleichen).
Selten Schwindelgefühl, Hitzewallungen, Brustspannen, ebenfalls selten allergische Erscheinungen wie Nesselsucht, Hautentzündung, Hautrötungen, Ödeme



Häufige unerwünschte Wirkungen (> 10%):
Vergrößerungen der Ovarien? durch eine Clomifen-Behandlung sind häufig. Des weiteren kann es häufig während einer Clomifen-Behandlung zu vasomotorischem Flush und Hitzewallungen kommen, die sofort nach Aussetzen der Behandlung wieder reversibel sind.



Nach einer Clomifenbehandlung sind Zysten an den Eierstöcken wahrscheinlicher als z. B. bei einer niedrig dosierten Behandlung mit Gonadotropinen

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Hallo vielen Dank für die sehr ausführliche Beschreibung zu Clomifen.

Warum und wann wird denn zusätzlich Östrogen gegeben?

Danke Lea

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Ist das vielleicht hilfreich?

Wahrscheinlich ist das Östrogen das wichtigste, bekannteste und vielseitigste Hormon überhaupt; aus medizinischer Sicht ist es wohl auch das erfolgreichste: Die Forschung hat mittlerweile derart viele Wirkungsmechanismen dieses Hormons durchleuchtet, daß aus diesem Wissen schon ein breitgefächertes Therapieangebot resultiert.

In früheren Jahren galt es als gesichertes Wissen, dass Östrogene nur für Fortpflanzung und Schwangerschaft wichtig sind. Mittlerweile ist das Wirkungsspektrum dieser Hormone weiter erforscht und man weiß, dass sie in zahlreiche Regelkreise und viele Beschwerden, welche für die Frauengesundheit von Bedeutung sind, involviert werden. Im Rahmen des Genomprojektes gelingt es, immer mehr Andockstellen für die Östrogenrezeptoren in den Regulationseinheiten von Genen zu finden. Dies unterstreicht die Wichtigkeit der Östrogene in der Regulation zahlreicher Gene, die auch für den Stoffwechsel, für das Körpergewicht, für die Immunabwehr, für das Funktionieren der Sinnesorgane und das Nachwachsen der Haut (wenige Beispiele von vielen) mitverantwortlich sind.

Die Medizin ist für alle diese Erkenntnisse dankbar, konnte sie doch in der Altersforschung ihre bisher größten Erfolge erzielen. Es ist gesichertes Wissen, daß durch kontrollierte Hormonzufuhr bei festgestelltem Hormonmangel (Defizit) zahllose Alterungsprozesse gestoppt, zumindest aber eingebremst werden können. Östrogene zögern viele Altersbeschwerden erfolgreich hinaus.

Knochen
Diese Thesen können am konkreten Beispiel bewiesen werden. Alternde Menschen werden bekanntlich mit zunehmenden Jahren immer kleiner. Sie bzw. ihre Skelettsysteme schrumpfen. Ältere Frauen bekommen mitunter sogar einen Katzenbuckel. Eine Erscheinung übrigens, die auch Männer – diese freilich erst in wesentlich späteren Jahren – betreffen kann. Diese Feststellung ist nicht abwertend zu verstehen, aber Skelettveränderungen dieser Art vollziehen sich nun einmal geschlechtsspezifisch – die Natur benachteiligt Frauen im Alter wesentlich stärker als Männer.

In den USA wurde einmal eine Kampagne gestartet, deren Titel auch schon das zum kategorischen Imperativ gereifte Programm war: »Aufrecht bis ins hohe Alter!« Wahrscheinlich war diese Initiative der Gesundheitsbehörden in den Vereinigten Staaten eine der erfolgreichsten Bewußtseinskampagnen überhaupt. Es sei nicht notwendig, daß sich 70jährige und von schwerer Osteoporose geplagte Frauen gekrümmt und von Schmerzen geplagt durchs Leben quälen müssen (wie dies heute vielfach noch in ländlichen Gegenden häufig zu beobachten ist), lautete die Message. Und auch der bei schweren Fällen von Knochenerweichung benötigte Rollstuhl würde sich erübrigen, wenn ..., ja wenn Osteoporoseprophylaxe betrieben worden wäre.

Vorbeugemedizin heißt das Schlagwort: Die Osteoporosetherapie ist heute vergleichsweise sicher und einfach. Durch eine einfache, völlig unblutige Knochenmessung erhält der Arzt Informationen über die Dichte des Skelettsystems. Daraus läßt sich die Wahrscheinlichkeit ableiten, ob diese Frau in späteren Jahren zur Knochenerweichung neigt oder nicht. Der Facharzt kann das Osteoporoserisiko also relativ sicher abschätzen. Wird bei dieser Knochendichtemessung ein zu niedriger Wert ermittelt, ist eine Knochenvorsorge sinnvoll. Durch diese Präventivtherapie wird die Verkleinerung der Knochen des Skelettsystems verhindert und ein höchst unangenehmer Alterungsprozeß, nämlich die Osteoporose, schon im vorhinein gefahrlos hintangehalten.

Für die Prävention der Osteoporose stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung: sie beginnt bei einer gesunden Lebensführung, bei körperlicher Aktivität und Meidung der Knochenräuber (Nikotin). Brustkrebsgefährdete Patientinnen, die zu einer Osteoporose inklinieren, können mit einer spezifischen Medikamentengruppe, die einerseits die Brust, andererseits aber auch den Knochen schützt, vorbeugend behandelt werden. Kalzium und Vitamin D gehören in das Arsenal jeder Knochenprävention, bei bereits vorhandener Osteoporose können Bisphosphonate mit Erfolg herangezogen werden.

Wenn eine Frau während der Menopause wegen klimakterischer Beschwerden Östrogene einnimmt, so werden dadurch gleichzeitig auch die Knochen – in sehr natürlicher Weise – geschützt. Allerdings ist es nicht sinnvoll, Jahrzehnte nach der Menopause ohne Beschwerden, nur um den Knochen zu behandeln – erneut mit einer Östrogentherapie zu beginnen. Das Östrogen ist das ideale Hormon der »transition phase«, also des Übergangs vom Präklimakterium in die Postmenopause.

