Einschulung

Hallo!

Mein Sohn kam im April 2013 in der 27 SSW nach einem Notkaiserschnitt zur Welt, ET wäre im Juli gewesen. Zwei Monate wussten wir nicht, ob er es schaffen wird und in welchem Zustand wir ihn mit nach Hause nehmen dürfen.
Laut Kinderarzt (Neonatologe), Kiga und unserer Einschätzung hat er alles wunderbar aufgeholt, davon abgesehen, dass er sehr zierlich ist (112cm, 17kg).
Wir haben wegen seiner Einschulung, die in RLP regulär im August 2019 ist, immer einen engen Austausch zum Kiga und KA gesucht. Vor zwei Wochen haben wir ihn beim Schularzt vorgestellt. Ergebnis: Volle Punktzahl in allen Bereichen, kognitiv fit. Dann sprach die Ärztin eine mögliche Rückstellung an. Sie könne seine emotionale Entwicklung nicht beurteilen, Frühchen hätten aber generell größere Anpassungsprobleme und daher sollten wir dies im Hinterkopf haben.
Wir sind super glücklich und freuen uns mit unserem Sohn, dass es ihm so gut geht. Vor allem mein Mann hat nie daran gezweifelt, dass wir ihn regulär einschulen sollten. Er ist wissbegierig, aufgeweckt und interessiert. Kann sich toll auf eine Sache konzentrieren. Er ist für sein Alter sehr reflektiert, kann sein Gefühlsleben gut artikulieren. Ist nachdenklich, hinterfragt viel und nimmt sich relativ viel zu Herzen. Seine Freunde sind sehr wichtig für ihn, stabilisieren ihn. Die sind Etwas Nachholbedarf hat er unserer Ansicht nach im feinmotorischen Bereich, z. B. Ausschneiden. Stifthaltung etc. ist in Ordnung.
Klingt alles super, oder? Warum sitze ich dann seit Tagen hier und weine? Sehe, wenn ich die Augen schließe nicht meinen fitten Sohn, sondern spüre das kleine 800g schwere Frühchen auf meiner Brust liegen? Höre das Piepsen der Geräte, rieche das Desinfektionsmittel, spüre eine tiefe Verzweiflung, die mich nachts nicht schlafen lässt?
Ich überlege nonstop, ob eine Einschulung zum jetzigen diesem Sommer die richtige Entscheidung ist. Ob er emotional wirklich stabil genug ist. Er kann sich gut von mir Lösen, Konflikte mit seinen Freunden austragen, aber teilweise fehlt es manchmal am Selbstvertrauen. Das liegt meiner Ansicht auch daran, dass seine engsten Freunde alle September-Mann/Oktoberkinder sind, die 8 cm größer und 4-5 kg schwerer sind. Und da kann er halt nicht immer mithalten, auch wenn er es versucht. Würde er sich mit Gleichaltrigen vergleichen, wäre das weniger das Problem.
Welche Möglichkeiten gibt es? Einschulung zum regulären Termin im Sommer mit all seinen Freunden. Sein Kiga ist sehr klein, es gibt im Alter von 3-6 Jahren 34 Kinder. Von denen gehen dieses Jahr 16 in die Schule. Egal in welche Klasse er käme, hätte er bekannte Gesichter und auf dem Schulhof seine Freunde.
Alternative: Zurückstellung: Einschulung mit 7 Jahren und 4 Monaten, Verbleib im Kindergarten als mit Abstand ältestes Kind. Ihm folgte eine Gruppe Mädchen, die alle mindestens 6 Monate jünger sind, es gibt dann noch drei Jungen, die jetzt so langsam 5 Jahre werden. Passt von der Körpergröße, nicht aber von der Entwicklung.
Preisfrage: Mehr Selbstvertrauen täte ihm gut. Erlangt er das eher durch die Einschulung,weil wir es ihm zutrauen und ihn bei seinem Weg unterstützen (gehen mit ihm viel klettern, schwimmen, wollte ihn beim Taekwondo anmelden), er mit seinen Freunden gehen darf, was Kiga und Arzt auch befürworten. Oder sollte er noch im Kiga bleiben, obwohl Kinder, die 5 Monate jünger und nicht weiter als er sind, in die Schule gehen und das für ihn auch nicht transparent wäre.
Wir haben im Kiga das offene Konzept, jeder kann machen, was er möchte, eine Förderung findet nicht statt.
Mit Lehrern zu sprechen bringt mich nicht weiter. Ich bin Lehrerin, mein Mann ist Lehrer, die Schwiegereltern sind Lehrer,... Es gibt so unterschiedliche Schülerbiografien,.. Uns fehlt die Distanz, ich verspüre nur Angst, die ich vor meinem Sohn verstecke. .
Ich möchte einfach, dass es dem kleinen Mann gut geht und er einen schönen Schulbeginn hat und im richtigen Rahmen unterstützt wird. Ich habe Angst, dass er aufgrund seiner Größe Probleme bekommt, möchte ihn beschützen und kann ihn so schlecht loslasse n. Das war vor der Schulärztinnen kein Problem.
Was will er? Er freut sich nicht auf die Schule, weil da so viel Unbekanntes ist. Besuche dort im Rahmen der Kita-Aktivitäten haben ihm gut gefallen. Er möchte gerne lesen lernen und nicht als Baby im Kiga zurückbleiben. Er spielt immer wieder Schulkind, stellt aber von sich aus Schule betreffend keine Fragen etc.
Ich bin aufgrund eines Bänderrisses seit Monaten daheim, ohne Aufgabe, kann mich nonstop mit dem Thema beschäftigen. Mein Mann meinte, dass er unseren Sohn als völlig normal empfindet und glaubt, dass ich die emotional Instabile sei, die möglicherweise noch ein paar Sachen aufarbeiten muss. Vielleicht ist das so.
Dieser Post ist schrecklich lang, entschuldigt bitte, aber ich bin von meinen Gefühlen so überfordert.
Ganz liebe Grüße und danke für eure Antworten.

