Ab wann Entwicklungsverzögerung?

Hi Ihr,

der Sohn meiner Schwester wird Ende Januar 2 Jahre alt. Ich sehe ihn selten aber wenn dann fällt mir auf, wie "zurück" er erscheint. Ich habe einen Sohn in exakt demselben Alter und er ist ganz normal zeitgemäß entwickelt.
Mein Neffe allerdings hat erst gerade, also mit 21 Monaten das Laufen angefangen, und läuft jetzt, mit knapp 22 Monaten nur mal 10 Schritte, gerne an der Hand aber viel lieber krabbelt er noch. Das wäre ja nicht sooo verwunderlich, es gibt ja diese Spätzünder. Allerdings meint man dann ja, dass die Sprachentwicklung zumindest durchschnittlich voranschreitet - oder ich als Laie meine das:) Er aber spricht genau ein Wort, und das ist "hallo". Er sagt auch kein Mama oder Papa, das wird ihm gerade "beigebracht". Er macht nur Laute wenn er was haben will, wenn er was blöd findet, also Laute des Zorns und der Ungeduld.
Er wirkt wie immer wie ein "Riesenbaby" für mich, weil er so wenig Kleinkind zu sein scheint...

Was meint ihr? Ist das Quatsch und sehr wahrscheinlich ist er nur ein Spätzünder? Oder würdet ihr auch Angst haben, dass da was "im Busch" sein könnte?
Der Arzt meint wohl alles ok, aber joa...ich weiß nicht genau wann sie das letzte mal war und auch nicht was das für ein Arzt ist. Sie selbst scheint völlig unbesorgt zu sein und ansprechen will auch keiner das Thema hier weil sie sehr empfindlich ist und das sehr krumm nehmen würde wenn man vorsichtig fragt ob das alles so normal sei..

Vielen Dank für Eure Einschätzungen...

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Selbst wenn es so wäre, was willst Du machen? Solange sie die U-Untersuchungen machen lässt und der Kinderarzt nichts Auffälliges findet, ist es eben so. Du kannst ja eh nichts ansprechen. Es gibt aber auch gravierende Unterschiede bei Kleinkindern, die trotzdem " im Rahmen" sind. Die zwei Jungs von Freunden waren unterschiedlich wie Tag und Nacht in der Entwicklung und jetzt in Richtung Schule passt's.
LG Moni

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Das normale Zeitfenster für das Laufen lernen ist mit 18 Monaten geschlossen - alles danach ist theoretisch verzögert. Allerdings kommt es einfach auch auf die Vorgeschichte an.
Beim sprechen gibt es „Late Talker“ und die sind gar nicht mal so selten. Das wird heutzutage in der mehrsprachigen Welt immer extremer.

Eine Entwicklungsverzögerung in allen Bereichen muss ein SPZ diagnostizieren nach einem Baylay Test und diversen anderen Untersuchungen. Aber jetzt ist das Kind einfach noch sehr jung - gib ihm Zeit.
Letztendlich ist eine Entwicklungsverzögerung keine richtige Diagnose. Damit kommt man auch bloß nicht weiter. Das sagt nur etwas über den aktuellen Stand aus und erlaubt dem Kind bestimmte Förderungen in Anspruch zu nehmen. Aber dafür ist es ohnehin noch zu jung.

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Hallo,

du wirst hier kaum eine verlässliche Antwort auf deine Frage bekommen.
Ich kenne zwei Kinder die etwa im Alter deines Neffen auf einem ähnlichen Stand waren.

Ein Kind besucht inzwischen die erste Klasse eine Regelgrundschule und ist völlig zeitgerecht entwickelt.

Das andere Kind (keine Geschwister) spricht bis heute höchstens 5 Worte, die kaum verständlich sind, besucht eine Förderschule für geistige Entwicklung und ist in vielen Bereichen deutlich verzögert, bis heute gibt es keine Diagnose. Es wird wahrscheinlich nie verständlich sprechen oder auf eine andere Weise kommunizieren können, ein selbstständiges ohne fremde Hilfe wird nicht möglich sein.

Ich wünsche deiner Schwester, dass er bestenfalls sein eigenes Tempo hat, und bald alles aufgeholt hat. Unterstütze sie und ihren Sohn, wenn sie Hilfe braucht oder sich einfach die Sorgen von der Seele sprechen möchte.