Haut – Haare – Feromone
Schöne Haut und schöne Haare – beides sind auch Symbole für Erotik und Anziehungskraft. Nicht zufällig stellen viele Frauen während ihrer Schwangerschaft ein besonders üppig-fülliges Kopfhaar fest, das in dieser Zeit nur wenige Rückstände im Kamm hinterläßt. Kurz nach der Entbindung fallen dann die Haare wieder stärker aus, sie werden stumpf und brüchig. Beide Zustände hängen mit dem Schwangerschaftshormon Östrogen zusammen.

Es ist eine wunderbare Attitüde der Natur, daß zwischen Schönheit, Attraktivität und Fitneß einer Frau und der Fortpflanzung ein enger Zusammenhang besteht. In der Schwangerschaft erreichen die Haare ein Höchstmaß an Fülle und Glanz – das Hormon Östrogen überflutet förmlich den weiblichen Körper.

Es gibt aber auch noch weitere Hinweise auf das geniale Konzept, das die Frau um so viel mehr auszeichnet als den Mann. Bekanntlich beginnen mit der Geschlechtsreife – während der Pubertät – nicht nur die Achsel- und Schamhaare zu sprießen, auch das Kopfhaar wird dichter. Genährt wird es aus aktivierten Talgdrüsen, die den Haaren auch die erforderliche Kraft verleihen. Die Wissenschaft hat lange das Phänomen untersucht, warum das Wachstum der Haare an Körper und Kopf ausgerechnet mit Beginn der Fortpflanzungsfähigkeit – und nicht vorher oder nachher – so signifikant forçiert wird. Die erste Vermutung, Haare seien zum Schutz des Menschen da, erweist sich als Irrtum. Haare haben, wie profund nachgewiesen werden konnte, eine viel wichtigere Funktion: Sie sind integrierender Bestandteil der zur Fortpflanzung gehörenden Infrastruktur des Menschen. Denn Haare unter der Achsel, am Kopf und im Schambereich sind Multiplikatoren jener Düfte, die in diesen Regionen aus Talg- und Duftdrüsen freigesetzt werden. Frauen und Männer verfügen während ihrer geschlechtsfähigen Zeit gleichermaßen über derartige Drüsen – die Körper senden unbewußt Signale aus, die auf Attraktivität und sexuelle Anziehung hinweisen. Während beim Mann diese Signale weniger stark als erotische Magneten empfunden werden, prägt sich bei ihm das Haar- und Duftverhalten der Frau als nachhaltig stimulierend ein. Der Hintergrund dieses Verhaltens ist evolutionär bedingt: Bei höheren Säugetieren hat sich das Auge extrem weiterentwickelt und dessen Effizienz perfektioniert, sodaß es in die Lage versetzt wurde, zumindest teilweise auch die Funktion anderer Sinne zu übernehmen. So kurios es klingt: Der Mensch vermittelt sich selbst beim Sehen Geruchsvisionen, die im Zusammenspiel mit anderen Sinnen sexualstimulierende Effekte auslösen. Überhaupt ist die Kombination von Gesichts- und Geruchssinn ein ganz wesentlicher Faktor der menschlichen Sexualität. Der Riechsinn – das olfaktorische System – ist die älteste Nervenanlage des Körpers, die es erlaubt, Signale von außen zu empfangen und zu verarbeiten. Die Wissenschaft hat erst kürzlich schlüssig nachgewiesen, daß »das Riechen« eines der wichtigsten Kriterien in der menschlichen Kommunikation ist.

Was sind nun die Hintergründe jener geheimnisvollen Düfte, deren Existenz so wesentlich für die Fortpflanzung und sogar für den Weiterbestand des Menschengeschlechtes ist?

Chemisch betrachtet sind die Aromastoffe des Körpers kurzkettige Fettsäuren und Substanzen, die den Hormonen des Eierstockes ähneln. Der Hinweis ist mittlerweile ja fast schon müßig, daß alle diese Stoffe, die hier duftkompositorisch zusammenwirken, Verwandte und Abkömmlinge der Essigsäure sind. Der Organismus setzt diese Duftstoffe frei – er kommuniziert mit der Umwelt, vor allem mit anderen Menschen. Der bekannte Hinweis, daß der oder die den oder die nicht riechen kann, wurde von der Schulmedizin längst wissenschaftlich erforscht und bestätigt.

Dabei gibt es aber auch geschlechtsspezifische Façetten. So ist der Eisprung der Frau von diesen Riechstoffen abhängig. Auch zwischen der Geschlechtsreife von Mädchen, die in einem Familienverband leben, und den von ihnen empfangenen Riechstoffen des Vaters besteht ein Zusammenhang. Es gibt Hinweise darauf, daß Frauen, die ohne Pheromone (männliche Hormone) leben, später pubertieren und häufiger »anovulatorische Zyklen« (Fehlen des monatlichen Eisprungs) aufweisen. Die Körperdrüsen senden also mit der Umgebung akkordierte Riechstoffe aus – die Nase bzw. das sogenannte »Vomerische Organ« empfängt sie und leitet sie als Information ins Gehirn weiter. Genau jene Duftdrüsen, die ein besonders hohes Maß an Riechhormonen freisetzen können, sind dort plaziert, wo der Körper die Behaarung konzentriert: am Kopf, in den Achseln und im Schambereich. In diesen Regionen vergrößert das Haar die »Duftoberfläche« – es wirkt also wie ein Zerstäuber, über den die Aromastoffe über die Umgebung verteilt werden.

Und so ist es wohl ein geniales Konzept der Natur, daß ausgerechnet Haare, deren Sinnhaftigkeit (etwa unter den Achseln) beim ersten Hinsehen nicht einsichtig ist, im engagierten Dienst der zwischenmenschlichen Kommunikation stehen. Haare sind also wichtige Faktoren im Sold der menschlichen Fortpflanzung.

