Behindertes Kind in Wohngruppe geben

Hallo ihr Lieben,
ich habe einen 14-jährigen Sohn mit einer geistigen Behinderung. Ich bin von seinem Vater geschieden und seit 3 Jahren wieder neu verheiratet. Wir haben eine gemeinsame fast 2-jährige Tochter.
Unser Leben sieht im Moment so aus, dass wir eigentlich nicht mehr so richtig am öffentlichen Leben teilnehmen können, wegen meinem Sohn. Auch bin ich körperlich manchmal echt am Ende. Alleine ihn in der Früh anziehen, strengt mich einfach an. Er ist dann den ganzen Tag in einer Einrichtung und kommt am Nachmittag wieder nach Hause. Wir gehen dann meistens spazieren und versuchen die Zeit so rum zu bringen. Treffen mit anderen Kindern und deren Müttern ist nicht möglich, da mein Sohn sehr grobmotorisch ist und die Kindern umschmeißt oder sonstiges. Er ist ein ganz ganz lieber Junge und möchte einfach nur kuscheln, aber das geht meistens schief. Seine Schwester ist es gewohnt und schreit mittlerweile sofort, wenn er ihr zu nahe kommt. Sucht aber auch ganz oft seine Nähe. Manchmal steht er auch vor der Tür und weint, weil er spazieren gehen möchte oder Auto fahren. Er kennt allerdings auch keinerlei Gefahren und würde auch einfach auf die Straße rennen, wenn ein Auto kommt. Auch dies wird zunehmend anstrengender. Wir müssen pflegerisch alles machen. Von Duschen, füttern, wickeln bis An-und Ausziehen.
Jetzt haben wir die Woche mitgeteilt bekommen, dass er einen Platz in einem Kinder - und Jugendheim bei ihm in der Einrichtung bekommen kann. Wir hatten bereits im Sommer letztes Jahr eine Anfrage gestellt und mit einer sehr langen Wartezeit gerechnet. Das Ganze war ein Schock. So schnell hatten wir nicht damit gerechnet. Seitdem bin ich eigentlich nur am Heulen. Auf der einen Seite sehe ich ein Ende in Sicht. Ich kann mich mit Freundinnen treffen, Essen gehen, mal ins Kino oder auch mal shoppen gehen. Auf der anderen Seite muss dafür mein Kind ausziehen. Er wird von fremden Menschen ins Bett gebracht und in der Früh von fremden Menschen aufgeweckt. Sein Zuhause ist nicht mehr bei uns und das zerreißt mir das Herz.

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Hallo, nur du weisst genau wie du fühlst,ich verstehe was du meinst .das es anstrengend ist,völlig nach vollziehbar da du noch eine kleine Tochter hast,das du Traueig bist auch verständlich, hast du denn ein gutes Gefühl wenn du daran denkst ihn abgeben zu müssen ? Ich glaube das ist die wichtigste Frage....... man wünscht niemanden so eine Situation :( ..... vllt kannst du ihn ja nur an den Wochenenden mit nach Hause nehmen?geht sowas?

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Nicht jedes Wochenende, aber ich denke aller 14 Tage wird möglich sein. In den Urlaub dürfen wir ihn auch mitnehmen und die restlichen Wochenenden darf ich Zeit mit ihm verbringen, aber schlafen darf er nicht bei uns. Geht da irgendwie um die Abrechnung der Kosten oder so.

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Dann denke ich mir, dass ich bzw wir ja noch 1 bis 2 Jahre durchhalten können. Dann wäre er älter. Aber schaffe es das, möchte ich das? Bin ich zu egoistisch? Er liebt uns abgöttisch, aber mehr als die Versorgung erhält und mal spazieren gehen oder Auto fahren, bekommt er von uns nicht mehr. Ich kann einfach nicht mehr. Aber vielleicht geht es ja noch eine zeitlang. Nur was ist, wenn wir so schnell keinen Platz mehr für ihn bekommen? Unterstützung haben wir in Form von 3 Wochen Kurzzeitpflege im Sommer und 1 Woche in den Faschingsferien. Der Papa nimmt widerwillig auch aller paar Wochen (4-6) mal EIN Wochenende. Und gelegentlich kommt meine Mama mal ein Wochenende zu uns und hilft. Eigentlich ist das ja schon viel. Warum schaffe ich es dann nicht mehr? Andere schaffen das doch auch.

