Adhs bei Erwachsenen, wie kam bei euch der Gedanke?

Wie kamt ihr auf den Gedanken das ihr es haben könntet? Wann habt ihr das gespürt welches Alter? Und wie lange hat es gedauert bis es erkannt wurde?

Liebe Grüsse #winke

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Anfang 30 Jahre.

Davor, unaufgeklärt, habe ich oft gemeint "wenn es das zu meiner Zeit schon gegeben hätte, wäre ich eine der ersten gewesen, die man hätte testen lassen"

Dann las ich in einem Forum von Eltern mit ADS (ohne H) Kindern.
Es passte wie die Faust aufs Auge. Nur eben, dass ich ein H drinnen habe.

Da die Berichte von Kindern ohne H waren, lenkte nichts vom Kern ab. Der Fokus lag auf dem Gesamtpaket, was ADS/ADHS mit sich bringt.

Daraufhin schrieb ich einige der Eltern an bzw. tauschte mich aus.
Als klar war, dass ich mich testen lassen würde, sprach ich auch mit Jugendlichen, die selbst das Medikament nahmen. Nachdem ich mit den Eltern über die Außenwirkung gesprochen hatte, fand ich die Innenwirkung interessant.

Das machte mir Mut.

Vor dem Test machte ich mir Gedanken, wie ich damit umgehe, wenn es das ist.
Und ich hatte mehr Angst davor, wenn es das NICHT ist. Bin ich dann wieder nur der freaky Alien?

Die Frage warum ich mich testen lassen wollte, war klar.
Ich bin ein freaky Alien. Mit Testung weiß ich, von welchem Planeten ich komme und kann mich austauschen. Und ich kann Möglichkeiten zur Hilfe bekommen. PASSENDE Therapie, evlt. Medikation.

Der Austausch hat auch ohne Diagnose schon gut getan!

Die Unsicherheit ob mir die Tipps wirklich etwas bringen oder ich wieder nur in der falschen Ecke stochere, war dann weg und das entlastete mich beim Austausch.
Da ich eben schon früh anders war, wurde auch viel an mir experimentiert. Und ich an mir selbst auch.
So kann ich mit Erfahrungswerten anderer gezielter experimentieren, was durchaus auch zum eigenen Erfolg beiträgt.

Bspw. beim Weitsprung: wenn ich unsicher war, stolperte ich über meine Beine, stoppte vor dem Absprung und sprang dann aus dem Stand. = weniger Ergebnis.

Wenn ich es mri zutraute, dass es klappt: dann vergaß ich dass ich beim Anlauf stolpern könnte; rannte, sprang und kam weiter. Mal übertreten, mal nicht.

Seit ich weiß, was es bei mir ist, habe ich weniger Angst, dass beim Anlauf etwas schief läuft, bin entspannter und komme weiter. Wenn ich mal übertrete, dann ist es so. Ich bremse mich aber nicht mehr aus, weil ich keine Angst mehr davor habe, ich könnte...


Der weitere Austausch und die Therapien/Begleittherapien tun ihr übriges.

Diagnose als Tür zu einer Welt, bei der endlich jemand das Licht angemacht hat. Zu einer Welt, in der ich passende Hilfe bekomme.


Diagnose als Endstation wollte ich nicht.

Gerade WEIL ich es habe, WEIL ich jetzt weiß was es ist, will ich mehr
weil ich mit passender Hilfe endlich mehr kann und besser auf mich anpassen kann.

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Ja vor dem was ist wenn es das nicht ist, habe ich ehrlich gesagt auch ein wenig Angst, denn dann bin ich so wie ich bin, gereizt bei der kleinsten Kleinigkeit gehe ich an die Decke und weiß nicht warum, danach sage ich mir immer so schlimm war das ganze doch nicht, aber in dem Moment Explodiert es in mir.

Ja über eine Therapie wie ich mit manchen Dingen umgehen kann bin ich auch offen eingestellt, denke aber ich würde auch wenn es das ist mit Medikamenten mir helfen, denn ich habe wirklich keine LUST so zu sein wie ich manchmal bin und mit Yoga oder Gon Chi geht das ganze nicht weg, das meinen meine Eltern ich solle Yoga machen dann würde es mir gleich besser gehen #zitter

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Qi Gong hilft mir zwar oft sehr,
ist aber "nur" Linderung.

So wie wenn man bei Herzproblemen die Ernährung umstellt. Es hilft zwar, etwas, behebt aber nicht die Ursache, wenn die Probleme schon vorhanden sind.


"Kleinigkeit gehe ich an die Decke und weiß nicht warum, danach sage ich mir immer so schlimm war das ganze doch nicht, aber in dem Moment Explodiert es in mir. "

Da fallen mir zwei Dinge ein

1. ADHS/ADS

2. hormonelle Probleme, Schilddrüse und co.