Was nun noch fehlt, ist der zwingende Beweis eines Zusammenhangs zwischen Haaren und dem Östrogenhormon. Die Schlüssigkeit für das Phänomen, daß die Haare von Geschlechtshormonen – allen voran dem Östrogen – abhängig sind, ergibt sich durch eine Defizitärsituation. Fehlt ein Hormon im Körper der Frau oder ist es nur in geringer Menge vorhanden, wird dieser Zustand in der Medizin als »defizitär« bezeichnet. Werden also Östrogene defizitär, erlebt die davon betroffene Frau sofort die Folgen: Die Haare werden brüchig, sie werden schnell grau und wachsen auch nicht – oder nur sehr langsam – nach. Dieser unangenehme Zustand stellt sich bei recht vielen Frauen auch nach einer Schwangerschaft ein. Vor der Geburt wird die Frau im ganzen Körper von Östrogenen überschwemmt – die Haare entfalten ihre volle Pracht; nach der Geburt kommt es zu einem temporären Östrogendefizit – und schon wirkt sich das äußerst negativ auf die Haare aus.

Diese Multifunktion der Östrogene versetzt die Frau in eine extrem privilegierte Situation: Solange der weibliche Körper geschlechtsreif ist, steht er unter ganz besonderem Schutz der Hormone. Frauen unter 50 erleiden – dank der gefäßerweiternden Funktion der Östrogene – nur äußerst selten einen Herzinfarkt. Östrogene sind in die Fortpflanzung involviert, denn sie fördern die Reifung der Eizelle. Ist das Ei befruchtet, überwacht das Östrogen während der Schwangerschaft die Gesundheit der Frau. Und darüber hinaus ist dieses Hormon für alles verantwortlich, was im Organismus die Attraktivität einer Frau hebt, was ihre sexuelle Begehrlichkeit hebt und was die Erotik des weiblichen Geschlechts ausmacht; wozu auch die Haare zählen. Den hohen Stellenwert dieses Hormons lernt die Frau dann kennen, wenn ein Defizit eintritt. Dieses wirkt sich sofort auch negativ auf die Schönheit aus. Von jeder Menge anderer Unannehmlichkeiten ganz zu schweigen. Erfreulicherweise ist es aber der modernen Medizin gelungen, das Schönheitshormon so zu verpacken, daß es als Salbe oder Shampoo auf die Kopfhaut aufgetragen werden kann, wodurch das Nachwachsen der Haare initiiert wird. Die Haare werden dadurch auch wieder fülliger, ohne daß es in anderen Teilen des Körpers zu Hormonüberschwemmungen kommen muß.

Haare sind also ein Organ, das Erotik produziert und die Attraktivität der Frau steigert – somit sind Haare also in der Phase der Geschlechtsreife und der Fortpflanzungsmöglichkeit wichtige Kommunikationsfaktoren. Verständlicherweise gilt das auch für die Haut, das, flächenmäßig größte Organ unseres Körpers.

Mit der Geschlechtsreife setzt auch die Drüsentätigkeit ein, wodurch die Haut mit einem Schutzfilm überzogen wird, der Feuchtigkeit und Elastizität garantiert. In diesen Vorgang sind auch männliche Hormone involviert, die – ähnlich den Östrogenen – ebenfalls das Haarwachstum anregen, aber auch die Talg- und Drüsenaktivität steigern. Viele Jugendliche beginnen daher in der Pubertät damit, extrem viel Schweiß und darüber hinaus ein riechbares Sekret abzusondern. Vor der Pubertät kannten sie diese Phänomene noch nicht. Schießen die männlichen Hormone zu Beginn der Geschlechtsreife im Körper der jungen Frau übers Ziel, dann werden zu viele Talg- und Duftdrüsensekrete erzeugt; die unangenehme Akne entsteht. Diese hormonell bedingte Krankheit ist fast schon eine Trademark der weiblichen, aber auch der männlichen Pubertät.

Der Einfluß der Eierstockhormone auf die Haut sollte am besten durch einen Querverweis auf das Tierreich illustriert werden. Es gibt hochentwickelte Säuger, bei denen sich zur Zeit des Eisprungs unter dem Einfluß des Östrogens die Geschlechtsteile verfärben und die so auf visuelle Art dem Partner die Zeit des günstigsten Verkehrs signalisieren. Und über die gleichen Hormone, die über die Qualität der Haut einer Frau wachen, wird auch der Federschmuck von Vögeln – dessen Vielfalt und Buntheit – gesteuert.

Das alles ließe den Schluß zu, daß dem Östrogen eine ausschließlich kosmetische Verpflichtung zukäme, deren einziger Zweck die Sicherstellung des sexuellen Erfolges einer Frau wäre. Das ist ein Irrtum – das Östrogen hat auch einen ganz wesentlichen medizinischen Aspekt. Ihm kommt – wie bereits angedeutet – auch eine eminente Schutzfunktion zu. Während einer Schwangerschaft trägt die Frau zur Fortpflanzung des Menschengeschlechts bei – ein Akt, dem die Natur allerhöchste Priorität beimißt. In dieser Zeit muß der weibliche Körper besonders, vor allem vor seinen äußeren Feinden – den Viren, Bakterien und Pilzen – geschützt werden. Diese Funktion nimmt die Haut, unser größtes Organ, wahr. Und deshalb ist es auch ganz besonders wichtig, daß in der Schwangerschaft die Funktion der Haut in voller Integrität erhalten bleibt. Diese Schutzfunktion übernimmt das Juvenilhormon Östrogen, das die Multifunktionen der Haut steuert.

Herz – Kreislauf
Die häufigste Todesursache unserer Zeit ist die Gefäßverkalkung – die gefürchtete Arterioskleose. Ihr wirkt, als Folge des umfassenden Schutzes der Frau vor Gefahren, das Eierstockhormon Östrogen in erstaunlich effizienter Weise entgegen. Warum das so ist und warum ausgerechnet diese körpereigene Substanz die Blutgefäße derart nachhaltig vor Schäden bewahrt, ist noch Gegenstand umfangreicher Forschungen. Daß dieser Schutz durch Östrogen gegeben ist, haben die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse längst bewiesen. Hormone haben einen vorbeugenden Effekt auf die Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen, nicht jedoch einen kurativen, wenn bereits schwere Verkalkungen und Thrombosen entstanden sind. Dies war auch der Irrtum in der Diskussion um jene Arbeiten, die die Nützlichkeit für die Blutgefässe in Frage stellt. Eine Frau, die mit 70 Jahren beginnt, erneut Östrogene zu nehmen, hat keinen Schutz im Hinblick auf das Herz-Kreislaufsystem, wohl aber eine Frau, die in der Übergangsphase bei Beschwerden Östrogene verordnet bekommt Dies ist auch sehr schön in der Nurse-Health-Study dokumentiert.
Versuchen wir eine Rekonstruktion dieser komplizierten Östrogen-Forschungsarbeiten.

