Aufgaben einer Schulbegleitung

Hallo,
ich wollte mal nachfragen, ob sich jemand damit auskennt. ich bin selbst schulbegleitung, nur gibt es im mom ein paar "integrationsprobleme" mit der klasse. jetzt bin ich mir nicht sicher, inwieweit ich da eingreifen soll/muss, da ich der meinung bin, das kind (13 jahre) muss lernen, sich selbst zu behaupten. er ist "nur" körperlich behindert. inwieweit muss ich bei fehlverhalten auf seiner seite eingreifen und inwieweit müssen die lehrer das übernehmen? muss ich ihn "beschützen", wenn er veräppelt wird? er fordert solche situationen manchmal auch geradezu heraus.

es wäre schön, wenn schulbegleiter antworten würden, ich freue mich aber auch sehr über Eltern, die mir zurückschreiben und mir sagen, welche erwartungen sie an die schulbegleitung ihrer kinder haben.

danke schonmal für eure Hilfe

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Also ich gehöre zur Elternfraktion.

Ich weiß nicht, inwieweit dein zu begleitendes Kind soziale Schwierigkeiten gerade durch die Körperbehinderung hat. Grundsätzlich hat so ein Kind oft eben keine normale, altersgerechte (soziale) Entwicklung durchlebt, da es oft viel Kindheit in Therapien statt auf

Bäumen mit Freunden verbracht hat. Wenn dem so ist, solltest Du das Kind unterstützen und ihm andere Wege aufzeigen. Provokation ist ja oft ein Hilferuf nach Aufmerksamkeit. und die anderen Kinder würde ich zumindest da bremsen, wo es verletzend wird und insbesondere die Behinderung betrifft.

13jährige wirken zwar groß, sind aber schon noch sehr verletzliche Kinder. :)

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ja, auf der einen seite sehe ich es auch so. aber ich bin in dieser situation hin und hergerissen. irgendwann müsste er ja auch lernen, sich etwas einzupassen, sich so gut wie es geht selbständig zu verhalten oder sich wenigstens mühe zu geben, sein sozialverhalten etwas zu ändern. irgendwann wird er groß, und so jemanden will halt auch keiner als freund haben.
beispiel: alle reden über gute musik, er fängt an, er hört ja nur bayern 1 und alles andere ist sch......
wenn er in die klasse aufgenommen werden möchte, muss er halt mal ein bisschen auch auf andere eingehn, oder?

auch habe ich ihm schon vorgeschlagen - nachdem er aufgrund seines verhaltens keinen einzigen freund hat - ins körperbehindertenzentrum zu gehen. dort ist es leichter, kontakt aufzubauen. er blockt voll ab.

er will nur sachen mit erwachsenen machen, was ich auf der einen seite ja echt verstehen kann! aber er ist halt nun mal ein kind, der sollte spaß haben und nicht auf festen helfen! (er hilft immer in der küche und findet das sooo toll). er sollte irgendein hobby haben, wo er kontakt mit anderen kjindern hat, da nur kontakt zu erwachsenen auch nicht gesund ist. er ist auch total lehrerfixiert und versucht immer, gespräche anzufangen.

genauso, dass er im unterricht nicht hineinreden soll oder sich einfach kurz fassen soll. jemand hält ein referat über hunde und er beginnt im anschluss in der fragezeit etwas über seine katze zu fragen.....
oder dass er selbständig nix arbeitet in der freistunde. da muss ich immer ran und ihn motivieren. wenn ich dass nicht mach, macht er auch nix, dass tut mir dann auch wieder leid, weil ich denke, er braucht eh länger für hausaufgaben, wenn er dann noch die arbeitsaufträge daheim machen muss.....

Die klasse ist verärgert......und ich möchte da irgendwas ändern, weil ich denke, wenn die klasse gegen ihn ist, kann die schule doch auch keinen spaß machen, oder?

ist echt ne blöde situation.

LG und danke für die antwort!

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Ich finde, dass Du tatsächlich eine schwierige Situation zu meistern hast und finde es gut, dass du Wege suchst Dir Hilfe zu holen!! Vielleicht gibt es ja bei der Lebenshilfe oder in diesem Körperbehindertenzentrum Ansprechpartner, die Dich beraten könnten.

Mir würde es nicht anders gehen, als dass ich sehr verunsichert wäre. Klar ist Dein Auftrag körperliche Nachteile auszugleichen, aber wenn man daneben sitzt und diese sozialen Schwierigkeiten mitverfolgt, dann möchte man automatisch helfen. Und ich finde das auch richtig.