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Hey,
Kurz und knapp, wie du ihn beschreibst ist er ein ganz normales Vorschulkind. Selbstvertrauen? Das ist auch einfach eine charakteristische Eigenschaft, es heißt nicht, dass er in einem Jahr mehr davon hat.
Wenn er sich auf die Schule freut und es ihm Spaß macht schon mal dort zu sein, lesen lernen möchte usw, dann spricht doch nichts dagegen. Hätte er absolut noch keine Lust, große Angst davor würde ich ihn zurückstellen.
Wenn es wirklich nicht klappen sollte, dann kann er die 1. Klasse auch einfach wiederholen.
Ich denke ein weiteres Jahr im Kiga würde ihn eher unglücklich machen und ihn unter anderem auch sehr langweilen.( Wenn er mit Abstand dann der Älteste ist)
Gib ihm das Vertrauen, die Unterstützung und Hilfe, dann wird er seinen Weg gehen 😃
Liebe Grüße

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Hallo!

Fühl Dich erstmal feste gedrückt! #liebdrueck

Ich kann Dich sooo gut verstehen...

Mir ging es nicht anders. Mein Frühchen ( 32 SSW 1810g) war nicht ganz so winzig wie Deines, aber es ist unendlich schwer loszulassen.
Heute ist mein "Frühchen" fast 21 Jahre alt und ein erwachsener, junger Mann der uns unendlich stolz macht.

Was Du brauchst ist Hilfe für Dich selbst.

Wir haben ein traumatisches Erlebnis durchgemacht und vor aller Sorge um den Winzling vergessen, auf uns zu achten.

Schau mal in Deiner Stadt ob es von der Kirche/Caritas oder ähnlichem eine Beratungsstelle gibt.

Hol Dir dort einen Termin und rede mal mit jemandem Aussenstehenden.

Nein, Du hast keinen an der Murmel ;-) aber mir hat das damals sehr gut geholfen.

Alle anderen in Deinem Umfeld sind ja auch involviert in die Geschichte Deines Kindes. Und manchmal tut es sehr gut, mal einen Blick "von aussen" auf die Sache zu werfen.

Als mein Sohn vor fast 2 Jahren auszog, war ich das heulende Elend.

Das hört nie auf, dass man immer das kleine, schutzbedürftige Wesen sieht. Aber es wird besser.

