Regulationsstörung Kindergartenkind 3 Jahre

Im Moment kommt vieles zusammen: mein Mann leidet unter Depressionen, wir haben eine Ehekrise, weil ich wieder arbeiten gehen wollte und im letzten Sommer einen Versuch gestartet habe und wieder aufgeben musste, weil meine Familie damit gar nicht klar gekommen ist. Mein Mann ist mit vielem überfordert. Die Kinder sind auch nicht normal.

Sie habe beide Einschlaf- bzw. Regulationsstörungen. Bei der Großen habe ich mich nach der Geburt komplett um sie herumorganisiert, ich habe sie lange und überwiegend nur zuhause gestillt, so dass sie ihre Ruhephasen bekam. Aber dafür kriegte ich sie abends auch kaum zum Schlafen. Ich habe damals einfach geduldig gewartet und dann eben geschlafen, wenn sie auch schlief. Dadurch hatte ich einen total sozial unverträglichen Tagesrhythmus, den wir nach dem ersten Jahr wirklich nach Plan eingetaktet haben. Wir hatten immer so ein total ausgedehntes Abendritual. Und wenn irgendwas anders lief, wurde sie verunsichert und schlief dann nicht gleich ein, geriet über ihren toten Punkt und kam dann erst Stunden später zum Schlafen.

Beim zweiten Kind ging das gar nicht, denn da musste die Große morgens zum Kindergarten gebracht und mittags abgeholt werden. Ich musste die Kleine dann auch meistens wecken. Abends dann hat sie sich in Rage geschrieen, die härteste Phase war so mit 5 Stunden am Stück jeden Abend. Wir waren dann in der Schreiambulanz und haben das mit Beratung ganz gut in den Griff bekommen.

Jetzt aber mit der Krise zwischen mir und meinem Mann sind zwei Sachen wieder aufgetreten: Erstens sie schreit abends wieder. Sie wird dann abends trotzig und provoziert geradezu einen Streit oder macht ganz bewusst irgendwas verbotenes. Wenn man sie dann anschreit oder bestraft, hat sie ihren Grund. Mein Mann macht sie dann bettfertig, weil ich das schon gar nicht mehr aushalte. Und dann legt er sie ins Bett und streichelt so ein paar Minuten über ihre Stirn und dann kippt sie einfach weg. Sie fällt dann direkt aus dem Schreien in den Schlaf.

Aber wenn sie dann schläft, wird sie nach ein paar Stunden wieder wach und steht sofort auf und kommt zu uns. Und bei uns kann sie oft wieder nicht einschlafen.

Die Große schläft alleine, aber sie liest so lange, bis sie über dem Buch einschläft, was auch meistens viel zu spät ist. Andere Kinder schlafen ein, wenn sie 15 Minuten lang im dunklen Zimmer liegen, aberr meine Kinder nicht. :-(
Das ist auch der Grund, warum wir außer meiner Mutter keinen Babysitter haben. Wer wollte sich auch so einen Affentanz antun? Da müsste man ja zur Erklärung schon ein Drehbuch schreiben.

Mein Mann und ich sind beide so erschöpft. Uns fehlt die Ruhe und die Zeit für uns, denn wir haben keine Möglichkeit, uns auch mal zurückzuziehen.

Was können wir denn tun?

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Hallo!

Aus deinem Text wird mir nicht ganz klar, ob das "Herumorganisieren" um den Rhythmus deiner großen Tochter im ersten Lebensjahr aufgrund festgestellter Regulationsstörungen sein musste, oder ob sie in den letzten Jahren eher "unflexibel" geworden ist, weil sich alles um ihren Rhythmus gedreht hat.

Was macht denn deine kleine Tochter abends, dass es so "eskaliert"? Wie reagierst du, wenn sie dich provoziert?
Bockigkeit in bestimmen Situationen ist bei kleinen Kindern nichts Unnormales und ich würde das noch nicht mal als Regulationsstörung bezeichnen, sondern einfach als Reaktion auf irgendeine Situation. Wie ist denn die Atmosphäre bei euch in der Stunde vorm Schlafengehen?

Mein großer Sohn (auch 7) würde abends im Bett ebenfalls ewig lesen, wenn er dürfte. Aber nach 30 Minuten muss er aufhören, damit es nicht zu spät wird.
Wie lange habt ihr es denn probiert, dass deine Tochter nach dem Lesen im dunklen Zimmer einschläft?

Als unser großer Sohn eine Zeit lang schlecht einschlafen konnte, haben wir ihm (im dunken Zimmer mit Taschenlampe) eine Geschichte aus diesem Buch vorgelesen:
http://www.amazon.de/Die-Kapit%C3%A4n-Nemo-Geschichten-Geschichten-Stress-spektrum/dp/3451046482/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1362647538&sr=8-2
Dadurch ist er gut zur Ruhe gekommen.

