Verarbeitet

Hallo.
Ich habe vor 6 Monaten meinen wundervollen Sohn bekommen bei 34+1.
Ich glaube, ich bekomm das irgendwie nicht verarbeitet. Ich lag vorher schon 4 Wochen im kh und dann noch 16 Tage mit ihm. Ich denk viel an diese Situation. Ich bin unendlich traurig und muss immer an diese Angst denken, die ich um ihn gehabt habe. Ja ich weiß, alles ist gut ausgegangen und 34 SSW ist für viele ein unerreichbarer Traum. Aber mir fehlen irgendwie die letzten 6 Wochen.
Geht es jemanden genau so?
Steckt ihr das alles so einfach weg?
Liebe Grüße Marie

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Hi, ich kann dich sehr gut verstehen, ich habe vor 6 Monaten meinen Sohn in der 25+2 bekommen. Ich lag ab der 20 ssw im Krankenhaus, weil meine Blase gesprungen war... die Ängste und Sorgen die man im Vorfeld hat und auch alles was man auf der Intensivstation erlebt und mitbekommt, das hat sich bei mir auch sehr tief eingebrannt. Bei uns kam noch dazu das ich ab dem Zeitpunkt wo Corona Deutschland erreicht hat, nur noch eine Stunde am Tag zu meinem Sohn durfte. Ich war vorher von morgens bis abends da. Ich brauchte das. Ich mache mir teilweise immer noch Vorwürfe, ihn nicht bis zum Schluss in mir behalten zu können und dann einfach das Gefühl auf der Intensivstation nicht richtig Mutter sein zu dürfen und zu können mit so Besucherzeiten. Ich weiß das man selber dafür nichts kann und ich weiß auch das ich eine gute Mutter bin. Aber um das alles zu verarbeiten braucht man Zeit viel Zeit. Eine Psychologin aus der klingt sagte mir die Verarbeitung bzw. Dass das ganze Thema abflacht dauert im Schnitt 1-2 Jahre... ich bin froh wenn der Zeitpunkt kommt und man einfach wieder viel entspannter sein kann...

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Hey,
ich kann dich verstehen, weil es definitiv eine harte Zeit war... allerdings habe ich diese Gedanken zum Glück selbst nicht, eine meiner Zimmernachbarinnen von damals und mittlerweile Freundin allerdings schon.

Wir wurden allerdings auch schon im Krankenhaus vor- und nach der Geburt psychologisch betreut. Ist bei uns im KH so üblich. Das hat mir geholfen mit dem Blasensprung klar zu kommen.
Die hat mir immer gesagt ich soll alles aufschreiben. Meine Gedanken positives wie negatives.!
Ich bin nach der Geburt dazu über gegangen und habe jeden Abend Tagebuch geführt und für mich ist das nun eine Trophäe für das, was wir geschafft haben....

Vielleicht hilft es dir das alles aufzuschreiben? Das erlebte sowie deine Gefühle dazu?
Manchmal kann das den Blickwinkel verändern....

Und trotzdem würde ich vielleicht psychologische Unterstützung suchen... es ist so schade wenn du so sehr darunter leidest 🥺

Lg Sonnenblumenkerne mit Krümeline 9Monate 💝

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Ja. Ich hätte auch die Möglichkeit gehabt. Hatte aber gefühlt, die Zeit nicht. Da ich den ganzen Tag bei meinem Sohn war und ich auch im Gegensatz zu den anderen mamas luxusprobleme hatte. Da waren Mamas die wochenlang mit ihren kleinen gekämpft haben, deren Babys mehr Schläuche als alles andere hatten. Da fühlte es sich nicht richtig an, zu jammern. Alle anderen hatten es ja schwerer. Und nun sitzt ich zu Hause mit einem wundervollen ganz gut entwickelten Baby und fühle mich trotzdem schuldig und schwach. Er hat alles so gut gemeistert und mein Körper nicht. Was stimmt denn bloß nicht mit mir.

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Oh liebes!
Nur weil es immer jemanden gibt, den es härter getroffen hat, hast du doch trotzdemdein Päckchen zu tragen und deswegen ist deine Situation doch nicht weniger Wert darüber zu sprechen!!

