Kurz und schmerzhaft

Guten Morgen zusammen,

Ich habe hier immer gerne gelesen und möchte auch meinen Bericht zusteuern.
Ausgerechnet war ich für den 6. August 20.

Am 1. August stand nochmal ein Besuch der Schwiegereltern an. Deswegen habe ich vorher eine Runde geputzt. Während des Putzens kam ich noch auf die Idee, dass ich das komplette Bad mit sämtlichen Schränken ausräumen könnte, um "mal richtig" zu putzen.
Gegen 16 Uhr saßen wir in den letzten Zügen bei Kaffee und Kuchen, als ich ein Ziepen spürte. Das wurde bei Bewegung und Wärme besser- Senkwehen, dachte ich. Ich hatte ja auch die Schränke geschleppt und mich wahrscheinlich übernommen. 2 Tage zuvor war mein Befund geburtsunreif und der Arzt war sich sicher, mich am 6.nochmal wiederzusehen.

Um 16.10 gingen die Schwiegers, ich legte mich ins Bett und hatte direkt die erste Wehe. Kurz darauf kam die nächste. Mein Mann hörte mich und machte die Wehenapp an. Bis zur nächsten Wehe dauerte es 10 Minuten. Ich dachte noch, dass ich nochmal duschen möchte, sobald die Wehen wieder nachlassen- ganz schön naiv.
Danach kam jede Wehe innerhalb von unter 4 Minuten und dauerte ca.1,5 Minuten. Die App sagte dann auch gegen 16.35, dass wir ins Krankenhaus fahren sollen. Ich dachte, ich mache mich lächerlich, wenn ich im Krankenhaus dann sage, dass ich hier sei, weil meine App mich nach 30 Minuten hergeschickt habe.

Mein Mann bestand darauf, loszufahren und ich dachte insgeheim, dass ich mich auch nicht mehr richtig wohl fühle. Duschen wollte ich auch nicht mehr.
Ich kam im Kh an und wurde natürlich am Empfang schräg angeguckt, dass ich erst seit 1 stunde (ich rundete sogar auf) Wehen habe.
Meine Orientierung ist eigentlich eine Katastrophe, aber dennoch schaffte ich es, den Weg alleine quer durchs Krankenhaus zum Kreißsaal in den 3. Stock zu finden. Ich wusste auch nicht mehr, wie ich vor Schmerzen gehen sollte.
Oben angekommen, nahm ich immerhin diesen Coronabogen mit- an ausfüllen war nicht mehr zu denken.
Ich war überrascht, als der Muttermund gegen 17.45 Uhr schon bei 4cm war und mein Mann durfte ins Krankenhaus kommen. Ich forderte direkt ein Schmerzmittel. Sonst nehme ich nichts- aber diese Schmerzen waren eine andere Hausnummer. Das wurde mir gespritzt und zerschoss mir den Kreislauf.
Ich wurde in den Kreißsaal gefahren (laufen ging nicht mehr) und bezog das Bett.
Dort waren die Schmerzen im regelmäßigen Abstand, sodass ich schonmal nach einer pda fragte. Die Hebamme ermunterte uns im GVK dazu, die PDA könne nicht schaden. Wir sollten uns davor nicht scheuen.
Mir wurde die pda verwehrt, denn ich solle erstmal regelmäßiger Wehen haben. Ich fragte mich, was regelmäßiger sein soll? Ich hatte Wehen ohne Pause, konnte nicht mehr richtig reden, lag auf dem Bett wie in Trance.
Gegen 20 Uhr fragte ich zum 3.Mal und die Hebamme kontrollierte den MM. 10cm war er offen. Ich hatte Wehen ohne Unterbrechung und wollte dennoch eine pda. Der Anästhesist musste aber erst wieder in die Klinik kommen, der Anwesende wollte die pda unter Presswehen nicht setzen. Also bekam ich einen Wehenhemmer und durfte entspannen- das sei auch für das Kind erstmal besser.
Der Hemmer ließ nach, die pda klappte dann auch beim 4. Versuch. Ab da war es entspannt und ich durfte 1.5 Stunden schlafen.
Danach sollte ich pressen. Die Herztöne ließen nach, aber die Sättigung war noch gut. 3 Wehen habe ich noch, sagte die Oberätztin, danach käme die Saugglocke. Nun war ich wach und gab Gas. Kriege ich hin- aber ich hatte Angst vor einem Dammschnitt.

Nun, mit der dritten Wehe wurde unser Sohn gegen 22 Uhr 20 geboren. Die Plazenta kam auch nach, mein Mann nabelte ihn ab. Er wog 3410 Gramm bei 52cm Körpergröße und 34cm KU.
Sie haben ihn mir auf die Brust, aber ich konnte ihn kaum halten. Mein Mann bekam ihn dann nach der nächsten Untersuchung und durfte kuscheln.

Während der Geburt habe ich irgendwann 700ml Blut verloren- mitbekommen habe ich da schon lange nichts mehr.
In dem Moment war es gut, dass ich die pda hatte. Die wurde hochgefahren und man suchte nach irgendwelchen Schäden an der Gebärmutter. Laut Hebamme hätte ich wohl sonst ggf.eine Vollnarkose bekommen.
Da war alles gut, ich hatte auch nur Schürfwunden und einen oberflächlichen Dammriss. Die brauchten nicht genäht zu werden. Die Gebärmutter hatte sich nicht schnell genug zusammen gezogen und mir wurde Oxytocin gespritzt.
Ich blieb noch länger im Kreißsaal, da mein Kreislauf beim Aufstehen versagte. Danach blieben wir entgegen der Planung 2 Nächte im Krankenhaus, was letztlich die beste Entscheidung war. Die Stillberaterinnen haben mir gut geholfen, da unser Sohn erstmal nicht trinken wollte.

Letztlich bin ich froh, diese Geburt gehabt zu haben. Von der ersten Wehe bis zur Geburt waren es 6 Stunden, im Kreißsaal war ich etwa 4 Stunden. Ich wollte eigentlich dort in die Wanne, aber wollte schon zu Beginn nicht mehr aufstehen.
Letztlich ging es so schnell, dass mir erst beim Pressen klar wurde, dass ich nun Mama werde.
Aber letztlich, nach der Verarbeitung, dass es so schnell ging, bin ich sehr glücklich.

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