Es fällt mir schwer zu akzeptieren ....

... daß mein Sohn "besonders" ist.
Zur Vorgeschichte:
In der 31. SSW wurde festgestelllt, daß sein Kopf kleiner ist als normal. Die Fontanellen waren geschlossen (aber nicht verknöchert), sein KU war bei Geburt 31cm. Es wurde im Alter von 11 Wochen ein MRT gemacht, um zu kontrollieren, ob alle Gehirnanlagen vorhanden sind (waren okay). Wir waren bei der Ostheopathie, um die Schnädelknochen "weich" zu halten, damit sie nicht verknöchern. Sein Kopf wächst, ist aber zu klein (Diagnose Microcephalus - er ist jetzt 4 Jahre und 9 Monate KU ist ca. 45cm). Er ist ein sehr aktives Kind, mit starkem Bewegungsdrang, die Ärzte sehen Anlagen für ADHS (es fällt ihm sehr schwer sich zu konzentrieren, ist sehr unruhig). Er ist sprachlich verzögert (er spricht sehr verwaschen und undeutlich, er hat nicht den Wortschatz, den er haben sollte, auch das Sprachverständnis ist nicht so, wie es sein sollte. Bei Liedern oder Reime kann er sich nur den Anfang und das Ende merken - "Hopp, hopp ... Galopp"). Wir fördern ihn, wo es nur geht (Frühförderung, Ergo, Logo, Waldkindergarten).

Nun hat uns das SPZ empfohlen, ihn im Vorschuljahr in eine SVE zu geben. Ich hab mir die SVEs bei uns in der Gegend angesehen (es gibt nur eine, die für ihn geeignet wäre) und die ist bei mir durchgefallen (unsympatisches Personal, schäbige Einrichtung, der Tagesablauf war nicht klar, ....). Jetzt hab ich mit der Frühförderstelle gesprochen und mir die Möglichkeiten für ihn aufzählen lassen:
1. SVE - ist ausgeschieden
2. integrative Gruppe im Regelkiga - gibt es 2 im Landkreis. die eine bietet nur eine Nachmittagsbetreuung an (ich bin dann wieder berufstätig und brauche am Vormittag eine Betreuung, die andere ist ca. 15km entfernt - soll aber sehr gut sein, werd ich mir noch anschauen)
3. Regelkiga - scheidet für mich aus, weil mein Sohn mit 25 - 30 Kindern in einem Raum durchdrehen würde
4. weiter, wie bisher - Waldkiga + Frühföderung & co. danach Förderschule

Und da hakt es bei mir. Ich hab nur Gutes über die Förderschule gehört und finde es toll, daß es sowas gibt, aber mein Kind ist ja nicht doof. Wie soll ich das erklären. Ich hab Angst, daß er dann gleich als Depperl abgestempelt ist. Man sieht ihm äußerlich nicht an, daß er verzögert ist. Er ist ein ganz liebes Kerlchen, das man einfach nur knuddeln will.
Die Erzieherin im Kiga meint, ich soll ihm Zeit lassen, evtl. zurückstellen lassen (hinsichtlich Schule). Oder ich muß lernen zu akzeptieren, daß ich ihm mit einer normalen Grundschule keinen Gefallen tu, wenn er sich nur schinden muß.

Ich will irgendwie die Hoffnung nicht aufgeben, daß mein Sohn ganz normal ist, daß er alle Defizite noch ausgleichen kann.

Vielen Dank fürs zuhören

3

mir stösst eine Aussage von Dir ganz sauer auf_

"aber mein Kind ist ja nicht doof. Wie soll ich das erklären. Ich hab Angst, daß er dann gleich als Depperl abgestempelt ist. Man sieht ihm äußerlich nicht an, daß er verzögert ist."

Demnach ist meine Tochter also doof und Depperl weil sie auf eine Förderschule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung geht?

Dein Sohn ist also stark Sprachverzögert, sowohl aktiv als auch passiv.
Er versteht also vieles nicht, ist insgesamt entwicklungsverzögert.

Wenn er da mehr als ein halbes Jahr hinterherhinkt ist er geistig Behindert ....also doch "doof und Depperl"
Und da ist eine Förderschule genau die richtige Schule für ihn.

Du schreibst doch selbst das er in großen Gruppen überfordert ist.....also könnte er deswegen schonmal in keine Regelschule.
Auch würde er in der Regelschule keine ausreichende Förderung erhalten, sondern nur etwas Hilfestellung.

Du solltest mal nicht an dich denken, und and as was andere Leute vielleicht denken - sondern an das was für Deinen Sohn das Beste ist!
Und wenn erfahrene Pädagogen etc. empfehlen das er auf eine Förderschule sollte, dann solltest dem Ratschlag vielleicht doch lieber folgen.....

Und das mit dem Jahr zurückstellen wäre ein guter Anfang - sofern es bei euch möglich ist.
In manchen Bundesländern geht das leider nur sehr schwer.......

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Hallo krokolady,

ich wollte damit niemanden zunahe treten.

