Mein Sohn (5) ist anders...

...als andere Gleichaltrigen. Ich habe das sehr früh bemerkt, noch bevor er ein Jahr alt wurde. Schon in der Krabbelgruppe saß er immer abseits und hat nicht gespielt, wie andere Kleinkinder. Stapelbecher, Bauklötze, das alles hat ihn wenig interessiert. Er war immer "der Beobachter". Eine Zeit lang hat er ständig Löffel mit sich herumgeschleppt, sogar im Buggy hat er seinen Löffel wie eine Trophäe festgehalten, wollte ihn auch im Bett dabei haben.

Später war er immer ausgegrenzt, andere Kinder haben ihn irgendwie gemieden. Als er zwei war, ist aufgefallen, dass seine Art, Kontakt aufzunehmen, nicht angepasst war. Er hat Kinder ständig umarmen, drücken, schubsen wollen, konnte seine Kräfte absolut nicht dosieren. Er hat auch schnell aggressiv reagiert (macht er auch heute noch). IM Kiga wurde seine Unruhe schnell auffällig. Da haben wir auch mit Ergotherapie begonnen (seit Sommer 2010 geht er zur Ergo). Lt. Ergotherapeutin hat er Wahrnehmungsstörungen, reagiert überempfindich auf körperliche Reize und hat Schwierigkeiten mit der Körperwahrnehmug.
Im Kindergarten ist weiterhin seine Unruhe, seine leichte Ablenkbarkeit und Defizite im Sozialverhalten. Ihm fehlt es oft auch an Empathie (das ist mir schon aufgefallen, als er klein war) Habe endlich für August im SPZ in Mainz einen Termin bekommen, zur medinzinischen und psychologischen Untersuchung. Bei der letzten U-Untersuchung wurden auch Defizite im motorischen Bereich und Verhalten festgestellt und im U-Heft eine globale "Entwicklungsverzögerung" eingetragen.

Ich bin erleichtert, dass der Termin quasi vor der Tür steht (der Alltag mit ihm ist manchmal sehr aufreibend, er befolgt grundsätzlich nur jede dritte Anweisung und diese erst nach mehrmaligem sagen, ist zappelig, verfällt schnell in Wutanfälle, Aufräumen geht gar nicht. Im Supermarkt fingert er alles an, rennt ständig weg, leckt die Kühlteken ab...) und ich manchmal nervlich ziemlich angespannt bin (haben noch einen sehr lebhaften 2,5 Jährigen der mit sehr wenig Schlaf auskommt und bin berufstätig).
Andererseits habe ich auch Angst vor dem Termin, weil ich das Gefühl habe, das ist erst der Anfang von All dem, was uns noch bevor steht.

Aber er soll ja auch nächstes Jahr eingeschult werden und Ziel ist es, ihn in der Vorschulzeit soweit auf Spur zu bringen, dass er in der Grundschule gut klar kommt.

Vom Intellekt sehe ich absolut keine Schwierigkeiten, im Gegenteil, ich halte ihn für sehr clever und auch alle, die bisher die Gelegenheit hatten, alleine in reizarmer Umgebung mit ihm konzentriert Zeit zu verbringen. Aber er kann gar nicht zeigen, was in ihm steckt, da er durch sein eigenartiges und unangepasstes Verhalten und leichte Ablenkbarkeit geleitet wird.

Die Ärztin hat sich sehr bedeckt gehalten, es hieß nur, es KÖNNTE ADHS aber auch was anderes einerseits habe ich Angst vor Diagnosen, aber auf der anderen Seite weiß ich dann, was ich tun kann und ihm helfen kann.

Viele Grüße

Sakirafer

1

Das erinnert mich grad ein wenig an mich selber..

Ich war immer schon recht intelligent und doch "anders".. Wenn Kinder mit mir spielen wollten im Kindergarten, wich ich erschrocken zurück und verzog mich in eine Ecke und schaute aus sicherer Distanz einfach nur zu..