ADS/ ADHS hat man oder man hat es nicht.
Schilddrüse/Hormonelle Probleme können mit der Zeit dazu kommen. Diabetes auch.

Bei meiner ersten Testung fand ich es super, dass organische Ursachen auch abgeklärt wurden. Schilddrüsenwerte, Ausschluss Diabetes, Leberwerte und einiges mehr.

Seit einiger Zeit geht es mir zwischen schlecht und miserabel.
ADHS ist gut eingestellt, Therapien haben gut angeschlagen. Daher weiß ich, dass da noch etwas anderes, zusätzliches ist.

Die Ursache wird noch geforscht.

Da ich die eine Impulsivität von Geburt an hatte und mir das viele bestätigen konnten
und ich zu dem Zeitpunkt der Testung kern gesund war, ist klar, dass ADHS bei mir definitiv vorliegt.

Die anderen Probleme, auch Gereiztheit und einiges andere kamen dann später. Einige Jahre nach dem Testergebnis. So dass ich Erfahrungen ohne Medikament (ca. 30 Jahre), mit Medikament (ca. 5 Jahre) sammeln konnte. Das Nachlassen der Medikamentenwirkung miteinberechnet ;-)

Wie Ärzte damit umgehen ist sehr unterschiedlich.
Der Arzt, der mich auf ADHS behandelt, sagt ganz klar, dass da jetzt zusätzlich etwas organisches noch dabei ist. Bevor das nicht geklärt ist, schiebt er mich NICHT in die psychische oder ADHS Ecke.
ADHS behandelt er weiterhin, findet es aber wichtig, anderes auch abzuklären. Eben auch weil es anders ist, zusätzlich ist, ich weiterhin einen Unterschied zwischen Medikament/ohne/nachlassen spüre ... und das andere unkontrollierbar ist. Außerdem sind Zusammenhänge mit dem Zyklus erkennbar.

Da fand ich die vorgehensweise bei der ersten Testung richtig super, weil da eben alles ausgeschlossen wurde, was noch mit hätte dabei sein können.

Die zweite Testung basierte dann ja auf dem Ergebnis (Ausschluss anderer Erkrankungen) und war dann noch mal feiner.

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Hallo,

mir war eigentlich schon immer klar, dass ich merkwürdig anders war, als andere.
Mit ADS befasst habe ich mich, weil das Problem mit dem Träumer-ADS bei unserem Sohn auftauchte.

Da ich aber mittlerweile Strategien entwickelt habe, wie ich mit mir und meiner Umwelt klar komme, werde ich das bei mir nicht weiter verfolgen.
Das brächte mir nichts.

LG

Heike

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Ich habe am 11.5. einen Termin, ich fühle mich mit mir nicht wohl, ich kann das auch nicht selbst steuern, vielleicht bekomme ich danach falls es das wäre, ja Tipps und Hilfe wie ich es kann.

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Vielesl der aufgelisteten Symptome, die man im Internwt findet, passten. Und dann gab es Komponenten, die garnicht passten.

Ich bekam die Diagnose ADS von meinem Psychiater, der darauf spezialisiert war.
Später wurde aus der ADS-Diagnose aber eine Autismusspektrumstörung-Diagnose (Asperger Syndrom) und da finde ich mich auch zu 100% wieder!
Passte im ADS-Bereich immer nur maximal 70%, so passt die Autismusdiagnose bei mir "wie die Faust auf's Auge".

Es gibt aber auch Menschen mit Autismus UND AD(H)S.

Viele Grüße!

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Danke für die Antwort, ja ich bin sehr gespannt was raus kommt, wie gesagt ich kenne mich damit noch nnicht aus, wenn ich mir manches durchlese passt es anderes wieder nicht usw. mal sehen was die Freu Dr. Neuhaus dann zu mir sagt das Gespräch geht 4 stunden :-)

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Dann wünsch ich mal alles Gute für das Gespräch :)

