Meine Geburt zu Corona Zeiten (Leider kein schönes Erlebnis)

Vor nun bald 10 Tagen kam mein kleiner Sohn auf die Welt.

Nach der Überweisung meines Frauenarztes zur Einleitung traf ich gegen 08:00 Uhr in meiner bis dahin absoluten Whnschklinik ein. Sowohl am Informationsabend, als auch bei einem früheren Besuch zur Abklärung vorzeitiger Wehentätigkeit hatte ich mich dort sehr gut aufgehoben gefühlt und ließ mir so auch durch den belastenden Zutand meinen Mann nicht mitnehmen zu können, die Stimmung nicht vermiesen.

Bereits nach dem Aufstehen hatte sich mein kleiner allerdings schon wie durch Zauberhand selbst entschieden, sich auf den Weg zu machen, denn meine Wehen wurden bereits auf der Fahrt regelmäßig und immer stärker. Nach dem ersten CTG war klar : Einleitung hat sich erledigt :) Ich war so bezaubert und glücklich dass mein kleiner seinen Startschuss nun doch selbst geben durfte und schrieb gleich meinem Mann, dass wir doch tatsächlich heute unser Baby bekommen.

Meine Wehen waren inzwischen so heftig, dasich immer lauter werden musste und auch die Häufigkeit stieg und stieg an. Als ich nach ca 4 Std mein Zimmer bezog, konnte ich bereits keine 3Schritte mehr laufen ohne zu schreien. also kämpfte ich mich in den Kreißsaal - nichtsahnend einem der schlimmsten Erlebnisse meines Lebens entgegen.

Ich wurde, ohne Aufklärung, an einen (wie ich nach mehrmaligem Nachfragen erfuhr) Wehenhemmer angeschlossen. "Sturmwehen" "Hyperfrequent" hieß es. Die nächste Untersuchung zeigte keine Produktivität am Muttermund. Also weiterhin im einsamen, leeren Kreißsaal ausharren und aushalten. Ein Glück hatte ich wenigstens von Zuhause mein Wasser dabei, angeboten wurde mir nichts. Eine zuständige Hebamme eher Fehlanzeige. Die kam eigentlich immer nur um das CTG an oder aus zu machen, Zugang zu legen und war ebenso schnell wieder weg. Ach doch sie schimpfte zwischendurch dass ich zu schnell atme. Was ein Wunder wenn einem sogar unter den Wehen verboten wird den Mundschutz abzulegen und man einfach kaum Luft bekommt. Aber da wardie Tür schon wieder im Schloss.

Nachdem das eine Weile so ging und die Aussicht auf vieleviele weitere Stunden versprach, mein Kind immernocn nicht im Becken war (zu viel Fruchtwasser) man mich regelmäsig entmutigte dass er eh zu groß Für mein Becken wäre und ich halt einfach schonmal die KS Unterlagen unterschreiben soll, verließ mich (einsam mit meinen Scgmerzen und Gedanken in einem kalten leeren Kreißsaal) der Mut und die Kraft. Weinend rief ich meinen Mann an und entschied mich, ihn holen zu lassen (worauf anscheinend jeder dort sowieso nur wartete)

Einmal vorsichtig die Hand gehoben waren plötzlich doch alle da und präsent. Der Kreißsaal füllte sich mit Menschen, in Windeseile wurden mir die Klamotten vom Leib gezogen, ich mitten in meinen Wehen aufs Rollbett quasi geworfen (hups da hängt ja noch das CTG , egal.) Katheter reingestopft während ich vor Wehenschmerz schrieh. Der Anästhesist kam herein und erzählte mir von der Spinalen. Ich erwähnte, dass ich aufgrund einer schweren Panikstörung eine Narkose attestiert habe, es gerne zunächst mit Spinaler probieren möchte mit Option auf Narkose wenn ich einen Anfall bekomme. Die Antwort fiel, Trotz Attest, vorab Gespräch mit Chefärztin und Anästhesie Leitung, ernüchternd direkt aus: Was ich will oder nicht sei ihm egal. Er entscheidet hier und ich bekomme eine Spinale und sonst nichts.
Den Tränen nahe, all diesen Menschen völlig ausgeliefert, fragte ich kleinlaut ob es wenigstens etwas homöopathisches für die Nerven gebe. Niemand antwortete. Es ging direkt in den OP.

