Lebensfähig oder nicht?

Hallo zusammen,

ich habe vor kurzen schon einen Beitrag ins Schwangerschaftsforum gesetzt, weil ich vermutlich blad die folgenschwerste Entscheidung meines Leben treffen muss:

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=complete&bid=2&tid=631932

Hier nochmal die Kuzfassung: Aufgrund eines Feinultraschallbefundes in der 11. SSW ("zu kleiner Embryo", "amorphe Embryonalstruktur" - man kann noch nicht mal zwischen Kopf und Körperchen unterscheiden, "Amnion zusammengefallen") hat mir der Arzt geraten die Schwangerschaft abbrechen zu lassen, weil das Kind seiner Meinung nach nicht überlebensfähig ist. Aber noch lebt es - sein Herz schägt kräftig.

Ich hätte nie gedacht, dass ich über eine Abtreibung jemals auch nur nachdenken würde, weil ich es grundsätzlich ablehne als Mensch über das Leben eines anderen Menschen zu entscheiden. Andererseits möchte ich dieses Kind nicht zur Welt bringen - falls es überhaupt so lange bei uns bleibt - nur um es dann der modernen Gerätemedizin auzuliefern. Das ist doch kein menschenwürdiges Leben!

Noch kann ich diese Entscheidung aufschieben weil mein nächster Kontrolltermin erst in zwei Wochen ist - der Arzt hatte zwar empfohlen damit nur ein paar Tage zu warten, aber es geht hier schließlich um ein Menschenleben! Solange kann ich noch hoffen, dass entweder der Befund dann deutlich besser ausfällt weil man mehr sehen kann (bin dann SSW 12+6) oder das Kleine sich bis dahin selbst entscheidet zu gehen. Ich bin überzeugt, dass es schon einen Grund gibt, warum die meisten Fehlgeburten in den ersten 12 Wochen passieren.

Um diese Wartezeit besser überstehen zu können würde es mir sehr helfen, wenn mir jemand antworten würde, der etwas ähnliches Erlebt hat. Vielleicht hatte ja schon jemand eine ähnlich schlechte Diagnose in der Frühschwangerschaft, die sich dann als nicht richtig herausgestellt hat?
Vielleicht kennt auch jemand einen weiteren Spezialisten im Raum München, bei dem ich eine zweite Meinung einholen könnte? Bei der "Pränatal-Medizin" am Rotkreuzplatz war ich schon.

Vielen Dank,
Doris

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Hallo Doris!

Die Aussagen "zu kleiner Embryo", "amorphe Embryonalstruktur" und "Amnion zusammengefallen" klingen nicht gut, allerdings würde es mich interessieren, ob dein Arzt nicht irgendeinen konkreten Verdacht hat, wodurch es zu diesen Abweichungen gekommen ist. Immerhin schlägt das Herz und das bedeutet für mich irgendwie schon, dass nicht alles verloren ist.

Gehen wir davon aus, dass es natürlich eine Menge Fehlbildungen und Behinderungen gibt, die zu zum Teil schweren Entwicklungsstörungen führen. Bei vielen davon überlebt das Kind die Schwangerschaft nicht, bei manchen schon. Ich glaube, ich für mich persönlich würde auf eine Diagnose warten, die über die doch recht schwammigen Begriffe "zu kleiner Embryo", "amorphe Embryonalstruktur" und "Amnion zusammengefallen" hinausgeht und zu der ich Fakten sammeln kann. Das würde mir helfen, mich zu entscheiden, ob ich die Schwangerschaft fortführen möchte oder nicht.