Die Durchblutung unseres Körpers ist nicht nur die Voraussetzung für Jugend und Fitneß, sie bewahrt auch das Gefäßsystem vor der so gefürchteten Verkalkung. Nicht zufällig, sondern als Folge einer höheren Ordnung kommen dem Jugendhormon Östrogen diese Schutzaufgaben zu. Durch die medizinische Forschung wurde das Prinzip der Gefäßerweiterung analysiert. Und wiederum wurde dabei ein Zusammenhang zwischen Prävention und Weitergabe des Lebens entdeckt – die Gebärmutter.

Zu Beginn einer Schwangerschaft hat die Gebärmutter ungefähr die Größe einer Birne. Am Ende der Gravidität erreicht sie einen Längendurchmesser von ungefähr 70 cm. Volumsmäßig verhundertfacht sie also im Laufe einer Schwangerschaft ihre Größe. Wenn ein Organ innerhalb von neun Monaten gezwungen wird, derart explosiv zu wachsen, erfordert das auch eine radikale Anpassung der Durchblutung. Das Kreislaufsystem muß permanent adaptiert werden, um ein so außerordentlich wachsendes Organ mit Blut (und Sauerstoff) zu versorgen, also am Leben zu erhalten. Diese Systemangleichung ist Schwerstarbeit – und die wird durch das Juvenilhormon Östrogen geleistet.

Durch die hormoneigenen Wirkstoffe erweitert das Östrogen die Blutgefäße – Mediziner sprechen von einer »Weitstellung«. Durch diese Gefäßerweiterung wird die Gebärmutter, und mit ihr der heranwachsende Embryo optimal mit Sauerstoff und allen erforderlichen Nährstoffen versorgt. Von dieser für die Gebärmutter gedachten Schutzmaßnahme profitieren auch alle übrigen Gefäße des weiblichen Körpers. Frauen, die vor ihrer Menopause, also während der rund drei bis vier Jahrzehnte ihrer Fruchtbarkeit, einen Herzinfarkt erleiden, sind – verglichen mit gleichaltrigen Männern – ausgesprochen selten. Mit Eintritt der Wechseljahre läßt auch die Östrogenproduktion nach – und für die Frau erhöht sich das Herzinfarktrisiko schlagartig.

Während einer Schwangerschaft muß die Frau die Ernährung des heranreifenden Kindes mit gewährleisten. In dieser Zeit müssen also zahlreiche mütterliche Organe verstärkt durchblutet werden. Dies besorgt das Östrogenderivat 17-Beta-Östradiol, das dann die Aufgabe eines Antiverkalkungshormons übernimmt. Nicht zu Unrecht wurde daher also dem Östrogen das Attribut »Jugendhormon« verliehen.

Bekanntlich verstärkt hoher Cholesterinspiegel die Arteriosklerose. Werte jenseits der Gefahrengrenze von 200 mg (ideal: 120–150 mg) gelten als Risikofaktoren, denn sie begünstigen die Verkalkung. Die Senkung eines überhöhten Cholesterinwertes gehört heutzutage zur allgemein akzeptierten Prophylaxe der Verhinderung von Gefäßerkrankungen. Und wieder ist es das Östrogen, das zugunsten der Frau in den Stoffwechsel eingreift. Das Eierstockhormon ist nämlich auch ein natürlicher Cholesterinsenker und schützt auf natürliche Weise gefährdete Blutgefäße effizient vor drohender Verkalkung. Der Natur schwebt bei all diesen umfassenden Schutzkriterien ein einziges Ziel vor: die Gewährleistung der Fortpflanzung. Die Geschlechtssteroide sind daher auch unter diesem völlig neuen Verständnis zu definieren. Sie wirken deshalb lebensverlängernd und verjüngend, weil sie die Fortpflanzung sichern. Und im Naturverständnis ist Fortpflanzung gleichzusetzen mit Verjüngung.

Wobei das Cholesterin auf keinen Fall verteufelt werden darf, sofern es in richtigem Ausmaß vorhanden ist. Das Cholesterin ist ein wertvoller Baustein unseres Körpers. Ohne Cholesterin könnten die Zellen überhaupt nicht existieren. In der Frühzeit der Menschheit und der Säugetiere war dieser Baustoff eine Mangelsubstanz, erst in unserer Überflußgesellschaft wird der Organismus mit Unmengen an Nahrungsmitteln und Alkoholika überschwemmt. Die Folge sind Gefäßerkrankungen. In Notzeiten – etwa während eines Krieges – sterben die Menschen viel seltener an Herzinfarkten, weil fettreiche Nahrung kaum verfügbar ist.

In ausgewogener Menge benötigen die Zellen Blutfette. Vor allem die Zellmembran, aber auch andere Zellbestandteile brauchen Cholesterin für ihr Wachstum und ihre Funktion. Das in der Gebärmutter heranwachsende Kind benötigt besonders viel Cholesterin, denn innerhalb des embryonalen Systems findet ja in dieser Zeit eine wahre Zellexplosion statt. Dieses Cholesterin muß gezwungenermaßen von der Mutter bereitgestellt werden, da der Embryo zur Eigenproduktion noch nicht fähig ist. Er ist voll auf Fremdversorgung eingerichtet. Durch einen genialen Trick der Natur wird dieser Umstand so ausgenützt, daß er letztlich für Mutter und Kind von Vorteil ist. Zunächst öffnen während einer Schwangerschaft die mütterlichen Zellen unter Östrogeneinfluß ihre Pforten, um das im weiblichen Blutkreislauf herumirrende Cholesterin begierig wie ein Schwamm aufzusaugen. Über das mütterliche Blutgefäßsystem wird dieses Cholesterin unmittelbar an den Embryo weitergeleitet. Diesem dient es zum Zellenaufbau; der Mutter kommt dieser Transfer insofern zugute, als durch die Cholesterinreduktion im Blut die Herzinfarktgefahr minimiert wird. Bei Frauen im Wechsel kann die Schwangerschaft durch Östrogengabe simuliert und das altersbedingte Infarktrisiko dadurch verringert wird.