Dort erwarteten mich 4x neu Abkleben und desinfizieren meines Rückens, weil nach 8 Stichen unter Wehen, Während mich drei Menschen unsanft in Position drückten, die Narkose immernoch nicht saß. Als ich wimmernd fragte wie lange ich das noch aushalten muss, hieß es knapp, es dauert solange wie es dauert. Stich 9 saß. Mehr schlecht als recht. Wenn mir überhaupt mal zugehört wurde, dann nur um mir zu sagen, dass es sicher nicht stimmt dass ich schmerzen habe und noch fühle was sie da machen, und nein, es war kein Vergleich zu dem unangenehmen Ruckeln meiner ersten Sectio (Fußlage). Es waren Schmerzen bis ins Mark, die mich schreien ließen. Im Nachhinein wünsche ich mir fast ich hätte eine Angst Attacke bekommen um wenigstens in mein eigenes Delirium flüchten zu können.

Mit dem Schrei meines kleinen Sohnes wurde alles besser. Ich wusste, er ist sicher. Ich wusste, Jetzt muss ich nur noch aushalten und werde diese Situation bald für immer verlassen.

Im Kreißsaal wartete mein Mann mit ihm auf mich, der für kurze Zeit Hallo sagen anreisen durfte.

Niemanden aus dem Team habe ich je noch einmal zu Gesicht bekommen. Meinem Mann erzählte man, es hätte einen Verdacht auf eine Plazenta Ablösung gegeben (nie davon gehört und soweit ich die Person bin von der sie reden, ICH hatte mich für den KS entschieden.... Sehr seltsam.)

Ich erfuhr zudem, dass die komplette Wöchnerinnen Station ausschließlich Kaiserschnittpatientinnen beherbergte. Welch ein Zufall?

Ich muss euch ehrlich sagen dass ich sehr stark das Gefühl hatte, die Situation, dass man dort völlig alleine ist, ohne Partner oder Bezugsperson, wird momentan in diesem Klinikum sehr stark ausgenutzt. Wie ein Mensch habe ich mich nicht gefühlt. Ehrr wie eine Kuh auf der Schlachtbank.

Ich kann euch nicht sagen, wie glücklich ich nach dem Eingriff war. Wir waren beide gesund und nie nie niemals wieder werde ich in diese Situation zurückkehren müssen. Nach drei einsamen Tagen mit meinem kleinen Engel auf Station im isolierten Einzelzimmer ließ ich mich von meinem Mann abholen.

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Das ist ja entsetzlich ...
Ich würde verstehen, wenn du nun einfach nur deinen Frieden willst. Aber ich persönlich finde, dass du dir das so nicht gefallen lassen musst. Wenn du dir einen Anwalt nimmst und für deine Rechte kämpfen würdest, dann würdest du allen Frauen einen großen Dienst erweisen.

Ich gratulieren dir trotzdem zu deinem Kind. Genießt nun eure gemeinsame Zeit.

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Vielen Dank. Tatsächlich spiele ich mit dem Gedanken, wenn etwas Zeit vergangen ist, die Sache dort nochmal zu thematisieren. Meine Geschichte hier zu teilen hilft mir sehr, denn mit der Zeit geraten viele Details sonst gerne mal in Vergessenheit. Und so habe ich es in dieser Form bereits niedergeschrieben und evtl. Erlebt jemand etwas ähnliches und fühlt sich weniger allein. Jetzt erhole ich mich mal von meiner OP und entscheide dann welchen Weg ich damit einschlage. Ganz liebe Grüße

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Bin mir auch, Trotz der schlechten Erfahrung, herzlichen Glückwunsch.

Ich würde mir den Geburtsbericht einfordern und dann auch überlegen, wie man dagegen vorgehen kann. Ggf auch Mal an Mother Hood wenden. Das ist genau das, wovor viele Frauen gerade in dieser Zeit Angst haben!

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Das ist ja schrecklich, was du erlebt hast. Irgendwie voll Menschenunwürdig, wie du behandelt worden bist. Wünsche dir und deinem Baby eine tolle Kuschelzeit. LG☺️

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Vielen lieben Dank! Ich habe den Trost, dass meine erste Sectio (BEL) so positiv verlief und vor Allem, dass rein medizinisch alles gut gemacht wurde. Mein kleiner und ich sind gesund und das ist, was ich mitnehme :) Alles andere kommt nicht wieder.

