Ungeplanter Kaiserschnitt (Achtung nichts für ängstliche Schwangere)

Am 16.02. war der ET. Am 05.02.wachte ich früh morgens mit leichten Unterleibsschmerzen auf und merkte eine leichte hellrote Blutung beim abwischen. Ehrlich gesagt dachte ich mir nichts dabei und legte mich aufs Sofa, schaute nebenbei Shopping Queen und war bereit, das zweite kleine Schläfchen zu machen. Jedoch wurden die schmerzen eher mehr als weniger, aber keine Spur von Regelmäßigkeit. Den Abend zuvor hatte ich Zwiebeln gegessen und war mir sicher, dass die Krämpfe vom Essen kamen. Exakt das gleiche hatte ich schon zigmal vorher gehabt, schliesslich vertrug ich ja keine Zwiebeln 🙈
Als die schmerzen heftiger wurden, rief ich meine Hebamme und fragte, was ich denn mit meinen Blähungen tun könne um Abhilfe zu schaffen. Sie fragte, ob es nicht vielleicht doch Wehen sein könnten, aber ich war mir mehr als sicher, dass es von Vorabend kam. Nach ein zwei Stunden, es ging bereits gegen mittag, wurden die schmerzen doch wellenartiger. Ich rief im KH an (10min entfernt) und schildere mein "Problem". Die Hebamme riet mir, vorsichtshalber vorbeizukommen und die Blähungen abklären zu lassen 😂😂 fest stand, inzwischen konnte ich nicht mehr selber fahren. Es ging immer schneller mit den schmerzen und meine Nachbarin fuhr mich ins KH. Auf der Fahrt rief ich meinen Mann an, der für den Nachhauseweg von der Arbeit mindestens eine Std brauchte. Er war mehr als aufgeregt Hbf und düste los. Inzwischen kam ich im KH an und konnte kaum mehr laufen vor lauter Krampf. Es war mittag geworden. Mit ach und Krach erreichte ich die vierte Etage wo sich der Kreißsaal befand. Eine liebe hebammenhelferin empfing mich und legte ein ctg an und maß den Muttermund. Zu meinem Erstaunen meinte sie, der wäre bereits bei 5,5cm und ich hätte ordentliche wehen 😯 so fühlten sich also wehen an 🙈 ich wurde direkt in den Kreisssaal bugsiert und zog mich direkt um ins Kittelchen. Mein Plan war es, keine PDA zu nehmen sofern es ging. Jedoch sollte es anders kommen. Die wehen waren echt schmerzhaft und ich krümmte mich obwohl ich mir immer sagte: nicht verkrampfen, dann tut es noch mehr weh. Atmen atmen atmen. Leichter gesagt als getan. Inzwischen kam mein Mann in den Kreisssaal gehetzt, mein Muttermund war bereits 10 cm geöffnet, jedoch konnten die Presswehen nicht einsetzen, da der Kopf nicht richtig ins Becken rutschen wollte. Die wehen kamen inzwischen fast pausenlos, wenn überhaupt, hatte ich 10-15 Sekunden, um mich zu "erholen". Ich merkte, wie mir unter den wehen schlecht wurde und ich übergab mich in die Tüte, die mir die Hebamme hin hielt. Während der wehen,die inzwischen fast pausenlos ineinander übergingen, drückte ich die hand, die mir am nächsten war. Egal welche. Das schien mir zu helfen. Zumindest ein wenig. Immer wieder wurde das Köpfchen befühlt, jedoch schaffte es die letzte Kurve einfach nicht. Ich konnte nicht mehr. Es war inzwischen dunkel draussen und ich hatte seit Stunden Wehenstürme. Ich brauchte eine Pause. Die Hebamme rief den Anästhesisten für eine PDA. Ich war unendlich froh. In der Zwischenzeit hatte ich bereitwillig sämtlich Positionen gewechselt, hocken, stehen, ein Bein hoch. Alles. Der Anästhesist kam, betäubte die Stelle am Rücken und legte die PDA. Schmerzlos. Ich merkte ausschließlich das kühle Medikament,dass durch die kanüle floss. Ich konnte schon seit Stunden nicht mehr aufhören zu zittern,es lag nicht in meiner hand. Ich war am Ende meiner Kräfte. Umso mehr genoss ich die einsetzende Schmerzfreiheit. Eine Std durfteivh Pause und die Augen zumachen. Alle verließen den Saal und nickte erschöpft ein. Die schmerzen waren zwar weg, den Druck spürte ich jedoch immernoch wellenartig. Absolut erträglich.
Der Plan war, nach der Pause einen wehentropf anzulegen um die kleine endlich Richtung Ausgang zu bugsieren. Ich hatte riesige Angst vor dem Tropf und den damit verbundenen schmerzen. So kam es auch. Die Wellen überrollten mich und waren sehr sehr schwer auszuhalten. Ich war fertig. Die Erholung schien nichtig. Wir vereinbarten, dass ich es 15-20 min aushalte und danach wieder das Köpfchen kontrolliert wird. Ich stimmte zu. 20 Minuten später befand sich der Kopf immernoch da wo er vorher gewesen war 😵 ich bettelte nach einer weiteren Ladung des PDA Medikaments. Bis der Anästhesist kam vergingen für mich unerträgliche, gefühlte Stunden. Endlich kam er und das Medikament wirkte zügig. Ich