Und du hast nicht versagt! Du hast den Baby 34 Wochen in deinem Bauch getragen, du hast das kleine mit allem versorgt dass es brauchte um Leben zu können! Du hast im Krankenhaus gekämpft. 💪🏽
Du bist genauso stark wie dein Kind, das musst du nur verstehen!

Und woher weißt du dass es nicht einen Sinn hatte? Vielleicht hat dein Körper auch ganz genau das richtige gemacht um den Baby zu beschützen!

Liebe Grüße, Sonnenblumenkerne mit Krümeline 9 Monate 💝 (geboren bei 33+6)

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Hallo,

Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen.

Mein erstes Kind habe ich 9 Tage nach ET bekommen. Mein zweites Kind kam bei 32+3 nach plötzlichem Blasensprung auf die Welt.

Ich kenne beide Seiten wie es ist ein Frühchen zu haben und ein Termingeborenes Baby.

Ich habe leider auch lange lange mit dem zu kämpfen gehabt. Immer diese Selbstvorwürfe wieso er so leiden musste nach seiner Geburt und was ich wohl „falsch“ gemacht habe das er nicht länger in meinem Bauch sein durfte.

Heute ist er 1.5 Jahre alt und wir hatten letzte Woche eine Entwicklungskontrolle (Wir sind aus der Schweiz)

Er war wirklich top, Grösse und Gewicht auf höchster Perzentile (unkorrigiert) und er hat auch alle Tests super gemeistert.

Jeden Tag sehe ich wie gut es ihm geht, das er so motiviert und so fröhlich ist und jeden Tag macht er mich so verdammt stolz.

Ich mache mir immer wieder bewusst das es Vergangenheit ist. Er hatte vielleicht einen schwierigeren Start als andere Babys aber diese Zeit ist jetzt vorbei.

Die Zeit heilt alle Wunden.

Mach dir nicht so viel Druck, du bist nicht alleine mit deinen Gedanken, es geht sehr vielen Frühchen Mamas so.

Ich wünsche euch alles gute 🍀

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Hallo,
unsere erste Tochter lag nach der Geburt 3,5 Wochen auf verschiedenen Kinderintensivstationen in verschiedenen Häusern. Vorallem im ersten Haus lief vieles - ich sag es mal demokratisch - wie es nicht laufen sollte. Dazu war es noch eine "Massenintensiv" mit 3-8 Betten pro Zimmer. Es ging immer irgendein Alarm runter, es war laut und eben "Massenabfertigung", die Ärzte waren kaum zu bekommen (ein Gespräch als solchige gab es mit uns nur sehr sehr selten), es wurden Fehler und mE unzumutbare Behandlungen (Legen eines Zugangs über 45min ohne Unterbrechung im 6er Zimmer, viele andere Eltern auch da, die Kleine hat die ganze Zeit geschrien, die Schwester wollte unterbrechen, die Ärztin hat weiter gemacht, irgendwann ist die Schwester einfach gegangen, die Ärztin gefolgt und ich war allein; Transport in die UniKlinik versprochen (morgens) erst abends hat sich jemand (trotz mehfacher Nachfragen) drum gekümmert ohne erfolg. Letztendlich habe ich sie selber gefahren. Chefarzt will uns Samstag entlassen, junger Arzt sagt "blos nicht, die kleine kann jeder Zeit einen Ermüdungsinfakrt erleiden (Atmung <140)", dank netter Oberärztin am Vortag eben Termin an Uniklinik und Transport versprochen (SIe gab zu, dass Sie nicht weiter weiß). Auch leider mehrere Kinder im Todeskampf erlebt. Und das war noch lange nicht alles. In der Uniklinik erst mal "angemacht" worden, warum ich selber gefahren bin und warum wir nur ambulant da sind. Egal, zum Glück waren die Schwestern im ersten Haus wenigstens nett und bemüht.
Das ganze hat zum Glück ein gutes Ende genommen.
Verarbeitet habe ich das ganze, obwohl schon über drei Jahre her, noch nicht. Glaube auch nicht daran, dass ich das irgendwann habe. Der Satz "sowas wünscht man seinem größten Feind nicht" hat seit dem für mich eine ganz andere Bedeutung.
Ich versuche viel darüber zu reden, werde aber meist abgewürgt. Bei den Zwillingen sind wir "proaktiv" geworden, sind im Umkreis alle Häuser im Radius von ca 150km abgefahren, damit uns sowas nicht wieder passiert. Hatten dann Glück, weil die Schwangerschaft sich zur Höchstrisikoschwangerschaft entwickelt hat, und bei den vorzeitigen Wehen alle Adressen schon da waren. In dieser Klinik war die Neo2 Zimmer Einzelzimmer mit Rooming in, der Alarm wurde zentral kontrolliert, d.h. man hatte Ruhe. Es gab mehrere Arztgespräche pro Tag und man hatte den Eindruck, sie wissen was sie tun und was zu tun ist. Trotzdem steckt das erste Neo-Erlebnis mir immernoch in den Knochen.

