Plötzlich habe ich ein entwicklungsverzögertes Kind

Guten Morgen!

Ich schreibe hier mit keinem besonderen Anliegen, außer vielleicht, um von Euch Ratschläge zu erbitten, wie ich mit der folgenden Situation umgehen soll.

Unser Sohn, 5,5 Jahre alt, war bis jetzt bei keiner U auffällig. Es gab zwar immer wieder kleinere Sachen zu bemängeln (Gleichgewichtssin könnte besser sein, Kopf des Männchens wurde zu groß gemalt), aber nie in dem Maße, dass es eine Therapie nach sich gezogen hätte.
Das letzte kindergartengespräch beinhaltete den Hinweis, er sei noch sehr verspielt, was def. auch der Fall ist, aber sonst verlief es recht positiv.
Auch die Stifthaltung ist mittlerweile gut. er schreibt zwar noch recht große Buchstaben, aber das wird auch immer besser. Daran und an Zahlen hat er auch großes Interesse, am Schreiben aber mehr.

Nun war ich gestern bei der Besprechung des Schulspiels (beim Gesundheitsamt waren wir noch nicht), und mir wurde gesagt, sie werden ihn bei der Sonderpädagogischen Förderung melden, da er zu lange brauchte, um Aufgaben zu verstehen und der Gleichgewichtssinn zu schlecht sei.
Zu Hause habe ich das erstmal gegoogelt und dabei gesehen, dass es eine Förderung ist, die auf behinderte Kinder abzielt. Das hat mir total den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich weiß auch gar nicht, was das jetzt für Konsequenzen für ihn und uns haben kann, wenn da nun ein Gutachten über ihn erstellt wird.
Ich kann irgendwie gar nicht damit umgehen, dass ich 5 1/2 Jahre dachte, ich hätte ein "normales" kind, und nach 10 Min. Gespräch habe ich eines, was entwicklungsverzögert oder lernbehindert ist.
Könnt Ihr das verstehen? Und wisst ihr, was auf solch ein Gutachten folgt?

Ich danke Euch schonmal herzlich!

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Zunächst mal: Die Einschätzung einer Erzieherin sollte man zwar immer ernst nehmen (schließlich haben sie den direkten Vergleich mit anderen Kindern), aber nicht überbewerten (schließlich sind es Erzieherinnen und keine Ärzte/Therapeuten). Die Diagnose, dass ein Kind entwicklungsverzögert oder lernbehindert ist, kann eine Erzieherin nicht treffen, dazu braucht man eine ärztliche Untersuchung.

Warum denn ein Sonderpädagogisches Gutachten? Geht es um die Einschulung?

Bei uns werden Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten zunächst an das nächste SPZ (Sozialpädriatrische Zentrum) überwiesen werden, um das Kind durchchecken zu lassen.

Ist Dir denn zu Hause auch schon aufgefallen, dass es sehr lange braucht, um Aufgaben zu verstehen? Sprachentwicklung, motorische Entwicklung etc. waren immer unauffällig?

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Hallo!

Also, das ist mir eigentlich nie aufgefallen! Eine sehr "blöde" Angewohnheit von ihm ist es, immer "Wie bitte?" zu fragen, wenn er etwas nicht beantworten möchte (wenn es z.B. ummein unangenehmes Thema geht wie ein Streit im Kiga etc.), und dass er sich zahhlen nicht so gut merken kann, wie z.B. unsere Telefonnummer.
Motorische Entwicklung war m.E. normal, er konnte mit 12 Monaten laufen und Fußball spielen, liebt es zu klettern etc. Also für mich nichts besonderes. Gesprochen hat er spät, aber dann superviel.
Es gibt eine kleine Sache, die ihm noch hin und wieder beim Sprechen passiert, und zwar sagt er manchmal "Ich aufpasse" statt "Ich passe auf" - das korrigiert er mittlerweile aber oft schon selbst.

Genau, es geht um die Enschulung!
Danke schonmal für Deine Antwort!

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hallo

erst mal ganz ruhig !!!!!!

Er muss noch nicht buchstaben malen !!!

Sei froh dass sie dich drauf aufmerksam gemacht haben und es nicht erst Probleme geben musste in der Schule.

lg

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Natürlich bin ich froh, dass er Hilfe bekommt, wenn er sie braucht - aber wenn man jahrelang sein Kind für "normal" gehalten hat und etwas anderes nie im Gespräch war, dann ist es schon etwas traumatisch, eine Bewertung mit solcher Tragweite innerhalb von 10 Min. ohne weitere Erklärung zu erhalten, und dann kann man nach Hause gehen und googlen, was das alles bedeutet, weil man zu geschockt und auch zu doof war, zu insistieren und nachzufragen.