Die 12. Woche ist noch vergleichsweise früh in der Schwangerschaft und vieles lässt sich noch nicht so genau einschätzen. Ist nicht ganz ein passendes Beispiel, aber hier habe ich vor einiger Zeit mal den vorgeburtlichen Gang einer Herzfehlerdiagnose beim Kind einer Bekannten nachgezeichnet. Interessant sind die Unterschiede in Kleinigkeiten, die aber in Bezug auf die Prognose enorme Unterschiede machen: http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&bid=2&tid=607728&pid=3906907

Ich glaube, ich würde wie du auch schon geplant hast, noch mindestens eine zweite Meinung einholen, vielleicht sogar die Inanspruchnahme der Chorionzottenbiopie in Erwägung ziehen, um deren diagnostische Möglichkeiten zu nutzen (http://www.regenbogenzeiten.de/chorion.html). Bis es für einen normalen Abbruch zu spät ist, sind es noch ein paar Wochen, erst recht wenn das Kleinchen nicht gut wächst. Erst ab einer bestimmten Größe des Babys muss es auf normalem Weg geboren werden. Und so schlimm das auch klingt – für manche Eltern ist es für ihre Trauerverarbeitung sehr hilfreich, ihr Kind auch wenn es tot zur Welt gekommen ist, zu sehen und sich dann von ihm zu verabschieden... (http://www.regenbogenzeiten.de/abbruch.html)

Liebe Doris, nun weiß ich nicht so recht, was ich euch wünschen soll... Natürlich wünsche ich euch von Herzen ein gesundes, nichtbehindertes Kind, sehe allerdings auch die Unregelmäßigkeiten und muss euch darum wohl auch wünschen, dass ihr eine handfeste(re) Aussage bekommt und (oder...) euer Kind selbst, wie du es auch schön geschrieben hast, euch klar zeigt, was es möchte und die Kinderseele euch mitteilt, ob sie sich für dieses Leben entscheiden kann. Und ich wünsche euch, dass sich hier jemand meldet, der euch noch einen Tipp geben kann, wo ihr noch mindestens eine zweite Meinung einhohlen könnt!! Frag`dafür vielleicht auch nochmal im Schwangerenforum.

#klee

Herzliche Grüße,
Sabine

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Hallo Sabine,

danke für deine ausführliche und einfühlsame Antwort.

Du hast ganz recht, es ist einfacher eine Entscheidung zu treffen, wenn man eine Diagnose hat. Meine FA hatte mich mit Verdacht auch Anenzephalie an den Spezialisten überwiesen. Der konnte das nur ausschließen, aber keine klare Diagnose stellen. Ich hatte den Eindruck, er hatte noch nie einen Fall wie meinen... Natürlich war die ursprüngliche Diagnose ein Schock, aber man weiss dann wenigstens, woran man ist...

Liebe Grüße,
Doris

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Hallo Doris!

Ja, ich muss zugeben, dass ich auch an Anenzephalie gedacht hatte, es aber so nicht einfach in den Raum werfen wollte #hicks. Ich weiß ja, was diese Diagnose bedeuten würde und habe deshalb eher vorsichtig nachhorchen wollen, ob dein Arzt eventuell schon etwas in die diagnostische Richtung gesagt / angedeutet hat... Wenn es das nicht ist, ist das wieder ein Stückchen mehr Hoffnung #liebdrueck

Sollte sich in Bezug auf eine Diagnose etwas neues ergeben und du brauchst Informationen - frag mich ruhig. Ich habe eine Menge Bücher zum Nachschlagen und eine Auswahl an Links, an die man sich für weitere Informationen und Kontakte wenden könnte. Von Eltern, die eine mitunter recht ungüstige Prognose bekommen haben, weiß ich, wie schwer es ihnen in dieser Schocksituation fällt, sich selbst um Informationen zu kümmern, sich vielleicht noch mit Fachbegriffen rumschlagen zu müssen usw.. Das geht "von außen" meist besser und wenn ich helfen kann, tue ich das gerne... Trotzdem hoffe ich sehr, dass es letzlich gar nicht nötig sein wird #klee #klee #klee

Liebe Grüße,
Sabine

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Liebe Doris,

erstmal ganz doll #liebdrueck!!!

Ich möchte Dir keine Angst machen, aber ich erzähle Dir meine Geschichte.
Vorweg nehmen möchte ich, dass ich überglückliche Mama einer Tochter mit einem Gendefekt (Cri-du-chat-Syndrom) bin.