LG Silvia

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Wir sind jetzt ja auch schon seit einigen Jahren mit unserem Kinderarzt im Gespräch und wir hatten auch die Beratung in der Schreiambulanz, wo diese Frage natürlich auch aufgeworfen wurde.

Es ist bei der Großen so, dass eine zeitlang mal im Raum stand, dass sie autistisch sein könnte. Es war nämlich auch später dann so, dass sie auch im Kindergarten schon auf kleinste Veränderung manchmal so heftig reagiert hat, dass es es weit über einen "normalen" Trotzanfall hinausging. Zum Beispiel kam mal ein neues Kind in die Kindergartengruppe und meine Tochter hat darauf reagiert, in dem sie sich im Kindergarten in einem Wandschrank auf dem Flur versteckt hat. Die Erzieherinnen haben sie den ganzen Vormittag gesucht und hatten schon vermutet, dass sie aus dem Kindergarten abgehauen wäre. Als die Schweinegrippe grassierte, wurde die Gruppe einmal mit einer anderen Gruppe zusammengelegt und eine fremde Erzieherin betreute diese dann ausnahmsweise. Da versteckte sich meine Tochter dann unter dem Schreibtisch der Kindergartenleiterin.

Sie war ja nicht einfach nur sauer, dass sie ihren Willen nicht bekommen hat, sondern sie hatte wirklich Angst und war mit der Situation komplett überfordert.

Sie hat auch eine große körperliche Unruhe. Wir haben ihr zum 7. Geburtstag ein Hochbett geschenkt, das ist so ein ganz großes von Ikea mit 1,40 m Breite. Mein Mann und ich haben ihr gesagt, dass wir am Anfang jeder von uns 1 Mal bei ihr mit im Hochbett übernachten. Sie hat gezappelt wie ein Zitteraal, als wenn sie total unter Strom steht. Eine Stunde ging das so und dann auf einmal war Ruhe. Das war die Härte! Ich lag so neben ihr und habe meinen Arm um ihren Bauch gehabt und ich konnte gar nichts machen.

Mein Mann hat gesagt, bei ihm ging das etwas schneller, denn er hat sie so nach 10 Minuten ganz fest im Arm gehalten, so richtig fest, als wenn man eine Zahnpastatube ausquetschen will. Dann hat sie noch so ein bisschen mit den Füßen gestrampelt und irgendwann "kippte" sie auch und schlief tief und fest. Er sagte, man hat so das Gefühl, als ob man sie irgendwie strangulieren würde und das tut einem in der Seele weh. Sie wehrt sich fast so gegen das Einschlafen als ob sie sich im Todeskampf befindet.

Als sie eingeschult war und sie abends nicht zur Ruhe kam, haben wir ihr sogar eine zeitlang vom Kinderarzt so einen Schlafsaft gegeben, aber das darf man natürlich nicht auf Dauer machen.

Es ist insgesamt schon ein bisschen heftiger als normal, sonst würde ich auch nicht bei Leben mit Handicaps schreiben.

Die Kleine provoziert so, dass sie bewusst Dinge tut, die sie nicht darf, z. B. reißt sie mir die Brille von der Nase (und ich bin sonst blind wie ein Maulwurf) oder sie kneift einem ins Gesicht oder sie stellt sich mitten ins Zimmer und brüllt sowas wie "verkackte Scheiße". Was bei uns zuhause ganz sicher kein normaler Umgangston ist.

Ach ja, wir haben es bei der Großen auch schon mit Hörspielen versucht und dann haben wir sie irgendwann öfter mal erwischt, wie sie nachts um halb 2 immer noch wach war. Sie hat das Hörspiel immer wieder von vorne angemacht. :-( Man sollte denken, es langweilt sie, weil sie die Geschichten ja alle schon kennt. Ist aber nicht so.

Mein Mann und ich sind abends beide immer sehr müde und sehen uns nach Ruhe, was für die Kinder oft so rüberkommen mag, als ob wir sie irgendwie loswerden wollen. Aber meine Freundin sagt zu ihren Kinder auch "Ich bin froh, wenn ihr endlich im Bett verschwunden seid!", aber da können die Kinder trotzdem schlafen. #gruebel

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Hallo!
Das klingt heftig und anstrengend...
Wurde untersucht, woran es liegen könnte, dass eure Kinder so sehr sensibel reagieren bzw. mit Änderungen schnell überfordert sind? Du schreibst ja, dass Autismus im Raum stand. Wurde anschließend genauer geschaut, was los sein könnte, nachdem der Verdacht ausgeschlossen wurde. Hat sie möglicherweise starke Wahrnehmungsstörungen, wegen der sie mit unbekannten oder unvorhergesehenen Situationen nicht zu gut zurecht kommt? Darauf bin ich gekommen weil das Festhalten, also ein starker Reiz auf den Körper, deiner Tochter geholfen hat, zur Ruhe zu kommen. Auch der große Bewegungsdrang könnte für Körperwahrnehmungsstörungen sprechen. Denn durch die Bewegung spüren sich manche Kinder besser.