Ich mochte keine Nähe, keine Umarmungen, geriet fast in Panik, wenn mich jemand "bedrängte" mit seiner Nähe..

Ich wurde allerdings einfach nur als "schüchtern" bezeichnet und meine Eltern waren auch nie beim Arzt mit mir.. Ich war eben "anders"..

Oft sass ich stundenlang nur in meinem Zimmer, schaute ins Leere oder malte, schrieb, war total in mich gekehrt..

Dann wiederum war ich völlig überdreht und sogar "aggressiv"..

Als ich älter wurde, schon erwachsen war, hab ich mir selber Gedanken gemacht.. Inzwischen ist es diagnostiziert, es ist das Asperger-Syndrom..

Das ist zwar "Autismus", aber eine noch recht "harmlose" Form in dem Sinne.. Man kann ganz normal leben, wenn das Umfeld es weiss und einem wirklich ein wenig Freiraum und Abstand ermöglicht..

Wie gesagt, ob es das auch bei deinem Kleinen ist, kann ich ja nicht sagen, das muss ein Arzt herausfinden.. Ich sah nur eben so gewisse Parallelen..

Hab auch auf meiner HP einen Artikel über "mein" Asperger geschrieben http://fairplay.repage7.de

Ich drück die Daumen, dass es ganz harmlos ist #klee

4

Hallo John76,

danke für deinen Beitrag, ich habe mich auf deiner Website umgeschaut und in einigem mich selbst wieder erkannt. Allerdings auch gravierende Unterschiede festgestellt. Ich selbst sehe mich eher als hochsensible Person (offiziell Diagnostiziert hat das keiner, aber wenn man sich selbst schon so lange kennt und merkt, dass man nicht so konform mit der Gesellschaft geht, braucht man nicht immer den Experten). Auch meine Geschwister und meinen Vater würde ich als Hochsensibel einstufen.

Eine genetische "Vorbelastung" ist also schon gegeben. Erschwerend kommt hinzu, dass meine Mutter psychisch nicht ganz gesund ist, bei meinem Mann wurde als Erwachsener ADHS diagnostiziert. Also kommt da ganz viel bei uns zusammen, das ist ja das, was mir manchmal Furcht einflößt.

Ich will einfach für meinen Sohn erreichen, dass er erwachsen wird, ohne an der Welt zu scheitern, weil er sie so nicht ertragen kann und ein selbstbestimmtes Leben führen kann.

Ich denke, dass ich nun öfter hier im Forum sein werde und sicher liest man wieder voneinander.

Liebe Grüße

Sakirafer

2

hi
die geschichte kommt mir mehr als bekannt vor.
in unseren falle bin ich selber darauf gekommen, was fabi hat(nachdem die kä gesagt hat, das er mit 4 jahren ritallin bekommen sollte)...er hatte ein stark ausgeprägtes kiss syndrom. er hatte 6 ausgerenkte wirbel...ich war mit ihm bei einem spezialisten, wo dort auch die diagnose gestellt wurde. er wurde behandelt und seiddem arbeiten wir daran, seine ganze defizite auszugleichen.
er bekommt momentan ergo und regelmäßige besuche beim osteopathen. er hat sich super entwickelt und wird nach den sommerferien auf eine normale grundschule eingeschult(kleiner tipp von mir: ich habe schon bei der anmeldung gesagt, das fabian defizite hat. die direktorin,die lehrerin und die VGS sind alle auf mich zugekommen und wollten genau wissen, was fabi hat, damit fabian best möglich gefördert wird und die besser wissen, wie sie mit ihm umgehen können..frustationstoleranz etc.)

wir haben es mittlerweile auch vom spz schriftlich, das fabi KEIN ad(h)s hat, sondern das kiss syndrom.

je früher ihr mit der behandlung anfängt, desto besser...

alles gute
silvy

5

Hallo Silvy,

danke für deine Antwort. Ich war mit meinem Sohn beim Osteopathen, als er etwas über sieben Monate war, Physiotherapie bekam er auch. KISS würde ich gefühlsmäßig erst mal nicht annehmen, allerdings werde ich auf jeden Fall bei den Terminen auch noch einmal betonen, dass es da auch mal Handlungsbedarf gab.

