Update:Behindertes Kind in Wohnheim geben vom 05.03.2020

Hallo ihr Lieben,
bei uns hat sich seit März viel getan. Mir ging es zunehmend schlechter und im Juli hatte ich einen kompletten Zusammenbruch. Habe aufgrund der jahrelangen psychischen und physischen Überlastung schwere Depressionen mit Angststörungen bekommen. Es war fast von einem auf den anderen Tag einfach vorbei. Deswegen haben wir wahrscheinlich dann auch innerhalb einer Woche die Zusage für den Heimplatz bekommen. Leider haben uns in dieser Zeit mein Vater +Frau und der Vater meines behinderten Kindes komplett im Stich gelassen...
Es waren harte Monate bis mein Kind dann im November ins Heim ist. Es geht ihm sehr gut und scheint sich wirklich wohl zu fühlen. Wir hatten ihn auch schon 2x über mehrere Tage bei uns.
Mein Alltag fällt mir tageweise noch sehr schwer, auch wegen den Angststörungen. Aber dank Medikamenten und einer Therapie geht es langsam voran. Ich kann teilweise wieder arbeiten und meinen Haushalt schaffe ich auch. Aber manchmal verlässt mich doch die Geduld.
Auf jeden Fall wollte ich mich ganz ganz doll bei allen bedanken, die mir geschrieben haben. Ich habe es nicht bereut, mein Kind ein anderes Leben ermöglicht zu haben. Und manchmal habe ich auch schon so kleine Momente, in denen ich mich freuen kann und in denen mir bewusst wird, dass sich so ein "normales" Leben anfühlt.
LG

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Hi,
man muss irgendwann seine Grenzen erkennen, denn Du hast sie brutal aufgezeigt bekommen.

Sei froh, das Du dir vorher schon Gedanken darum gemacht hast, und nicht noch in deinem Zusammenbruch, ohne Erzeuger des Jungen und Deinem Vater + F., dich drum kümmern musstest.

Es ist toll, das es ihm dort gefällt, und du kommst auch wieder in die Reihe!

Alles alles Gute

2

Hallo OmaLiesel,
zum Glück war mein Mann und meine Mutter da. Aber meine beiden anderen Kinder haben auch sehr darunter gelitten. Ich lag nur im Bett und habe vor mich hingestarrt, oder geweint. Einmal hat sich sogar mein großes Kind (16) in mein Bett gelegt und sich entschuldigt, dass er so anstrengend ist. Das tat mir an der Seele weh und das war dann eigentlich der Punkt, an dem ich wieder versucht habe, hoch zu kommen. Das alles werde ich nie vergessen und auch nicht, dass mein Vater uns so im Stich gelassen hat. Der ist von einem auf den anderen Tag aus unserem Haus ausgezogen und seitdem haben wir auch keinen Kontakt mehr. Das Ganze ist jetzt 4 Monate her.
Sowas Schlimmes wie die letzten 6 Monate habe ich noch nie erlebt. Leider hatte sich durch Corona die Aufnahme ins Heim auch verschoben. Aber wir sind jetzt auf einem guten Weg.

LG

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Hi du,

ich kann mich an deinem Beitrag erinnern, war aber nur stille Mitleserin.
Es freut mich, dass du für dich und deine Familie einen Weg gefunden hast. Ich habe großen Respekt vor allen Menschen, die Personen mit Beeinträchtigungen betreuen.
Ich weiß nicht, ob ich die Kraft dazu hätte.
Deswegen: du hast dir auch mal eine "Auszeit" verdient. Irgendwann kann der Körper und auch die Psyche nicht mehr. Ich kann mir vorstellen, dass es unendlich schwer war, dein Kind in "fremde" Hände zu geben. Aber du weißt, dass es deinem Kind gut geht. Ich wünsche euch von Herzen alles Gute. Du hast es dir verdient, auch mal eine Pause zu nehmen und nur Zeit für dich zu haben. Dein Kind weiß, dass es geliebt wird.

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Vielen Dank für deine liebe Antwort.
Die Übergabe war ehrlich gesagt mit das Schlimmste was ich bisher machen musste. Aber jetzt läuft es zum Glück gut für mein Kind.

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Hallo!
Ich arbeite als DGKP (dipl. Krankenschwester) in einer WG für mehrfach schwerbehinderte Menschen und wollte dir nach deinem ersten Threat schon schreiben. Irgendwie fand ich aber keine Worte und wollte mich auch nicht anbiedern.
Icb möchte dir nur sagen, dass ich die Arbeit mit unseren Bewohnern sehr, sehr mag. Sie sind mir alle - jeder einzelne - ans Herz gewachsen, fast ein wenig wie Familie.
Auch wir haben einige Bewohner, welche das Glück haben, regelmäßig von ihren Angehörigen abgeholt zu werden.
Das ist der perfekte Mittelweg und toll, dass ihr es auch so machen könnt. Unsere Bewohner haben nach Heimurlauben auch keine offensichtlichen Probleme sich wieder in der WG einzufinden.
Es ist immer sehr schön zu sehen, wie sie sich über ihre Familien freuen, wirken dann aber auch sichtlich zufrieden wieder bei uns zu sein. Auch wenn sie sich nicht mit herkömmlichen Mitteln mitteilen können, würde man es bei jedem einzelnen merken, wenn es nicht so wäre.
Gerade diese meist ungeschminkte Authentizität mag ich sehr.
Ich kann mir vorstellen, wie schwer der Schritt war, dein Kind ein Stück weit loszulassen.
Du hast ihn nicht "aufgegeben" sondern ihm die Chance gegeben, sein eigenes Leben zu leben. Neue Leute kennen zu lernen, eine neue Umgebung, anderen Tagesablauf. Und er hat trotzdem immer noch euch als Familie - euch wird er immer haben!!
Umso schöner, dass du es nun schon zulassen kannst, die Zeit für dich zu genießen - das hast du dir absolut verdient!
Alles, alles Gute und liebe Grüße!
minitouch

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Hallo minitouch,
vielen lieben Dank für deine Antwort. Im Moment ist mein Sohn bei uns und wir hatten 2 sehr schöne Tage. Allerdings freue ich mich auch darauf, ihn morgen Nachmittag wieder abgeben zu können. Ich hoffe, dass sich das bei mir noch ändert. Habe ein richtig schlechtes Gewissen deswegen, aber ich empfinde ihn doch noch sehr als Belastung. Und ich bin heilfroh, dass er sich so schön eingewöhnt hat. Mit einer Ausnahme sind die Betreuer alle total liebevoll und gut drauf. Man merkt also auch bei seinen Betreuern, dass sie ihren Beruf wirklich gerne ausüben. Das gibt mir die Sicherheit und das Vertrauen, dass alles, so wie wir es gemacht haben, richtig war!
Viele Grüße

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