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Was Mütter mit fitten Kindern immer alles so meinen wie besorgt oder unbesorgt man sein sollte. Es gibt zwei Möglichkeiten: Vielleicht will sie es noch nicht sehen. Das wäre völlig ok. Wer nicht in der Situation war weiß nicht wie schwer es sein kann sich mit dem Gedanken zu arrangieren. Jede Mutter muss da auch erst mal reinwachsen. Das braucht Zeit. Man muss wachsen, mit den ersten Zweifeln zurecht kommen, das alles verarbeiten, bis man dann den Punkt erreicht hat es akzeptieren zu können. Dann macht man sich Sorgen, erkundigt sich, handelt.

Kinder werden gerade von Eltern die nicht in der "Materie" sind oft viel zu defizitär gesehen, zu sehr pathologisiert. Das Wichtigeste auf der Welt ist dass die Mutter ihr Kind annimmt und es bedingungslos liebt! Und solange ein Arzt nicht sagt dass man sich Sorgen machen muss ist es auch völlig legitim sich keine zu machen. Man kann die Zeit mit dem Kind auch genießen und reagieren wenn es soweit ist dass reagiert werden muss. Das wird ihr der Arzt oder spätestens die Erzieher in Krippe / Kindergarten sagen. Ich habe die letzten 5 Jahre damit verbracht mir Sorgen zu machen. Begründet waren sie, die Vorzeichen standen schlecht. Berechtigt waren sie nicht, es ist alles gut geworden. Was hab ich davon? Die schönste Zeit mit meinem Kind war sorgenbelasteter und verkrampfter als sie hätte sein müssen.

Die andere Möglichkeit wäre sie sieht die Entwicklung realistisch, aber es macht ihr nichts aus. Ich kenne auch solche Eltern, die selbst mit einer drohenden Behinderung nicht mit offenen Sorgen reagieren sondern es einfach nehmen können wie es ist.

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Das hast Du super geschrieben!
Es gibt noch eine dritte Möglichkeit: sie sieht die Verzögerung, macht sich Sorgen, bespricht dies aber nicht mit Leuten die sie nur gelegentlich sieht.

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Meine kleine ist motorisch krank, geistig jedoch gesund. Dennoch ist sie sprachlich nicht besser/schlechter als der Sohn einer Kollegin in dem Alter (fast 4 monate älter). Solange körperlich nichts auffällig ist, was der kia erkennen würde, ist alles ok.
Vor allem jetzt mit einem kranken Kind frage ich mich immer wieder, warum man sich nicht einfach freut, dass das eigene Kind Fortschritte macht, sondern sich darüber wundert/lästert, dass andere langsamer sind? Leben und leben lassen .......

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Hallo Helena,

dein Beitrag ist nun schon ein paar Wochen alt. Ich würde Dir aber dennoch gerne antworten, weil ich vor ca. einem halben Jahr ebenfalls das Internet zu Entwicklungsverzögerungen, spätes Laufen usw durchforstet habe und mir Deine Gedanken gemacht habe. Meine Zwillinge 2,5 Jahre (keine Frühchen) sind auch absolute Spätzünder.

Sie sind total pfiffig, ich hatte aber immer das Gefühl, dass sie etwas hinterher hinken. Sie sind Monate lang nur auf Knien gelaufen. Mein Sohn lief dann mit 21 Monaten frei, meine Tochter mit 24. Sprachlich waren sie auch eher langsamer als andere Kinder. Im letzten halben Jahr ist allerdings der Knoten geplatzt. Sie haben einen riesigen Sprung gemacht (körperlich, motorisch und geistig) und Laufen und quatschen was das Zeug hält.

Ich bin sehr froh, dass meine Kinderärztin nie ein Fass aufgemacht hat und uns nicht in ein SPZ überwiesen hat. Aus meiner Sicht werden Kinder heute viel zu oft zu Ärzten, Osteopathen und zur Krankengymnastik geschleppt. Das ist mit Sicherheit gut gemeint. Ich persönlich finde aber, dass es dem Kind von klein auf das Gefühl vermittelt, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Unsere Ärztin hat immer gesagt, dass alle (gesunden) Kinder unterschiedlich in ihrer Entwicklung sind und mit 3,5 spätestens alle auf einem Stand sind. Insgeheim habe ich das nicht wirklich geglaubt. Aus den vergangenen Monaten habe ich aber gelernt, dass manche Dinge wirklich ganz plötzlich passieren.

Ihr kennt den Kleinen am Besten. Gebt ihm noch ein wenig Zeit.

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