Positiver Geburtsbericht, 1. Kind (lang)

Der Tag meines errechneten Termins war gekommen und ich wurde immer ungeduldiger, zumal sich auch noch zwei Tage zuvor ganz eindeutig mein Schleimpfropf gelöst hatte. Es tat sich aber nichts und so fuhr ich, nachdem ich nochmal das komplette Haus geputzt hatte, zusammen mit meinem Mann zu meiner Frauenärztin.
Es wartete ihre Vertretung in der Praxis auf mich, da diese montags immer ihren freien Tag hat. Nachdem beim CTG, bis auf ein paar leichtere Wehen, alles unauffällig war, ging ich in den Behandlungsraum. Schnell merkten wir, dass sie aufgrund meines Blutbildes etwas besorgt erschien. (Vier Tage zuvor wurde mir Blut abgenommen, weil ich bei meiner Frauenärztin über Übelkeit und Kopfschmerzen berichtete.)
Mein Harnsäurewert war erhöht und dies kann, wie Kopfschmerzen und Übelkeit, auf eine Schwangerschaftsvergiftung hindeuten. Da sie auf Nummer sicher gehen wollte, wie sich der Wert entwickelt hat, schickte sie mich in die Klinik, damit dieser am gleichen Tag noch kontrolliert werden kann.
Also fuhren wir in die Klinik, die ich mir auch für die Entbindung ausgesucht hatte. Ich war mir aber ganz sicher, dass ich nach dem man mein Blut geprüft hat, direkt wieder nach Hause fahren kann.
Alles klar, mein Mann schmiss mich vor der Klinik raus, da er wegen Corona nicht mitkommen durfte. Ein gute Stunde später fuhr er dann allerdings alleine nach Hause, um meine Kliniktasche zu holen:
So ein Mist, ich wurde stationär aufgenommen, weil neben dem noch schlechter gewordenem Harnsäurewert auch noch ein anderer Wert leicht auffällig war...damit habe ich ja nun gar nicht gerechnet. Man wollte am nächsten Morgen nochmal Blut abnehmen und am Abend einfach mal den Versuch starten mich homöopathisch einzuleiten, weil ja bereits der ET war und mein Befund geburtsreif. Mein Muttermund war bereits gute 2 cm geöffnet. Trotzdem war ich mir sehr sicher, dass es nichts bringen wird und ich halt am nächsten Tag wieder nach Hause darf.
So rieb ich zuerst meinen Bauch mehrmals mit einem Öl ein und stieg dann nach einem CTG gegen 22:45 Uhr im Kreissaal in ein homöopathisches, wehenanregendes Bad. Niemals hätte ich gedacht, dass sich dadurch etwas in meinem Körper regt, doch schon nach circa 15 Minuten bekam ich die bis dato stärkste Wehe. Ich glaubte es kaum: nach einer Stunde in dieser Badewanne hatte ich doch tatsächlich alle 5 Minuten Wehen und diese wurden nun immer unangenehmer, aber noch relativ gut auszuhalten. Dann musste ich kurz auf Toilette, wollte aber schnell wieder ins Wasser, denn ich wollte meine „Wehen nicht verlieren“ (da lache ich im Nachhinein sehr drüber).
Also wieder rein in die Wanne und es wurde echt relativ heftig, weshalb ich nun klingelte. Es kam eine Hebammenschülerin und ich fragte, ob das normal sei, dass man dadurch schmerzhaftere Wehen bekommt (ich rechnete noch gar nicht damit, dass es Richtung Geburt gehen könnte). Jetzt wollte ich erstmal raus aus der Wanne, um zu schauen, ob die Schmerzen draußen vielleicht besser zu ertragen sind: eher nicht, aber egal, weiter geht’s. Dann wurde ich gefragt, wieso ich denn ganz alleine ohne Begleitung seie und ich antwortete nur: „Ich kam eigentlich ohne Wehen zum Baden hierher“ :-D
Ab da wurde mir dann klar: vielleicht sollte ich doch mal meinem Mann Bescheid geben, dass er sich bereithalten soll (man braucht gut eine halbe Stunde bis zur Klinik). Ich wollte erstmal den Befund durch die Hebamme abwarten, um sicher zu gehen, dass er nicht umsonst losfährt. Doch dann stellte ich fest: Fuck, das tut schon weh und es muss sich doch um richtige Wehen handelt. Ich schrieb ihm, dass er jetzt sofort losfahren soll. In der Zeit bis er ankam, gab es dann auch einen Befund: Muttermund bei 2-3 cm und immerhin schon guter Druck in der Wehe...immerhin!
Mein Mann durfte nun auch offiziell losfahren und kann gegen 1:15 Uhr bei mir im Kreissaal an. Perfekt, denn langsam wurde es echt schmerzhaft und ich brauchte seine Unterstützung, merkte wie sich mein Muttermund nun öffnete und stellte auf Toilette fest, dass ich blutete. Ich kämpfte mich in jeglichen Positionen durch die Wehen, die gefühlt im 1-2 Minutentakt kamen und um 2:40 Uhr wurde ich erneut abgetastet: 4 cm. Immerhin, das ist ja schon mal was, dachte ich mir.
Ich machte dann mit der Hebamme aus, dass ich einmal Lachgas ausprobiere. (Den Wunsch äußerte ich bei der Klinikanmeldung schon). Meine Rettung!!! Irgendwie hätte ich es wahrscheinlich auch so ausgehalten, auch wenn es sich anfühlte als zerreiße ich Innerlich, aber damit ging das Veratmen der Wehen viiiiiiel besser und in den Pausen fühlte man sich etwas benebelt.
Die Schmerzen an sich waren gleichbleibend, aber ich kam so besser durch meine echt heftigen Wehen, es kamen sogar immer zwei hintereinander. Ich kämpfte und wurde gegen 4:20 Uhr erneut abgetastet, nachdem ich mich schon mit Druck gemeldet hatte: 9 cm!!! Wow Wahnsinn! Das motivierte mich sehr; man nahm mir das Lachgas weg und ich sollte in den Vierfüßlerstand gehen. Trotz des Drucks ging die Hebamme wieder. Nein, das kann sie mir nicht antun, dachte ich nur. Ich spürte richtig, wie sich der Kopf meines Sohnes durch den Geburtskanal schob und dass ich auf jeden Fall in der Übergangsphase angekommen sein muss. Es fühlte sich jetzt an, als ob ich eine Kokosnuss auskack** würde :-D und ich war heilfroh, als die Hebamme wieder da war (ab dann wich sie mir auch nicht mehr von der Seite, zum Glück!!!). Die Schmerzen empfand ich gar nicht mehr als so schlimm. Ich stellte mich nun hin und gab alles, um den Kopf durch mein Becken zu bekommen. Nach circa 1,5 Stunden hörte ich dann meine Hebamme telefonieren und den Satz meiner Träume: „bitte einmal zur Geburt in Kreissaal 4“. Das Ende war in Sicht, die Ärztin da und der Gedanke gleich endlich meinen Sohn in den Armen halten zu können, motivierte mich. Ich schob kräftig mit und gab alles. Ich hatte komischerweise noch richtig Kraft, saß auf dem Kreissaalbett und gab alles. Eigentlich wollte ich eine Wassergeburt, aber egal. Ich machte einfach das, was die Hebamme, die übrigens wundervoll war, für mich entschied...) Dann konnte ich schon den Kopf fühlen und den „Ring on Fire“, als ich diesen aus mir rauspresste. Um 6:18 Uhr kam dann unser größter Schatz auf Erden zur Welt und es ist wirklich so: alles ist vergessen und man genießt nur noch den Augenblick, den schönsten in meinem Leben bisher: endlich halte ich mein Baby in meinen Armen und er war und ist einfach so perfekt. Mein Mann weinte, ich konnte nicht, weil ich es einfach noch nicht realisierte (das kam erst später).
Mich interessierte dann nur noch, ob ich Geburtsverletzungen habe, hatte zumindest nichts gemerkt. Ich hatte einen kleinen Dammriss und musste genäht werden, was wirklich überhaupt nicht schlimm war. Auch beim ersten Toilettengang nicht ;-)

