Wie Geschwisterkind erklären das großer Bruder anders/ krank?

Hallo,

Ich habe da heute mal eine besondere Frage an euch.
Mein Neffe (10) hat Epilepsie und einen selten Gendefekt. ( Gendefekt betrifft normalerweise nur Mädchen, er darf dann mal keine Kinder bekommen) Er ist in seiner Entwicklung zurück.
Er wurde zurückgestellt mit 7 eingeschult. Kann aber weder schreiben noch lesen.
Er ist gern draußen. Buddeln, graben das ist seine Welt. Er kennt bestimmt Leute, wenn sie nur vorbei mit dem Auto/ Traktor vorbei fahren. Das ist XY.. Also Sachen die er mag.
Er ist in ärztlicher Behandlung und muss auch regelmäßig zur Psychologin.
Das erst mal als Vorgeschichte.
Jetzt gibt es noch einen kleinen Bruder(7) der seit September in die Schule geht. Er weis das sein Bruder älter ist, versteht aber nicht warum er so leichte Aufgaben bekommt und er so schwere in der Schule.
Wie erklärt man das einem Kind?
Es gibt oft Streit und Gewalt ( schlagen sich).
Es belastet die ganze Familie, sogar Oma und Opa.

Hat jemand einen Tipp? Oder ist jemand in einer ähnlichen Situation?

Liebe Grüße
Janette

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Der Kleine kennt es doch nicht anders, da müsste er es doch von Anfang an erklärt bekommen haben.

Unsere Tochter ist noch zu klein, um ihr wirklich zu erklären, warum ihr Bruder noch im Krankenhaus ist und dass er behindert ist. Unseren Nichten und Neffen haben wir erklärt, dass unser Sohn einen kaputten Rücken hat und wenn der Rücken kaputt ist, dann ist das Laufen schwierig.
Guck mal, ob es YouTube-Videos gibt, die die Behinderung erklären.
Im Zweifel: Beim Großen ist das Gehirn krank und deshalb kann er viele Sachen nicht so gut wie der Kleine, der ja gesund ist. Für den Großen sind die leichten Aufgaben genauso schwer wie die schweren für den Kleinen.

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Ich weiß es ist schwierig einem Kind zu erklären was eine geistige Behinderung ist. Allerdings ist er doch mit 7 nicht mehr so klein, ich würde ihm einfach kindergerecht erklären was Epilepsie ist und dass sein Bruder nicht die Sachen kann die gesunde Kinder können.

Ich habe (zum Glück) kein betroffenes Kind aber mein Neffe ist auch geistig behindert allerdings anderer Ursache (frühkindlicher Autismus). Sie haben sich natürlich ab und zu gesehen, deswegen habe ich sobald die Kinder einen schon gut verstehen können erklärt dass dieser Junge behindert ist. Als sie noch sehr klein waren so 1 1/2 habe ich gesagt der Junge hat "Aua im Kopf" und kann deswegen nichts was andere Kinder können. Mein großer als er älter wurde (so mit 2,5/3j) habe ich erklärt was Autismus ist und dass der Junge deswegen nicht mit ihm spielen kann, sprechen kann und immer so komische Bewegungen und Geräusche macht. Ich habe ihm Autismus so erklärt dass der Junge zwar älter ist als ihr und größer, aber im Kopf immer ein Baby bleiben wird. Selbst meine mittlere (2 1/2) versteht es schon dass der Junge Autismus hat und deswegen das und das macht. Wir haben da nie ein Geheimnis drum gemacht, sondern den Kindern immer so erklärt dass sie es verstehen.

Und ich habe mal gelesen dass man wenn man eine geistige Behinderung einem Kind erklärt, darf man nicht von "krank" sprechen da die Kinder mit "krank" Schnupfen, Husten usw verbinden. Man soll schon von Behinderung sprechen, damit sie dem Unterschied wissen und nicht denken dass das wir ein Schnupfen ist.

Deswegen haben wir auch immer mit unseren Kindern von Behindert gesprochen und nicht von krank.

Was mir noch einfällt vielleicht könntest du mal nach einem Buch googeln was das Thema geistige Behinderung und/oder Epilepsie beinhaltet, wo es kindergerecht erklärt ist.

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Kinder sind nicht dumm. Aber komische Umschreibungen von Erwachsenen sind meistens nicht zu verstehen und führen zu Konflikten.

Einfach dem gesunden Bruder mal mitteilen dass der Bruder SCHWERBEHINDERT ist. Er ist NICHT krank. Das ist ein großer Unterschied. Krank ist Husten und Schnupfen. Schwerbehindert geht nicht mehr weg. Das zieht massive Einschränkungen im Leben nach sich. Zeigt doch dem Gesunden mal einen Anfall des Bruders. Fragt ihn doch mal, was er denkt, wie man sich danach fühlt. Lasst mal den Bruder reden und erklären, wie man sich vor und nach einen Anfall fühlt. Der Kleine sieht doch bestimmt, wie der Große immer Tabletten schlucken muß - war der Kleine schon mal krank? Husten, Schnupfen, Fieber? Wie ist Tabletten schlucken...und das täglich? Habt ihr dem Kleinen mal erklärt, dass die Tabletten für den Großen Überlebensnotwendig sind?

Wenn ihr dem Kleinen nicht begreiflich machen könnt, warum der Große einfache Aufgaben bekommt (Förderbedarf?), dann kommuniziert das mit der Psychologin. Sie soll das mit den Kindern klären.

Geht die Aggression vom Großen oder vom Kleinen aus?

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Hallo,

Der Kleine Bruder ist doch schon 7, er müsste doch wissen was eine Behinderung ist und hat doch längst bemerkt das sein Bruder "anders" ist. Wenn man es ihm verschweigt und immer ein riesen Geheimnis draus macht ist das natürlich ungünstig, dann kommt die Phantasie ins Spiel, es macht ihm vielleicht Angst weil er nicht weiß was mit dem Bruder los ist und daraus entwickelt sich Aggression.

Bei meiner Tochter war ein Junge im Rollstuhl in ihrer Kindergarten Gruppe, sie hat daher von ganz klein an gelernt was eine Behinderung ist und weiß das es körperliche und geistige Behinderungen gibt. Man begegnet doch auch mal Menschen mit Behinderungen. Es ist mir ein Rätsel wie man das Thema 7 Jahre von einem Kind fernhalten kann wenn ein Familienmitglied unmittelbar betroffen ist.

LG
Sunny

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Danke erst mal allen die geantwortet haben.

Wie gesagt ich bin die Tante und wohne weiter weg.
Habe auch nicht immer Kontakt zu allen vor allem jetzt Pandemie bestimmt.

Ich erfahre vieles nur über Telefon.
Ich denke nicht, wie manch einer von euch geschrieben hat, das sie dem Kleinen die Behinderungen verschwiegen haben. Weil sie mussten ja doch regelmäßig zu Arztterminen.
Ich denke krank haben sie auch nicht gesagt, sondern er ist „ anders“.
Und ich denke auch das eine körperliche Behinderung ehr sichtbar ist als eine geistige Behinderung.
Danke noch mal für eure Antworten.
Liebe Grüße
Janette

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