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Herzlichen Glückwunsch! Ich finde deinen Bericht unfassbar. Eigentlich müsste man da die Leute zu Rechenschaft ziehen. Dein Mann durfte bei der Geburt nicht dabei sein, aber wenn das Kind da ist? Durfte er nicht mit in den Kreißsaal? Ich wünsche dir, dass du das ganz schnell verarbeiten kannst.
Liebe Grüße

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Richtig er durfte nicht dabei sein. Wegen Corona Gefahr. Im Kreißsaal war ich ausschließlich allein. Mit Mundschutz den ich nicht abnehmen durfte. Ich durfte ihn auch vor der OP nicht sehen. Zunächst hieß es, wir haben Zeit und warten, nehmen dann wenn er da ist den nächst freien Platz (er hätte dennoch nicht mit in den OP gedurft) aber dann wollten sie doch lieber direkt loslegen. Erst nach der OP durfte er für eine Std im Kreißsaal seinen Sohn begrüßen und musste dann direkt wieder gehen. Er durfte mir nicht einmal die Koffer ins Zimmer bringen.

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Das tut mir so unfassbar leid für euch, ich kann dir gar nicht sagen wie sehr mich das wütend macht. Man sieht einfach wie hier Maßnahmen mit blinder Planik umgesetzt werden, die Familien im schlimmsten Fall traumatisierten und aus infektiologischer Sicht durchaus mal hinterfragt werden sollten. Mundschutz unter der aktiven Geburt - schön und gut, in Anwesenheit einer weiteren Person vielleicht! Aber ein einfacher Mundschutz, der sicher während der Geburt feucht wird durchs schwitzen schützt das Personal keinesfalls, sondern wiegt es nur in Sicherheit und ist pure Schikane an dieser Stelle! Ich habe mit Tuberkulose-Patienten gearbeitet, diese haben wir vor dem Eintreten ins Zimmer mit einer Klingel gewarnt, sodass sie dann ihre speziellen Masken aufsetzen. Natürlich herrschen in diesen Zimmer noch sndere technische Vorraussetzungen wie Luftabzug usw. und wir betraten das Zimmer in Schutzkleidung. Doch dass du ALLEINE unter der Geburt (wo war da bitte die Betreuung?!) dieses Ding aufsetzen solltest, unglaublich....
Es will auch nicht in meinen Kopf rein, wo der Unterschied sein soll, wenn man den Vater für nach der Geburt einbestellt, jedoch nicht vorher. 15 Minuten Face - to- Face - Kontakt reichen aus, um sich anzustecken. Konsequent wäre es doch (und das wünsche ich natürlich nicht!), dass man gänzlich die Begleitpersonen ausschließt, wenn es rein um die Verhinderung der Ansteckung des Personals geht!!? (Wobei, wenn man momentan sich das Infektionsgeschehen ansieht, die Gefahr eher vom Personal auf die Patienten und Angehörigen ausgeht...) Für mich ist das eine zusätzliche seelische Belastung und entgegen jeglicher offizieller Empfehlungen Frauen Schmerzen und psychischem Stress auszusetzen bis irgendwann fremdbestimmt die Begleitperson kommen darf.

Es ist unzumutbar einer frisch operierten Wöchnerin in die Lage zu bringen ihre Koffer selbst abzuholen. Wenn er das Haus betreten hat, wo ist das Problem, dass er das im Kreißsaal dann abstellt?

Das nützt dir alles nicht mehr, denn es ist bereits für euch leider so gelaufen. Ich wünsche dir viel Kraft das zu verarbeiten.
Deiner Familie und dir weiterhin alles Gute!

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Hey, es tut mir leid das du solch ein traumatisches Erlebnis hattest. Sicher wäre es anders ausgegangen wäre dein Mann dabei gewesen um für dich das Wort zu erheben.
Ich hatte vor 10jahren eine Sectio. Auch bei mir saß erst der 7. Stich jedoch habe ich alles in schönen, guten Erinnerungen.

Was ich dir nahe legen kann, fordere schriftlich aber formlos in dem Krankenhaus dein Geburtsbericht an. Dein Geburtsdatum und der Name des Kindes samt Geburtsdatum muss drauf stehen.
Jedes Krankenhaus ist dazu verpflichtet die Geburt zu dokumentieren und dies aufzubewahren. Auch die Aushändigung an dich stellt keine Probleme dar, es muss nur angefordert werden. Vielleicht ist damit einiges nachvollziehbar oder du hast zumindest eine schriftliche Bestätigung.