Ich kann wirklich behaupten, dass ich eine schöne und schnelle Geburt. In nur 5 Stunden (Ärzte und Hebammen waren auch überrascht, dass es auf einmal so schnell losging), ohne Schmerzmittel und jegliche Komplikation habe ich es tatsächlich geschafft. Ich habe auch immer daran geglaubt, dass es genauso passieren wird und ich denke, das hat mir sehr geholfen.
Lange habe ich überlegt, ob ich einen Geburtsbericht schreiben und teilen soll, aber ich finde es wichtig, dass auch von positiven Geburten berichtet wird.
Ich hoffe, dass ich manchen vielleicht etwas Angst nehmen kann. Freut euch auf eure Geburt: sie wird immer unvergesslich bleiben und einer der krassesten Augenblicke in eurem Leben.

1

Das hört sich echt Traumhaft an. Vielen Dank für diesen Beitrag. Dir alles gute und eine schöne Kuschelzeit 🤱

2

Alles Gute zum sohnemann!
Und mir ging’s genauso: der Anruf der Hebamme Richtung Ärztin ist einfach sooooo motivierend. 🥰

Bienchen mit 2 Söhnen an der Hand (5J, 2J) und krümelchen im Bauch (13+2)

3

Danke für den positiven Bericht. Ich hoffe, ich kann auch so einen schönen schreiben. Alles Gute Euch!

4

Ich hab nach der Geburt Bauch gesagt, fühlt sich an als müsse man Backsteine kacken #rofl

Schöner Bericht :-)

Top Diskussionen anzeigen