Bei mir war es so, dass Anfangs der #schwanger-schaft die Fruchthöhle nicht aufzufinden war. Jeden Tag wurde mir Blut abgenommen, um den Betahcg-Wert zu ermitteln. Der stieg kontinuierlich.
Ende der neunten Woche hat man dann endlich die Fruchthöhle samt Embryo in meiner Gebärmutter gefunden (davor ging man von einer Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft aus). Ich war sehr sher glücklich.

Das Gefühl, das irgendetwas anders ist begleitete mich durch die #schwanger. Und ich möchte ehrlicherweise zugeben, ich hatte Angst.

Heute denke ich, hat sich meine Nina damals einfach überlegt, ob ich eine so starke Mama sein kann, die für sie kämpft, oder eben nicht (deswegen hat sie sich versteckt).
Aber sie blieb (oft endet dieser Gendefekt in einer FG). Und gedieh....
Jetzt ist sie 2 1/2 Jahre alt und kann bestimmt vieles (noch) nicht, aber sie weiß, sie wird geliebt. Und das ist das allerwichtigste überhaupt!!!

Vielleicht konnte ich Dir etwas Mut machen, ich hoffe es!!!
darfst mir gerne über die VK schreiben.

Alles Liebe, Sandra

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Huhu,

fühl dich mal #liebdrueck

Auch wir hatten einiges an "Auffälligkeiten" rund um die 12.SSW - diese stellten sich allesamt als Fehldiagnosen hinaus!

Nun ist es tatsächlich so, das unsere Maus einen Gendefekt hat; das hat aber mit den anfänglichen Auffälligkeiten nichts zu tun, sondern machte sich ab der 16.SSW durch vorz. Wehen bemerkbar.
Bei unserer Maus stand es 50:50 ob sie überhaupt überlebt. Tendenz eher schlechter als gut. Ihre Lungen waren stark überlastet, der gesamte Kreislauf und die Lungen drückten aufs Herz, da ihr Kehlkopf sich nicht geöffnet ist und die Flüssigkeit aus den Lungen nicht rauskonnte, sich staute und die Lungen unnatürlich groß werden ließ.

Und hier ist meine Maus;
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/6/0,4070,2338342-6-wm_dsl,00.html


Zur Schwangerschaft selbst kann du hier nachlesen;
http://www.fruehchen-portal.de/mausi/melissa/

Ich würde diesen Weg immer wieder!! so gehen.

Evtl. hilft es dir bei deinen Überlegungen irgendwie weiter :-) Und wenn du fragen hast, frag einfach! #liebdrueck


Liebe Grüße

Ramona

P.S. alle inneren Organe, also Herz, Lungen etc. sind TOP! :-) Sie kam zwar in der 29.SSW zur Welt aber 1 Tag nach der Geburt kam der Chefarzt und sagte mir "sie hat gesündere Lungen als ein "gesundes nur-frühchen"!

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Hallo Ramona,

ich war grad auf deine Hp #schock Was ihr alles durchgemacht habt #schock.Ich wollte euch nurmal eben alles alles gute wünschen und das die kleine sich weiter so prächtig entwickelt #freu

glg Moni und Luca

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Hallo Ramona,

ich habe eure HP grade angesehen und ich finde sie sehr schön gemacht. Eure Maus ist ja so süß!
Ich bewundere deine Kraft und ihren Kampfgeist!
Alles Gute für euch und eure starke, tapfere Melissa.

minalein.

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Hallo,

ich möchte dir etwas Mut und Hoffnung machen.

Bei meiner ältestens Tochter hatte ich damals in der 8ssw. einen Überweisungsschein in der Hand weil 2 Ärzte der Meinung waren das Lea eine Bauchhöhlenschwangerschaft ist, sie liegt gerade oben in ihren Bett und träumt süß vom Kindergarten ;-).

Bei meinen zweiten kind -unseren Sohn- hat man erst in der 9 oder 10ssw das Herzchen schlagen sehen, auch da wurde mir keine Hoffnung gemacht, Timmi liegt gerade in seinen Bett und überlegt wahrscheinlich im schlaf was er morgen anstellen kann und möchte ;-).