Verständlich wird der cholesterinsenkende Östrogeneffekt nur aus dem mit der Schwangerschaft verbundenen Reproduktionsauftrag der Frau. Realisiert wird dieses Postulat durch ein geniales Kompensationsgeschehen: Um dem Kind genügend Cholesterin abzugeben, wird unter Beihilfe des Östrogens aus dem Blut der Mutter vermehrt Cholesterin abgezogen. Und in der Postmenopause, wenn das Östrogen defizitär wird und im Blut der Frau das Cholesterin gefährlich ansteigt, wird vom Frauenarzt das bewährte Prinzip der Reproduktion imitiert: durch Verabreichung einer genau ermittelten Östrogendosis (»Hormonersatztherapie«, auch Hormonreplacement genannt).

Das Östrogen ist somit auch eine der wichtigsten Substanzen zur umfassenden Integrität der Blutgefäße – und somit eine der wesentlichsten Überlebenssubstanzen für den weiblichen Körper.

Gehirn
Das Östrogen wirkt sich aber auch auf eine sehr bemerkenswerte Weise im Gehirn aus. Die Natur denkt nämlich nicht in kleinen Teilen – sie organisiert ihr Wirken mit einer systemübergreifenden Großzügigkeit.

Geht man davon aus, daß die Schwangerschaft jene Phase im weibliche Leben ist, in der alle Teile des Körpers ihren optimalen Wirkungsgrad entfalten, dann erklärt das Endziel das Verständnis für dieses Wirken: Es ist die Sicherstellung der Fortpflanzung. Der weibliche Körper arbeitet in dieser Phase auf Hochtouren. Seine Belastbarkeit ist am größten, seine Durchblutung optimal und das Skelettsystem hart wie sonst nie. Und – diese Funktion wurde auch erst nach langwierigen Forschungsarbeiten entdeckt – interessanterweise reicht die Großzügigkeit der Natur sogar hinauf bis ins Gehirn.

Östrogene sind nämlich auch an zahlreichen Hirnfunktionen beteiligt, ohne deren Koordination eine Schwangerschaft unmöglich wäre und deren Ausfall erst dann bemerkbar wird, wenn das Östrogen defizitär geworden ist. Vor allem in der Menopause klagen viele Frauen über Gedächtnisverlust. Namen, die früher wie selbstverständlich präsent waren, müssen notiert werden; alltägliche Telefonnummern gehen verloren; Gegenstände werden »verlegt« und nicht mehr gefunden. Das Östrogen wirkt diesen Ausfallserscheinungen entgegen – es setzt im Gehirn gedächtnissteigernde Substanzen frei und baut das Merkpotential wieder auf.

Nur ein kleiner weiterer Abriß über die Effizienz dieses Hormons: Die gleichen Substanzen transmittieren jene Impulse, die im Gehirn die entsprechenden Hörnerven aktivieren. Und sogar am Riechen sind die östrogenen Hormone beteiligt. Ab der Frühschwangerschaft ist das Geruchs- und Geschmacksvermögen der Frau übersensibilisiert – für die Natur ist dies eine Maßnahme zum Schutz des werdenden Kindes. Das System ist voll auf die Protektion des werdenden Lebens hin orientiert: Mit Hilfe der Sinne – Gehör, Geschmack – aber auch mit dem Gedächtnis soll garantiert werden, daß die werdende Mutter das heranwachsende Kind bestmöglich bewacht. Um die drohenden Umweltgefahren zu umgehen, wird der weibliche Körper durch das Östrogen mit verbesserten Sinneseindrücken aufgeladen. Der Grad der Wachsamkeit – die Vigilanz – explodiert förmlich.

Interessante Untersuchungen ergaben, daß Frauen in der Menopause einen deutlichen Einbruch ihrer Konzentrationsfähigkeit erleiden. Durch Östrogengabe kann dieses Defizit aber wieder kompensiert werden.

Erfaßbar ist das komplexe Zusammenwirken nur dann, wenn das Interesse der Natur verstanden wird: Dem Aspekt der Weitergabe des Lebens – der Reproduktion – wird alles untergeordnet, was diesem hohen Ziel dienlich ist. Hormone steuern Fortpflanzung, sie verjüngen daher, stärken die schwangere Frau und setzen alles daran, um den weiblichen Körper mit allen nur denkmöglichen Privilegien auszustatten.

Das große Missverständnis über die Hormone betraf auch den Einfluß der Östrogene auf das Gehirn – am Fall des Morbus Alzheimers demonstriert. Frauen, die in frühen Jahren Östrogene einnehmen, waren sehr wohl geschützt gegen einen später sich entwickelnden Morbus Alzheimer – im Unterschied Unterschied zu Frauen, die erst in späteren Jahren wegen einer gleichartigen Prävention der Östrogene verschrieben bekamen. Bei diesen Frauen konnte kein Vorteil, sondern eher sogar ein Nachteil festgestellt werden. Ähnlich wie für das Herz, so gilt es auch für das Gehirn: die Hormone haben vorbeugende, aber nicht heilende Wirkung. Sind im Rahmen des Morbus Alzheimers die Neurone bereits zerstört, so kann das Östrogen kaum mehr vorbeugend wirksam sein.

