Empathie bei Autisten?

Hallo.
Meine beiden Söhne haben das Asperger Syndrom. Häufig liest man ja das Autisten keine Empathie (in dem Umfang wie sie NA aufweisen) haben. bei mir (NA) ist es so dass ich erkennen kann wie sich andere fühlen und sich das auf meine eigenen Gefühle auswirkt. Dann gibt es auch noch den Punkt bei der Empathie wo man sich in den anderen hineindenkt und dann entsprechend sich verhält. Autisten haben ja zumindest soweit ich das mitgekriegt habe hauptsächlich Probleme damit zu erkennen wie sich andere fühlen. Was genau im Internet dabei jetzt mit hineinversetzen gemeint ist weiß ich jetzt nicht so wirklich. wobei ich das bei meinen Söhnen so jetzt nicht bestätigen kann das es so ist. Gibt es bei der Empathie überhaupt wirklich einen Unterschied zwischen NA und Autisten?

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Wie es so schön heißt, kennt man einen Autisten, dann kennt man einen 🙈.
Jeder ist anders. Ich habe zwei Autisten, die total unterschiedlich sind. In andere hineinversetzen und mitfühlen können beide ganz normal. Was NA bedeutet, weiß ich nicht.
Meine Kinder haben eher Schwierigkeiten zu erkennen, dass bitte danke Hand geben etc. wichtig ist. Es wird aber immer besser. Mein Sohn ist extrem emotional, fühlt stark mit anderen, vor allem mit seinem 2 jährigen Bruder. Wenn der Kleine sein Knie aufschlägt, muss ich beide trösten. Meine Tochter hat da eher Probleme, aber sie kann sich hineinfühlen. Manchmal muss ich aber auch erklären, was sie dann gut versteht.

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"Gibt es bei der Empathie überhaupt wirklich einen Unterschied zwischen NA und Autisten? "

Auf jeden Fall.
Wobei jeder Autist anders reagiert als ein anderer Autist.

Und es sind verschiedene Faktoren.

Häufig gibt es das Klischee sie würden nicht fühlen. Das stimmt so nicht. Viele können ihre Gefühle nicht so zum Ausdruck bringen. Sie beschreiben Gefühle über Logik oder für nicht Autisten auf sehr umständliche Arten, bei denen viele nicht an Gefühle denken.


Das andere ist das erspüren, was andere fühlen
übertragen, wie man sich sinnvoll verhält
hineinversetzen, was andere fühlen

Schwierigkeiten bei Erkennen von Mimik, Gestik

Schwierigkeiten beim Erkennen von "zwischen den Zeilen".

Ich selbst habe da durchaus schon Schwierigkeiten.
Bei Freunden mit Asperger Autismus liebe ich es, dass sie mich wörtlich nehmen.

Ich möchte meine Ruhe: sie lassen mich in Ruhe.
Ich habe Hunger = ich habe Hunger. Keine Interpretationen von wegen ich würde sie zum Kochen nötigen, als schlechten Gastgeber hinstellen oder ähnliches.

Wenn ich etwas fühle, dann sage ich es.
Bei nicht-Autisten bringt mich diese Wörtlichkeit oft in Schwierigkeiten. Da wird öfter "zwischen den Zeilen" interpretiert, als ich es meine.

Mit etwas Unterstützung klappt es schon.
Manchmal fragen sie auch: bist du müde, hast du Hunger usw.
Das kommt dann eher nach dem Ablauf meiner Gewohnheiten, wenn erlernte Verhaltensmuster Aufschluss darauf geben, welche Gefühle zu Grunde liegen könnten.

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Ich hab mal ein gutes Zitat von einem amerikanischen Aspie-Teenager dazu gehört. Das war ungefähr so: Wenn du zu deinem Aspie sagst, dass du traurig bist, wird er normale Empathie zeigen. Aber erwarte nicht, dass er Gedanken lesen kann!

Und das sagt doch eigentlich alles. Ich arbeite selbst mit Asperger-Jugendlichen, und bei den meisten ist das auch so. Sie zeigen durchaus Mitgefühl. Allerdings ist es dazu notwenig, dass sie die Situation nachvollziehen können. Alles was sie mal selbst erlebt haben, können sie auch leichter bei Anderen nachvollziehen. Obwohl da auch noch gewisse Schwierigkeiten dazukommen, das was man selbst erlebt hat überhaupt auf Andere zu übertragen. Aber das ist vor allem, wenn sie selbst an der Situation beteiligt sind. Das sieht dann oft ziemlich egoistisch aus. Der Aspie will etwas - dann wird die Situation des Anderen oft nicht verstanden.

Was man da machen kann - ich weiss jetzt nicht, ob es das Konzept bei euch gibt und wie sich das nennt, ich wohne selbst in Schweden. Jedenfalls, hier macht man das oft so, dass man um Empathie zu entwickeln dem Kind eine Geschichte erzählt und gern Bilder dazu malt, oder jedenfalls grobe Zeichnungen. Und zwar eine Geschichte von der Situation, die gerade passiert ist (und wo das Kind die Gefühle Anderer nicht verstanden hat), und dann erzählt man halt, was passiert ist, wie sich der eine fühlt, und wie sich der andere fühlt.

Das soll eine gute Metode sein.

Ausserdem, wenn man es mehr wissenschaftlich betrachtet: Man unterscheidet zwischen kognitiver und emotioneller Empathie. Und es ist die kognitive, die bei Autisten nicht so gut funktioniert. Das bedeutet: In Situationen erkennen, welche Gefühle Andere haben. Die emotionelle (auch affektive) - Mitgefühl empfinden und eventuell auch zeigen, ist ganz normal entwickelt.

https://www.mpg.de/396174/forschungsSchwerpunkt

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