Bei meiner 3.-Tochter- hatte man mir auch keine Hoffnung gemacht, da meine Fruchthöhle aussah wie eine "Flasche" #augen, auserdem hat auch sie sich erst zu "spät" gezeigt.
Pia war dann ein Zwilling, aber einer ist dann abgegangen aber meine Pia ist nun 11 monate alt uns sitzt gerade bei Papa auf den Arm.

Nun bekomme ich Mittwoch unser viertes Kind, einen kleinen Sohn-Max-, als ich mit Max schwanger war wurde ich Geröngt und wusste nichts von einer Schwangerschaft, als ich mit Max schwanger war habe ich wochenlang Antibiotika genommen.
Ich habe von dieser Schwangerschaft erst spät erfahren aber ich bin mir sicher das alles ok ist.

Was ich dir sagen möchte, Ärzte sind auch nur Menschen und sie irren sich wie ich gesehen habe sehr sehr sehr oft, zumindest in unserer Gegend.
Ich habe mir angewohnt die Diagnosen der Ärzte mittlerweile in frage zu stellen und einfach noch jemanden zu fragen und mich untersuchen zu lassen.
Ich habe nun vier Schwangerschaften geschafft in denen mir bei drei gesagt wurde es habe keinen Sinn.
Meine Kinder sind alle "Gesund", Tim ist zwar Autist aber das hat nichts mit der Schwangerschaft zutun.

Ich hoffe das du schnell viele antworten auf deine fragen bekommst und das du Menschen um dich hast die dir helfen und zu dir stehen.

Liebe Grüße und alles gute Bianca

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Vielen lieben Dank an alle, die mir geantwortet haben!

Es bestätigt mir, dass man so frühe Prognosen nicht überschätzen sollte und hilft mir, die Wartezeit zu überstehen.
Für nächste Woche Montag hab ich nun auch einen Termin bei einem weiteren Spezialisten zum Feinultraschall um eine dritte Meinung einzuholen. Ich hoffe mal, dass man dann (in der 13. SSW) auch schon mehr sehen kann.

Alles Liebe, #liebdrueck
Doris

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Hallo Doris
Ich kann so gut nachvollziehen wie du dich fühlst. Vor fast 9 Monaten sass ich im gleichen Boot. ich war damals in der 24. SSW als ich erfahren habe dass mein Sohn schwar körperlich und gestig behindert sei. Ich hatte konkrete Anhaltspunkte die ich auch beim grossen US gesehen hatte. Wir haben unser Baby gehen lassen, um ihm ein Leben mit diesen Behinderung zu erparen (falls es überhaupt gelebt hätte)

Ich finde es unheimlich wichtig dass ihr euch 1-2 weitere Diagnosen geben lasst. Ich denke nicht dass der Arzt einen solchen Rat gibt wenn er nicht sicher ist, aber DU musst dir sicher sein. Es wird eine harte Zeit auf dich zukommen, und glaub mir,auch nach längerer Zeit wirst du nicht wissen ob deine Entscheidung richtig war.
Ich weiss heute noch nicht ob es richtig war Lenny sterben zu lassen,wir haben damals so entschieden-für Lenny und für Luca (unseren Erstgeborenen) und es war keine leichte Entscheidung.Was wäre gewesen wenn wir ihn hätten weiterleben lassen? Wäre er von alleine gestorben? wäre er bei der geburt erstickt, wie die Ärzte sagten? Die Autopsie hat alle Behinderungen bestätigt und mir nützt es nichts unsere Entscheidung in Frage zu stellen.

Holt euch weitere Diagnosen! Unebdingt! Du hast noche etwas Zeit. Ich musste Lenny normal entbinden. Infromiere dich bis welche SSW eine Entbidnung vermieden werden kann.So lange hast du zeit und bis dahin hat sich dein baby noch entwickelt und man kann per US mehr sehen... Vielleicht geht a doch alles glatt.

Ich wünsch dir so viel Kraft und Mut für die anstehende Zeit.Ich denke ganz fest an dich.
Und hör nicht auf Gerede wie "ihr könnt noch so viele Kinder haben"... denn so einfach ist das nicht.
Lg Sylvie + Luca (2,5) + #stern Lenny

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