Ich bin in diesem Forum als Mutter eines besonderen, aber nicht körperbehinderten Kind, insofern kann ich Dir qualifiziert nichts raten. Ich kann Dir trotzdem von einer persönlichen Erfahrung erzählen, die vielleicht helfen mag:

Als junge Frau/ Mädchen habe ich leidenschaftlich gern getanzt und bin über Umwege zum Turniertanz mit Rollis gekommen. Es gab da ganz tolle Menschen, einer war unfassbar bemüht seine Nachteile selbst auszugleichen (der ist mal bis in den 5.Stock auf allen Vieren, weil er nicht getragen werden wollte..) und sozial total integriert. Ich hab seine Behinderung oft echt vergessen, weil er einfach alles mitmachte und nie eine Sonderrolle wollte.
Dann bekam ich einen Tanzpartner, der körperlich ungepflegt war, ungut roch, nicht auf sein Gewicht achtete, sich aber jede kleine Treppe von Jungs, die halb so viel wogen wie er, hochtragen ließ. Er war doppelt so alt wie ich und baggerte mich massivst an, kam mir auch körperlich zu nahe. Als ich dann recht klar abweisend reagierte, wurde er pampig und gab der Behinderung die Schuld. Überhaupt war die Behinderung alles Schuld in seinem Leben.
Ich war damals zu jung um gut zu reagieren, aber im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, dass schon 20 Jahre früher diesem Mann jemand klar macht, dass er seine "Sonderrolle" nicht missbrauchen darf um sich völliges soziales Fehlverhalten zu erlauben. Die gelebte Egozentrik hat ihn letztlich sehr einsam gemacht.

Übertragen auf Deine Situation würde ich damit sagen, dass Du Deinem Schützling klar machen solltest, was sein Verhalten auslöst und ihm Alternativen aufzeigen solltest. Wenn etwas gut läuft, dann würde ich das besonders hervorheben. Ich glaube nicht, dass er die Situation gut allein lösen kann, sonst würde er nicht so ignorant reagieren. Er braucht da schon gezielte Unterstützung. Im Zweifel würde ich auch nochmal das Gespräch mit den Eltern suchen und vielleicht nochmal andere Hilfen (Psychologen o.ä.) vorschlagen.

Ich drück Dir die Daumen! Schön, dass Du so bemüht bist, das gibt Eltern wie mir mit besonderen Kindern, ein gutes Gefühl! :-)

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du hast ja gewiß ne ausbildung gemacht(oder lehrgang)

ich kenne mich diesbezüglich nicht aus-aber ich würde vom bauchgefühl heraus handeln

das kind soll ja auch lernen -mit konfliktsituationen zurecht zu kommen

und wenn man dann evtl. sieht, das es selber nicht weiterkommt würde ich behutsam eingreifen#gruebel

was anderes- interesante sache die du da ausübst
kannst du mir über PN mal mehr drüber schreiben
Lehrgang/wer das anbietet usw.
hört sich toll an

lg dany#liebdrueck;-)

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Hallo,

ich arbeite nicht in dem Bereich, würde ich aber super gerne und habe auch schon mit dem Gedanken gespielt. Eine Ausbildung benötigt man dafür ja nicht (würde gerne Heilerziehungspflege machen, aber ich weiß nicht, wie ich ne Ausbildung mit Family vereinbaren kann).

Jedenfalls vermute ich, dass du daher höchstens Lehrgänge gemacht hast. Ich sehe es so, da der Junge "nur" körperlich behindert ist, dass du ihn erstmal machen lassen solltest. Wird er jedoch von den anderen so stark angegriffen, dass er selbst nicht weiterkommt, weil es vielleicht auch seine Behinderung betrifft, dann würde ich eingreifen.
Da stellt sich mir gerade eine Frage: Besucht er eine normale Grundschule oder eine Förderschule? Also ist er einer mit Behinderung unter vielen oder einer von wenigen?

Gerade wenn du schreibst, dass er solche Situationen häufig herausfordert, dann muss er erstmal selbst damit klar kommen;-).
Stehst du nicht auch in Kontakt mit den Eltern? Sprich doch mal mit ihnen, was sie sich von dir wünschen.

lg kathrin

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Hallo,
nee, ich bin erzieherin, ist aber das erste mal, dass ich sowas mache. er ist in einer normalen realschule und im moment fordert mich das ziemlich, weil ich auch kein richtiges team hab, wo ich sowas einbringen kann. die lehrer kennen sich damit ja auch nicht so aus .

Die Mutter ist super, sie ist auch knallhart zu ihm, sie sagt zu mir, er hat def. keine geistigen probleme. aber irgendwie wirkt er auf mich total anders als anderre.....und das möchte ich der mutter nicht unbedingt soooo sagen :-)

Danke für deine Antwort

LG

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Hallo,

wenn er in einer normalen Realschule ist, dann wird er Testungen hinter sich haben und eine Empfehlung für diese Schule bekommen haben.
Das du die Aussagen der Mutter anzweifelst, dazu aber nichts sagen möchtest, ist meiner Meinung nach nicht der lösungsorientierteste Weg.