Mit jedem Schritt nach vorne den die Kinder tun gelingt es uns, einen Millimeter loszulassen. #verliebt

Trau Dich, Du schaffst das. Und Dein Zwerg sowieso!

Alles liebe für Euch!

misses_b

3

Hallo,
Ich habe kein frühchen und kann mir auch nicht vorstellen wie es sich anfühlt eines zu haben, aber ich arbeite mit kindern und habe schon häufig erlebt, dass kinder ohne ihre freunde in der kita "zurück bleiben". Das ist ganz schlimm für diese kinder da sie damit ihre bezugsgruppe verlieren. In fällen wo ich sehe, dass die kinder noch nicht so weit sind ist es gut wenn sie noch zeit haben. Aber so wie du schreibst ist er ja fit und auch bereit für die schule und so ein weiteres jahr in der kita kann für ihn seeehr lang werden und langweilig. Ich denke wenn auch von ärzte und kita seite die einschulung empfohlen wird, dann vertrau i dein kleines großes kämpferchen. Er wird an seinen aufgaben wachsen und auch aelbstvertrauen entwickelt sich mit positiv bewältigten herausforderungen. Und da ihr ja auch alle lehrer seid, dann könnt ihr euer kind ja auch methodisch-didaktisch optimal bei den schularbeiten unterstützen.

Lg

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Danke für eure tollen Antworten. Ich habe mir einen Termin bei der Caritas geholt und versuche, erstmal den Druck von mir zu nehmen.
Ganz liebe Grüße und danke!

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Ich bin auch Lehrerin. Aktuell 1. Klasse Antworte mal als Außenstehender.
So wie du ihn beschreibst: schult ein! Ich sehe das Problem eher bei dir. Du hast zu Recht Probleme dich zu lösen..es wird alles gut, wirst sehen!

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Hallo du.

Ich habe kein Frühchen, bin nur zufällig auf deinen Beitrag hier gestoßen.

Nachdem ich deinen Text gelesen habe, muss ich leider deinem Mann zustimmen, für mich hört es sich auch so an, als ob du diejenige mit dem Problem wärst, was nach allem, was ihr offensichtlich mit eurem Sohn damals durchgemacht habt, nicht wirklich verwunderlich ist.
Es ist oft so, dass bei solchen tiefgreifenden Veränderungen im Leben, wie sie die Einschulung für euer Kind und euch ist, solche Erfahrungen wieder mit Macht hochkommen, gerade, wenn sie damals nicht genügend verarbeitet wurden.
Ich würde dir raten, dir Hilfe zu holen und daran nochma zu arbeiten.

Wie du deinen Sohn beschreibst hört sich das für mich nach einem ganz normalen vorschulkind an und ihr tut ihm keinen Gefallen, wenn er ohne seine Freunde im kiga zurückbleibenden muss, das würde seinem Selbstbewusstsein in meinen Augen eher schaden, als der kleinste in seiner Klasse zu sein.

Lg waldfee

7

Dein Sohn scheint ein ganz normales Vorschulkind zu sein. Ich bin sicher, 95% der Kinder haben bei der Einschulung noch in irgendeinem Bereich Schwächen. Die anderen sind auch nicht perfekt.

Lass ihn mit seinen Freunden zur Schule gehen. Das schafft er bestimmt, der hat doch schon ganz anderes geschafft. Und du wirst platzen vor Stolz, wenn dein kleines Wunder dir das erste Mal aus einem Buch vorliest.

8

Auch Frühchen Mama, 28. Woche unser Kind ist noch nicht mal 3 Jahre alt und super gut drauf. In manchen Dingen auch besser als Gleichaltrige.

Aber ich hab über die Einschulung auch schon nachgedacht. Diese Frühgeburt sitzt super tief in unseren Köpfen, um nicht von Trauma zu sprechen.

Daher finde ich deinen Gedankengang nicht verwerflich. Sondern denke, dass viele Eltern von normalgeborenen Kindern sie häufig ein Jahr zurück nehmen, damit sie länger spielen können. Der Stress in der Schule kommt noch früh genug.

Ich habe also keinen Rat, nur den Hinweis, du bist nicht allein. Ich nehme an Vorschulen gibt es bei euch nicht ...
Und tatsächlich, egal wie ihr es macht, es wird richtig sein.

Alles Liebe.

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