Sollte bisher keine Diagnostik in der Richtung (z.B. bei einem guten Ergotherapeuten onder im SPZ) stattgefunden haben, würde ich sowas in die Wege leiten.
Was los ist, kann man aus der Entfernung natürlich nicht sagen, es ist nur eine Idee.

LG Silvia

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Hallo,

meine "Große" wird im Mai 3 Jahre alt und ich bin gerade in der 38. Woche schwanger. Ich hatte eine risikoreiche Schwangerschaft und musste oft bangen, ob sie hält. Wenn ich morgens aufstehe ist meine Tochter oft schon seeeeehr schlecht gelaunt bevor ich merke, dass es auch mir nicht so gut geht. Andersherum plappert sie schon im Bett munter drauf los und lacht, wenn ich einen guten Tag habe. Auch wenn ich versuche mir nichts anmerken zu lassen, meine Tochter ist so sensibel und bekommt meine verborgensten Ängste oder Sorgen mit, ob ich das möchte oder nicht. Und sie reagiert sehr heftig darauf mit Schreien, auf den Boden werfen, Sachen schmeissen, um sich schlagen etc. oder sie ist der Sonnenschein und die Ausgeglichenheit in Person.

Was ich damit sagen möchte ist, dass Kinder viel mehr von der familiären Situation mitbekommen, als wir ahnen. Und bei euch ist die familiäre Situation momentan mehr als angespannt.

Ich habe sie auch oft mal geschimpft, weil ich mit den Nerven am Ende war, aber das hat alles nur noch verschlimmert. Ich habe für mich den "Verständnis-Weg" gefunden (keine Ahnung, wie ich es sonst bezeichnen soll) und es klappt prima. Wenn meine Maus mal wieder ausrastet überlege ich, was wohl gerade in ihr vorgeht: Sie merkt, dass etwas nicht stimmt, nicht gut ist. Sie will aber Liebe und Geborgenheit und eine fröhliche Mama / Papa. Sie weiß nicht, warum gerade nicht alles gut ist und kann ihre Gefühle nicht anders zum Ausdruck bringen als mit Trotz, Protest und Schreien. Ich nehme sie dann in den Arm, sage ihr, dass alles gut ist und versuche ihr zu erklären, warum gerade alles doof ist. Dass ich Angst habe, dass das Baby zu früh kommt, dass mir gerade etwas weh tut oder ich einfach nur übermüdet bin oder auch traurig, dass ich sie aber über alles lieb habe und es nichts mit ihr zu tun hat und alles wieder gut wird und sie ein ganz tolles Mädchen ist. Manchmal beruhigt sie sich dann, manchmal läuft sie schreiend weg und ich halte ihr dann die ausgestreckten Arme hin, so dass sie kommen kann, wenn sie möchte. Oft hilft auch, wenn ich sie ablenke, z.B. ein Kuscheltier sie fragt, warum sie weinen muss und ihr dann die Situation erklärt. Auf jeden Fallkuscheln wir nach einem "Anfall" erst mal und ich sage ihr immer wieder, wie sehr ich sie lieb habe und meistens ist dann auch erst mal wieder alle gut.

Wasuns auch geholfen hat ist, dass wir den Mittagsschlaf gestrichen haben. Sie ist jetzt abends so müde, dass das mit dem Einschlafen viel schneller geht und sie darf auch bei uns im Bett schlafen. Wir haben eine Seite ihres Gitterbettchens abgegbaut und an unser Bett rangeschoben, aber meistens will sie in der Besucherritze schlafen. In der Nacht kuschelt sie dann mit meinem Mann oder mir, wenn sie aufwacht und braucht viel weniger Zeit um wieder einzuschlafen und wir müssen nicht aufstehen und bekommen auch mehr Ruhe. Man muss es halt mögen, dass die Kinder im Bett sind, aber unsere Beziehung leidet da nicht darunter, da es ja noch andere Räume als das Schlafzimmer gibt.

Bei uns hat sich der Stress durch diese Maßnahmen wieder deutlich reduziert und unserer Kleinen geht es auch immer besser und sie kann sich auf mein/unser Verhalten bei einem "Ausraster" verlassen und ich habe den Eindruck, dass sie zunehmend auch mit sich reden lässt und meinen Argumenten zuhört, zumindest im Rahmen ihrer kindlichen Möglichkeiten.

Keine Ahnung, ob dir das jetzt was hilft, aber ich wünsche dir alles, alles Gute!!!

LG

P.S: Dein Mann gehört in eine Therapie, eine Depression kann man auf keinen Fall abwarten oder aussitzen!!!!!

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