Ehrlich gesagt denke ich vom Lesen her, dass du dir eine Beratung holen solltest wie du deinen Auftrag erfüllen kannst bzw. klären, was dein eigentlicher Auftrag ist, denn das SCHEINT bisher nicht ausreichend geklärt worden zu sein.

GrussGRuss

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Hallo,

was sagt denn der Junge dazu?

Hast du ihm gesagt was du beobachtest? Hast du mal mit den Lehrern oder den Eltern gesprochen?

An deiner Stelle würde ich mit den Beteiligten erstmal ein offenes Wort reden und deine Gedanken mitteilen. Vielleicht ist das Thema ja schon bekannt und du bist einfach nur die 100 Betreuerin, die dieses Thema sieht. Vielleicht hat es auch einfach etwas mit der Pupärtät zu tun oder oder oder.....
Da hilft nur sprechen ;-)

GrussGruss

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Hallo,
ich hab mit ihm schon geredet. er sieht es teilweise ein, manchmal tut er auch einfach so, als ob er mich nicht hört ;-). die lehrer sehen es genauso, aber es ist schwierig, irgendwas umzusetzen. und mit der mutter hab ich jetzt am freitag kurz gesprochen, werden das gespräch am montag noch vertiefen. ist nur problematisch, weil der junge möchte nicht, dass seine mutter von den sozialen problemen in der schule erfährt. und ich möchte dies eigentlich auch akzeptieren, daher kann ich bei ihr erstmal nicht alles ansprechen, sondern nur einen teil.

in dieser hinsicht war er schon immer schwierig. in der grundschule gabs halt eine viel bessere betreuung und förderung, das ist jetzt an der realschule nicht mehr möglich. ist ja auch eigentlich nicht notwendig, da er geistig ja gesund ist. er wirkt auf mich nur sozial auffällig (weil er sich so rausheben will, vielzuviel spricht, komplett andere interessen hat, auf erwachsene fixiert ist, immer ansprache will/braucht, sich selbständig nicht konzentrieren jkann), aber ich muss sagen, da bin ich nicht scharf drauf, der mutter das zu sagen :-(. vor allem müsste sies ja eigentlich schon wissen.

Die Lehrer haben sich schon verbessert, da gabs schon gespräche. die sind lange nicht mehr so tolerant wie am anfang ;-).

Danke für deine antwort

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Mein Sohn ist Autist und hat auch eine Schulbegleitung. Daher hab ich ein wenig damit zu tun. Aber ich finde auch das es abhängig von Kind und der Diagnose ist was du zu tun hast. Ein Teil ist sicherlich auch wirklich vom Bauchgefühl abhänig und von dem was den Eltern wichtig ist.
Ela

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Hallo,
danke für deine antwort. ja, wenn bei der diagnose auch eine geistige beeinträchtigung dazu zählt ist, es in meinen augen einfacher, da das verhalten ja dadurch schon teilweise begründet ist. ich denke auch, dass bei euch dann mehr übergreifend gearbeitet wird? also heilpädagogen, erzieher, psychologischer dienst und so? oder gibt es bei Autismus auch keine Hilfe?

den eltern ist wichtig, dass er gut integriert wird und nicht geschont wird. aber er ist sooo provokant. es ist echt schwer, dass hängt sicherlich auch mit der pupertät zusammen, aber wenn er mit seinen mitschülern nicht in den grünen bereich kommt......

LG

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Hallo,

ja, das Kind muss lernen sich selbst zu behaupten und dabei braucht er Hilfe. Hilfe von den Lehrern, Eltern und von dir.

Wer ist dein Arbeitgeber? Bei dem kannst du dir auch Hilfe holen. Dann würde ich mir die Schulakte zeigen lassen und sämtliche anderen Berichte über seine Behinderung.

Gruß Barbara

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Die arbeitgeber sind seine eltern....die wollte ich eigentlich nicht komplett mit ins boot holen, weil - als wir schonmal mit den mitschülern einige probleme hatten - hat der junge mich gebeten, nichts seiner mutter zu sagen. das wollte ich weitestgehend akzeptieren, da ich finde, in dieser hinsicht darf er mit 13 schon mitentscheiden.
daher ist das für mich ein bisschen kompliziert, da ich nicht will, dass unser vertrauensverhältnis leidet.

Nach der akte und der diagnose habe ich letzte woche nochmal nachgefragt mit dem dezenten hintergrund, dass ich wissen möchte, ob er vielleicht eine konzentrationsschwäche oder so hat. aber in der diagnose soll nur der körperliche defizit stehen.

aber das mit den schulakten muss ich mal nachfragen. oh mann, dass ich noch nicht selbst auf die idee gekommen bin #klatsch

Danke

schönen so-abend noch!

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