Ich wünsche dir für die Zukunft alles gute🍀

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Herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchs und fühl dich ganz soll gedrückt ❤
Es tut mir sehr leid ,dass du so ein schönes Erlebnis so schlecht in Erinnerung behalten musst . Bin momentan bei 37+4 und unser Zwerg könnte sich auch jeden Moment auf den weg machen . Mir graut es jetzt schon davor eventuell alleine da zu stehen . Bei uns dürfen die Väter mit in den kreißsaal, aber erst wenn der muttermund bei 5cm liegt( allerdings kann sowas ja auch dauern) . Ich habe selbst letztes Jahr im kreißsaal als Stationshilfe gearbeitet und weiss durch engen Kontakt mit den Hebammen wie es ablaufen kann ,wenn der kreißsaal mal voll ist . Für die Hebammen war es meist eine sehr große Hilfe die Väter mit dabei zu haben die ihre Frau versorgen . Vorallem unter so starken Schmerzen finde ich es überhaupt eine Frechheit eine Frau da so alleine zu lassen und sie mit Entscheidungen zu bombardieren die sie eventuell unter Schmerzen nicht selbst entscheiden kann . Gerade unter Schmerzen ist der Mann sehr hilfreich auch um den Überblick zu behalten . Ich verstehe ja ,dass in der jetzigen Zeit viele Maßnahmen getroffen werden müssen ,aber den Mann dan so auszuschließen und eine Frau unter starken wehen so allein zu lassen geht garnicht . Ich hoffe du/ihr erholt euch gut und genießt eure Ruhe zu Hause. So wie die Dame vor mir schon schreibt ,würde ich es auch nicht so auf mir sitzen lassen .Wobei ich auch bezweifel ,ob es was bringt ..da du ja Waracheinlich dsfür unterschrieben hast auch wenn es unter Schmerzen war. Die Krankenhäuser sind da sehr gut abgesichert . Ich denke ,dass da auch eventuell ein Gutachten nötig wäre ,dass du einen psychischen Schaden davon getragen hast . Durch die Krankenhaus wird ja nur zu sehen sein ,dass alles gut verlaufen ist und es Mutter/Kind gut geht .

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Um Gottes Willen, das ist ja grauenhaft!
Ich würde mir ernsthaft überlegen, das Klinikum wegen Nötigung und Körperverletzung anzuzeigen.

Ich bin absolut kein Fan von diesem ganzen Beschwichtigungsgelaber, dass ja alle nix dafür können usw. Ein Ärzte- und Hebammenteam, das SO arbeitet, hat komplett den Beruf verfehlt!!!

Das erinnert mich ein bisschen an meine Geburt,nur dass ich keinen Kaiserschnitt bekommen gab, aber das blöde Dahergerede der Hebamme und ignorieren meines Wehensturms sowie vollständiges Alleingelassen werden über Stundem sind schon eine Sache für sich.

Ich wünsche Dir alles Gute und nochmal: das darf nicht sein - auch nicht während einer Corona-Pandemie!

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Bitte kopiere deinen Text unter jeden Online-Beitrag der sich aktuell noch um das Kreißsaalverbot für Begleitpersonen dreht und Kämpfe für alle Frauen, die das ggf. sonst noch vor sich haben!!! 🙏

Deine Erfahrungen gehören eigentlich auch in eine Zeitung oder sogar auf den Tisch eines Anwalts, wie ich finde!

Ich hoffe für dich, dass du das schnell irgendwie vergessen kannst und nur das Gute dieses Tages in Erinnerung bleibt!

Alles Gute für euch!!

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Welche Klinik war es??

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Mein tiefstes Mitgefühl.
Es liest sich absolut grauenhaft!!!!
Umso mehr ziehe ich den Hut vor Dir, wie gut du damit umzugehen scheinst.

Wenn ich mir vorstelle, bei der Geburt meiner Tochter alleine gewesen zu sein.... Wahnsinn.
Bei mir gab es damals 3 Kreissäle, 4 Geburten und nur 1 Hebamme....
Da alle anderen Geburten schon weiter waren als ich, wurde ich in einen Nebenraum gelegt.... und für 6 Stunden quasi vergessen.... während ich mir die Seele aus dem Leib ko**** ... und schlimme Schmerzen hatte ...
DAS alleine.... unvorstellbar.

Wobei ich später erfahren habe, dass in dem Krankenhaus seit Jahren 8 Hebammenstellen mich besetzt werden....


An Deiner Geschichte entsetzt mich v.a. die Kälte der Ärzte / Schwestern....
keinen Patienten sollte man so wenig informieren und so abkanzeln.... aber eine Gebärende???????
Ich bin wirklich fassungslos.

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