Erfahrungsbericht Cerclage

Hallo ihr Lieben,

ich möchte hier meine Erfahrungen mit der Cerclage schildern. Als es hieß, dass ich eine bekommen muss, habe ich selbst sehr viel gegoogelt und auch hier gelesen und es hat mir sehr geholfen. Ich hoffe, dass mein Erfahrungsbericht auch hilfreich sein wird. Gleichzeitig hoffe ich, dass keine von euch diesen Bericht braucht.

Ich könnte viel dazu schreiben; die gesamte Geschichte hat sich über Monate hingezogen. Ich versuche mich auf das Wesentliche zu reduzieren, daher sorry, falls es teilweise oberflächlich klingen sollte.

Es ging damit los, dass bei dem Organultraschall in der 20-ten Woche nebenbei festgestellt wurde, dass mein Muttermund sich verkürzt (ca. 2 cm) und sich bereits ein Trichter gebildet hat. Am nächsten Tag war ich bei meiner Ärztin und ich war bereits bei 1,8 cm. Meine Ärztin hat mich nach Hause geschickt und Bettruhe verordnet. Sie meinte, ich soll in einer Woche wieder vorstellig werden. Ich war sehr verängstigt und weil es bei mir ja scheinbar so schnell runter ging, 0,2 cm pro Tag, habe ich mir ausgerechnet, dass in einer Woche gar nichts mehr übrig bleiben würde. Daher ging ich drei Tage später nochmals zu ihr. Da lag ich bei 1,3 cm und sie hat mich sofort in die Klinik überwiesen. In der Klinik wurde ich übrigens gefragt, warum ich erst so spät gekommen bin. Was ich hier unterm Strich denke: ich bedauere, dass ich nicht bereits eine Woche früher ein Ultraschall gemacht habe. Den müsste ich selbst zahlen und das wollte ich schon fast, habe aber eingeredet bekommen, dass ich übervorsichtig bin. Ja, es ist noch nicht erforscht, ob Ultraschall für den Fötus schädlich ist. Ich denke aber, wenn ich in dem Fall früher gewusst hätte, dass mein Muttermund sich öffnet, so könnte ich mich schon viel früher schonen und wäre bereits viel früher in die Klinik gegangen. Auch bin ich froh, dass ich nicht auf meine Ärztin gehört habe und bereits viel früher vorstellig wurde. In der Klinik wird man bei Bedarf täglich überwacht und es ist fast jederzeit eine NotOP möglich. Die Aussagen der jeweiligen Frauenärzte genieße ich ab jetzt mit Vorsicht.

In der Klinik ging es mit meinem Muttermund noch rasanter runter. Die Ärzte haben sich im ersten Schritt für den Cerclage Pessar Ring entschlossen und mir eingesetzt. Nach 1-2 Tagen hat es sich gezeigt, dass der Ring nicht funktioniert und mein Muttermund nun offen steht. Es blieb nichts anderes übrig als die Cerclage.

Es wurden auch Tests auf Infektionen etc. gemacht. Es war alles in Ordnung. Letztendlich bliebt es unklar, warum mein Muttermund derart aufgegangen ist. Wehen hatte ich eigentlich keine starken.

Mental war ich am Boden zerstört. Rückwirkend wünsche ich mir, dass ich mehr Ruhe bewahren und so meinem Baby ein bisschen mehr Sicherheit geben, also für sie ein Fels in der Brandung sein könnte. Im Nachhinein weißt man natürlich immer besser… Wenn man aber in einer solchen Situation steckt und ggf. noch eine entsprechende Vorgeschichte hat, ist es definitiv nicht einfach.

Die Ärztin meinte, dass meine OP nicht einfach sein wird, weil der Muttermund schon offen ist und sie mit der Fruchtblase aufpassen muss, aber sie hatte auch bereits schwierigere OPs gemeistert und sie ist guter Dinge, dass alles klappt. Ich muss sagen, die Ärzte haben mich immer sehr gut aufgemuntert und ich fühlte mich da gut aufgehoben, auch wenn sie meist wenig Zeit hatten, so wie es in einem KK immer ist. Die OP ist gut verlaufen. Ich glaube, mal gelesen zu haben, dass einer nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor bei OPs ist, dass die Patienten dem Chirurgen vertrauen. Daher bin ich dankbar, dass die Ärzte dieses Vertrauen bei mir vorher geweckt haben. Ich hatte danach relativ starke Wehen, die sich aber zum Glück gelegt haben. Das Baby hat die Vollnarkose gut überstanden und der Herzschlag war da.