Immunsituation – Rheuma – Gelenke
Jeder Embryo ist ein Fremdkörper in der Gebärmutter der Frau, da er genetisch teilweise vom Vater stammt – die Frau ist daher theoretisch darauf konditioniert, es als fremdes Gut abzustoßen. Technisch wäre also diese Autoaggression ein kontraproduktiver Akt gegen die Erhaltung der Art. Um nun die Abstoßung des neuen Lebens in der Gebärmutter zu unterdrücken, wird Östrogen mobilisiert. Dieses Hormon bindet den Embryo an die Gebärmutter und bewahrt die Menschheit vor dem Aussterben. Untersuchungen haben ergeben, daß östrogene Hormone bei Walen – ganz alten Säugetieren – eine erstaunlich effiziente Entzündungshemmung entwickeln. Diese Wirkung hat sich auch auf den Homo sapiens übertragen. Östrogene bewahren den Körper der Frau vor autoaggressiven Tendenzen.

Wie immer ist es auch hier ratsam, den Gegenbeweis anzutreten und die Auswirkungen eines hormonellen Defizits zu untersuchen. Es gibt Frauen, die nach dem Aufwachen Steifigkeiten an den kleinen Fingergelenken und Gelenkschmerzen entdecken. Diese Frauen sind über die eingeschränkte Fingermobilität meist sehr beunruhigt. Meist werden solche Frauen vom Praktiker zum Rheumatologen geschickt, der zahllose Untersuchungen initiiert. Deren Ergebnis ist aber recht häufig negativ. Sicherheitshalber wird die Frau mit Antirheumatika behandelt, die zwar keine Linderung des Gelenkleidens der kleinen Finger bringen, nicht selten aber schwere Nebenwirkungen, etwa Magengeschwüre, zeigen.

In den meisten Fällen leiden diese Frauen unter Östrogendefiziten. Die kausale Therapie wäre dabei denkbar einfach: Östrogen wird als Salbe auf das schmerzende Fingergelenk aufgetragen – und in den meisten Fällen (ausgenommen, die Frau leidet tatsächlich unter Rheuma) schwindet der Schmerz innerhalb kürzester Zeit. Der Grund dieses Therapieerfolges: Ein Östrogendefizit mobilisiert Körperreaktionen, die sich auch gegen eigene Gewebsteile – etwa gegen Knorpel und Gelenkskapseln – richten. Das als Salbe applizierte Östrogen wirkt innerhalb kürzester Zeit entzündungshemmend – der Frauenarzt kann mit großem Erfolg am weiblichen Körper seine Kunst demonstrieren.

Statistisch sind autoaggressive Erkrankungen bei Frauen viel häufiger anzutreffen als bei Männern. Immer öfter sind daher die Gynäkologen aufgerufen, Frauen vor steifen und schmerzenden Gelenken – manchmal sogar vor kompletten Verformungen der Finger – zu bewahren.

Die Trockenheit
»Man trocknet aus«, heißt im Volksmund die gängige Umschreibung fürs Altern. Was damit gemeint ist, weiß jeder, der sich die üblichen Beschreibungen von Alterungsvorgängen vorzustellen vermag: die alternde Haut, die alternde Schleimheit und die vielen anderen Organe, die im Alter unter Feuchtigkeitsverlusten zu leiden haben. Ganz besonders davon betroffen, weil extrem schmerzhaft, ist das Auge. Leidet die betroffene Frau unter Östrogenmangel – im Alter sind das die meisten – und wird dagegen medizinisch nichts unternommen, kommt es zu einem rapiden Flüssigkeitsdefizit und als Folge davon, zur Austrocknung. Bei östrogendefizitären Frauen ist dieser Mangel mitunter auch schon in jungen Jahren feststellbar. Nicht selten ist er ein Nebeneffekt der Pille, der in gewissen Konstellationen einen Östrogenmangel auslöst und der dann die betroffene Frau sehr stark beunruhigt. In der Menopause treten diese Symptome verstärkt auf: Mit dem Abfallen der Östrogene wird das Trockenheitssyndrom gesteigert und die davon betroffene Frau fühlt sich in ihrer Gesamtbefindlichkeit recht oft extrem beeinträchtigt.

Das Auge ist aber nur ein Organ, das dem alterungsabhängigen Trockenheitsprozeß unterliegt. Auch die Schleimhaut, der Rachen, ja sogar die gesamte Mund- und Nasenhöhle können mehr oder weniger komplett austrocknen. Dieser Zustand ist mitunter extrem schmerzhaft, gelegentlich wird dabei auch die Geruchskapazität schwer reduziert. Die Anzahl der Geschmacksnerven an der Zunge und in der Mundhöhle erreicht in der Kindheit ihren Höhepunkt und nimmt danach rapide ab. Das verändert im Laufe des Alterns die Genußfähigkeit für Speisen. Trocknet die Mundschleimhaut noch zusätzlich aus, wird der Alterungseffekt potenziert.

Greift die Trockenheit nun aber auf Magen und Darm über, kann das gefährliche Folgen haben. Wichtige Vitamine, Nährstoffe und Nahrungsbestandteile werden dadurch nur noch unvollständig resorbiert und das wertvolle Energieangebot, auf das der Körper tagtäglich angewiesen ist, sinkt. Damit wird die Leistung des Körpers reduziert, auf Streßbelastung zu reagieren und die notwendigen Wiederaufbauarbeiten einzuleiten.

Alles das muß nicht sein. Mit Hilfe von Östrogen kann das lästige Trockenheitssyndrom einfach beseitigt werden. Das Östrogenhormon wird am Abend in Form von Augentropfen auf die Bindehaut getropft, und schon nach wenigen Tagen stellt sich die Wirkung ein. Trockenheit und Augenrötung gehen zurück und verschwinden schließlich ganz. Bei der Trockenheit im Gaumen werden keine Tropfen, sondern kleine Östrogenpillen verwendet, die nicht geschluckt, sondern ganz langsam im Mund zum Zergehen gebracht werden. Dabei wird das Östrogen aus den Pillen freigesetzt, was die Einlagerung wichtiger Substanzen in die Zellen der Mundschleimhaut bewirkt. Gleichzeitig wird die Sekretions- und Speichelbildung angeregt.

