Asperger - Behindertenausweis? Pflegestufe?

Guten Abend,
Wir haben für unseren noch 4jährigen Sohn gerade die Diagnose Asperger Autismus bekommen und fangen gerade erst an, uns mit dem Thema zu beschäftigen...
Nun hat uns der Psychologe gesagt, wir könnten einen Behindertenausweis beantragen, ggf auch Pflegegeld. Im Internet hab ich schon einiges über damit verbundene Vorteile gefunden (Steuer etc), aber wir sind trotzdem skeptisch.
Gibt es nicht auch Nachteile? Reagieren Versicherungen darauf (Beitragserhöhung oder so?)? Ich denke an die private Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Unfallversicherung...
Wär super, wenn jemand da Erfahrungen teilen kann...
Lg, nani

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Die Nachteile gibts auf die Behinderung, nicht auf den SBA.
Die PKV erfährt ohnehin davon. Oder planst du sämtliche Krankenhaus-, Arzt- und Therapeutenrechnungen deines Kindes in Zukunft selbst zu zahlen? Eine Beitragserhöhung gibt es deswegen nicht. Allerdings sind deinem Kind gewisse Versicherungen verwehrt in Zukunft...aber das ist auch jetzt schon so. Es kann auch sein, dass die PKV bestimmte Therapien nicht zahlt, mit der Begründung es sei aufgrund der Diagnose nicht wirtschaftlich.

Du solltest dich über etwas vorher informieren. Dein Kind hat EINMALIG die Chance in die GKV zu wechseln, wenn es erstmals einen SBA erhält. Es gibt dazu eine sehr knappe Frist. Informiere dich vor Beantragen des SBA welche Kosten durch Krankenhaus-, Arzt- und Therapiebesuche auf dich zukommen werden UND ob diese zu 100% durch den PKV-Vertrag abgedeckt sind.

Nachteile durch den Pflegegrad...
- das Kind muss alle viertel bzw. halben Jahre vom Pflegedienst besucht werden
- regelmäßige Wiederholungsbegutachtungen durch den MdK und ggf. viel Stress damit
- Stress bei den Abrechnungen mit der Pflegekasse
- keine Möglichkeit in Zukunft eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen (ja, das sollte man VORHER tun)

Den SBA darfst du jederzeit wieder abgeben. Beim Pflegegrad ist es auch ein Leichtes zu sagen, dass keine Notwendigkeit der Pflege mehr besteht. Es ist die Behinderung selbst, die behindert, nicht das, was den Familien eine Erleichterung bieten soll. Wenn dein Kind in dem Alter schon diese Diagnose bekommen hat, ist es nicht unbedingt leicht betroffen. Es wird also im späteren Leben (Kindergarten, Schule) immer Hilfe brauchen. Einen Autismus zu verschweigen ist immer eine schlechte Idee.

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Wir leben in der Schweiz, deshalb kann meine Erfahrung nicht 1 zu 1 übernommen werden. Hier gäbe es die Möglichkeit der "Hilo", Hilflosenentschädigung, gibt es drei Stufen je nach Schweregrad, recht ähnlich zur Pflegestufe.
Obschon wir das Geld mehr als dringend benötigt hätten, sind hier die Hürden sehr hoch, und das grösste Problem stellen diese Abklärungs- und Nachprüfungsbesuche dar.
Der Focus liegt dabei stets auf den Defiziten des Kindes, eigentlich logisch. Es kann aber leider den Nebeneffekt haben, dass das Kind in seiner Entwicklung bei jeder Überprüfung zurückgeworfen wird.
Wenn man nun also bedenkt wie oft man bei einem Autisten so oder so "bei Null" wieder anfangen kann, finde ich die zusätzliche Schüppe problematisch.
Mein Ziel lag und liegt darin, dass die Kinder ein erfülltes, selbstbestimmtes Erwachsenenleben führen können, mit Studium, Familie, Job im ersten Arbeitsmarkt.

Aber erkundige dich doch mal in Autismusforen, bei Elterngruppen, insbesondere bei Eltern bereits grösserer oder Erwachsener Autisten.

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