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Hallo,
das ging mir auchmal so, allerdings waren meine Kinder damals 1 und 3 Jahre - innerhalb 2 Stunden von total gesund auf schwerst mehrfachbehindert und pflegebedürftig. Und das ohne ein besonderes Ereignis wie Unfall oder so. Nur ein Kinderarztwechsel war bei uns der Grund. Es war ein Schock...
Nun zu dem "Schulspiel". Ich kenne den Namen nicht, aber ich schätze mal, das sind die Tage, in denen die Vorschulkinder in die Schule gehen und von Lehrern "unterrichtet" werden und bestimmte Sachen machen müssen, oder? Mein Großer war dort auch. Im Gespräch mit der zuständigen Direktorin, sagte sie uns direkt, dass unser Großer (damalige Diagnosen: Sprachentwicklungsstörung, Hypotonie, Valproatembryopathie) zwar auf unseren ausdrücklichen Wunsch dort eingeschult werden müsse und sie nichts dagegen machen kann, aber am ersten Schultag würde sie das AOSF-Verfahren eröffnen, da er ihrer Meinung nach, an dieser Schule nie klarkommen würde. Wir haben dann davon abgesehen, ihn dort integrativ zu beschulen. Jetzt geht er auf eine Sprachheilschule. Mittlerweile sind wir alle der Meinung, dass die Direktorin damals nicht so unrecht hatte ;-). Aber wer schickt sein Kind schon gern auf eine Förderschule?
An deiner Stelle würde ich jetzt 3-4 Dinge SOFORT machen. Als erstes würde ich umgehend den Kinderarzt wechseln. Dein Kind braucht dringend Therapien. Die Zeit bis zur Einschulung ist sehr kurz. Das hätte schon mindestens vor 1-2 Jahren starten müssen, dann wärst du jetzt gar nicht in dem "Schlamassel".
Als zweites würde ich nachdem die Untersuchung vom Gesundheitsamt war (notfalls mal dort anrufen, dass du eher einen Termin bekommst), einen Antrag bei der Direktorin der Schule auf Akteneinsicht in die Schulakte deines Kindes stellen. Das machst du schriftlich. Und so blöd es klingt, man kann es auch vor der Einschulung beantragen...habe ich auch gemacht.
Als drittes würde ich die Schulleiterin "freundlich" daran erinnern, dass das AOSF nicht ohne deine Zustimmung zu starten ist. Gleichzeitig solltest du dir nochmal überlegen, wem du eine Vollmacht über welche Daten deines Sohnes gegeben hast. Hat die Schule eine "Generalvollmacht", würde ich sie sofort entziehen.
Als viertes würde ich über eine Rückstellung nachdenken. Bei deinem Kind ist viel schiefgelaufen. Es ist anzunehmen, dass er das mit Therapien in einem zusätzlichen Jahr aufholen kann und dann normal eingeschult werden kann. Es gibt die Möglichkeit der Rückstellung in den Kindergarten und die Rückstellung in die Vorschule. In der Vorschule würde er noch entsprechend gefördert werden. Der Kindergarten ist im 4. Jahr wahrscheinlich langsam langweilig.

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Hallo!

Ich danke Dir ganz herzlich für Deine Mühe und Deine guten Tipps! Vielen Dank!

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Lass dich nicht quirlig machen. Dein Sohn kommt erst in die Schule und es wird bemängelt das der Kopf zu groß gemalt, die Buchstaben zu groß das Kind ist doch erst 5 jahre alt. Magst mal die Bilder meines Sohnes sehen? die Menschen verstecken alle ihre Hände in den Sweatshirts, aus Aufgaben zum zuordnen werden die verschnörkelsten Kunstwerke gezaubert, alles was nicht mit Schießen zu tun hat ist langweilig.
Klar das mit dem Gleichgewicht sollte man schon beobachten (sind die Ohren OK?)
Aber es gibt viele kinder die keine richtige Rolle , nicht auf einem Bein hüpfen können Das könnt ihr aber auch zu Hause spielerisch üben. Lg und mit Lernbehinderung hat das von Dir aufgezeigte noch lange nichts zu tun (meine Meinung)

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Hallo,

ein kind, das entwicklungsverzögert ist, ist nicht gleich behindert. Es ist sowieso Schwachsinn. Jedes Kind hat ein eigenes Entwicklungstempo ohne das es gleich behindert ist. Ich glaube auch nicht, dass irgendein Gutachten erstellt wird.