Hoffe, ich konnte ein bisschen Helfen. Gruß

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Hallo,
soll heißen Atmung > 140

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Ich muss sagen, dass bei uns die frühchenstation echt Top war. Richtige nette Schwestern. Und die Ärzte waren auch gut.
Aber ich weiß genau was du meinst mit abgewürgt werden, alle sagen zu mir... jetzt ist doch alles gut. Ja bei meinem Sohn ist alles gut und ich bin glücklich ihn zu haben. Aber in mir ist noch dieser sturm. Und er wird zur Zeit stärker anstatt schwächer.
Hast du mal ne Therapie gemacht?
Liebe Grüße Marie

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Hallo Marie,
Mit geht es genauso. Meine Tochter kam im Juni 2018 bei 33 +6 spontan zur Welt, ich hatte unbemerkt einen Blasensprung, an einem Freitag hatte ich dann wehen, 12 h später war sie geboren.

Anfang August 2020 kam nun mein Sohn bei 35+0SSW. Auch spontan zur Welt. Dieses mal lief das Fruchtwasser abends um 23 Uhr, ich hab es also bemerkt, das war nicht aufzuhalten. Ca 10 Std war er da.

Was mir zu schaffen macht, ist das nicht stillen können. Ich lege ihn zwar an, und er saugt ca 10 min, schläft dann aber ein.
D.h. er bekommt die abgepumpte muttermilch aus der Flasche.
Ich weiß nur nicht wielange ich es noch schaffen werde jede 3-4 Std abzupumpen.
Bis jetzt war mein Mann auch zuhause und konnte sich um die große kümmern, ab morgen geht er wieder arbeiten.

Ich höre schon die anderen, "was, du stillst nicht", das Stillen ist doch das beste fürs kind" vorallem meine mutter, sie hat es einfach nicht verstanden, dass meine Tochter damals die Flasche mit pre Milch bekommen hat,, und ich wenig Milch hatte. "das kann nicht sein, jede Frau hat genug für ihr Kind"
Das hat sie damals ständig gesagt, dass Klara aber wenig Kraft hatte, das hat sie nicht verstanden :( das macht mich traurig und manchmal kommen mir noch die Tränen. :((
Richtig wegstecken kann man das fehlende nicht. Ich glaub das wird immer so bleiben. Genauso, dass mir das stillen wieder genommen wird.
Alles Gute, LG

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Hallo,
kleiner Tipp zum Thema abpumpen:
- Netzstrumpf breit um die Brust
- kleine Pumpe (gibts für ca- 15€ im Netz) und Medela-Abpumpset unter das Netz
- Powerbank für Pumpe in Hosentasche
- Abpumpvorrichtung unter Netz anlegen
=> Man kann jetzt nebenher abpumpen. Nicht bei allem, aber bei sehr vielem.

Gruß

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Hy.

Ich kann dich sehr gut verstehen.

Mein Sohn ist mittlerweile 3,5 Jahre alt und ich habe immer noch damit zu kämpfen.

Er kam bei 25+2 und die Ärzte sagen es ist ein Wunder das er überhaupt lebt. Er hat uns alle ziemlich am Rand der Nerven gebracht. Selbst die Ärzte, er hat Erkrankungen gezeigt, die noch nie bei einem frühchen diagnostiziert wurden. Zudem hat er alle an Komplikationen mitgenommen.