Ich bin dankbar um jeden persönlichen Bericht, da ich dadurch auch Hinweise bekomme, an die ich selbst vielleicht gar nicht denken würde.

In deinem Fall finde ich es besonders Schade, da deinem Sohn und dir wohl einiges an Kummer hätte erspart werden können, wenn man früher gezielt gesucht hätte.

Die Kinderarztpraxis meiner Söhne ist sehr gewissenhaft, aber auch da hört man oft, "Warten wir erst mal ab, das verwächst sich sicher noch". Aber ich denke, das Gefühl einer Mutter trügt selten und viele Mütter spüren, dass etwas anders ist, als es soll, werden aber nicht immer ernst genommen.

Viele Grüße

Sakirafer

8

Hallo,

mein Sohn hat auch KISS, seit nunmehr 8 Jahren in Behandlung, noc kein Ende abzusehen. Er ist immer noch "anders" als gleichaltrige Kinder. Im Kiga habe ich leider damals Bescheid gegeben, was seitens der Erziehrin zu einer Ausgrenzung führte. In der Schule habe ich das tunlichst sein gelassen. Mein Sohn kam zum Glück als Einzigster seiner damaligen Kiga-Gruppe in diese Schule. Und ... er ist als ganz normaler Schüler behandelt worden, hat immer noch ein paar Eigenheiten, aber Freunde, Akzeptanz und mittlerweile fast nur noch solche Probleme, die unbelastete Schüler auch haben. Z. B. hat er mit seiner Erzieherin kaum gesprochen, in der Schule meldet er sich freiwillig und macht sogar bei Theaterauftritten mit. So unterschiedlich kann es sein.

Viele Grüße

Heike

3

Hallo,

das erinnert mich sehr an meine Tochter Leonie.
ich habe einen Club gegründet, vielleicht magst du ja:
http://www.urbia.de/club/Entwicklungsverz%F6gerung+und+trocken+werden/news

lg kathrin

6

Hallo,

das von dir beschriebene Verhalten erinnert mich an meinen Sohn. Er ist auch 5 und soll im nächsten Jahr eingeschult werden.

Was nicht ganz passt an deiner Beschreibung ist die "globale Entwicklungsverzögerung". Global bedeutet ja alle Bereiche, also auch die kognitiven Fähigkeiten, die du ja als normal beschreibst....
Ich denke ihr seid beim SPZ gut aufgehoben und ich wünsche dir, dass sie dir dort Förderungsmöglichkeiten empfehlen können.

Wir sind seit 3 Jahren im SPZ und haben keine Diagnose bis auf die "globale Entwicklungsverzögerung" Die Frage bei uns ist mehr oder weniger ob es eine geistige Behinderung ist oder er im Bereich der Lernbehinderung ist. Das werden aber erst die Jahre zeigen.

Alles Gute für euch
Susanne

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Hallo Susanne,

danke für deine Antwort. Die globale Entwicklungsverzögerung hat mich auch irritiert.

Das SPZ in Mainz ist mir empfohlen worden, es gibt zwei w zu sein. Haben in unserem Umkreis, jedoch scheint das in Mainz besonders gut zu sein. Wir haben auch relativ lange auf die Termine gewartet.

Seit ihr in den drei Jahren regelmäßig im SPZ? Bzw werden die verordneten Therapien/Fördermaßnahmen direkt im SPZ durchgeführt?

Ich wünsche euch alles Gute!