Hat jemand von euch sein Kind auch in diesem Alter weggegeben? Wie läuft es? Wie geht es eurem Kind?
Was bei uns auch noch für ein Heim stehen würde:Wenn wir ihn holen, wird die Zeit voll und ganz für ihn ausgelegt. Wir haben Kraft geschöpft und freuen uns auf ihn. Im Moment sieht unsre Freizeitgestaltung so aus, dass wir ständig überlegen was mit ihm noch geht und was nicht.
Ich bin total verzweifelt. Ich möchte mein Kind eigentlich nicht hergeben, aber so auch nicht mehr mein Leben verbringen.

Traurige Grüße Emmerich

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Egoistisch bist du nicht,sondern eine Mama die alles gegeben hat und nach 14 Jahren einfach merkt das es ohne weitere Hilfe nicht mehr geht. Du bist kein Roboter und kommst auch an deine Grenzen. Wie du schon sagst,ihr überlegt was noch mit ihm zu machen ist,in dieser Einrichtung hat er gleich gesinnte was ich sehr wichtig finde.es ist natürlich ein neuer Lebens abschnitt ,aber wenn du jetzt schon" Down"
bist ,wie wird die Zukunft aussehen wenn sich an der Situation nichts weiter ändert? Ich würde es zumindest versuchen,

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Der Heimleiter ist ein ganz lieber und lustiger Mann. Er meinte auch, wenn es nicht funktioniert, muss es ja nicht für immer sein. Vielleicht muss ich wirklich so denken und es einfach mal versuchen.

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Hey,

Ich verstehe deine Sorge. Unsere Nachbarn haben ebenfalls einen geistig behinderten Sohn und lieben ihn abgöttisch. Sie haben ihn mit 12 Jahren in eine solche Wohngruppe gegeben und sagen jetzt, dass es die beste Entscheidung war, die sie treffen konnten. Ihrem Sohn wird dort alles gegeben was er braucht, er hat Gebärdensprache gelernt, kann auch etwas alleine Anziehen ( Strickjacke oder Hoodie mit Reißverschluss).
Ja, es tat am Anfang sehr weh und die Eltern haben sich schwere Vorwürfe gemacht, ihren Sohn abzuschieben oder gar zu verdrängen, aber die Einrichtung kann ihren Sohn maximal fördern. Die beiden haben auch noch zeei kleinere Kinder, die auch umsorgt werden wollen und Eltern, die nicht ständig müde, kaputt oder voller Rückenschmerzen sind.
Der Junge ist mittlerweile 17 und sagt, dass er dort zu Hause ist und bei Mama und Papa ist Urlaub und deswegen immer ganz toll.

Vielleicht hilft dir das ein wenig. Deinem Sohn wird es dort für gehen und er wird dort sehr gut gefördert werden. Du hast auch die Verantwortung für deine Tochter, die eine Mama braucht, die nicht ständig kaputt is, Freunde, die sie mal bei euch besuchen kommen, ohne von deinem Sohn "erkuschelt" werden.

Alles Gute

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Danke für deine liebe Antwort. Ja das hilft mir sehr!

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Sehr gerne, ich habe den Zwiespalt unserer Nachbarn ja hautnah mitbekommen und ihr Leiden. Aber auch, wie es sich entwickelt hat und die Erleichterung, als sich der Junge toll entwickelte und die Wohngruppe als sein zu Hause angenommen hatte.