Er hat sein Päckchen zu tragen und ist leider auch nicht ohne Folgeschäden.

Aber er ist glücklich, kann laufen und lacht super viel und macht Blödsinn.

Ich saß nicht nur in den über 5 Monaten nach der Geburt so oft an seinem Bett und wusste nicht wie es weiter geht. Habe so oft die Ärzte ratlos gesehen, da er auf keine Therapie angesprungen ist.

Es gab da wirklich ganz viele schreckliche Momente, wo er und ich um sein Leben gekämpft haben.

Er hatte mal in einer Nacht als wir stationär waren einen lungenkollaps obwohl alles besser war.

Es war eine echt harte Nacht. Ich saß an seinem Bett und habe verzweifelt die masken gehalten, damit er Sauerstoff bekommt und ihn immer wieder animiert zu atmen während die Schwestern und Ärzte alles weitere aufgebaut haben.

Ich habe so oft gehört, dass er es nun alleine schaffen muss, dass die Ärzte nichts mehr machen können.

Und so oft saß ich weinend an seinem Bett.

Mich belastet das ganze sehr stark, so dass ich mich bewusst in Therapie begeben habe. Da ich auch Probleme damit habe, ihn durch andere ( selbst Familie) betreuen zu lassen.

Aber das hat noch mehr Gründe.

Deine Gedanken sind vollkommen natürlich. Es ist das schlimmste wenn man Angst um sein Kind haben muss.

Dabei ist es auch völlig egal ob es nach der Geburt "nur" auf die kinderstation muss weil der Zuckerwert nicht stimmt oder so wie bei uns es wirklich um Leben und Tod ging.

Man wünscht es sich einfach ganz anders und möchte sein Baby bei sich haben und macht sich Sorgen.

Man muss nur schauen, dass diese nicht zu stark werden und sonst sich das eingestehen und sich Hilfe holen.

Ich wünsche euch alles Gute

Liebe Grüße

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Hallo Marie,
ich denke, dass deine Gefühle normal und auch berechtigt sind. Die Hormone machen es wahrscheinlich gerade auch nicht besser ;-)
Hast Du jemanden, mit dem Du darüber reden kannst? Leider mögen viele wie Partner, Freunde, etc nach einer Weile nichts mehr davon hören, ist ja gut ausgegangen...Ggf. weiß Deine Hebamme jemanden (z.B. Psychotherapeutin, eine auf diesem Gebiet kundige andere Hebamme, Emotionelle erste Hilfe, ....)?
Ich hatte bei meinem ersten Kind lange mit dem Kaiserschnitt zu kämpfen, fühlte mich nicht als "richtige" Mutter, weil ich mein Kind nicht selbst gebären konnte. Danach hatte ich in der 20. SSW eine stille Geburt. Vor 8 Monaten kam dann unser Regenbogenbaby gesund zur Welt. Ich trauere immer noch sehr um unser Sternenkind, aber das mag auch keiner mehr hören, hab jetzt ja ein gesundes Baby....
Lange Rede kurzer Sinn: suche jemanden, mit dem Du dich austauschen und auch immer wieder über deine Gefühle reden kannst!!!
Herzliche Grüße & alles Gute

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Hi, ich hab letzten Donnerstag bei 34+3 meinen Sohn bekommen. Ich überlege wirklich, ob ich nach dem Krankenhaus mal zu einer Beratung gehen soll. Erst die schlimme Geburt, dann die vielen ausgestandenen Ängste und jetzt die Zeit auf der Frühchenstation. Es ist mir einfach alles ein wenig viel. Gut ich befinde mich gerade im Wochenbett, wo man ja durch die Hormone etwas angeschlagen ist. Ich könnte aber nur noch heulen.

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Hey.
Ja mach das bloß. Ich hab es verpennt in kh zur Beratung zu gehen, weil ich so platt war. Ich glaube, mir hätte das was gebracht.
Wenn du mal ein bisschen Austausch, jetzt oder später möchtest - schreib mir ruhig.

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