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Hallo,

der Gedanke kam mir, als ADHS bekannt wurde und man davon immer mehr las. Als mein Sohn in die Schule kam, zeigte er die gleichen Symptome wie ich früher zu meiner Schulzeit. Konzentrationsprobleme, Impulsivität, Unruhe. Allerdings war er damals schon in der 8. Klasse, als die Symptome eindeutig wurden und Probleme auftraten. Bis dahin war er vom Verhalten unauffällig und ich wäre nie darauf gekommen, dass etwas nicht stimmt, wenn ich nicht genauso gewesen wäre. Eindeutige Diagnose war ADHS. Er wurde sehr gut auf Medikamente eingestellt und therapiert. Meine anderen Kinder zeigten ebenfalls Symptome und ich ließ sie auch testen. Fazit: Ein Geschwisterteil ist ebenfalls positiv ADHS und eines nicht. Bei allen 3 Kindern wurde zusätzlich eine Hochbegabung bzw. bei einem eine hohe überdurchschnittliche Intelligenz festgestellt. Nach den Diagnosen meiner Kinder war mir schon fast klar, dass ich es auch habe und ließ mich ebenfalls testen. Tatsächlich, ich habe auch ADHS, ebenfalls mit sehr hohem IQ. Ich habe mich nie auf Medikamente einstellen lassen, weil ich durch diese Störung sehr erfolgreich bin. Ich habe gelernt damit umzugehen, kann meine Hyperaktivität gezielt einsetzen und auch die Impulsivität bringt mir Vorteile. Allerdings gehe ich nicht in die Luft oder bin leicht reizbar, sondern treffe sehr schnell Entscheidungen aus dem Bauch heraus. In früheren Jahren sicherlich auch zu spontan und dumm, aber auch das habe ich gelernt zu kontrollieren. Ich stehe ständig unter Strom, habe aber gelernt mich zu entspannen. An der Arbeit kann ich 200% geben. Zu Konzentration muss ich mich zwingen. Das klappt bei wichtigen Dingen gut, bei Unwichtigen weniger. Meine ADHS-Symptome treten zyklusbedingt heftiger und weniger heftig auf. Kurz bevor und während ich meine Menstruation habe, sind die Symptome sehr stark. Da unterdrücke ich meine Impulsivität, weil ich dann mit vielen Entscheidungen vorschnell bin oder Dinge sage oder tue, die ich eine Woche vorher nicht tun würde. Aber all dies habe ich im Laufe der letzten Jahrzehnte mühsam gelernt. Meine Kinder werden mit Medikamenten behandelt, weil ich ihnen diesen mühsamen Weg ersparen möchte. Hört sich blöd an, aber ich liebe mein ADHS jetzt, weil ich gelernt habe, es zu nutzen. Das erhoffe ich mir für meine Kinder auch.

LG
Lotta

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Bei mir ist es leider komplett anders, ich kann mich kaum auf etwas konzentrieren, mache viele Flüchtigkeitsfehler und bin um die Mittagszeit eigentlich ko. Ich habe in 1,5 Wochen das Abschluss Gespräch und mal sehen was da raus kommt. Ich will auch wenn ich es habe lernen damit umzugehen aber wenn nötig eben auch mit Medikamenten

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Hätte ich schon früher gewusst was ich habe, wäre ich über Medikamente sehr dankbar gewesen. Vor allem meine Schulzeit und Ausbildung waren eine Katastrophe. Später im Studium hatte ich schon einigermaßen gelernt damit umzugehen. Mir wäre viel erspart geblieben, hätte ich als Kind schon Medikamente gehabt. Ich habe nie eine Therapie gemacht, mich haben meine Eltern dahin gebracht, wo ich heute bin und ich habe sie viele Nerven gekostet. Sie haben schon immer sehr viel Wert auf Schule und Leistung gelegt und in gewisser Weise auch Druck erzeugt, den ich heute als positiv auffasse. Wären sie nicht stetig hinter mir her gewesen, hätten kontrolliert und dem Chaos Struktur gegeben, wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin. Wie habe ich es früher gehasst, wenn meine Mutter den Ranzen oder die Hefte auf Vollständigkeit kontrolliert hat, mir gesagt hat, wann ich was wie lange lernen muss, mich abgefragt und sich mit mir hingesetzt hat. Etwas abzubrechen gab es bei uns nicht. Was angefangen wurde, wurde durchgezogen. Das haben mir meine Eltern beigebracht und mich auch ständig motiviert weiter zu machen. So habe ich im Laufe der Zeit immer bessere Strategien entwickelt damit zurecht zu kommen. Es war mein Riesenglück, dass meine Eltern erkannt haben, dass ich anders bin und nicht versucht haben mich zu verändern. Es gab kein: "du musst das aber können", sondern ein "du kannst es nicht, ich zeige dir wie es geht". Als Teenager habe ich diese festen Strukturen und Regeln gehasst und fühlte mich eingeengt. Heute weiß ich, dass es genau das richtig war. Ich wäre sonst gnadenlos überfordert gewesen und untergegangen. Genau so etwas macht auch ein Therapeut. Er lernt dir, damit umzugehen, zeigt dir Strategien, wie du mit der Störung umgehen kannst. Das Konzentrationsprobleme lösen die Medikamente. Es dauert allerdings, Bus man richtig eingestellt ist. Bei meinem Sohn hat es fast ein Jahr gedauert.

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