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Wenn es eine gute Einrichtung ist und er dort liebevoll betreut wird, kann es sogar positive Auswirkungen haben auf ihn und euer Verhältnis. Ich würde das nicht nur negativ sehen. Komisch finde ich, dass er aufgrund von Abrechnungen nicht bei euch übernachten dürfen soll. Ich glaube nicht, dass das rechtens ist! Ihr seid die soegeberechtigten! Da würde ich mich nochmal erkundigen.

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Naja er darf schon bei uns übernachten, aber halt nicht jedes Wochenende. Ich habe mich da wahrscheinlich falsch ausgedrückt. Tut mir leid. Wobei es wahrscheinlich auch nicht gut wäre, wenn er jedes Wochenende rausgezogen wird. So wie ich das mitbekommen habe, unternehmen die dann auch einiges. Ach keine Ahnung. Ist etwas viel

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Ich kann mir den Zwiespalt vorstellen. Könnt ihr es nicht ausprobieren, und ihn ansonsten zurückholen?
Vielleicht klappt es da ja sehr gut, Du schreibst ja dass die Einrichtung einen guten Eindruck macht?

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Ich weiß halt nicht, ob mein Exmann dem zustimmen müsste. Wenn wir ihn in die Einrichtung geben, muss er zustimmen und bräuchte dann keinen Unterhalt mehr für ihn zahlen. Ob das rückwirkend dann auch so laufen würde, keine Ahnung

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Ich habe hier mit anderen Antworten gerechnet, Hut ab wirklich.

An dich, ich kann da wahrscheinlich so gar nichts sagen oder Urteilen, ich bin froh diese Entscheidung nicht fällen zu müssen, nie will ich nicht schreiben man weiß nie was passiert im Leben aber ich hoffe das ich das nicht muss.

Ich denke ich würde es versuchen, und dann lieber die Zeit nutzen Intensiv mit viel Guter Laune gutem Gefühl und Freude, da ist euch allen sicher mehr geholfen als nur das nötigste.

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Erstens finde ich es so großartig, dass du bis jetzt alles so geschafft hast. Ich wüßte nicht ob ich das schaffen würde.
Aber du wirst die richtige Entscheidung treffen, vielleicht mit der Option ihn ab und zu nach Hause zu holen.
Aber du musst auch an euch denken und was für euch das richtige ist.
Alles Gute

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Danke das ist lieb. Muss einfach nur die ganze Zeit weinen. Das tut so sehr weh

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Hallo,
hast du dich schon einmal bei rehakids.de umgehört? Dort sind einige Eltern mit Kindern in Wohngruppe.
Allerdings finde ich es schon befremdlich, dass ihr euren Sohn nicht über Nacht mit nach Hause nehmen dürft. Normalerweise bekommt ihr dafür auch tageweise das Pflegegeld und euch steht sogar Verhinderungspflege zu.
Was macht die Wohngruppe denn, wenn euer Sohn krank ist? Auch da kenne ich es von einigen Eltern so, dass das Kind dann (schon zum Schutz der anderen Kinder) nach Hause muss.
Habt ihr euch über die von euch zu zahlenden Kosten informiert? Auch hier gibt es üble Dinge bei Schulpflichtigen, gerade wenn die Eltern arbeiten gehen.

Welchen PG hat dein Sohn? Es müsste ja eigentlich schon die 5 sein, oder? Habt ihr denn gar keine Entlastung? Nutzt ihr Verhinderungspflege, KZP und Entlastungsleistungen? Ich weiß nicht, aber wenn du gerade KZP wirklich so nutzen würdest, wäre doch dein Sohn schon zeitweise fremdbetreut und würde „von anderen Menschen geweckt und ins Bett gebracht“. Das wäre vielleicht für euch alle nochmal ein sanfterer Übergang.