entspannte mich. Himmlisch. Jedoch holte mich die inzwischen neue Hebamme auf den Boden der Realität zurück. Eine halbe Std gönnte sie mir, ich sei unfassbar tapfer. Anschließend sollte nochmal der wehentropf dran, diesmal mit einer höheren Dosis. Ich hatte Angst. Noch stärker ??? Ich war mir nicht mehr sicher, ich wünschte mir endliche Erlösung. Ich konnte nicht mehr. Ich wollte nicht mehr. Die kleine sollte ruhig drinnen bleiben, es war nicht mehr erträglich. Ich besprach mit meinem Mann die Option des Kaiserschnitts. Wir beschlossen es noch ein letztes Mal zu probieren, und falls es wieder nicht klappen sollte, versprach mir die Hebamme den Kaiserschnitt. Der wehentropf tropfte fröhlich vor sich hin und der Sturm wehte über mich. Es war nicht mehr auszuhalten. Punktum. Als die Ärztin mich wieder untersuchen wollte, hatte ich genug. Ich schrie alle an sie sollen ihre Hände wegnehmen, ich möchte nicht mehr untersucht werden. Ich wollte einen Kaiserschnitt. Also wurde der OP Saal vorbereitet und ich lief im Schneckentempo hinein. Mehrere Ärzte und Helfer wuselten geschäftig hin und her. Die Stimmung war jedoch nicht hektisch, die Herztöne der kleinen waren zu keiner Zeit schlecht gewesen. So lag ich auf der Pritsche und die unfassbar nette Helferin und der freundliche Anästhesist erklärten mir, dass der Zugang ja bereits gelegt war und sie einfach eine höhere Dosis des Medikaments einspritzen würden. Eine der Schwestern legte einen Katheter und ich schrie auf. Es tat so weh. Ich blaffte sie an. Zwischen den wehen dieser spitze schmerz. Ich bestand nur noch aus schmerzen. Der Anästhesist schaute genervt zur Schwester und fragte ob man den Katheter nicht nach der Narkose legen könne.
Ich hatte grosse Panik, dass man den Schnitt merken würde. Den Bauch aufschneiden bei vollem Bewusstsein ???? Ich fragte immer wieder, ob wir noch mit dem Schneiden warten können, ich glaubte, die Anästhesie würde noch nicht wirken. Der Arzt stimmte zu. Nach einiger Zeit merkte ich einen Druck am Bauch und fragte, ob sie schon lange angefangen hatten. Er grinste. Ich war ihm sehr dankbar, dass er mir die Anspannung des schneidens erspart hatte. Ich entspannte mich ein wenig. Schmerzen hatte ich keine, spürte jedoch den sehr starken Druck. Wie beim Zahnarzt 🙈
Dann die grosse Belohnung. Meine wunderschöne Tochter. Sie schrie und war gesund und zuckersüß. Mein Mann, der an meinem Kopf sass und ich waren schockverliebt. Jedoch sackte plötzlich mein Kreislauf ab, ich hörte die Stimmen nur noch von ferner und ich übergab mich mit offenem Bauch 😵😵😵 die Details erspare ich den Lesern hier.
Es war 21.30 Uhr. Ich kam wieder zurück in den Kreisssaal und wir kuschelten alle. Nach ca. 2 Stunden wurde ich in mein Zimmer geschoben. Noch in der Nacht sollte ich aufstehen und mit Hilfe zur Toilette laufen. Ich war überrascht 😯 versuchte es jedoch. Meine Beine gehorchten mir nicht richtig. Ich konnte sie kaum anheben. Die etwas ältere Nachtschwester half mir und ich stand unter schmerzen im absoluten Schneckentempo auf. Sie sagte, es wäre wichtig dass ich gleich auf Toilette könne. Aua !!!! Am nächsten Morgen half sie mir wieder auf die Toilette, jedoch wollten mir meine Beine wieder nicht so richtig gehorchen. Ich konnte sie nicht mehr anheben. Sie blaffte mich an dass ich mir doch ein wenig mehr Mühe geben solle. Ich war sprachlos aber zu müde um mich zu streiten. So vergingen zwei Tage und wir wurden entlassen. Die Tage vergingen und ich erholte mich immer mehr. Nur Bein eines Bein nicht. Eines Abends lagen wir auf dem Sofa und ich war unfähig, das Bein im Liegen anzuheben. Auch im Stehen war es wie gelähmt. Ich konnte zwar gehen, aber Treppen steigen fiel mir unheimlich schwer. Wir kontaktierten den Anästhesisten und ich beschrieb meine Sorgen. Ebenfalls tat mir die Einstichstelle der PDA immernoch weh. Er bat mich, noch ein paar Tage zu warten. In seltenen Fällen träten solche neurologischen Erscheinungen auf, meistens verschwanden sie wieder von alleine. Er hatte Recht, jedoch dauerte es ca zwei Monate bis alles wieder einigermaßen normal war. Heute kann ich das Bein wieder ganz normal belasten. Die Einstichstelle tut jedoch immernoch weh. Ich weiss auch im Nachhinein nicht, ob die Ausfallerscheinungen an der PDA lagen oder am Köpfchen der kleinen, das stundenlang bei jeder wehe gegen meine Hüfte gedrückt wurde. Ich vermute inzwischen letzteres. Das war meine Geburt !