Mach Dich nicht verrückt. Dein Kind ist nicht behindert und wird die Schule gut schaffen. Mein Sohn konnte in dem Alter weder Zahlen noch Buchstaben schreiben. Er kommt auch in der Schule mit. Den Gleichgewichtssinn kann man trainieren. Außerdem wir er immer nur mit der gleichen Methode getestet, nämlich auf einem Bein stehen. Das konnten meine Kinder auch nie gut. Mein Sohn fiel da damals auch durch. Sein Sportlehrer im Kindergarten hat ihn dann beiseite genommen und ihn anders getestet und meinte: "Er hat doch ein super Gleichgewicht!" Nach ca. einem halben Jahr, da war vielleicht 6,5 Jahre alt konnte er super auf einem Bein hüpfen. Ansonsten hilft Sport.

Alles Liebe

Carola

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Hallo,

ich habe zwei entwicklungsverzögerte Kinder und beiden ist es nicht anzusehen. Entwicklungsverzögert ist nicht entwicklungverzögert und manchmal ist es für Kinder ganz gut noch ein wenig Zeit zu bekommen. Der Stress und die Erwartungen in der Schule sind hoch. Wir hatten bei beiden das Glück das sie nach dem Stichtag geboren sind und ein Jahr extra Kindergarten zu erhalten.

Bei uns steht in den Gutachten immer was die Kinder können und auch was nicht. Jedoch warne ich Dich vor: je nachdem der das Gutachten schreibt so liest es sich. Mein kleines Kind hatte binnen kurzer Zeit von zwei Personen zwei Gutachten erhalten die für den Therapeuten den selben Inhalt ergaben, aber in einem war medizisches Fachwissen extrem verschlimmert dargestellt mit dem Ergebnis schwerst entwicklungsverzögert und das andere Mutti und Vati verständlich geschrieben mit einigen Fachberiffen und als nicht altersentsprechend entwickelt beschrieben. Therapieform haben beide das Selbe empfohlen

Dein Sohn wird je nachdem zur Schuluntersuchung beim Gesundheitsamt rauskommt zur Vorstellung in einem SPZ gehen dürfen und dort wird er ein wenig spielen dürfen nach Themenbereichen und Du als Mama ein paar Fragen beantworten. Keine Angst alles nix schlimmes. Am Ende wird aus dem Spielbereichen eine "Fieberkurve" gemalt. Dann werden zwei Linien eingezeichnet eine oben und eine unten und der Zwischenraum zeigt das Level an was ein Kind theoretisch altersentsprechend können sollte. Da aber Kinder keine Maschinen sind sondern Menschen und auch wir Erwachsenen nicht alles können wird bei Deinem Kind es Dinge geben Die es gut kann, also im oben Bereich des Kästchens und andere Sachen werden eher im unteren bzw außerhalb des Kastens sein. Auf Grund dieser Auswertung wird es Vorschläge zur Therapie geben zb: Ergoherapie, Frühförderung uä.

Für Dich zur Beruhigung: Mein extrem schwerstbehindertes Kind besucht eine normale Schule und hat wie viele andere Kinder seine guten und auch schlechten Tage und so sind auch die Leistungen. Mein Fieberkurvenkind (eine Leistung oberhalb des Levels und eine unterhalb) wird auch eine normale Schule besuchen jedoch zu seinem Wohl eine mit der verstärkten Förderung seines größten Problems.

Liebe Grüße

Geli

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weisst du das problem liegt heute daran das die kinder am besten fertig in die schule kommen und schon alles können.

ich habe ein stark lernbehindertes kind und noch 2 weitere kinder. die älteste ist das lernbehinderte kind mir war recht früh klar das iwas ist aber habe nicht geglaub wie tief es geht. mitlerweile komme ich damit klar und wir machen das beste draus sie ist ein tolles liebenswertes kind.

nun steht bei uns die einschulung für das zweite an aber uns wurde geraten sie eventuell zur vorschule zu schicken weil sie eben auch probleme mit der gesamten motorik und dem tempo hat, ich sehe das gelassen deswegen ist sie nicht lernbehindert nur weil sie langsam ist. wir machen nun sport schwimmen ergo und üben zu hause. es klappt schon viel besser.

such dir einen guten arzt der euch unterstützt.

viel glück

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Hallo,

das du geschockt bist kann ich verstehen, es ist nicht leicht sich einzugestehen das sein Kind Defizite hat.

Aber eine sonderpädagogische Überprüfung bei uns heißt es AOSF muss nicht schlecht sein.

Dort wird das Kind intensiv überprüft und geschaut wo es spezielle Förderung braucht um in der Grundschule gut mitzukommen und nicht von Anfang im Lernen "Behindert" wird.

Nur weil Förderbedarf festgestellt wird MUSS kein Kind auf die Förderschule sondern es kriegt spezielle Förderung von einem Sonderpädagoge an der Regelschule.

Gruß Sunny

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