Das ist ja gerade das Problem, das ich habe. Die Förderschule, die wir hier haben, ist relativ neu, gut ausgebaut, ich kenn einige Kinder, die dort hingehen und glücklich sind. Es ist eine klasse Einrichtung.

Ich selber habe das Problem, das ich es (noch) nicht akzeptieren kann, daß mein Kind eben Hilfe braucht.
Der Ratschlag der Erzieher geht auch auseinander. Die einen sagen, Regelschule (wir sind auf dem Land, da ist eine Klassenstärke von ca. 20 normal), die anderen sagen zurückstellen lassen, die dritten sagen Förderschule.

8

Das mit dem akzeptieren können haben sehr viele Mütter und auch Väter.
Vielleicht solltest Du mal zu einer Psychologin gehen. Ich kenne ganz viele Mütter die das gemacht haben oder immernoch machen!

Und wenn Du die Chance hat auf Rückstellung versuch es damit.......in einem Jahr kann viel passieren!

1

Hallo,

ich kann dich gut verstehen. Mein Sohn ist ein Frühchen aus der 26. Schwangerschaftswoche und ist eigentlich auch "ganz normal". Er hat auch die Diagnose Microcephalus (jetzt mit 4,5 Jahren 46cm KU), jedoch ist seine Entwicklungsverzögerung rückläufig.

Er bekam nach der Entlassung gleich Frühförderung, ging mit 2 Jahren als I-Kind in eine Krippe und nun seit 1,5 Jahren in einen Heilpädagogischen Kindergarten. Wir taten uns anfangs auch schwer, denn unser Kind ist für uns ja nicht "behindert". Aber er hat eben seine Baustellen und ist in einem HPK einfach optimal betreut. Ich bin auch der Meinung, dass er gerade dadurch seine Entwicklungsverzögerung aufholt. Und trotzdem habe ich noch heute manchmal Tränen in den Augen, wenn der Lebenshilfe-Bus vor unserer Tür hält und ihn abholt/bringt :-(.

Zu der schulischen Laufbahn kann ich keine Tipss geben, da es für uns erst in 3 Jahren zum Thema wird (ich lasse ihn auf jeden Fall noch ein Jahr zurückstellen). Ich hoffe aber, dass er dann in eine Regelschule gehen kann.

LG

2

Hallo,

die Hoffnung stirbt zuletzt. Du machst das genau richtig. Zuerst einmal sollte man sich bewusst machen, dass die Entwicklung von Kindern nicht im Gleichschritt stattfindet. Jeder hat sein eigenes Entwicklungstempo und ist noch lange nicht behindert. Viele Entwicklungsschritte wird dein Sohn noch nehmen.

Zuerst einmal würde ich alle Möglichkeiten ausschöpfen, die es gibt. Ich würde ihn auf jeden Fall ein Jahr später einschulen und dann auch auf eine Regelschule. In der 1. Klasse wird sich zeigen wie er mitkommt.

Ich kann Dir nur von uns berichten. Mein Sohn war absolut unkonzentriert und konnte kaum einen halbwegs vernüpftigen Kreis malen bevor er in die Schule kam. Wir haben ihn zurückstellen lassen. Er kam mit 7 Jahren in die Schule. In Deutsch und Mathe hatte er große Probleme. Wir mussten täglich sehr viel üben. Er kam in die 2. Klasse und hat sie mit Ach und Krach geschafft. Nach 2 Jahren konnte er gerade so lesen, weil er eine Leserechtschreibschwäche hat. Wir haben ihn die 2. Klasse auf Wunsch der Eltern wiederholen lassen und so langsam holt er auf. Er ist jetzt in der 3. Klasse. Rechnen kann er mittlerweile sehr gut, obwohl er am Anfang der Schulzeit Schwierigkeiten hatte, einfachste Mengen zu erfassen. Lesen klappt auch gut und das Schreiben wird immer besser. Alles ist nur mit sehr viel Engagement möglich. Man hat auch schon versucht unseren Sohn auf eine Förderschule abzuschieben, was wir aber ablehnen. Er ist kein sehr guter Schüler aber er ist meiner Meinung nach keineswegs gut auf einer Förderschule aufgehoben. Seine Note bewegen sich zwischen 2 und 4, in Deutsch 5. Na und.

Ich bin davon überzeugt, dass Kinder wie unsere ihren Weg gehen können und werden. Wäre mein Sohn richtig behindert, würde ich über andere Möglichkeiten nachdenken.

LG

Carola

6

Hallo,

was verstehst du unter richtig behindert?

Manche Kinder sind auch ohne offensichtliche Behinderungen besser auf einer Förderschule aufgehoben.

Lg Maja

9

Hallo,

das sehe ich anders. Ich finde alle Kinder sollten an einer Regelschule lernen dürfen. Die Schulen sollten mehr Fachkräfte haben und auch für behinderte Kinder offen sein.

Mein Sohn ist im Lernen eingeschränkt, weil er eine Leserechtschreibschwäche hat, er ist aber nicht in seinen geistigen Fähigkeiten allgemein eingeschränkt. Wäre er das, würde ich über eine Förderschule nachdenken, obwohl ich es nicht für die beste Möglichkeit erachte. Ich bin grundsätzlich für die Abschaffung dieser Schulen und eine inklusive Beschulung.