Ich wurde relativ kurzfristig danach nach Hause entlassen. Ich musste Progesteron vaginal und Nifedipin oral einnehmen. Mein Traum, eine entspannte Schwangerschaft mit gesunder natürlicher Ernährung zu haben, blieb somit ein Traum. Aber in dem Moment war ich nur froh und glücklich für jeden einzelnen Tag, den ich schwanger erlebt habe. Ich habe mir kleine Ziele gesetzt, erst die 24. Woche zu schaffen, dann die 28. und dann die 3 vorne zu haben. Ab dem Zeitpunkt, in dem mein Baby als überlebensfähig galt, konnte ich etwas ruhiger werden.

Ich musste nach der OP durchgehend liegen. Aufgestanden bin ich nur auf die Toilette/Hygiene, um kurz was zum Essen oder Trinken zu holen oder 1/2 Mal die Woche zum Duschen. Ich habe mir die Haushaltshilfe beantragt und für zwei Stunden täglich genehmigt bekommen, weil mein Partner zu dem Zeitpunkt nicht bei mir wohnte. Das war sehr hilfreich.

Wichtig in der Zeit war es, sich mental zu beruhigen. Ich konnte mich in der Zeit aufgrund des psychischen Drucks nicht sehr gut konzentrieren, also konnte ich fast gar nicht lesen (mit der Zeit und jeder geschafften Woche wurde es besser). Ich habe (leider) viel Fernsehen geguckt, weil es einen ablenkt und jeden Tag meditiert. Zusätzlich habe ich mir Häkeln/Stricken beigebracht. Dieser Beschäftigung kann man hervorragend im Liegen nachgehen, aber auch hier muss man aufpassen, dass man nicht aufgrund der Konzentration den Bauch leicht anspannt. Es hat mich von meinen teilweise düsteren Gedanken abgelenkt, jedes Mal ein kleines Ziel zu haben und es dann zu erreichen, und ich habe viele süße Sachen für meine Kleine gehäkelt/gestrickt.

Ich habe es leider nicht bis zur 40 Woche geschafft. Ich habe mich ab der 33. Woche etwas mehr bewegt und ich bin mir nicht sicher, ob ich damit Probleme selbst ausgelöst habe… In der 34. Woche bekam ich plötzlich nachts eine starke Blutung, stand kurz vor dem Notkaiserschnitt. Da sich die Blutung allerdings beruhigt hat, haben wir noch 2 Wochen durchgehalten. Meine Tochter musste per Kaiserschnitt in der 36. Woche geholt werden, weil die Blutung nie vollständig aufgehört hat und die Ärzte keine Ursache dafür finden konnten. Auch das war für mich psychisch schwer zu verkraften, da ich für mich eine natürliche Geburt wünschte. Letztendlich war ich froh und dankbar, dass meine Tochter gesund und alles vorbei war. Dafür hätte ich in der 20-ten Woche, als das passiert ist, alles gegeben und es war nun Realität.

Ich hoffe, es macht euch Mut zu lesen, dass eine solche Situation ein Happy End haben kann. Und jeder auch sehr kleiner positiver Gedanke ist in dieser Situation wichtig. Wichtig für euch und wichtig für euer Baby, was in dem Bauch schon sehr viel mitbekommt.

Vom Herzen alles Gute

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Hallo,
wollte nur kurz loswerden, dass ich es schön finde, dass du diesen Bericht verfasst hast. Ich hatte auch eine Cerclage und hab damals auch diverse Internetforen nach Erfahrungsberichten durchstöbert und war über jeden Hoffnungsschimmer dankbar.
Ich hab teilweise ähnliche Erfahrungen gemacht wie du, auch bei mir wurde zunächst ein Pessar gelegt, was aber zur weiteren Verschlechterung und Fruchtblasenprolabs geführt hat. Dann Not-Cerclage in ssw 21.
Gehalten hat sie bei mir leider nur bis 31+5, aber schon dafür war ich dankbar. Dann setzten Blutungen und letztendlich auch Wehen ein und die Cerclage wurde entfernt. Ich durfte meine Tochter auf natürliche Weise zur Welt bringen. Auch wenn 31+5 schon noch sehr früh ist, ging schlussendlich alles gut und nach 5.5 Wochen Klinik durften wir unsere Tochter gesund mit nach Hause nehmen.
Liebe Grüße

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