Sara

7

Hallo,

es hört sich für mich stark danach an, dass dein Sohn Autist ist. Da kommen dann viele Dinge zusammen. Gestörtes Sozialverhalten, Überempfindlichkeit, gestörte Motorik, gestörte Konzentration, Vorliebe für bestimmte Dinge usw. Da er den Kontakt zu anderen sucht und auch Umarmungen zulässt, kann es auch sein, dass er unter Asperger Autismus leidet, das ist eine abgeschwächte Form vom Autismus.

Viele Symtome sind und waren bei meinem Sohn auch vorhanden, die Du beschreibst, ich habe mich gerade mit dem Thema auseinander gesetzt und bin mittlerweile davon überzeugt, dass mein Sohn es hat. Beim ihm standen auch im Vorfeld lauter andere Diagnosen wie Entwicklungsverzögerung usw. Im Forum Leben mit Handycaps haben wir gerade ausführlich über das Syndrom Asperger Autismus diskutiert und ich konnte meinen Sohn in den Berichten von Betroffenen wiederfinden. Das könntest Du Dir mal durchlesen, dann kannst Du besser sehen, ob es das sein könnte. Sämtliche Symtome, die Du beschreibst passen aber sehr gut zu diesem Krankheitsbild. Eine normale Kinderärztin kann dies aber leider nicht erkennen.

LG

Carola

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Hallo Carola,

hast du wegen deines Verdachts schon mal mit Fachleuten gesprochen? Bzw wird er derzeit in irgendeiner Weise diesbezüglich untersucht?

Mich würde sehr interessieren, wie es bei deinem Sohn bisher in der Schule gelaufen ist, ob er große Schwierigkeiten hat oder sich damit arrangieren kann.
Am Freitag habe ich mit der Ergotherapeutin über die bevorstehenden Eingangsuntersuchungen für die Schule gesprochen. Mein Sohn ist ja Ende Juni erst 5 geworden und ich denke darüber nach, ihn nach Möglichkeit noch ein Jahr zurückstellen zu lassen. Sie ist der Meinung, dass es für ihn sicher ganz gut wäre, da er so noch ein Jahr gewinnt, die Konzentrationsfähigkeit zu steigern und die Motorik zu verbessern, meint aber auch, dass 12 Monate einen Riesenunterschied machen können. Daher findet sie es unglücklich, dass die Untersuchungen bereits im Herbst stattfinden sollen.

Dir noch ein schönes Wochenende!

Sara

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Hallo,

ist bei euch denn eine Rückstellung überhaupt möglich?

Mein großer Sohn musste auch mit Anfang 6 in die Schule. Er ist Autist (zu dem Zeitpunkt aber nicht diagnostiziert)
In NRW war eine Rückstellung nicht möglich, im Nachhinein bin ich aber sehr froh drum.

Er war zunächst auf einer Förderschule Schwerpunkt Sprache. Ich wollte, dass er auf eine Durchgangsschule kommt, die nach Regellehrplan unterrchtet. Er kommt jetzt in die 4. Klasse und hat im letztem Halbjahr zur Regelgrundschule gewechselt.

Die Noten sind gleich geblieben und er hat Anschluß gefunden.

Und nach der 4. wechselt er auf eine Gesamtschule.
Im Alter von 5 Jahren hätte das keiner für möglich gehalten! Er hat zu dem Zeitpunkt kaum gesprochen und hat sich nichts zugetraut. Er wurde schon behauptet, er sei geistig behindert.

Für die Rückstellung drück ich euch die Daumen!

Lg Maja

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Also an eine Form von Autismus dachte ich auch gerade. Mein sohn ist selbst Autist daher paßt so einiges.
Ela

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Hi!

Also Deiner Beschreibung nach habe ich auch sofort an Asberger gedacht!
Sprich die im SPZ mal darauf an und google Dich vorher schlau....
Ich wünsch Dir viel Erfolg und Nerven wie Drahtseile!!!

LG Verena mit Lucy (knapp3) und Lukas (6 und eine echt Aufgabe....)

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