Wassereinlagerung
Die Wasserbildung im Körper und das Eierstockhormon Östrogen stehen in ursächlichem Zusammenhang. Hat eine Frau (möglicherweise durch falsche Dosierung) ein hormonelles Überangebot dieses Hormons, kommt es zu Wassereinlagerungen in Fingern, Beinen – ja sogar im Rumpf bis hinauf in den Brustkorb. Der Facharzt erkennt an diesen Symptomen sofort die Östrogenüberdosierung. Jedenfalls symbolisiert dieses Phänomen den gewaltigen Einfluß, den das Östrogen sogar bis in den Wasserhaushalt der Zellen ausübt. Dieser wirkt sich im Überfluß ebenso negativ aus wie im Mangelzustand. Wassereinlagerungen einerseits, Austrocknung andererseits sind die Folgen. Segensreich ist das gesunde Mittelmaß. Richtig dosierte Östrogenmengen im Körper machen das Gewebe resistent gegen Druck und Witterungseinflüsse, sie geben ihm Elastizität und gewährleisten Haltbarkeit.

Die weibliche Figur – Mediziner sprechen von der »Körpersilhouette« – ist auch eine Façette des hormonabhängigen Wasserhaushalts von Frauen. Tatsächlich wird die Körpersilhouette in ganz entscheidender Weise von den Geschlechtshormonen beeinflußt – Wasser in den körpereigenen Zellen ist nur eine der Möglichkeiten. Tatsache ist jedoch, daß der Eierstock über die Hormone die weiblichen Formen bestimmt und für jene Rundungen mitverantwortlich ist, die der Frau gegeben sind.

An der weiblichen Silhouette sind aber – neben dem Östrogen – auch noch andere Mechanismen beteiligt. Auch das Gelbkörperhormon Progesteron ist in die Schwangerschaft und Fortpflanzung involviert und auch dieses Hormon vergrößert die Fettzellen der Frau. Damit werden wichtige Energiereservoirs für die Schwangerschaft angelegt, aber auch Ressourçen für die darauffolgende Laktation (Milchbildung) bereitgestellt. Über diesen Progesteronmechanismus wird also das körperliche Outfit der Frau – zusätzlich zum Östrogen, moduliert.

Der grundsätzliche äußerliche Unterschied zwischen weiblichem und männlichem Körper beruht auf diesem Hormoneffekt, dessen verstärkte Wirkung – egal in welche Richtung das Pendel ausschlägt – gefürchtet ist.

Gewicht
Durchflutet ein Übermaß an Östrogenen den weiblichen Organismus, verstärkt das die Wassereinlagerung und die Ödembildung. Außerdem nehmen dabei die frauenspezifischen Fettpölster zu, die vom weiblichen Geschlecht meist nicht goutiert werden: am Oberschenkel, am Gesäß und in der Taille. Ein Zuviel an Hormonen ist dabei genauso schlecht wie ein Zuwenig. Fehlt nämlich der Frau das Eierstockhormon, entwickelt die Natur einen betont knabenartigen Körper, der die weiblichen Laufstegmodels auszeichnet und mitunter in der Geschichte des Geschmacks seinen Stellenwert hatte, in vielen Fällen aber nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Obwohl sich über Geschmack trefflich streiten ließe, ist aus ärztlicher Sicht das hormonelle Mittelmaß – nicht zuviel, nicht zuwenig – das richtige.

Die Fetteinlagerungen, die hier beschrieben wurden, werden Glutealfett genannt. Fett macht auch einen gewissen Füllungs- und Größenstand der weiblichen Brust aus, wodurch dieser eine erotisierende Wirkung zukommt. Eine schön geformte weibliche Brust ist ein Symptom der Frische und der Jugend, beides in direkter Abhängigkeit vom Östrogen. Indirekt steht dieses auch hier wieder im Dienste der Fortpflanzung.

Jeder Gedanke daran, die figur-betonende Wirkung des Östrogens sei Selbstzweck, wäre absolut verfehlt. In Wahrheit dienen sogar die weiblichen Rundungen nur der Arterhaltung, weil nur durch sie die Gravidität und Aufzucht der Kinder sichergestellt werden können. Die Östrogene sind es nämlich auch, die weibliche Fettzellen mit jenen Triglyzeriden füllen, die zahlreiche Prozesse im weiblichen Körper mit der erforderlichen Energie versorgen. Beispielsweise benötigt der weibliche Organismus während der Schwangerschaft Höchstmengen an solcher Energie – Energie, die neues Leben formt und dieses auch noch ernährt. Im Gegensatz zu andere Säugetieren kann ein neugeborenes Kind spontan noch keine Nahrung zu sich nehmen. Das biologische Postulat verlangt es, daß im weiblichen Organismus Vorsorge für den hochenergetischen Prozeß der Nahrungsproduktion für ein Baby – und das Energiepotential für die Mutter selbst – getroffen sein muß.

Normalerweise ist das Leben auf unserem Planeten nur eindimensional konditioniert: Daß nämlich Nahrung aufgenommen und in Leistung und Energie umgewandelt wird. Den Säugetieren ist danach ein Quantensprung gelungen: Sie verbrauchen Nahrung nicht nur, sondern stellen diese auch her. Sie haben sich damit vom Blühen und Ernten der Pflanzen emanzipiert. Fortpflanzung wird damit zu jeder Jahreszeit – auch im Winter, wenn keine Erntemöglichkeit besteht – garantiert. Dem Homo sapiens gelang dann die evolutionäre Steigerung: Seine Hormone erfüllen nicht nur alle überlebensstrategischen Notwendigkeiten, diese infrastrukturellen Kriterien dienen als erotisierender Nebeneffekt gleichzeitig wiederum auch der Erhaltung der Art.

Die Energiespeicher der Frau befinden sich am Gesäß und am Oberschenkel und sie bestehen im wesentlichen aus Triglyzeriden, Fettprodukten, die der Körper dann verbraucht, wenn gestillt werden muß. Fett wird dabei in Milch umgewandelt. Das aber auch nicht zufällig, sondern nach einem genau vorherbestimmten, biologischen Plan. Mit der Vorsorge hiezu beginnt der weibliche Körper schon zu Beginn der Geschlechtsreife. In dieser Zeit der Pubertät steigt das Östrogen an und übernimmt die Verantwortung für Eisprung, Ovulation und Menstruation. Daneben formt es den Körper eines Kindes in den einer Frau um: Es entstehen dabei jene typischen weiblichen Rundungen, die den fraulichen Körper so attraktiv machen.