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Die Kurzeitpflege und Verhinderungspflege nutzen wir bereits. 1 Woche in den Faschingsferien und 3 Wochen in den Sommerferien. Wir sind es also schon gewohnt, getrennt zu sein. Aber da weiß ich, dass er immer wieder zurück kommt. Wobei er im Sommer meistens gar nicht wieder heim möchte und meinen Mann komplett ignoriert, wenn er ihn abholen möchte.
Wir dürfen ihn halt nicht jedes Wochenende mit nach Hause nehmen über Nacht. So im Detail habe ich aber auch noch nicht nachgefragt. Ich war letzten Sommer glaube ich kurz vorm Burnout als ich den Termin hatte. Und da ich dachte, dass es eh noch dauert, habe ich diesen Termin einfach "abgearbeitet". Wenn er krank ist, kommt er zu mir, da werde ich auch nicht fragen. Ein krankes Kind gehört zur Mama. Kosten stehen keine an, das übernimmt alles der Bezirk. Wie es dann ist, wenn er volljährig ist, weiß ich nicht. Mein Sohn hat PG 5.
Letzten Sommer hatte ich auch angefragt, ob wir stundenweise jmd haben könnten unter der Woche. Somit hätte ich in diesen 1-2 Nachmittagen was mit meiner Tochter machen können. Aber bis dato haben sie kein Personal. Dies hätten wir über die zusätzlichen Betreuungsleistungen laufen lassen können. Auch finde ich selbst niemanden, den ich hätte privat bezahlen können. Wir schöpfen bereits alles aus was geht. Heute abend hat mein Stiefsohn Geburtstag, da geht mein Mann mit Tochter alleine hin. Ich bleibe mit Sohn zuhause. Gerade für solche Angelegenheiten wäre es auch so schön, jemanden zu haben.

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Habe mich gerade mal registriert bei Rehakids

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Probier es doch einfach aus. Ihr schließt ja einen Vertrag mit der Einrichtung den ihr auch wieder kündigen könnt.
Du bist ja trotzdem noch für ihn da. Wenn es nicht zu weit weg ist kann man vielleicht auch in der Woche mal sagen "Ach, wir fahren mal hin und gehen mit ihm spazieren". Am Wochenende auf jeden Fall.
Vielleicht tut es ihm ja sogar gut in Räumlichkeiten und mit Menschen zu leben wo er nicht so oft ausgebremst werden muss. Da sind dann eben keine kleinen Kinder die er beim überschwänglischen kuscheln und drücken ängstigt oder umwirft. Die Räumlichkeiten sind normalerweise entsprechend gestaltet das fehlendes Gefahrenbewusstsein nicht einschränkt.
Es werden auch in der Freizeit oft aktivitäten angeboten. Vielleicht sogar mehr als ihr zu Hause bieten könnt weil ihr ja nicht immer nur alles auf ihn abstimmen könnt sondern auch auf eure Tochter Rücksicht nehmen müsst

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Die Einrichtung ist 10 Minuten entfernt, das wäre von unserer Seite kein Problem. Wie die Einrichtung das sieht, weiß ich nicht. Das muss alles noch abgeklärt werden. Die Räumlichkeiten sind sicher, aber halt sehr steril und kalt eingerichtet. Überhaupt nicht wohnlich. Dürfte sein Zimmer jedoch so gestalten und einrichten, wie ich möchte.

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Das ist halt auf das Klientel der Gruppe abgestimmt.
Ich arbeite auch mit Menschen mit Behinderung. Klar stehen da Sofas, Sessel usw. Aber natürlich ist es nicht so wohnlich wie im privaten Umfeld. Alleine schon weil im Heimbereich ähnlich wie im Krankenhaus alles waschbar, desinfizierbar usw sein muss.
Und je nach dem was da für Bewohner sind ist die Einrichtung auch darauf abgestimmt. Wir haben einige blinde und geistig behinderte Bewohner. Die wollen rumlaufen, haben aber keinen Orientierungssinn und sind auch nicht in der Lage einen Stock zu nutzen. Also sind deren Zimmer bis auf das Bett ziemlich leer, damit sie nicht über irgendwas fallen können.
Natürlich wird eine Einrichtung es nicht toll finden wenn von einem Bewohner täglich die Familie da steht. Die haben ja auch ihre Planung und ihren Ablauf. Aber man kann ja was absprechen. Einen regelmäßigen Termin kann das Team dann ja einplanen.

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