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Herzlichen Glückwunsch zur wohlverdienten Maus!
Ich hab in jeder Zeile mitgelitten! Du Arme! Ich kann alles nachempfinden. Der Wehentropf und die Untersuchungen.... Und doch geht einem nach den ganzen Schmerzen und der Anstrengung das Herz ganz weit auf! Es ist und bleibt ein Wunder! ❤

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Absolut !! Ich danke dir. Es war nicht schön aber das Ergebnis ist alles wert 🥰

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Puh, da habe ich doch ziemlich mitgelitten beim Lesen... Meine erste Geburt verlief ganz ähnlich - nach Stunden und Stunden unter Wehen und Presswehen und Ärzten, die mich untersucht haben, bekam ich am Ende auch den ersehnten Kaiserschnitt (ich musste immerhin nicht in den OP laufen 🙈). Ich hatte aber das Pech, dass die PDA bei mir nicht aufgespritzt werden konnte und ich deshalb eine Vollnarkose bekam. Wobei ich mir manchmal auch nicht sicher bin, ob das nicht auch okay so war 😂

Ich hatte lange mit der für mich schlimmen Geburt zu kämpfen, aber dennoch bin ich so froh um meinen Sohn und dass wir das gut überstanden haben. Und so langsam verjährt es ja auch... Ich hoffe, es geht dir ähnlich! Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für euch 🙂

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