LG

Carola

4

Hallo,

mein Sohn konnte zur Schuluntersuchung mit 5 nicht malen, sich nicht unterhalten, nicht hüpfen und trocken war er auch nicht.

Ein Jahr später kam er auf die Förderschule Sprache. Sprachlich hatte er im letztem KiGa Jahr super aufgeholt, malen konnte er immer noch nicht. Lesen konnte er in der E Klasse noch vor den Herbstferien.

Mitten im 3. Schuljahr fand die Rückschulung auf einer Regelschule statt. Man merkt ihm an, dass er anders ist. Er wurde bis jetzt noch nie gehänselt, die neuen Schüler helfen ihm, wenn er was nicht schafft (zb Inline skating AG, da haben sie ihm unter den Armen festgehalten und alle haben gejubelt als er wenige Schritte alleine geschafft hat)

Letzte Woche bekam er eine Realschulempfehlung!

Wäre er von anfang an auf einer Regelgrundschule wäre er untergegangen.

Wo wohnt ihr denn? In NRW ist es fast aussichtlos ein Pflichtkind zurückstellen zu lassen.

Er wird seinen Weg gehen und du musst ihn dabei unterstützen, auch wenn der weg einen Umweg macht.

Alles Gute für euch

Lg Maja

5

Ich halte übrigens gar nichts davon ein Kind mit ach und krach auf einer Regelschule zu schicken. Resultat sind sehr schlechte Noten und Probleme auf der weiterführenden Schule.

Wenn du dein Kind zurückstellen lässt und es dann in der Schule evtl nochmal wiederholt, kann er auf der weiterführenden Schule auch schnell zum Depp werden, da er der Älteste sein wird. selten wird nach der Grundschule gefragt, das Alter fällt sofort auf.

Dann besser eine gute Förderschule suchen und dann in der Grundschulzeit oder nach der 4. wieder ganz normal auf einer Regelgrundschule.

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Hi!
Mein Sohn geht das 2. Jahr auf eine Förderschule (Entwicklungsverzögert in allen Bereichen, ADHS und autistische Züge) und es ist super dort! 11 Kinder und oft 2 Lehrer! Das erste Jahr dauert 2 Jahre....die Kinder werden langsam rangeführt, haben anfangs noch viele Spielzeiten!

.....und mein Sohn ist nicht "doof"!

Mein Sohn konnte nach 6 Monaten schon Alles lesen.....Er ist total glücklich dort..... Macht sich super!

Meine Große geht mit ADHS in die 4. Klasse einer normalen Grundschule....also hab ich den direkten Vergleich....! Der Druck und das Tempo dort ist echt heftig....von anfang an! Meine Tochter hat 3 Jahre gebraucht um anzukommen und sich dran zu "gewöhnen".......es war eine furchtbare Zeit für sie! Als mein Sohn in die Förderschule kam und ich merkte, wie Schule für ein "besonderes" Kind sein kann....nämlich schön.....habe ich mir in den A**** gebissen, das ich meine Tochter damals auf keinen Fall dort haben wollte! Außerdem "behalten" sie die Kinder dort nicht, wenn sie merken, das das Kind soweit ist, kommt es in die normale Schule! (In der Klasse meines Sohnes schon 1 Fall und von einer guten Bekannten kam gerade der Sohn in die normale 4. Klasse und er macht sich super: 2er Schüler!)

....und er wurde bis jetzt noch nicht als doof oä abgestempelt......und er wird seinen Weg gehen und ich werde immer stolz auf ihn sein!

Mein Ex-Mann war bis zur 9. Klasse auf solch einer Schule und hat dann sein Hauptschulabschluß gemacht, dann erst Maler und Lackierer gelernt, dann Versicherungsfachmann und ist jetzt Gutachter bei Wasserschäden und verdient sehr gut! ....er wurde auch noch nicht herabgesetzt, weil er mal in solch einer Schule war!

Ana

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also, mal ganz grundsätzlich:

es gibt verschiedene arten von förderschulen, die jeweils spezialisiert sind.

zb. ein kind, das aufgrund von körperlicher behinderung auf eine förderschule geht, wird nicht die gleiche einrichtung besuchen, wie ein kind, das eine geistige behinderung hat.

auch das ziel ist von schule zu schule unterschiedlich. so wird bei der einen ein schulabschluss wie an den regelschulen angestrebt, bei der anderen die fähigkeit, möglichst selbstständig im alltag zurecht zu kommen...

gemeinsam haben diese schulen, dass sie dazu da sind, kinder trotz ihrer jeweiligen einschränkung optimal zu fördern.

was deine akzeptanz angeht, würde ich mal da anfangen, wos ans formulieren geht. immer diese "schönredungen"...
sorry, ist nicht persönlich gemeint, aber nur weil man nicht mehr "behindert" sondern "besonders" sagt, ändert sich an den fakten nichts...

lg

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