Das aber war nicht die ursprüngliche Intention der weiblichen Evolution. Die Natur verfolgte nur die eine Absicht, über die Fortpflanzung die Art zu erhalten und damit auf möglichst lange Zeit die Spezies Homo sapiens zu etablieren und zu gewährleisten. Die später aufkeimenden Gelüste des Mannes waren dabei gewissermaßen nur der unbeabsichtigte Nebeneffekt. Die nicht erotische Komponente des ursprünglichen Evolutionsplanes ist dadurch gekennzeichnet, daß die Fettreserven am Oberschenkel und am Gesäß zunächst nur den einen Sinn hatten, Kinder zu ernähren, die Nachkommen zu versorgen und somit eines der wichtigsten Postulate der Biologie zu erfüllen. Der erotisierende Effekt des Gesäß- und Oberschenkelfettes wurde erst viel später entdeckt, zuletzt von der plakativen Werbung. Dabei wird unterschwellig ein uralter Reflex ausgenützt. Das männliche Säugetier erkennt am Zustand der Gluteal- und Oberschenkelfettpakete des Muttertieres, ob die Jungen gut oder schlecht aufgezogen werden können und wie deren Überlebenschancen aussehen. Das Gehirn von Säugern ist seit Jahrmillionen auf diesen prüfenden Blick der Männchen auf die Fettregionen des Weibchens konditioniert – ein Artverhalten, das auch auf den Menschen übergegangen ist. Der begehrliche Blick des Mannes auf diese speziellen Regionen des weiblichen Körpers ist somit keine Versündigung, sondern perfekt artgerechtes Verhalten eines hohen Säugetieres. Wenn in der Hierarchie der Blicke des Mannes primär die Gesäßregion einer Frau angestarrt wird, dann steckt ein uralter Imperativ dahinter, den die Verhaltensforschung so interpretiert: Der Mann verschafft sich durch diese Taxierung Informationen über das reproduktive Potential der Frau. Sind die Fettzellen von Oberschenkel und Gesäß ausreichend gefüllt, dann kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit daraus schließen, daß die Frau ihr Neugeborenes ernähren und durchbringen kann. Ob überschießende Fettmassen diese Gewißheit potenzieren oder beim Mann einen gegenteiligen Effekt bewirken, hängt wohl von der persönlichen Geschmackslage ab.

Je komplizierter ein Mechanismus ist, desto störanfälliger ist er auch. Manche Frauen reagieren auf Hormonstörungen mit einem übermäßigen Anbau von Fettzellen in diesen Regionen des weiblichen Körpers. Dabei kommt es zu bemerkenswerten Kollisionen innerhalb des weiblichen Haushaltes. Denn hormonell bedingte Fettansammlungen bedeuten zwangsläufig auch Gewichtsprobleme. Andererseits werden Fettpolster am Hinterteil und an den Oberschenkeln vom Körper besonders sorgsam gehütet, wurden diese Teile von der Evolution ja als besonders wichtig klassifiziert.

Das Opfer dieser skurrilen Widerstreitigkeiten ist die Frau: Sie leidet unter dem Übergewicht – und setzt alles in Bewegung, um das lästige Fett wegzubekommen. Sie nimmt zahllose (nur wenig sinnvolle) Abmagerungskuren auf sich, sie fastet, sie betreibt Sport und kann sich zuletzt über den Erfolg dieser Torturen nur noch wundern. Sie nimmt überall ab, nur nicht dort, wo sie will – und soll: am Gesäß. Es ist so, als hätte die Natur ausgerechnet um diesen Körperteil einen eisernen Käfig herumgebaut, dessen einziger Zweck es ist, die volle Integrität der prallen Fettansammlungen zu erhalten.

Die Abhilfe aus diesem Dilemma kann nur der Frauenarzt schaffen, der eine genau dosierte Hormontherapie einleiten wird.

Brust
Das Östrogen ist auch am Aufbau der weiblichen Brust mitbeteiligt. Dort wirkt ein ähnlicher Mechanismus wie bei Gesäß und Oberschenkeln. Auf das Brustgewebe wirken die gleichen Sexualsteroide ein. Frauen, die im Zuge einer Hormonersatztherapie irrtümlich zuviel Östrogene zu sich nehmen, merken die Wirkung sofort: Die Brust wird größer, sie spannt und mitunter schmerzt sie auch. Das Östrogen nimmt auch in der Brust eine Wassereinlagerung vor und es vergrößert auch die Fettzellen, was zur Schaffung eines in der Brust angelegten Fettreservoirs führt.

Eine Frage des Sexappeals ist die Brust der Frau allemal. Ihr kommt längst ein ganz besonderer Symbolcharakter zu, der die ursprünglichen Intentionen der Evolution längst verdrängt hat. Der weiblichen Brust kommt eine sehr wichtige tiefenpsychologische Façette zu: Die Brust ernährt das Kind – und somit den Garanten für die Altersvorsorge. Aus evolutionärer Sicht ist damit die Erhaltung des Homo sapiens verbunden. Dadurch wurde dieses Organ zum Synonym für Weiblichkeit, Erotik, Attraktivität und die Anziehung des männlichen Geschlechtes. Die weibliche Brust zählt daher zu den entscheidenden Fortpflanzungs- und Reproduktionskriterien des menschlichen Geschlechts.

Die weibliche Brust ist in der Lage, selbständig Hormone herzustellen. Sie kann Östrogene bilden, welche die Brust belasten, wenn sie in zu hohen Dosen sensibilisiert werden. Allerdings stellt die weibliche Brust auch »Antihormone« her, mit besonderen männlichen Wirkstoffgruppen, welche den Effekt der Östrogene wieder in Schach halten. Das Gleichgewicht dieser beiden Hormongruppen ist für die Frauengesundheit von großer Bedeutung und wird zunehmend auch zur Erkennung der gefährdeten Brust eingesetzt

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